Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1955)
- Date
- 1955-09-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8553624-8556771-9194133--1652-8556923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
26 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre, 1955 EIN JAHR ISRAEL Betrachtungen aus einem neuen Leben Von. Dr. Kurt Wachsner, Ramot Haschawim Es bedarf reiflicher Ueberlegung, in vorgerueckten Jahren eine zweite Auswanderung nach Israel vorzunehmen, besonders, wenn man kein nennenswertes Kapital hat. Das einzige Aktivum, das ich fuer mich buchen konnte, war mein aerztlicher Beruf. Wie allgemein bekannt sein duerfte, mangelt es in Israel auf dem Lande an Aerzten, und so bot sich mir die Chance einer Anstellung und damit die Basis fuer den Aufbau' eines neuen Lebens. Ich richtete daher von Santiago einen diesbezueglichen Antrag an den groessten sozialistischen Krankenkassenverband in Israel, und erhielt auch bald den Bescheid, dass mir nach meinem Eintritt in Israel eine Anstellung auf dem Lande sicher sei. Mit dieser Zusage waren weitere Zugestaendnisse verbunden, die mir mein Vorhaben noch schmackhafter machten. Aber noch ein andrer Gesichtspunkt war fuer mich massgebend, Chile zu verlassen. Mein Sohn, unser einziges Kind, sieht seine Le bensaufgabe darin, an dem grossen Aufbauwerk in Israel mitzuarbeiten. In den Jahren der groessten Heimsuchung, die unsere juedische Geschichte kennt, habe auch ich erfahren mue'sen, welch unsagbares Leid die Trennung von Eltern und Kindern nach sich zieht. Der hohe Blutzoll, den auch meine Familie entrichten musste, war mir eine Warnung fuer die Zukunft. Und so gingen wir drei gemeinsam, mit Selbstvertrauen und mit Optimismus, mit Ruhe und mit Entschlossenheit. Leber das Erbe des deutschen, Judentums Aller Anfang ist schwer, und besonders in i-rae«. Aber Schwierigkeiten sind bekanntlich dazu da, um ueberwunden zu werden. Bestirnte Voraussetzungen und Ge gebenheiten werden die Einordnung in die neuen Ver haeltnisse erleichtern. Erstens: Man muss eine tiefe Verbundenheit zu unserm Lande in sich fuehlen. Meine religioese Erziehung im Elternhause kam mir dabei sehr zu Hilfe. Zweitens: Man darf nicht mit unerfuellbaren An spruechen hierher kommen und Kritik ueben, wie es lei der ein Teil der Juden aus dem deutschen Sprachkreis tut. Kritik ist solange destruktiv, als sie nicht zeigt wie es besser zu machen ist. Ich kam mit kleinen Erwartungen, aber gross war meine Ueberraschung. Man bedenke: Der Staat ist nach einem opfervollen Befreiungskriege errichtet worden und besteht erst 7 Jahre. In dieses grosse Auffangbecken stroemten aus aller Welt juedische Menschen, die in kultureller, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Beziehung von einander grundverschieden waren. Ihre Absorption und Einordnung ist ohne Beispiel in der Geschichte. Wie in einem riesigen Schmelztiegel geht der Umformungsprozess dieser verschiedenen Legierungen vor sich und macht ihre Kraefte dem Lande nutzbar. was von alter und neuer Alijah geschaffen worden ist, davon konnte ich mich oft genug ueberzeugen. Wie gross diese Leistungen sind, kann man ermessen, wenn man von Alteingesessenen hoert, wie das Land noch vor wenigen Jahren ausgesehen hat. Ich habe das G1 u e c k, meine Taetigkeit in einer Moshawah auszuueben, deren Bewohner sich durch hohes, geistiges Niveau auszeichnen. Ihre Umgangsprache ist deutsch, was allerdings die Erlernung des fuer einen Arzt unerlaesslichen Ivrit erschwert. Man bringt mir allenthalben Sympathie und Vertrauen entgegen, auch an