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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-12-01 · 12 (Diciembre, 1955) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
12 (Diciembre, 1955)
Date
1955-12-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Diciembre, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 13 DER “FORTSCHRITT” jW ARABIEN Koenig Saud Ibn Abdelaziz von Saudiarabien steht am Scheidewege. Soll er in seinem Lande auf allen Gebieten, besonders aber auf dem sozialen, Reformen einfuehren, die mit der raschen Entwicklung des Atomzeitalters Schritt halten, oder soll er versuchen, das Rad der Geschichte zurueckzudrehen auf den Stand, wie er vor einem halben Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel herrschte? Nachdem sich in den letzten Monaten immer schaerfer eine Widerstandsbewegung abzeichnete, die das bestehende Regime stuerzen will, weil es “den Reichtum des Landes in verantwortungsloser Weise vergeudet und das Volk darben laesst”, draengten die Ratgeber des Koenigs darauf, er solle sich einer Gruppe von Menschen bedienen, die ihm blind ergeben sind, und sie mit der “Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung’’ im Lande beauftragen. Da Teile des Offizierskorps der Armee fuer schuldig befunden wurden, der Widerstandsbewegung anzugehoeren, die sich selber “Nationale Reformfront” nennt, Hessen die Maenner um Koenig Saud die Ichwan aus dem Nedschd nach den beiden Hauptkrisenherden, dem Hedschas und der Provinz El -Hasa am Persischen Golf, entsenden. Ichwan bedeutet “Brueder”. Heute verstent man darunter eine irregulaere Truppe, die sich aus den in einer religioesen Bruderschaft zusammengefassten, zum Teil sesshaft gemachten Angehoerigen der Beduinenstamme der Landschaft Nedschd rekrutiert. Eine Elitetruppe innerhalb der Ichwan ist der “Ausschuss derer, die das Rechte gebiete und das Unrechte verbiete”. Er leitet seinen Namen aus Sure 9, Vers 71, des Korans her: “Und die Glaeubigen, Maenner und Frauen, sind einer des anderen Freund. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte. Sie verrichten das Gebet und zahlen die Almosen und die Steuern und gehorchen Allah und seinem Gesandten. Sie sind es, deren Allah sich erbarmen wird... ”, Diese Elitetruppe, die scherzhaft “Schurtat es Sama" (Polizei des Himmels) genannt wird, ist —• wie eine anonyme Persoenlichkeit der Beiruter Zeitung “Al-Haya” schreibt — mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet. “Sie darf jeden Ort, ja, jede Wohnung betreten und ist berechtigt, jeden saudischen Untertan zu verhaften und unter Anklage zu stellen und j sogar sein Vermoegen einzuziehen... Sie begruendet ihre Anklage durch “unanfechtbare himmlische Offenbarung im Namen Allahs und des Islams”. Die “Himmelspolizei” besitzt nach “Al-Hayat” in ihrem Einsatzgebiet die gesetzgebende, richterliche und vollziehende Gewalt. Ihr Etat betraegt angeblich zehn Millionen Ial im Jahr. Obgleich eine drakonische Zensur dafuer sorgt, dass keine Einzelheiten ueber die Taetigkeit des Ichwan an die Aussenwelt dringen, berichten zuverlaessige Quellen ueber Massenverhaftungen. Aus dem Ausland appellieren saudiche Persoenlichkeiten in offenen Briefen, die vorzugsweise in der libanesischen Presse veroeffentlicht werden, an den “guten und lauteren Koenig Saud” die Vollmachten der Ichwan einzuschraenken und durch gerechte Reformen die Lage in Saudi-Arabien zu stabilisieren. Dagegen fordern die Maenner um den Koenig noch weitergehende Vollmachten fuer die Ichwan, die als einzig zuverlaessige Truppe bezeichnet werden, nachdem die Armee, deren Offizierskorps aus “aufgeklaerten und gebildeten Elementen” besteht, durch ihre Verbindung zu der Widerstandsbewegung in Verruf geriet, denn “Bildung in westlichem Sinne verdirbt die junge Generation”. Dieser von den Ichwan und Ratgebern des Koenigs aufgestellte Leitsatz hatte ein koenigliches Dekret zur Folge, durch das alle jungen Saudi-Araber, die ihre