Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 3 (Marzo, 1956)
- Date
- 1956-03-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Marzo, 1956 BOLETIN INFORMATIVO 13 i » AUS DEM GEMEINDELEBEN ZUM PROJEKT DES BAUES EINER SYNAGOGE Wie unseren Mitgliedern aus den Berichten ueber die letzten Sitzungen unserer Reprae sentantenversammlung bekannt ist, werden Direktorium und Repraesentanten- Kollegium der im April stattfindenden ordentlichen Generalversammlung das Projekt eines Neubaus einer kleinen Synagoge verbunden mit einem Jugendheim auf unserem eigenen Gelaende zur Beratung und Beschlussfassung vorlegen. Fuer alle diejenigen unserer Mitglieder, die mit unserer Arbeit und ihren Problemen vertraut sind, duerfte dieser Plan keine Ueberraschung bedeuten. Zwei Gruende sind es in der Hauptsache, die die Gemeindekoerperschaften veranlasst haben, sich in eingehendem Studium mit dem Projekt dieses Neubaus zu befassen. Zu unserer aller Befriedigung hat sich unsere Gemeinde in den letzten Jahren ueberaus rege entwickelt und sie ist zu einem Zentrum des juedischen Lebens fuer den ganzen Jishuv von Chile geworden. Es vergeht wohl im Laufe des Jahres kein Tag, an dem nicht in unserer Synagoge, die mit dem Gemeindesaal verbunden ist, irgend eine Veranstaltung stattfindet . So erfreulich diese Tatsache an sich ist, haben sich jedoch Schwierigkeiten, ja sogar Unzutraeglichkeiten herausgestellt. Der Umstand, dass notwendigerweise in unserem Synagogensaal nicht nur Gottesdienste, sondern auch soziale Veranstaltungen, wie z. B. Baelle, Kermesse, Kongresse, etc. stattfinden, hat das religioese Gefuehl vieler unserer Mitglieder — und nicht nur orthodoxer, sondern auch liberaler — verletzt. Auch im Hinblick auf die juedische Erziehung unserer Kinder erscheint es uns wichtig, sie daran zu gewoehnen, in einer Synagoge eine Betstaette und keinen profanen Z'wekken dienenden Raum zu sehen. Andererseits sind aber diese sozialen Veranstaltungen fuer die Entwicklung unserer juedischen Arbeit und fuer die Aufrechterhaltung unserer Gemeinde notwendig und wir koennen nicht auf den Charakter unseres Hauses als ein Bet Am — Gemeindehaus — verzichten. Der zweite Grund fuer dieses Projekt ist die Tatsache, dass fuer unsere Jugend gegenwaertig in unserem Hause nicht die fuer sie notwendigen eigenen Raeume vorhanden sind. Die Jugend muss, wenn sie ihre Arbeit erfolgreich durchfuehren soll, diese in eigenen Raeumen entwickeln koennen. Das Jugendproblem steht fast auf jeder Tagesordnung unserer Repraesentantenversammlung und ist in den letzten Monaten besonders eingehend studiert worden. Wir sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass es fuer die Zukunft unserer Gemeinde unbedingt notwendig ist, der Jugend in unserem Hause Raeume zu schaffen, in denen sie ihr Eigenleben fuehren kann. Aus all diesen Gruenden legen wir der Gemeinde das Projekt des Neubaus einer kleinen Synagoge vor, die 144 Maennerplaetze, 96 Frauenplaetze sowie Plaetze fuer 4 Funktionaere enthalten soll, und somit fuer die Gottesdienste mit Ausnahme der hohen Feiertage ausreichen. Die Synagoge selbst ist 230 qm, die Frauenempore 115 qm gross. Die im Subterraneo liegenden Raeume fuer das beabsichtigte Jugendheim haben Tageslicht und umfassen ebenfalls 230 qm, also Raum genug, um mindestens 5 schoene geraeumige Zimmer zu schaffen. Mit diesem Vorschlag wollen wir eine Betstaette schaffen, die eine ausschliessliche Synagoge im Sinne unserer juedisch-europaeischen. Tradition sein soll und zugleich die Zukunft unserer Gemeinde in religioeser und nationaler Hinsicht sichert. Unsere Gemeinde hat in den Jahren ihrer Existenz schon vieles geschaffen und ihre Arbeit wird auch draussen in der juedischen Welt weitgehend anerkannt und als Vorbild gewertet. Dies alles haben wir nur