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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-09-01 · 9 (Septiembre, 1955) · p. Seite 3

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
9 (Septiembre, 1955)
Date
1955-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Septiembre, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 3 Am Nachmitta JUËDISGHE ZEITP ROBLEME Versoehitiungstages ....Wenn etwa ln der dritten Nachmittagsstunde des Jom Kippur der Vorbeter (waehrend des Mussafgebetes) an die “Awaudoh” oder “Abodah” gelangt ist, jene liturgische Nachgestaltung der Amtshandlung des Hohepriestern am Suehnetage, duerfte einer der religioesen Höhepunkte des heiligen Tages erreicht sein. Ehrfurchtsvoll hat sich die Gemeinde vor den Koenig der Koenige zu Fuessen geworfen, sinnbildlich die Einmaligkeit miterlebend, die einst, in biblischer Zeit, die Entsuehnung des ganzen Volkes durch den “Kohen gadol”, den Hohepriester, einmal im Jahre, bedeutete. Sich dem Ende des Mussaf zuneigend und der Nachmittagstoravorlesung pflegt unter den Betern eine gewisse Entspannung einzutreten, ein Nachlassen der geistigseelischen Konzentration. Da erweckt die Haftarah zu Mincha erneutes Interesse: Man liest das ganze Prophetenbuechlein “Jona" vor, den laengsten “Maftir” des Jahres, und immer wieder stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser Anordnung unserer Weisen. Weshalb diese Erzaehlung vom “widerspenstigen Propheten“ an diesem heiligsten Tage des Jahres? Dies? Schrift hat, wenn man so sagen darf, einen heiterfreundlichen Grundcharakter, freundlich deshalb, weil alles Geschehen einen gluecklichen Ausgang nimmt: Das Schiff, auf welchem Jona dem an ihn ergangenen goettlichen Aufträge zu entweichen versucht, kentert nicht im Meeressturme; er selbst, der Prophet, wird auf wunderbare Weise aus dem Rachen eines Meerungeheuers errettet, und Ninive, die suendhafte, heidnische “Drei-Tagereisen-grosse Stadt”, reagiert auf das vom Ewigen angedrohte Strafurteil in anderer Weise, als Jona erwartet hatte: Der Koenig und mit ihm alle Buerger taten Busse und erflehten das goettliche Erbarmen. Der Prophet, der ja nur ungehorsam geworden war angesichts der ungeheueren Verantwortung, die ihm aufgebuerdet worden-, der aber von der Schwaeche menschlicher Eitelkeit nicht ganz frei gewesen ist, sieht den ganzen grossen Aufwand nutzlos vertan, ist enttaeuscht. Schliesslich muss er erkennen, dass ein erbarmender Gott Wohlgefallen hat an der Umkehr der Frevler und nicht ihre Vernichtung wuenscht. Doch erst ganz ueberzeugt wird der Prophet van der goettlichen Allmacht und Gnade durch ein eigenartiges Erlebnis: Ein schattenspendender Baum, “Kikajon” genannt, unter dessen schuetzenden “Zweigen" Jona Erholung von brennender Sonnenglut gesucht hatte, welkte dahin, waehrend der Prophet schlief, und das Erwachen trieb ihn in helle Verzweiflung, die ihn das Ende herbeiwuenschen liess. Und da ergehen Worte an ihn als goettliche Antwort, die zu den menschlich-erhabensten der ganzen Heiligen Schrift gehoeren, und die allein ausgereicht haetten, die Lektuere des Buechleins am heiligsten Tage des Jahres zu rechtfertigen;! “Verdriesst es Dich sehr wegen des Kikajon, I “mit dem Du keinerlei Muehe gehabt, den Du nicht “grossgezogen hast; eine Nacht hat ihn hervorge- “bracht und eine Nacht hat ihn zugrunde gehen “lassen. Ich aber sollte Ninive, die grosse Stadt,! “nicht schonen, in der mehr als 12 Myriaden Menschen wohnen und viele Tiere?” Ein moderner Denker hat das Buch Jona eine “maerchenhafte Novelle mit lehrhafter Tendenz genannt, denn sie wolle nicht Geschichte machen, sondern reiigioes unterweisen und erbauen. Sie will zeigen, dass die Helden den Gott Israels nicht als “Gott der Rache" ansehen sollen, sondern dass sich des Ewigen Barmherzigkeit ueber den Kreis Seines erwaehlten Volkes bestaetigt, dass Er der Vater aller Menschenkinder ist. Doch noch ein weiteres macht diese Schrift zu einer wuerdigen Jom Kippur-Literatur: Jona, von den um ihr Leben bangenden Seeleuten nach Volkstum, Herkunft und Beruf gefragt, hatte mit einem glatten, konzessionslosen “Ja-Sagen zum Judentum” geantwortet: “Ich bin ein Hebraeer; den Ewigen, den Herrn