Mittelschulbildung ausserhalb der Heimat geniessen, heimbeordert wurden. Auch ein verschaerftes Bilderver bot. das feuerzlich, erlassen wurde, wird auf den Einfluss der Ichwan zurueckgefuehrt. Die einzige in Saudi-Arabien erscheinende Illustrierte “Er- Riad” musste ihr Erscheinen einstellen und die einheimische Presse darf nicht laenger Bilder des Koenigs, von Mitgliedern der koeniglichen Familie oder von Persoenlichkeiten der arabischen und islamischen Welt veroeffentlichen, Nur noch in den Kanzleien der saudischen diolomatischen Vertretungen im Auslande wurden die Bilder des Koenigs belassen. Koenig Saud Ibn Abbelaziz steht vor schweren Entscheidungen. Ihm ist es nicht gegeben, sich wie jener Kalif aus Bagdad verkleidet unter sein Volk zu mischen, um die Leiden und Noete seiner Untertanen aus eigener Anschauung kennenzulernen. Er ist vielmehr auf die Berichte und Darstellungen seiner Ratgeber angewiesen. Haeufig berichten sie ihm nur, was ihrem eigenen Interesse dienlich ist. (“Argentinisches Wochenblatt”). in die hoechste Ebene getragen, indem er die Kanzler der Grossmaechte in Paris, Genf und jetzt, in Washington persoenlich aufsucht. Die interne Front wird in jeder Beziehung konsolidiert, was ja in Fragen der Landesverteidigung noch nie problematisch war, da sich darin alle Parteien einig sind. Das | Gefuehl der Zuversicht aber, das man trotz aller bitteren Enttaeuschungen haben darf, beruht nicht nur auf dieser inneren Staerke und Dynamik des Staates, sondern auf zwei Tatsachen, die eine Isolierung Israels illusorisch machen. Die eine ist die vorlaeufige Schwaeche, trotz aller Waffenkaeufe, seiner Feinde. Wer ist denn dieser Nasser ueberhaupt? Ein Mussolini vielleicht, dessen “acht Millionen Bajonette” von dem kleinen Griechenland i n Schach gehalten wurden? Noch nicht einmal. Und sein Aegypten? Eben doch nur ein Land, das die gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Probleme seines prae-kapitalistischen Systems in diesem Atom-Zeitalter ebenso wenig loesen kann wie ein ABC - Schuetze eine Integral- Rechnung. Wieviel von dem ganzen Aufwand geht durch Parade - Ostentation, durch Unfaehigkeit, durch Korruption verloren! Wieviel durch den unvermeidlichen, kommenden Machtkampf, in dem ein Machthaber den anderen abloesen wird, bis er selbst ins Gras beissen muss? Der zweite Faktor, der uns Israels Isolierung! verneinen laesst, ist der in der bisherigen Aufzaehlung VERGESSENE ALLIIERTE die Juden in der gesamten freien Welt. Israels Grenzen sind nicht am Roten Meer und am Jordan, am Mittelmeer und bei Metulla. Sie sind wenn noetig —und heute ist es noetig—, in Bronx und in Whitechapel, in Johannesburg und Toronto, am Tigre und am Mapocho. Israel ist kein Kleinstaat von anderthalb Millionen Menschen. In den Fragen von Leben und Tod vervielfacht sich diese Kraft. Die Juden aller Herren Laendert, mit aller wirtschaftlichen, politischen und moralischen Kraft, die sie besitzen, stehen heute zu Israel, Ja, wir scheuen uns nicht, dies laut und deutlich einzugestehen, auch unseren Feinden gegenueber. Man hat uns —seit den “Protokollen der Weisen von Zion” —immer wieder vorgeworfen, dass wir die Weltherrschaft an uns reissen wollten. Gelegentlich haben wir uns der Muehe unterzogen, diesen Bloedsinn zu widerlegen. Es gibt keine juedischen Weltherrschaftsplaene und wenn es je welche gegeben haette, so waeren auch unsere —nie zu einem solchen Zweck vereinigten— Kraefte zu schwach. Aber zur Erhaltung, zum Aufbau und zur Festigung unseres nach zwei Jahrtausenden unter schwersten Opfern wiederer. rungenen Staates: dazu sind sie stark genug! Auch wir Juden am Ende der Welt stehen Wacht an Israels Grenzen und siehe: “Er schlaeft und schlummert nicht, der Hueter Israels!” MACBEETH 4. DIE NEUE REGIERUNG DAVID BEN GURION — Ministerpraesident und Verteidigungsminister; MOSCHE SCHARET — Aussenminister; LEVI ESCHKOL — Finanzen; SALMAN ARAN — Erziehung und Kultur; MORDECHAI BENTOW — Entwicklung; Dr. JOSEF