Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 2 (Febrero, 1956)
- Date
- 1956-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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R COACCION» 6.C.I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL. CIO. TEL. 3309« CASILLA 2487. SANTIAGO CHIUS BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O C I E p A D C U L t tí R Al I S RAE LITA " B * N E J I SR'OE L " AÑO XVIII — N.o 2 SANTIAGO DE CHILE Febrero 1956 HEINRICH HEINE Zu seinem 100. Todestage von Dr. Erich Bry! Am 17. Februar dieses Jahres werden 100 Jahre vergangen sein, seit Heinrich Hei- ■ ne nach einer qualvollen Agonie von vollen 110 Monaten in seiner Matratzengruft, wie er ¡selber es pannte, von seinen Leiden erloest worden ist. Aus diesem Anlasse wird seiner neberall gedacht werden, wo Juden wohnen, denen Kunst und Dichtung noch einen Lebensinhalt bedeuten; ueberall dort, wo Juden an der Geistesgeschichte ihres Volkes interessiert sind. Vielleicht wird man «ich an diesem Tage auch in Deutschland des Dich, ters der Loreley erinnern; denn Hitler konnte auch dort das Andenken an diesen Mann ¡nicht ausloeschen, wenn auch in den Gedichtbuechern “des 1000-jaehrigen Reiches” die (Loreley mit dem Vermerke “Verfasser unbekannt” erscheinen musste. Ob man wohl auch jin Frankreich des Mannes gedenken wird, der “Das Buch Le Grand” geschrieben hat, der mit 'deir Person Napoleons einen wahren Kult trieb und der einen grossen Teil seines Lebens daran arbeitete, ein besseres Verstaendnis zwischen Frankreich und Deutschland rherbeizufirellven? Wie dem auch sei: wir Juden sind die Naechsten, um diesen Gedenktag zu ¡begehen. Denn trotz seiner so viel diskutierten Taufe blieb Heinrich Heine im Geist.: und im Herzen Jude; er hat sich bis zu seinem Lebensende, und ganz besonders an seinem Lebensende, stets offen zum Judentum bekannt. Viele Probleme seines angeblich zerrissenen Wesens, seiner Ironie und seines Zynismus loesen sich von selber, wenn man in^ibiä nicht den Fuehreir “des jungen Deutschland”, sondern den Juden in der zweiten ¡Generation des Emanzipations - Zeitalters sieht. Beide Eltern des Dichters . stammten aus guten juedi. schen Familien. Der Vater Samson gehoerte zu den : Gruendern des Philantropins <tn Frankfurt. Aber das ist; auch das Einzige, was man in geistiger Beg ehung von ihm weiss. So unglaublich es -klingt, so ist es doch eine - Tatsache, dass er die Werke seines Sohnes ' niemals gele. - sen hat. Auch in seinem kauf- - inaehnischen Leben war' er ein Versager. Heinrich machte sich denn auch ueber die Persoenlichkeit seines Vaters keine Illusionen, und in seinen Werken hat er ihn nicht erwaehnt. Aber nichtsdestoweniger hatte er die zaertlichite Liebe fuer ihn und hat ihm (die liebevollste Erinnerung bis an sein Lebensende bewahrt. Viel bedeutsamer war das Verhaeltnis des Dichters zu seiner Mutter; die hatte ihm . viel mehr zu geben als der Vater. Peierle Embden — so hiess das junge Maedchen, und erst spaeter als Frau nannte sie sich Betty — hatte geistige Interessen und * «in feines Gefuehl fuer die fchoenen Dinge des Lebens. Von ihr wissen wir. dass sie die Werke ihres Sohnes ge. lesen ha't. Eine Anregung zu '«feinem Schaffen fand er -freilich nicht bei ihr und .glich kein vollkommenes Verstaendnis fuer seine Arbeit, “kleine Mutter”, so schrieb Heine an seinen Freund Moser, “hat meine Lieder und die Tragoedien gelesen, aber sie bedeuten ihr garnichts”. •®ein Aerger darueber war nur voruebergehend. Er wusste, dass seine Mutter eine Liebe fuer ihn