Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1955)
- Date
- 1955-09-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 29 Die Bibel... Fortsetzung von Seite 27 In jener Fruehepoche, in welcher der .prophetische Unirersalismus noch nicht voll entwickelt war und das hebraeische Volk unter einem orientalischen Despoten ebenso sein Nationalheiligtum und seinen national konzipierten Gott hatte, wie die anderen Voelker. Freilich hat dieser Gott schon fruehzeitig die Machtbereiche der Baale und Goetter immer wieder gesprengt, sich als eifervoller Gott offenbarend, der keine anderen Goetter neben sich duldete. Und dennoch war das Gefuege des antiken Hebraeertums bis zu einem hohen Grade gleichzeitig mit dem der Umwelt. Die Aegypter wohnten Nil und die Philister in Kuestenebene und die braeer im Jordan-Lande, sie waren, trotz ihres dungsbewusstseins, ein inmitten der Voelker ihres Kulturkreises, ihnen vielfach verbunden und verwandt (trotz einer immer staerker werdenden Sonderung). Das Abweichen zu den Baalen hin, ein Grund-Thema biblischer Geschichte und prophetischen Protestes, zeigt eben die Gleichzeitigkeit der antiken Hebraeer gegenueber ihrer Umwelt. Und heute ist dies wieder so. Die Baale der Zeit erheben auch in der jungen Demokratie Israels ihr Haupt. Und nun wiederholt sich in unserer neuesten Geschichte ein Vorgang unserer aeltesten, auf den Martin Buber verwiesen hat. Die alten Hebraeer verrieten ihren Gott nur selten, aber es war latent die Gefahr einer Baalisierung gegeben. Der sittlich fordernde Gott, der Demut vor sich und Liebe zum Naechsten befiehlt, wurde immer wieder baalisiert, d. h. zu einem Kultgott degradiert, dem man durch die Priesterkaste seine Opfer zukommen liess, um ihn guenstig zu stimmen, im uebrigen aber schaltete man Gott aus dem taeglichen Leben aus und wollte, in Genuss und Gewinn durch seine Einmischung nicht ges t o e r t sein. Die antike Gleichzeitigkeit ging also so weit, dass man aus dem lebendigen Gott der Liebe und Gerechtigkeit einen Baal machte, der kultisch abzuspeisen war. Und — uebertragen auf unsere Zeit — sehen wir nun die selbe Gefahr inbezug auf die Bibel im heutigen Israel. So wie der lebendige Gott baalisiert werden kann, wogegen die Propheten ihre Zomworte schleuderten, so kann auch das Wort Gottes baalisiert werden. Es kann zu einer leeren Huelle werden, aus der der lebendige Geist verbannt wird. Diese Gefahr besteht. Aus seiner Gleichzeitigkeit heraus und. aus der schon aus der Samuelszeit her bekannten Tendenz, ein Volk wie alle Voelker zu werden, hat der Israeli heute —auch wenn er nicht der extremen Gruppe der Kanaaniter angehoert, die den Zusammenhang mit dem spaeteren Judentum voellig loesen will, auch wenn er sich nicht so unklugen Versuchen wie einer biblischen Geschichte ohne Gott fuer die Kinder des “Kibbuz Meuchad” anschliesst — die Bibel zu einem zentralen Stueck der Nationalliteratur, der National - Geschichte und National-Kultür gemacht, sie aber dadurch ins Historische abgeschoben und der Unmittelbarkeit des lebendigen Anspruches gerissen. Allzuviele im heutigen Israel fuehren die Bibel im Munde und tragen sie nicht im Herzen. Der nationale, historische, philologische ufid aesthetische, ja auch der romantische Zugang koennen den lebendigen Glauben das Wort der Bibel nicht bei fuer den heutigen Israeli neu zu erschliessen? Man sucht nach neuen, nach blei- \ benden Werten gerade wie- ■ derum aus der Gleichzeitig-; keit des heutigen Juden her-; aus, der Nationalismus, und! Sozialismus in ihrer “Ster- | blichkeit” erkannt hat. I Wuerde es gelingen, das! Geschehen der heutigen Zeit: j die namenlose Tragoedie des! europaeischen Judentums, der ' sechs Millionen Juden zum in j Opfer fielen und die ans er-! wunderbare grenzende Erration, nach dem jedes Wort der Bibel goettlich ist, kann eine Jugend nicht erfasst werden, die gerade von de>r menschlichen Seite dieses Wortes beruehrt wurde. Aber es ist ihr, dieser Jugend, der Sinn und das Herz wieder fuer die grosse Moeglichkeit