Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1955)
- Date
- 1955-09-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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30 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre, 1955 BLUTJAEGER BEI DEN BEDUINEN RETTUNG AUS SEENOT Fuer den Fall, dass Sie Dov, den Blutjaeger nicht kennen, moechte ich kurz bemerken, dass er ein rothaariger Bursche von etwa 250 Pfund Lebendgewicht ist, der vor drei, vier Jahren aus Polen ins Land kam, Chauffeur, Assistent und Faktotum des Beduinendoktors ist und die Beduinen und ihre Art zu leben besser kennt als seine Familie. Tag fuer Tag faehrt er mit seinem Doktor zu den Staemmen hinaus und rangierte bald in der Wertschaetzung der Nomaden unmittelbar nach Allah, dem Propheten und dem Doktor Eines Tages kam er nach zehn Stunden .Fahrt nach Hause, lieferte den Doktor an dessen Frau ab, duschte eine halbe Stunde und ging dann, trotzdem er hundemuede war, noch auf einen Sprung ins Kino. Nach zehn Minuten aber holte ihn ein Polizist heraus und sagte, er moege auf die Polizeistation kommen. Ein Kamelreiter von den Abu - sliman - Beduinen habe gemeldet, dass man ein Maedchen und zwei Burschen verwundet habe. Fuenf Minuten spaeter sass er am Rad eines Polizeitenders und sauste mit dem Doktor hinter zwei Patrouillenautos wieder in die Wueste hinaus. Gegen zehn Uhr kamen sie im Lager an. Waehrend die Polizisten sich auf die Verfolgung der Taeter machten, untersuchte der Arzt vor allem das Maedchen, das schwer verwundet war. Dov assistierte wie gewoehnlich, wobei er aber dauernd unter Halluziationen von einem weichen Bett und einem kuehlen Zimmer litt. Schliesslich sagte der Arzt: “Bring sie so schnell wie moeglich ins Spital und dann leg dich schlafen. Ich verbinde noch die beiden anderen und fahre dann nach Hause". Dov fuhr mit der Verwundeten durch die Vollmondnacht zurueck, wobei er, um sich nicht vom Schlaf ueberwaeltigen zu lassen, ununterbrochen das einzige Gedicht laut hersagte, das er auswendig wusste. Es handelte von einem weichen Bett und einem kuehlen Zimmer. Im Spital angekommen aber erwartete ihn eine ueble Ueber - raschung. Die Schwester sagte naemlich, dass die Verwundete Blut brauche und dass er sofort Blutspender aufzutreiben habe. Dov schnappte nach Luft: “Mitten in der Nacht Blutspender?” schrie er. “Ja”, sagte die Schwester, “und zwar von der Familie des Maedchens”. Da packte ihn die Wut und er sagte einiges, das ich nicht wiederholen moechte, um nicht in Ihnen, meine Herren, eirf falsches Bild von den Umgangssitten in unserer Wuestenmetropole zu erwecken. Wuetend ging er in den Operationssaai, wo ein erst am Vortag angekommener Arzt Dienst hatte, und sagte ihm: “Ich bin von der Familie des Beduinenmaedchens und moechte Blut spenden”, wiewohl der Doktor erst einen Tag im Beduinenbezirk war, war er voellig ueberzeugt, dass es keine rothaarigen und sommersprossigen Beduinen mit polnischem Akzent gibt. Er lehnte daher ab. Dov ging, seine Beine nur mit Muehe hebend, hinaus, trank in der Kueche mehr als einen Liter schwarzen Kaffee und Von M. Y. BEN-GAVRIEL fuhr fluchend wieder in die Wueste hinaus. Er fuhr wie ein Irrer und erreichte das Lager in einer Rekordzeit. “Wo ist die Familie des Maedchens?” schrie er in die Menge, die ihn empfing. “Die Familie?” fragte der Scheich erstaunt, “beinahe alle die Leute, die Du hier siehst, gehoeren zur Familie”. Aufatmend schaute Dov ueber die gut hundert Koepfe starke Menge und bruellte: “Ja Allah, ich brauche zwanzig Maenner von dieser Familie, die Blut fuer Sabiha abzugeben haben”. . , Die Wirkung dieser Worte war eine