BURG — Post; ISRAEL BARSILAI — Gesundheit; ISRAEL BAR JEHUDA — Innenminister. MOSCHE CARMEL — Verkehr; KADISCH LUS — Landwirtschaft; GOLDA MEIERSON — Arbeit; PEREZ NAPHTALI — Minister ohne Portefeuille; PINCHAS SAPIR — Handel und Industrie; PINCHAS ROSEN — Justiz; BEHOR SCHITRIT — Polizei; MOSCHE SCHAPIRO — Religion und Wohlfahrt. Der neuen Koalitionsregierung gehoeren 5 Parteien an: Mapai (9 Minister), Achdut Awoda (2), Mapam (2), Misrachigruppen (2) und Progressive (1). Eine weitere Oeiquetie Ein zweiter Fund von Petroleum wurde am Morgen des 12. Oktober bei dem Bohrloch in Cheletz festgestellt. Diese Fundstelle befindet sich in einer groesseren Tiefe als die, welche vor kurzem entdeckt worden ist. Die neue Fundstelle weist ein viel groesseres Vorkommen auf. Die beiden Erdoelgesellschaften, die bei Cheletz schuerfen. haben eine gemeinsame Bekanntmachung herausgegeben, aus welcher sich ergibt, dass der sogen. Johnston-Test um 8 Uhr morgens gemacht wurde, und dass das Petroleum bereits um 8 Uhr 30 gefunden worden ist. Nur eine halbe Stunde spaeter trat das Oel auf die Erdorberflaeche, dass sofort in besondere Behaelter geleitet wurde. Die neue Fundstelle befindet sich in einer Tiefe von 1.650 Metern. Die ersten Feststellungen, haben ergeben, dass die beiden Petroleumlager nicht miteinander in Verbindung stehen. Auch nimmt man an, dass das neue Petroleum vor noch besserer Qualitaet ist Die ersten Proben wurden bereits in das Weizmann- Institut gebracht, wo man die genaue Analyse machen wird. Auf einer besonders einberufenen Pressekonferenz erklaerte der Entwicklungsminister, dass die neuen Funde die allgemeine Buche nach Petroleum angeregt haben. Man ist jetzt dabei, die Bohrungen an ganz anderen Stellen zu beschleunigen. Durch den Test wurde ein enormer Geiser hervorgerufen, das Petroleum schoss in einem dicken Strahl aus der Erde, der immer noch sprudelt. Das Oel wird in Behaelter abgeleitet, die sich in kur zer Entfernung von der Fontaene befinden, Dr. Joseph sagte, man koenne noch nichts ueber die Menge dieseg Erdoellager sagen. Auch sei die Quilitaet noch nicht genau untersucht. In wenigen Tagen werde man ein genaueres Bild ueber alle Einzelheiten haben. Schliesslich teilte der Minister mit, dass neue Bohrungen im gleichen Gebiet bereits im Gange sind. Die Nachrichten ueber die neuen Funde haben allgemeine Genugtuung hervorgerufen. Wieder waren grosse Bewegungen an der Boerse zu beobachten. (I. T. A.). Demonstration der In einer spontanen und v o 11 k ommen unerwarteten Demonstration haben tausende israelische Buerger aller gesellschaftlichen Kreise und Schichten dem Verteidigungsminister Betraege uebersandt oder persoenlich ueberbracht, damit Waffen fuer Israel gekauft werden koennen. Die Reaktion des Volkes auf den Appell, den der Premierminister Sharett an die Juden in der Welt gerichtet hat, die Aufruestung Israels zu unterstuetzen, zwang die Regierung zu eiligen Massnahmen, sofort Spezialkonten auf allen Banken fuer diesen Zweck zu eroeffnen. Auch alle Postanstalten mussten angewiesen werden, die dort eingezahlten Gelder auf Sonderkonten zu legen. Das Verteidigungsministerium und die Post wurden mit Zahlungen ueberschuettet. Nach den ersten Schaetzungen sind bereits tausende Zahlungen geleistet worden. Hunderttausende Pfunde sind bereits eingegangen. Die Aktion begann in Tel Aviv und in Petach Tikwah, wo die Arbeiter einer Fabrik beschlossen, den Lohn eines Tages fuer den Ankauf von Waffen zur Verfuegung zu stellen. Viele dieser Beisteuerungen wurden direkt an den Verteidigungsminister Ben Gurion adressiert. Diese Aktion hat in der Bevoelkerung einen so starken Widerhall gefunden, dass bereits jetzt alle Voraussagen in der Knesset ueber den Haufen geworfen wurden. Das Kabinett trat zu einer Eil Sitzung zusammen, um im Angesicht der Begeisterung der Bevoelkerung die erforderlichen Massnahmen zu beschliessen. (I. T. A.)

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