Beweisen der Anerkennung fehlt es nicht, worueber ich Stolz und Befriedigung empfinde. Berichtet man von Israel, so muss man auch dem Kibbuz eine besondere Betrachtung widmen. Es gibt wohl kaum ein anderes Land, Hingabe so konstruktiv fuer das Gemeinwohl arbeiten wie hei uns. Neben der koerper;chen Arbeit wird auch der geistigen Fortentwicklung in jeder Weise Rechnung getra- •ren. Nicht nur, dass die Verwirklichung des zionistischen Ideals diesen Menschen volle Befriedigung gibt; sie entbehren nichts und fuehren ein sorgloses Leben. Man koennte vielleicht einwenden, dass die Sorglosigkeit diejenigen, die keine Initiative haben, zur Bequemlichkeit verleitet. Aber solche Menschen wird auch der Kibbuz nicht aendern Auf der andern Seite wird der freien Entfaltung der Persoenlichkeit breitester Spielraum gelassen, und der Chawer kann, je nach seinen Faehigkeiten, hohe, verantwortliche Posten bekleiden Nach alledem ist es nur natuerlich, dass man zufriedene und froehliche Gesichter sieht. Hier waechst ein neues Geschlecht heran, frei und unbekuemmert, aber auch selbstbewusst und ohne Scheu vor der Umwelt. Ich halte den Kibbuz fuer das Rueckgrat unseres Landes. Je mehr es uns gelingt, unsern Bedarf von innen heraus zu decken, um so naeher rueckt der Zeitpunkt wirtschaftlicher Unabhaengigkeit. Inzwischen sind wir auf amerikanische Wirtschaftshilfe, besondere Zuwendungen wie z. B. Magbit und deutsche Reparationen angewiesen. Israel ist klein, aber gross an Problemen. Wir sind ein Volk wie jedes andre, mit Vorzuegen und Fehlern. Aus senpolitisch befinden wir uns in einer schwierigen Lage. Man spricht von juedischer Agressivitaet. Dabei weiss jeder, dass Juden froh sind, wenn man sie in Ruhe laesst. Voraussetzung fuer einen konstruktiven Aufbau ist der Friede. Krieg zerstoert nur und schafft keine Werte. Unser Gruss “Schalom”, von Hunderttausenden t a e g 1 ich gesprochen, ist kein leeres Lippen—, sondern aufrichtiges Herzensbekenntnis. Wir posaunen unsere Friedensbereitschaft in die Ohren unserer Feinde, aber die Antwort sind bewaffnete Ueberfaelle, Mord und Kriegsdrohungen. Unsere Geduld kann nicht unbegrenzt sein. Wenn wir dann nach grossen Verlusten unserer friedlichen Menschen reagieren, Wir nehmen die Gruendung des “Leo Bankinstituts” zum Anlass, eine im Jahre 1953 verfasste Abhandlung des inzwischen leider verstorbenen Georg Landauefr auszugsweise zu veröffentlichen, in dem er sich mit der Problematik auseinandersetzt, die durch den Untergang des deutschen Judentums entstanden ist. ln dem Menschen aller Altersschreit die Welt Gewalt. Mehr klassen in uneigennuetziger j noch. Man ruegt uns, weil Unter all den Erlebnissen und Leistungen unserer langen Geschichte in Deutschland war es naturgemaess das 19. Jahrhundert, das noch heute, wie eine Gegenwart in uns fortwirkend , unseren Charakter gebildet und unsere historische Stellung in unserer juedischen Familie und in der Familie der Voelker bestimmt hat. Das deutsche Judentum — das gilt nicht nur fuer die Juden in Deutschland im engsten territorialen Sinne — hat im Neunzehnten und im Anfang des Zwanzigsten Tahrhunderts eine Hoehe der Entfaltung seiner geistigen, seiner kulturellen Faehigkeiten erlebt und die Menschheitskultur mit einer Fuelle bedeutender Anregungen und Leistungen bereichert, die nur mit wenigen Vorgaengen in der Geschichte anderer Voelker vergleichbar sind. Solche Eruptionen wie sie beispielsweise im Zeitalter der Renaissance in Italien, in der Glanzeit der Niederlaendisch - Eiaemischen Schule oder im Frankreich der Dritten Republik eine Schicht