erstaunliche. Die Menge schmolz, ehe noch ein Mensch einundzwanzig, zweiundzwanzig haette sagen koennen, vom Auto hinweg und verteilte sich mit wachsender Geschwindigkeit ueber die Ebene in die Richtung auf die Berge.. Was zurueckblieb, war vom Standpunkt der Bluttransfusion nicht der Rede wert. Dov ergriff wieder die Wut. Er stiess ein paar Schreie aus, riss den Revolver heraus, gab Gas und sauste, wie ein Amoklaeufer in die Luft schiessend, hinter den Fluechtenden einher. Es war ein herzerhebendes Bild, wie man es nicht einmal im schoen. sten Wildwest-Film zu sehen bekommt: im vollen Licht des Mondes raste ein Auto, in halsbrecherischen Kreisen Steinbioecken und Erdgruben ausweichend, in einem moerderischen Tempo um eine Bande fliehender Beduinen herum. Immer enger wurden die Kreise, bis Dov schliesslich, seine letzte Patrone verfeuernd, etwa zwanzig Maenner wie Schafe zusammengetrieben hatte. Wie ein Irrer mit dem Revolver auf das Schaltbrett schlagend, hiess er sie aufsteigen. Als er aber erkannte, dass der Tender zu klein war, zwang er genau ein Dutzend, sich in drei Schichten ueber einander zu legen und fuhr in einem derartigen Tempo ueber Steinflaechen und Wadis, dass man, als er im Spital angekommen war, vorerst die unterste Schicht einer eingehenden aerztlichen Wiederbelebung unterziehen musste. Das Maedchen wurde gerettet, aber zwoelf Beduinen waren laengere Zeit schlecht auf Dov zu sprechen. Nicht weil einige von ihnen Blut abgeben mussten, sondern weil sie dann fuenfzehn oder zwanzig Kilometer zuruecklaufen mussten. Die Polizei war nicht bereit gewesen, die Helden vom Stamm der Abusliman zurueckzubringen, und Dov lag schnarchend in einer dunklen Ecke. Und haette auch jemand gewagt, ihn aufzuwecken, waere es mehr als zweifelhaft gewesen, ob er trotz seiner Liebe zum beduinischen Volk in dieser Nacht nochmals hinausgefahren waere. Als er endlich nach zwanzig Stunden auf einem Notbett in einem leeren Magazin, wo man ihn deponiert hatte, aufwachte, schrie eine Schwester, die gerade vorbeiging, ins Treppenhaus hinunter: “Hei Heverh, der Blutjaeger ist aufgewacht!”. Seit damals heisst er im ganzen Wuestenbezirk eben nicht anders als Dov; der Blutjaeger. Zwei israelische Fischer, die drei Tage lang vermisst waren und infolge des Sturmes mit ihrem Boote auf offenem Meer trieben, wurden in den fruehen Morgenstunden aus Seenot gerettet. Ein Flugzeug der Israel-Luftwaffe, das mit zur Suchaktion eingesetzt worden war, entdeckte die beiden Schiffbruechigen, Jizchak Ariel und Mosche Nadir, auf den Wellen treibend und benachrichtigte sofort funkentelegraphisch ein Boot der Kuestenwache, das ausfuhr und die beiden an Bord holte. Sie wurden zunaechst nach Haifa ins Krankenhaus gebracht, konnten jedoch schon nach kurzer Zeit entlassen werden, Der 25-jaehrige Mosche Nadir ein ehemaliger Palmach - Angehoeriger, entging schon einmal mit knapper Not dem Tode. Er sollte Anfang des Krieges mit einer Gruppe von Hilfspolizisten zu einer Aktion gegen ein arabische> Scharfschuetzennest ausziehen, doch erhielt er im letzten Augenblick Befehl, nicht an der Aktion teilzunehmen, bei der seine saemtlichen Kameraden in einen Hinterhalt gerieten und umkamen. Der andere Gerettete, Jizchak Ariel, ist ein alter “Seebaer” aus der Zeit der Alij ah Beth. Er war seinerzeit vom Irgun Zwai Leumi ins Ausland geschickt worden, um das Fluechtlingsschiff “Parita” nach Erez Israel zu bringen das erste Schiff, das direkt nach Tel Aviv kam und auflief. Ariel (Leibowitz) wurde damals von den Englaendern verhaftet und fuer vier Jahre nach Erythraea verbannt. Von ihrem gefaehrlichen Abenteuer berichteten