Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1955)
- Date
- 1955-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre, 1955 BOLETIN .INFORMATIVO 5 Betrachtungen zu Chanukkah von Schalom Ben Chorin In den Zeiten des Untergrundkampfes gegen das britische Mandats - Regime im Lande konnte man oft von ungekannter Hand an die Hausmauern geschrieben finden: “Lo Vichy welo Massada, ela Modiin”. Es war dies, vielleicht, der wirkungsvollste Slogan der Untergrundbewegung. Was meinte dieses Wort, das eine zeitgenössische und zwei historische Reminiszenzen umschloss: “Nicht Vichy und nicht Massada, sondern Modiin”. Vichy, der Amtssitz der verraeterischen iranzoesischen Regierung des Marschall Petains, war der Inbegriff der Kollaboration, des Zusammengehens mit dem Feinde geworden. Diese Haltung der Nachgiebigkeit gegenüber Staerkeren wurde verworfen. Massada aber ist der Inbegriff des heroischen Unterganges. Im Jahre 72, zwei Jahre nach der Zerstoerung des Zweiten Tempels erst, fiel die Festung Massada, am Westufer des Toten Meeres, den roemischen Zwingherren in die Hand. Aber, sie fanden nur noch Leichen; hatten doch die heldenmütigen Verteidiger sich selbst entleibt. Aber auch diese Haltung des “schoenen Todes” wurde abgelehnt. Nicht Feigheit und nicht Untergang, sondern Sieg und Leben war die Loesung. Und das Symbol fuer diese Haltung des Widerstandes war Modiin, die Stadt der Makkabaer. Im Jahre 167 vor der ueblichen Zeitrechnung brach von Modiin aus, einem kleinen Bergstaedtchen in der Nahe von Ludd, an der Strasse von Jerusalem nach Tel Aviv gelegen, de r Aufstand der Makkabaer gegen Antiochus IV., Epiphanes von Syrien los. Aber nicht nur gegen den syrischen Fremdherrscher wendet sich die makkabaeische Erhebung, sondern vorwiegend gegen die juedischen Assimilanten, die Hellenisten die mit den Syrern paktierten, gegen “Vichy” also. Aber nicht im Geiste Massadas, sondern in schlauer strategischer Ausnutzung der Gegebenheiten des Terrains gingen Jehuda Makkabi und seine Freischaerler gegen die feindliche Uebermacht vor und noch 1917 benutzte General Allenby die Makkabaer-Buecher zur Ausarbeitung seiner strategischen Plaene bei der Eroberung des Landes. Wir wissen ueber die Makkabaeer aus juedischen Quellen relativ wenig. Die Makkabaer - Buecher wurden in ihrer hebraeischen Urfassung nicht in unseren Tenach aufgenommen und nur der christlichen Bibel, als apokryphes Buch, angehaengt. Nur die Verzweiflung ueber die Entweihung des Heiligtums in Jerusalem, die zur makkabaeischen E r h e b u ng fuehrte, spiegelt sich in unserem biblischen Buch Daniel. Der Talmud erwaehnt Jehuda Makkabi nicht und die Tradition verlagerte das' Schwergewicht der Makkabaeerfeste, Chanukka, auf das Wunder des Oelkruges, das ja eigentlich nur peripherer Natur gewesen sein kann. Auch und gerade das Assimilationsjudentum des 19. Jahrhunderts hat das Chanukkafest nur mehr als das Fest des Oelkrugwunders verkuendet, wobei dieses Wunder homiletisch ausgedeutet wurde, als das Leuchten der Aufklaerung, als das Licht der Humanitaet. Erst der Zionismus brachte hier einen Wandel und in der romantischen Zeit des Herzl-Zionismus wurde Chanukka geradezu das zionistische Fest. Die Makkabaeer- Rede” wurde ueblich in den Kreisen zionistischer Ortsgruppen. Auf dem ersten Kongress rief der Delegierte Schauer begeistert aus: “Der alte Makkabaeergeist lebt wieder!”. Herzl und Nordau traeumten von einem Geschlecht neuer Makkabaeer. Die Makkabaeer wurden zum Symbol der jung.juedischen Erneuerung mussten ihren Namen auch geschichtswidrig freilich —fuer die neue zionistische Turn- und Sportbewegung geben, die sich Makkabi nannte. Dieser Name passte nun freilich insofern nicht recht, weil gerade die Makkabaeer sich gegen den (griechischen) Sport mit Erbitterung wandten, wie wir im Ersten Makkabaeerbuch I, 15 lesen koennen. Hat das vorzionistische und antizionistische Judentum die nationale Seite des Makkabaeerfestes geflissentlich uebersehen, so neigte wiederum das jung-juedische Nationalbewusstsein dazu, den Charakter des Glaubens, kampfes der Makkabaeer mit dem eines nurnationalen Freiheitskampfes zu verwechseln. Die richtige Sicht der Zusammenhaenge vermittelt aber nur ein Studium der antiken Quellen. Nur eine hebraeische Bearbeitung der Mitteilungen des Flavius Josephus, der sogenannte Josipon, fand Verbreitung in juedischen Kreisen und in nachtalmudischer Zeit entstand eine