der Begabtesten aus den unteren md mittleren Staenden eines Volkes herausgehoben und durch sie in die Menschheit inen neuen Kulturstrom haben einfliessen lassen, solche Zeiten beduerfen noch e«ner besonderen Erklaerung. Eine Darstellung der Geschichte des deutschen Judentums im Neunzehnten Jahrhundert wuerde vielleicht einen interessanten Beitrag zur Erklaerung dieses Phaenomens liefern. Waren es die besonderen revolutionaeren Fortwirkungen der Sprengung des Ghettos, des Stuermens in die Emanzipation war es die <rrosse Zeitenwende dieses Jahrhunderts, ein Orkan, der wir uns verteidigen. Ein souveraener Staat traegt aber; die volle Verantwortung fuer j das Leben und die Sicherj heit seiner Bewohner. Wir! bewahren unsere Ruhe und : glauben nicht an das Schlimmste. Aber im gegebenen Falle stehen wir wie ein Mann zusammen, Jung und Alt. Denn wir wissen, worum es geht: Um unser Land, um unser Volk, um unser Wohlergehen, um die Zukunft und das Glueck unsrer Kinder! Nach einjaehrigem Leben ln Israel konnte dieser Bericht nicht den Anspruch auf Vollstaendigkeit erheben, sollte es auch nicht tun. Vielmehr kam es mir darauf an, zu zeigen, dass das freie Leben in unserm Lande —trotz aller Schwere— lebenswert ist und innere Befriedigung gibt. sich ja noch nicht gelegt hat, war es auch die Entzuendung eines Feuers, durch den Zusammenprall zwischen Deutschtum und Judentum entflammt? Es sind zwei Momente, die ich dabei beleuchten moechte. Die deutschen Juden haben durch die Emanzipation den Eintritt in die deutsche Kultur erlangt; aber sie haben diese Kultur nicht als ein im Wesen im Deutschtum beschraenktes, von germanischer Erbschaft, geschweige den Rasse, Blut und Eisen beherrschtes Gewaechs empfunden. Zur deutschen Kultur zu gehoeren bedeutete fuer sie, “organisch” zum vielgliedrigen Koerper der europaeischen Kultur mitwirkend zu gehoeren. Sie waren “Gegner” von Rasse, Blut und Eisen ... Sie strebten nach Deutschland und durch Deutschland nach Europa. Auf allen Gebieten. Der Dichter Heine: er schlief um Deutschland nicht in der Nacht: aber er lebte im Exil, weil Deutschland noch nicht Europa war. Karl Marx: wie Vor GEORG LANDAUER unerbittlich (trotz neuerlicher Diskussionen) ein echter Schueler des echten Hegel; aber seine “Soziologie”, nicht undeutsch, umschlang die Millionen der Proletarier aller Laender; Hermann Cohen, in einer Renaissance des Kantianismus, dachte, glaubte und lehrte die so unnationalen Lehren der Erkenntnis von Gut und Boese, einer Ethik, die fuer ihn gleichzeitig “aus den Quellen des Judentums” kam. Hier liegt etwas Entscheidendes. Diese eminenten Persoenlichkeiten, die uns als nationale Gemeinschaft verleugneten, und denen wir, als nationale Gesellschaft, abgesagt haben, sie empfanden sich als Juden, in einem tieferen Sinne als es die, auch heute, empfinden, die den wesentlicheren Teil des Judentums und des juedischen Schicksals im rein Existenzmaessigen, in der materiellen Judenheit, ihren Formen und Instrumenten sehen. Es war Fortsetzung Seite 31 LOG AT PERFUMES, REGALOS, NYLON COMPAÑIA 1068 — Pasaje A. Edwards — Local 391 — FONO 84376 CAMISA RIA RANO FABRICA DE CAMISAS, PIJAMAS Y CORBATAS.— ARTICULOS FINOS PARA CABALLEROS Compañía 1068 — Local 395 — Fono 66530 SECRETARIA con conocimientos del alemán, se necesita. Ofertas con pretensiones de sueldo a J. K. CASILLA 9310 SANTIAGO HANHA LEESER von der Reise zurueck ftedereroeffanug in Knerze Tel. 89297 SCHWESTER SENTA Diplomierte Universitaetsschwester Injektionen — Impfungen Tel. 492742 — Rob. del Rio 997, Dep. 2 Haussammlung am n ten