sie: Wir fuhren am Dienstagnachmittag von Haifa aus. Der Bootsrumpf, den das Fischerboot der Fischerkooperative “Menora” abschleppte, hatte mehrere Lecks, und daher beschloss Jizchak Ariel, der das Boot aufnehmen sollte, die Fahrt in dem Bootsrumpf zu machen. Auf seine Bitte wurde ihm Mosche Nadir von der “Menora” als Begleiter beigegeben. In dem Boot befand sich nur eine Pumpe, um gegebenenfalls eindringendes Wasser auszuschoepfen. Obwohl etwas Wasser in das Boot eindrang, benutzten die beiden die Pumpe nicht. Der Steuermann des Schleppbootes machte offenbar den Fehler, im Zick-Zack zu fahren, so dass das ueber 100 m lange Tau nicht gestrafft war. Als dann ploetzlich hoher Wellengang einsetzte., straffte sich das Tau und riss dabei in der Mitte durch. Es war um diese Zeit bereits voellig dunkel. Die auf dem Wasser Treibenden nahmen Lumpen, traenkten sie in Ben zin und zuendeten sie als Sign a 1 an, doch schien das Schleppboot die Zeichen nicht zu merken. Der Bootsrumpf, der weder Motor, Takelage oder Ruder hatte, wurde durch die stuermischen Wellen immer mehr abgetrieben. Immer mehr Wasser drang in das Boot ein. “Es war unser Glueck”, sagte Ariel, “denn wir wussten, dass ein Holzboot niemals unter den Meeresspiegel sinkt; da es aber soweit untergegangen war, bestand keine Befuerchtung, dass es umkippen wuerde”. Die beiden setzten sich auf die trocken gebliebene Bootsspitze, wo sie die ganze Zeit, mehr als 60 Stunden, ausharrten. Sie befanden sich etwa fuenf Meilen von der Kueste zwischen Sichron Jakob und Benjamina entfernt, als das Kabel riss, wurden aber in den naechsten zwei Tagen durch die stuermischen Wellen immer weiter ins Meer hinausgetrieben. Die beiden Brote und Buenchsen mit Milch, die sie bei sich hatten, gingen im Wasser unter. Sie hatten nichts zu essen, nichts zu trinken, keine Geraete zum signalisieren und auch keine Streichhoelzer mehr. Sie zitterten vor Hunger und Kaelte, beschlossen jedoch ¿uszuharren, bis Hilfe käeme. Auf der Bootspitze kauernd, erzaehlten sie sich Witze. Ploetzlich hoerten sie, in der ersten Nacht, das Surren eines Flugzeuges. Es warf Raketen ab, die neben ihnen ins Wasser fielen, doch das Boot nicht sichtbar machten. Die Flugzeuge flogen wieder davon. Am zweiten Tage sahen sie einen halben Kilometer von ihnen entfernt ein Schiff in Richtung Tel Aviv fahren. Sie winkten. Das Schiff bemerkte sie nicht. Sie hoerten auch das Surren der Motorboote des Chejl Hajam, die I sie aber auch nicht fanden. Als der zweite Tag sich dem Abend zuneigte, glaubten sie schon, dass man aufgegeben haette. sie zu suchen. “Vor Hunger haette ich Fische lebendig gegessen”, sagte Nadir, aber sie hatten keine Geraete, um Fische zu fangen. Sie beteten, dass ein Ostwind einsetze, um sie der Kueste zuzutreiben. Am Freitag frueh, gegen 7 Uhr, sahen sie ploetzlich ein niedrig fliegendes Flugzeug ueber sich. Sie winkten, und dieses Mal wurden sie gesichtet. Das Flugzeug signalisierte mit seinen Fluegeln zurueck. Bald danach kam ein zweites Flugzeug, das ein Gummiboot abwarf. Nadir schwamm 200 Meter bis zu dem Boot in dem nunmehr voellig ruhigen Meer, und spaeter be- | stieg auch Ariel das Gummi.; boot, das sie dann an ihren | Bootsrumpf befestigten. Es dauerte nicht lange, bis sie das Geraeusch eines Motorbootes vernahmen. Diesmal, so wussten sie wuerde es( nicht mehr vergeblich an ihnen vorbeifahren. Gegen 10 Uhr nahm das Boot sie auf. Dort bekamen sie einen ersten warmen Trunk und fuhren dann in den Haifaer Hafen, wo sie zwei Stunden spaeter ankamen. * *Js "'•’Sn'*1 mm m&Km ■MMN DER JARKON Seine Wasser werden den Negew in einen bluehenden Gerten verwandeln.