Kompilation aller Quellen unter dem Titel ■‘Megillath Antiochus”, die Elias Bickermann, der beste Kenner dieser Materie, eine “recht geistlose Erzaehlung” nennt. Es ist klar, wie es zu dieser merkwuerdigen Akzentverschiebung gekommen ist. Die Makkabaeer begnuegten sich nicht mit der Rolle der Befreier, sondern bestiegen spaeter den Thron, der allein dem Hause Davids voroehalten sein sollte. So wurden die Makkabaeer zu “Napoleoniden” der hebraeischen Antike gegen welche die Pharisaeer, gleichsam als die < Parteigänger der “Bourbonen” in Opposition standen. Zu diesem legalistischen Moment aber kam ein tieferes hinzu: Der makkabaeische Aufstand wurzelte in der Ablehnung der heidnisch-hel- 1 e n is t i s chen Assimilation, aber gerade dieser verfielen spaeter die Hasmonaer, die Enkel der Makkabaeer, selbst. Juda Makkabi selbst fiel zwar als Held in der Schlacht um Jerusalem im April 160 vor der gew. Ztr. Aber noch ein Jahr vor seinem Tode hatte er selbst durch eine Delegation nach Rom das Buendnis mit dem spaeteren Erb- und Erzfeind Judas abgeschlossen und durch diese Politik die Grundlagen fuer die spaetere verhaengnisvolle Entwicklung gelegt. Der Ausgangspunkt der makkabaeischen Konzeption war naemlich die prophetische Haltung der Nichtidentifizierung Israels mit den Grossmaechten der Zeit. In seinem grundlegenden Buche “Der Glaube der Propheten” hat Martin Buber diese Haltung mit dem Ausdruck “Theopolitik” wunderbar klar Umrissen. Und diese theopolitische Haltung, die Israel abgeloest sehen will von den Maechtekombinationen, bewusst auf seine geistigen Kraefte gestellt und nicht auf spaeter verhaengnisvoll werdende Militaerbuendnisse mit fremden Grossmaechten, spiegelt sich in der Wahl des Prophetenabschnittes fuer den Schabbat des Chanukka- Festes. Die Worte des Propheten Secharja sind zusammenhanggemaess nicht so zu verstehen, dass sich Israel aller : physischen Kraftentfaltung zu enthalten haette, wenn es um die Sache Gottes geht, und Jehuda Makkabi hat das Wort bestimmt nicht so verstanden. Wohl aber meint die theopolitische Losung des Propheten, dass sich Israel der Buendnisse mit (fremden) Machten zu enthalten habe und sich auf den Geist des Herrn stuetzen muesse. So nun hat auch einer der grossen Geschichtsphilosophen des Christentums, Aurelius Augustinos, die Makkabaer gesehen. In seinem Bu. che “Civitas Dei” (Der Gottesstaat) fragt Augustinus, worin sich denn die Makkabaeer von den Helden anderer Voelker unterschieden haetten. Die Helden der Voelker standen “pro patria” (fuer das Vaterland) und “pro libertate” (fuer die Freiheit) auf, die Makkabaeer aber proveritate” (fuer die Wahrheit). Das ist es, was ihren unsterblichen Ruhm begründet hat. Erfuellt von jenem Geiste der Verheissung, den Secharja anruft, standen sieauf, nicht um das Vaterland und die Freiheit allein zu erkaempfen, sondern primaer “pro veritate fuer die Wahrheit der Thora, gegen die Luege des Heidentums. So ist, wie gerade die neue Geschichtsforschung zeigte, ihr Kampf ein echter Glaubenskrieg gewesen. Wir neigen leicht dazu, das Geschehen unserer Zeit mit dem makkabaeischen Aufstand zu vergleichen und uns e r e Untergrundkaempfer gaben das Makkabaeer-Signal “Modiin” aus, Legitim stehen wir aber in der echten Erbfolge der Makkabaeer nur dann, wenn auch fuer uns wieder der letzte Sinn un serer Befreiung in einer geistigen Erneuerung, des “ki im beruchi” liegt und in einer Abwendung von den Ismen der Zeit zu der Wahr- : heit Israels, der Erkenntnis der Unteilbarkeit des religioesen und des sozial-ethischen Anspruchs des nationalen und des universellen, wie er sich in der “theopolitischen” Konzeption der Propheten Israels dokumentiert. MAGBIT 5716 WISSEN SIE, dass Israel durch die Ereignisse der leis len Wochen bedroht ist? WISSEN SIE, dass die Buerger Israels in bewunderungswuerdiger Opferbereiischali freiwillig grosse Geld- Sammlungen veranstalten, um der Gefahr zu begegnen? WISSEN SIE, dass Zehntausende nordafrikanischer J uden in hoechsier Lebensgefahr sind, wenn sie nicht schnellstens nach Israel gebracht werden koennen? WISSEN SIE, dass angesichts der Inflation der Etat von Gisroco und Altersheim schwer zu decken ist, dass die juedische Schule aus dem glei chen Grunde groessere Unierslueizung braucht? Sie werden nicht abseits stehen wollen, wenn es gilt, SOFORT und GHOSSZUEGIG der Nagbit 5716 zu dem dringendst noetigen grossen Erfolg zu verhelfen.