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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-12-01 · 12 (Diciembre, 1955) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
12 (Diciembre, 1955)
Date
1955-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ib : REDACCION* ( e.C. I. S*NE JISROEL : AV- PORTUGAL 610. TEU 33098 CASILLA 2487. QAKTIAGO-CHILE Año XVII — N.o 12 SANTIAGO DE CHILE Diciembre, 1955 ZU CHANUKKAH 5 716 von Rabbiner Luhlinev Die alte Streitfrage, die auf beiden Seiten seit fast einem halben Jahrtausend zu einem erbitterten Kampf gefuehrt hat, scheint uns eine endgueltige sinnvolle Antwort erfahren zu haben. In einem der Geisteswerke des nunmehr verstorbenen Genius Thomas Mann spricht der Dichter einmal davon, dass man die Einheit der Welt verkennt, wenn man Religion und Politik fuer grundverschiedene Dinge haelt, die nichts miteinander zu tun haetten oder haben duerfen, sodass das Eine entwertet und als unecht blossgestellt waere, wenn ihm ein Anschlag vom Anderen nachgewiesen wuerde. Es ist daher eine muessige Frage, die zwar sehr viele Generationen beschaeftigt hat, ob unser historischer Gedenktag —das Chanukkahfest— ein nationaler oder religioeser sei. Die Welteinheit zerfaellt, wenn man einen dikken Trennungsstrich zwischen Religion und Politik zieht. Zwischen diesen, beiden Gebieten herrscht eine Verbindung, vielleicht sogar eine sehr enge, denn wahre Religion ist sicher bestrebt, die Politik mit dem Gedanken Von Recht, Wahrheit und Frieden zu durchdringen. Eine solche oder zumindest aehnüche Vorstellung düerfte jener Gestalt vorgeschwebt haben, die sich an die Spitze der Bewegung gestellt hat, um das Judentum in den entscheidenden Stunden seiner Existenz zu verteidigen. Wir sprechen von Matatías dem Priester. Ein religioeser Fuehrer des juedischen Volkes war er, der gleich Pinchas durch seine Tat zur Rebellion aufrief. Er war es, der die Verantwortung fuer das Blutvergiessen auf sich nahm, der als erstei mutig und tapfer fuer Gott und sein Gesetz das Leben zu opfern bereit war. Und doch ist es bezeichnend, dass die juedische Tradition nicht die Kriegstaten seines Sohnes Juda Maccabi und der uej brigen Helden, die in allem i dem Beispiel Matatias folg-! ten, zum Gegenstand einer ¡ Feier gemacht hat, sondern ¡ einzig und allein nur den Akt des Matatias als den hoechsten Einsatz eines Menschen fuer eine Idee, die mit der Weihe des Jerusalemer Tempels ihren siegreichen Ausdruck fand. Den Siegen auf den Schlachtfeldern wurde im juedischen Volk nie jene Bedeutung belgemessen, die diese fuer di? Voelker des Altertums und auch der Neuzeit gehabt haben. Ganz im Gegenteil. Das Judentum sah schon in den Zeiten der Makkabaeer die Ehre und Wuerde des Menschen nicht in der koerperlichen Kraft und Gewandtheit, sondern in seiner geistigen und sittlichen Ueberlegenheit. Und wenn man ln jenen Tagen zu den Waffen gegriffen hat, so nur, um die Gefaehrdung der Existenz um die Gefahr der Vernichtung abzuwehren. In der Tat, das sollte das Ende ¡einer mehrtausendjaehrigen Entwicklung sein, das der Erfolg eines mehrtausendjaehrigen geistigen Schaffens an dem die Gottesmaenner der Vorzeit, Priester und Propheten, Dichter und Saenger, Redner und Lehrer, ihre besten. Kraefte eingespannt hatten, um im Heidentum, im Synkretismus zwischen orientalischem Goet zendienst und griechischem Geist aufzugehen. Die Propheten haetten Trug geredet, sie, die den Untergang des Goetzendienstes iverkuendet hatten, sie, die in die Welt hinausgerufen haben: “Denn von Zion geht Gottes Lehre aus”, sie, die die Gottesstaette ‘‘ein Haus fuer alle Voelker” genannt haben? Nimmermehr, sie haben gekaempft, wunderbare Taten vollbracht, gesiegt, die entweihte Staette gereinigt und ein Licht entzuendet, aas weithin ueber den Erdball erstrahlen sollte, ein Licht, das mahnt, dass die Politik der Unterdrückung, Zerstoerung und Vernichtung durch Maenner mit religioesem Empfinden und Opferbe- EIN LICHT, DAS WEITHIN ERSTRAHLEN SOLL... Die Menorah auf der Terasse der Grossen Synagoge von Tel-Aviv (Foto: Israel Pictu res Calendar) reitschaft, dass Priester als Lehrer des Volkes die Ersten waren die erkannten, dass Religion und Politik nicht voneinander zu trennen sind, dass die Politik, die die Religion auszuwurzeln sucht, diejenige Kraft zu zerstoeren sucht, die nur die Prinzipien des Guten auf dem Gebiet der Politik einzuiuehren bestrebt ist, um so eine veredelnde Wirkung in den fuehrenden Menschen hervorzurufen. “Einst” ist ein seltenes Wort, ein Wort mit zwei Gesichtern. Es blickt zurueck weit, weit in daemmernde Fernen und es blickt vorwaerts in Fernen. Nicht minder feierlich durch ihr Kommensollen, wie jenes andere durch ihr Gewesensein. Manche leugnen es, sie kennen nur das Einst der Ver. gangenheit, das der Zukunft lehnen sie ab. Wer nicht das “Einst der Zukunft” ehrt, ist nicht des “Einst der Vergangenheit” wert und stellt sich auch zum heutigen Tag verkehrt. So wie einst die Makkabaeer fuer das “Einst der Zukunft” gekaempft haben, so hat das juedische Volk in allen nachfolgenden Zeiten aus der Verehrung zu dem Einst der Vergangenheit alle seine Kraft eingespannt, um das “Einst der Zukunft” fuer das juedische Volk im Sinne der Welteinheit von Religion und Politik zu gestalten. Jeder einzige von Gott gegebene Tag war und ist dieser Aufgabe gewidmet und wenn Hillel, unser grosser Lehrer, fuer die nachfolgenden Geschlechter dis sinnvolle Anordnung getroffen hat, die Chanukahiichter in aufsteigender Reihe zu en.tzuenden, dann hat er damit die Lehre ausgesprochen, dass nicht der einmalige Sieg in jenen Tagen, sondern der staer.dige Kampf um das Lebensrecht eines jeden Juden und des jueciisehsn Volkes das letzte Ziel, die letzte Aufgabe ist. Unsere Hoffnung bleibt, dass auch der neue Staat Israel im Geist der Einheit von Religion und Politik, d. h. im Geiste der Makkabaeer, sein taugliches Werk zu seinem Wohl und zum Wohls der gesamten Menschheit schaffen wird.

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