Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 10 (Octubre, 1955)
- Date
- 1955-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION. S.C. f. B’NE J15ROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO CHILE ÍTIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT I S 0 C I E DAD %gc : ü LT U RALI S RA E LITA "B'NE J 1 SR O EL" | / Año XVII — N.o 10 SANTIAGO DE CHILE Octubre, 1955 URBILD UND WANDLUNG DER SUKKAH von Sehalom Ben - Chorin Neuere Forscher haben wiederholt darauf hingewiesen, dass als ausgeschlossen, anzusehen ist, die Israeliten haetten in der Wueste 600,000 Laubhuetten errichtet, um in ihnen, gemaess dem Schriftworte Lev. 23, 43 zu wohnen. Jene alte talmudische Frage “VON WELCHER ART SUKKOTH SPRICHT DIE THORA?” harrt also noch immer ihrer Loesung. Die homiletische Antwort des. R. ELIESER, welche die Manifestationswolke und Feuersaeule mit der Sukkah vergleicht, ist sicher schoen, aber unsachlich. Es handelt sich hier um einen reinen “D’rasch” (legendaere Erklaerung), nicht aber um den P’schat” (einfache Deutung des Wortsinnes). Das erkannte schon kein geringerer als R. AKIBA, der die Deutung R. Eliesers zuruckweisend lehrte: “Sie (die Staemme Israels) fertigten sich wirklich Sukkoth” (Bbl, Sukka 11b). Die Frage: was sind eigentlich “Sukkoth”?, oder genauer: was waren die Sukkoth der Wuestenwanderung? bleibt also offen. Um sie beantworten zu k o e,n n en “OHALIM ODER “SUKKOTH”? Nach den Feiertagen sollen sie festen und endgueltigen Behausungen platz machen. muessen wir uns erst einmal den Sinn des Gebotes, in Sukkoth, allj aehrlieh sieben Tage zu wohnen, klar machen und mithin gleichzeitig die Frage nach dem primaeren Sinn des Sukkothfestes stellen. Die Auffassung moderner Forscher, die im Sukkothfeste eines der altkanaanitischen Erntefeste sehen, welches von den Kanaanitern durch Israel entlehnt wurde, als dieses vom Nomadenstammverband zum Agrarvolke, wurde, ist heute fast unbestritten. Das Richterbuch 9,27 erzaehlt selbst von einem. derartigen nichtisraelitischen Erntefest. Auch klassische Schriftsteller wie Philo von Alexandrien stellten den Erntefestcharakter der Sukkcth-Woche in den Vordergrund, demaeeenueber die historische Seite des Festes zuruecktritt. Wenn wir auch bezueglich des Pessach- und Schawuoth - Festes uns der Meinung namhafter Alttestamentler anschliessen koennen, die darin uebereinstimmen, dass die althebraeisehen Feste — mit Ausnahme des Jom-Theruah (Neujahrsfest) und Jom - Ki'nur — ursnruenglich Agrarfeste waren, die erct in einer snaeteren Zeit Erinn erurgfeste an heilsgeschichtliche Ereignisse wurden, so muessen wir fuer das Sukkothfest diese Ansicht, doch zurueckweisen. Deutlich gibt es zwei verschiedene Traditionen, welche der Stiftung dieses Festes zugrunde gelegt werden. Die eine .in deren Mittelpunkt der Feststra hss steht, laesst keinen Zweifel ueber den F^ntedankcharakter unseres Festes. Darhdngung der Fruech te des Feldes und der Baeume und ein Regenritual bilden das Ritual dieses Festes. Die Sukkah selbst hat ur- •snruenglich wohl nichts mit diesem, mutmasslich kanaaniti sehen Feste gemeinsam. Die ‘Sukkoth - Woche ist vielmehr das Fest des Noma. den-Gottes, der den ziehenden Stammes - Verband hehraeis'-her Beduinen sich er. waehlt hat. Selbst nachdem sich fuer diese Staemme die Sehnsucht aller Nomaden, die Sesshaftwerdung, erfuellte, sollten sie noch einmal im Jahre ihrem urspruenglichen, von den Stammvaetern vorgelebten Nomadentum durch Aufgreifen der alten Lebensform huldigen. So wie der Nassiraerorden der Rechabiter (Jermiiahu 35, 2—19) durch seine Existenz das Volk Israel immerdar an seinen (Fortsetzung Seite 7) EIN SCHOEPFERISCHES Erst zwei Monate sind vergangen, seit Thomas Mann unter ausserordentlichen Ehrungen der gesamten Kulturwelt bei bester Gesundheit den 80.' Geburtstag gefeiert hatte, und nun trauert die Menschheit um einen Mann, der ihr ein einzig-dastehendes Denkmal geistig-kuenst- Ierischen Schaffens geschenkt hat. Noch befindet man sich allzu sehr unter dem Eindruck der ploetzli. chen Ungluecksbotschaft, um die ganze Groesse des Verlustes ermessen zu koennen; denn seit mehr als fuenf Jahrzehnten ueberraschte der Dichter seinen weiten, ueber alle Weltteile zc *cT cuten Leserkreis mit immer neuen der deutschen Sprache verschafften, es waren noch dar. ueber hinaus das geistige Bild, das weite Denken und das Erfassen der grossen menschlichen Zusammenhaenge, die Thomas Mann den verdienten Dank und die allgemeine Anerkennung aller einbrachten, die einen Weg zu diesem Dichter und seinem Lebenswerke suchten. Das juedische Volk steht zu Thomas Mann, seiner Familie, seinem Schaffen, in einem besonders innigen Verhaeltnis. War auch der Dichter erst weit spaeter als sein aelterer Bruder Heinrich aus der politischen Zurueckhal. tung herausgegangen, um zu den grossen Tagesfragen m Hüll schoepferischen Leistungen, mit einer Fuelle von Meistererzaehlungen, von Romanen und Essays. Aber es sind nicht die Werke allein, welche die deutschsprachige Literatur so unendlich bereichert haben und in alle Kultursprachen uebersetzt worden sind, die ihm den ueber. all anerkannten Ruhm des bedeutendsten Erzaehiers ln Stellung zu nehmen, so ist dies dann um so gruendlicher geschehen, In den kritischen Jahren von 1929 bis 1931 etwa erhob er warnend seine Stimme, als sich in seinem deutschen Vaterlande Nationalismus und Militarismus immer bedrohlicher entwikkelten und der groesste Teil des Buergertums und weite (Fortsetzung seite 9)