dadurch erreichen koennen, dass unsere Gemeindemitglieder in aufopferungs voller Weise die Gemeindekoerperschaften in ihrer Arbeit unterstuetzt haben. Sie haben unter Beweis, gestellt, dass da, wo ein Wille vorhanden ist, es auch einen Weg gibt. Wir sind ueberzeugt davon, dass unsere Gemeindemitglieder uns auch diesmal helfen werden, diesen Plan durchzuf uehren. Die Bauplaene liegen unseren Mitgliedern in den Buerostunden zur Einsicht aus. ZUM HINSCHEIDEN VON ISIDORO DIMANT Der Jishuv von Chile ist in den letzten Monaten durch das Hinscheiden fuehrender Persoenlichkeiten schwer betroffen worden. Nach dem schmerzlichen Verlust von Guillermo und Leon Arensburg, deren wir in den vergangenen Nummern des Boletín Informativo gedacht haben, betrauern wir nunmehr Isidoro Dimant (s.A.), Praesident des Comité Representativo de la Colectividad Israelita de Chile. Es gibt wohl nur wenige, die nicht irgend wann einmal mit ihm in Verbindung getreten sind, sei es im gesellschaftlichen Leben des Jishuvs, sei es um einen Rat von ihm zu erhalten. Und jeder empfand das warme Herz und die Guete, die von ihm ausstrahlte. Isidoro Dimant war nicht nur ein wuerdiger Repraesentant unseres Jishuvs durch seine aeussere Gestalt, sondern auch durch die Ideale, die ihn beseelten. Er war ein Kaempfer fuer die “Kehilla”, die grosse juedische Gemeinde Santiago de Chiles, eine Vision, die ihm in seiner Arbeit staendig fuer den Jishuv als Ziel vorschwebte. Einheit dar das treibende Ideal seines Wirkens. Sein Hinscheiden hat eine wohl nur schwer ausfuellbare Luecke in unserer Arbeit fuer die juedischen Gemeinden Chiles und Medinat Israel hinterlassen. Vor allem haben wir Juden der letzten Emigration in ihm einen wahren Freund verloren, der unsere Arbeit stets schaetzte, uns mit Rat und Tat zur Seite stand und in schweren Stunden manchem unserer Freunde geholfen hat. Direktorium und Repraesentanten-Kollegium der Sociedad Cultural Israelita “B’ne Jisroel” sprechen auch von dieser Stelle aus der schwergeprueften Gattin, ihrer Familie und dem ganzen Jishuv von Chile ihr Beileid aus. Wir werden das Andenken Isidoro Dimants, der unserer S. C. I. ein besonders warmer Freund war, stets in Ehren halten. Wir verausgabten im vorigen Monat fuer Barunterstuetzungen, Barzahlungen, Arzt-, Arznei- und Krankenhauskosten, Schul und Berufsausbildungsbeihilfen, sowie fuer die Unterhaltung unseres Altersheims, ausschliesslich der ’ laufenden Buerounkosten $ 1.170.503. Santiago, 15. Februar 1956. CISROCO. Comité Israelita de Socorros. CASACAS fuer Kinder und Erwachsene FABRIKANT: ENRIQUE SCHOCKEN Ahumada 131 — Oficinas 404 y 315 En gross und detail. Besuch im Kibbuz Ramot Mcnasche: LUIS HERNANDEZ PARKER IN ISRAEL Junge und alte Chilenen im Kibbuz Ramot Menasche (Haschomer Hazair) sind in Aufregung. Ein hoechst er- Wuenschter, prominenter Gast ist angekuendigt: Luis Hernández Parker, chilenischer Journalist, Kommentator und Schriftsteller von internationalem Ruf, der sich auf Einladung unserer Regierung fuer kurze Zeit in Israel aufhaelt. In fieberhafter Eile werden an einem grauen Arbeitstage die Vorbereitungen getroffen; geht es doch darum, den hervorragenden Publizisten, den wir alle aus seinem Wirken in Presse und Radio aus Chile kennen, wuerdig zu empfangen. Ein bescheidenes “almuerzo a lar-chilena”, bei dem “empanadas de horno” und feuriger “Alicante schel Israel” an Stelle des klassischen “Tinto” nicht fehlen, steht bereit, als Hernández Parker im Auto bei uns eintrifft. Er kommt von einem dreimonatigen Aufenthalt in den U. S. A., aber nichts von der Blasiertheit oder Arroganz vieler anderer Sight-seeing- Touristen aus der neuen Welt ist bei ihm zu spueren. Schlicht und herzlich, natuerlich, fast bescheiden tritt er uns gegenueber, laesst er die Eindruecke auf sich wirken, die