hatte, die wir mit Stolz die juedische .Mutterliebe nennen koennen. Vielleicht verstand sie die Bedeutung und die Schoen. heit seines Werkes nicht, Aber mit muetterlichem Ver. «taendnis umfasste sie den ■mm Wm ganzen Menschen. Das wusste der Dichter, und er erwiderte ihr mit einer ruehrenden Sohnesliebe, wie sie ln «einen Werken und besonders in seinen Briefen zu ergreifendem Ausdruck kommt. Waehrend seines schwersten Siechtums tat er alles, um sie zu schonen, schrieb ihr vergnuegt und humoristisch und suchte es so darzustellen, als ob es ihm bis auf einige unbedeutende Kleinigkeiten ganz ausgezeichnet ginge. Er, der immer in Geldnot war, schickte der Mutter mit zaerthehen Vorweurfen die 1000 Mark zurueck, die sie ihm ueberwiesen hatte. Verwickelter ist das Ver. '% \ ■* " : ¥Ä*V / W'&V' mm mm haeltnis des Dichters zu seinem Onkel Salomon und dessen Familie. Der reiche Bankier in Hamburg war der Wohltaeter zahlreicher armer Verwandter und beson. ders der Familie seines Bruders Samson. Ueber den Dichter hat er sein ganzes Leben lang seine sebuetzende Hand gehalten und auch fuer den Fall seines Todes seiner nicht vergessen. Aber verstanden hat auch er den genialen Dichter nicht. Einmal begoennerte er ihn, ein anderes Mal behandelte er ihn als einen dummen Jungen und titulierte ihn auch entsprechend. Was Heinrich Heine in dem schlossartigen Hause seines Onkels in Ottensen am meisten anzog und ihn alle Demuetigungen — wirkliche und vermeintliche erdulden liess, das war seine Jugendliebe, Salomons schoene Tochter Amalie. Als Salomon sie einmal bei einem kurzen Besuche nach Duesseldorf mitbrachte, hat* te Heinrich sich in das reizende Maedchen mit allem Ungestuem seiner Dichterseele verliebt und konnte glauben, wieder geliebt zu werden. Aber als er zwei Jah- (Fortsetzung Seite 8) BELSAZER Von HEINRICH HEINE Die Mitternacht zog naeher schon; In stummer Ruh’ lag Babylon, Nur oben in des Koenigs Schloss, ' Da flackert’s, da laermt des Koenigs Trogs. Dort oben in dem Koenigssaal Belsazer hielt sein Koenigsmahl. Die Knechte sassen in schimmernden Reihn Und leerten die Becher mit funkelndem Wein. i Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht’; So klang es dem stoerrigen Koenige recht. Des Koenigs Wangen leuchten Glut; Im Wein erwuchs ihm kecker Mut. Und blindlings reisst der Mut ihn fort, Und er laestert die Gottheit mit suendigem Wort. Und er bruestet sich frech und er laestert wild; Die Knechtenschar ihm Beifall bruellt. < Der Koenig rief mit stolzem Blick; j Der Diener eilt und kehrt zurueck. j Er trug viel guelden Geraet auf dem Haupt; 1 Das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt. I Und der Koenig ergriff mit frevler Hand Einen heiligen Becher, gefuellt bis am Rand. Und er leert ihn hastig bis auf den Grund , Und er rufet laut mit schaeumendem Mund: - "Jehova! dir kuend’ ich auf ewig Hohn,— I Ich bin der Koenig von Babylon!” j Doch kaum das grause Wort verklang, Dem Koenig ward’s heimlich im Busen bang. -j Das gellende Lachen verstummte zumal; Es wurde leichenstill im Saal. i Und sieh! und sieh! an weisser Wand, j Da kams hervor wie Menschenhand;! \ Und schrieb und schrieb an weisser Wand! Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand. Der Koenig stieren Blicks dasass Mit schlotternden Knieen und totenblass. ' Die Knechtenschar sass kalt durchgraut Und sass gar still, gab keinen Laut. i Die Magier kamen, doch keiner verstand i Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.; Belsazer ward aber in selbiger Nacht Von seinen Knechten umgebracht.