zu oeffnen, das Wort Gottes, zwischen den Menschenwoertern der Schrift zu hoeren, das Ewige durch das Historische hindurch, das Humane ueber dem Nationalbegrenzten und endlich das ganz In¬ ¿¿sag? «WSPMEB DER EXPORT NIMMT ZU Jaffa-Orangen werden im gemeinsamen Interesse der Feinschmecker in aller Welt und des israelischen Finanzministeriums verschifft. setzen. In den traditionellreligioesen Kreisen wird auch heute noch das biblische Wort ueberschattet vom Rankenwerk der Tradition und die grosse Masse der nicht-traditionellen Israelis, vor allem der Jugend, hat bei aller Naehe zur Bibel, diese noch nicht als das lebendige Gotteswort an unsere Zeit erkannt. Gibt es eine Moeglichkeit. gerade diesen Zugang zur Birichtung des Staates Israel im Sinne der Pole der prophetischen Geschichts-Betrachtung: als Gericht und Gnade Gottes mit seinem Volke lebendig zu deuten: —sokoennte von hier aus ein neuer Zugang zu der— materiell so gut gekannten Bibel sich erschliessen. Kein dogmatischer Zugang ist moeglich und noetig. Mit dem Dogma der Verbalinspitime, das Innigste ueber dem Kollektiven. Vom Pluralischen in der Bibel muesste also der Weg zum Individualismus gefunden werden. Vom Heldenepos des Volkes zum betenden Ich der Psalmen. Es ist dies gerade der umgekehrte Weg, verglichen mit der Situation in anderen Laendern und Voelkern, wo oft eine pietistische Einstellung gegenueber der Bibel sie aus dem lebendigen Diesseitszusammenhang reisst. Aber die Bibel ist eine Bruecke zwischen der Welt der Erfahrung und der Welt der Transzendenz, zwischen dem Volk und dem Einzelnen, zwischen dem Menschen und Gott. Die Ganzheit der Bibel wieder an den Israeli von heute heranzutragen, damit sie ihm auch in den innersten Fragen nach dem Woher und Wohin des Menschen, sich oeffnet, das scheint mir die Forderung der Stunde zu sein, die so sehr jener Stunde gleicht, aus der heraus der Hirte aus Thekoa, der aelteste der Schriftpropheten, Arnos, sein Wort vom Hunger nach dem Worte Gottes sprach, das wir an den Beginn dieser nuechternen Betrachtung gestellt haben. Gekuerztes und Gewuerztes Im geschichtlichen Museum von Stockholm wird gegenwaertig die von der israelischen Regierung organisierte Ausstellung “Das Land der Bibel” gezeigt. An der Eroelfnungs f eierlichkeit nahm das schwedische Koenigspaar teil, das der Hoffnung Ausdruck gab, dass die Ausstellung einen bedeutenden Beitrag zum Verstaendnis des schwedischen Volkes fuer den Staat Israel und das israelische Volk liefern werde. Der israelische .Gesandte in Stockholm, Dr. Nissan, dankte dem Koenig dafuer das er die Schirmherrschaft ueber die Ausstellung “das Land der Bibel” uebernommen hat. Aus Tel Aviv wird gemeldet, dass im Weizmann Institute of Science, als Teil seines Programmes fuer Kernphysikalische Forschung ein “Atomspalter” von 3 Millionen Volt aufgestellt werden wird. Die Maschine ist fuer das Weizmann Institut eigens von der High Voltage Engineering Corporation of Cambridge, Mass., gebaut worden. Dieser “Atomspalter” ist der erste seiner Art im Mittelosten und wird den Forschungen ueber Atomenergie in Israel seinen erhoehten Impuls geben. Das erste juedische Gebetbuch fuer Blinde, das in hebraeischer und englischer Blindenschrift verlegt wurde, ist im New Yorker Juedischen Blindeninstitut Amerikas dem blinden Psychiater Dr. David Katz ueberreicht worden. Das Gebetbuch wird in elf ßaenden erhaeltlich sein und die Riten und Gebete fuer den Sabbat und die Hohen Feiertage enthalten. Zum Grossrabbiner der askenasischen Gemeinden des Staates Israel ist Raw Isaac Halevi Herzog wieder gewaehlt worden. Er ist seit 1936 in seinem Amte. Zum Grossrabtoiner aller sephardischen Gemeinden der Medinah wurde Raw Nissim Rahamin gewaehlt. Bekanntlich tritt alle fuenf Jahre ein Wahlkollegium zusammen, das aus 48 Rabbinern und 22 Laien besteht, das die Wahl der beiden Grossrabbiner vornimmt. Raw Rahamin fuellt die Vakanz aus, die durch den Tod des se 'hardischen Grossrabbiners Benzion Hai Uziel im Jahre 1953 entstanden war.