er in seiner gewandten Rhetorik wiederzugeben weiss. Erst seit wenigen Tagen ist er in Israel, aber: was hat er schon alles gesehen, was in sich aufgenommen und geistig verarbeitet! Das erfahren wir deutlich bei einer “charla”, die er uns abends in unserem schoenen Kulturhaus gibt, nachdem er den Nachmittag zu eingehendem Studium unseres Kibbuz’ unter sachverstaendiger Fuehrung und zur Besichtigung der Nachbarkibbuzim drueeke, die keineswegs unbenutzt hat. Wir hoeren ein kritisch, aber doch voll warmer Sympathie und tiefem Essay ueber seine ersten Ein- Verstaendnis fuer'die schwierigen Probleme unseres Landes sind. Sieht Hernández Parker vieles auch als Neutraler und Nichtjude von einem anderen, sozusagen objektiveren Standpunkte aus, so beruehrt seine hundertprezentig positive Einstellung, seine restlose Bewunderung unseres Aufbauwerks und seiner Organisation doch besonders erfreulich. Auf unseren Wunsch gibt uns Hernández Parker dann noch interessante Streiflichter ueber die allgemeine Entwicklung in Chile mit vielen humoristischen Details, die man in dieser Form eben nur aus dem Munde dieses geistvollen Kommentators hoeren kann. Nach den ueblichen Photos und allen guten Wuenschen fuer den nun folgenden Trip in das Land von Tausend und einer Nacht verabschieden wir uns von dem illustren Gast in der Ueberzeugung, in ihm einen warmherzigen und tatkraeftigen Sehaliach fuer unsere Sache in Chile zu haben. Curt Schulvater. DER MUCHTAR... habe. Aber mit der unbegreiflichen Laune der Goettlichkeit habe er gleichzeitig seine eigenen Felder tausendfach gesegnet, trotzdem er vollkommen unwissend sei in allem, was Landwirtschaft betreffe. Nun bringe er ihnen ein Geschenk, damit sie die schlimme Zeit ueberbruecken koennten. Aber bevor er noch seine Rede beenden konnte, hatte die dicke Frau, die bereits ganz erhitzt und ermuedet war von all den Vorbereitungen zum Pessachfeste, den Sack voll Brot gepackt und in den Hof hinausgeworfen. Die Pitah-Brote rollten heraus und lagen verstreut auf der Erde, wie Schildkroeten im Sommer auf den Bergabhaengen. Musa Fuad bueckte sich, hob ein Brot nach dem anderen wieder auf, das Brot, das seine Frau gebacken hatte, und das beruehmt war im ganzen Bezirk, bis Nazareth. Er legte sie sorgfaeltig zurueck in den staubigen Sack und bestieg sein Pferd. Langsam ritt er zu den heimatlichen Blechhuetten zurueck und sein Herz war voll bitterer Gedanken. „So sind also die Juden. Ihr Stolz ist so gross dass sie meine Hilfe nicht annehmen koennen. Sie verhungern und wollen es nicht zugeben. Sie koennen es nicht ertragen, dass ich von ihrer Armut weiss. Seltsam sind die Sitten der Yahoud”. Aber er war noch nicht (Fortsetzung von Seite 5) lange geritten, als Eytan, der Schafhirte, hinter ihm hergaloppiert kam. „Halt, halt! Musa Fuad!” schrie er. Und als der Muchtar anhielt und ihn mit grosser Wuerde und voll beleidigtem Stolz entgegenblickte, sprach er demuetig: ,Ritte, achte nicht auf dieses boese, dicke Weib. Ihr Mann liebt sie nicht und ihre sechs Toechter sind alle unverheiratet. Aber wir, deine Freunde, bitten dich, als Gast zu unserem Feste zu kommen das wir unseren Vaetern zu Ehren feiern”. Und so geschah es. Als der Kibbuz seinen ersten Seder feierte, sass Musa Fuad mit mehreren seiner Dorfgenossen zwischen den froehlichen, festlichen Juden. Gemeinsam assen sie die Matza, das Brot der Armut in Aegypten, gemeinsam verwuenschten sie die Aegypter, gemeinsam tranken sie die Glaeser voll suessen Karmelweins, hochgefuellt bis zum aeussersten Rand. Und Musa Fuad und seine Stammesbrueder laechelten einander an, assen das gebratene Huhn und die saftigen „Kneidlech” und seufzten: „Ya Allah, die Sitten der Yahoud sind seltsam... aber angenehm!” (JERUSALEM-POST, deutsche Fassung: „Das Neue Israel”, Zürich).