des Himmels, fuerchte ich, der das Meer und das Festland geschaffen" in schicksalsschweren Stunden gab es fuer ihn nur ein offenes, mutiges Bekenntnis zum juedischen Sein: Schlichter kann nicht dargestellt werden, was der letzte Sinn aller juedischen Bemuehungen bis in unsere Zeit ist. Auch unserer Generation sind diese Fragen gestellt worden, und sie hat im grossen und ganzen darf dies zugegeben werden, im Sinne von Jona geantwortet: Sie sagte “Ja” zum Judentum! Das Tragische Schicksal der Familie Herzl ... anerkennenswert, dass Sie anlaesslich Herzls Todestag einen Aufsatz brachten, der vielleicht einen anderen Ton anschlug .als die sonst, ueblichen Ehrungen, aber vielleicht deshalb besonderes Interesse erweckte. Trotzdem bin ich mit der Meinung des Autors ueber Herzls Frau Julie nicht einig, zu deren Rehabilitierung ein solch ernster Kenner der zionistischen Geschichte wie Dr. Fritz Ullmann (Jerusalem) bereits Lanzen gebrochen hat. Es ist unrecht, Frau Julie Herzl geb. Naschauer einseitig zu beurteilen und ihr Verstaendnis und Interesse an dem gewaltigen Werk ihres Mannes abzusprechen. Die Zeilen, die Sie vielleicht im Folgenden abdrucken wollen, vermoegen vielleicht kuenftige Biographen etwas guenstiger zu stimmen als dies leider bei manchen der bisherigen der Fall war. Sie sind als Danksagung auf die Beileidskundgebungen zum Tode ihres Mannes gedacht und lauten wie folgt: . Uns allen ist der 126. Psalm j “Schir Hamalaus" vor dem Benschen bekannt, der beginnt: “Ais der Ewige zurueckfuehrte die Weggefuehrten Zions, waren wir gleich Traeumenden". So erging es auch uns. als wir unseren Staat Israel bekamen; jedoch sind viele unter uns noch nicht aus dem j Traume erwacht. Sie haben | noch nicht die Konsequenzen j aus dem grossen Geschehen unserer Zeit gezogen. Dies betrifft uns alle, in erster Linie jedoch die Erziehung unserer Kinder. Unsere Generation hat Anspruch auf eine fundamentale Umgestaltung des Erziehungs-Problems. Die Basis der Erziehung muss eine echt juedische sein. Diese Grundlage koennen unsere Kinder nur in der juedischen Schule bekommen, zum Unterschiede vergangener Zeiten, wo wir nur die Angleichung an die _ Umwelt anstrebten. wir brauchen uns keineswegs abzusondern, was auch Englaender, Franzosen. Italiener durch den Besuch ihrer Schulen nicht tun. Wir haben das grosse Glueck, in HAUSSAMMLUNG Die naechste monatliche Haussammlung zu Gunsten les “Hilfswerks fuer die Judennot in der Welt" findet am Sonntag, den 11. September 1955 statt. Anlaesslich des schreckli-; chen Schlages, der mich und i die Meinen durch den Tod j meines teuren Mannes getrofj fen hat, sind mir aus aller! Welt, namentlich aber aus zionistischen Kreisen, tausende Beweise mehrender Teilnahme zugekommen. Wenn es ueberhaupt einen Trost in unserem schweren Leiden gaebe, so waeren es diese zahllosen Zeichen der innigsten Liebe und Verehrung, die uns aufrichten koennten. Ausserstande allen einzeln zu danken, spreche ich deshalb auf diesem Wege allen den herzlichsten Dank aus. Wenn ich mich bisher an der Lebensarbeit meines geliebten Mannes nicht oeffentlich beteiligt habe so geschah es nur aus dem Grunde, weil ich fuerchten musste, ihn dadurch in seiner rastlosen aufreibenden Arbeit noch mehr anzufeuern, und weil ich ein Ende voraussah, wie es leider nur allzu rasch wirklich eingetreten ist. Seine Arbeit war aber auch mir heilig und wird mir immer heilig bleiben. Ich werde der zionistischen Bewegung mit all meinen Kraeften dienen und alles daran setzen, um meine Kinder in das Lebenswerk ihres Vaters einzuweihen und zu ergebenen Kaempfern der von ihm erstrebten Erloesung unseres Volkes zu machen. Damit hoffe ich im Geiste meines teuren Toten zu handeln und auch meiner Liebe zu seinem Lebenswerk Ausdruck geben zu koennen. Nochmals Dank, herzlichen Dank allen, die ich liebe und denen ich Treue halten will. JULIE HERZL Wien, im Juli (Aw) 1904 (5664). der Erneuerung, des Judentums zu leben, in der die P fl e g e juedischer Tradition an die erste Stelle treten muss. Darum sollen wir von den uns gegebenen Moegglichkeiten Gebrauch machen! ‘Der Jude soll zweimal, einmal bei Tage und einmal bei Nacht, des Auszuges aus Aegypten gedenken bezw. seiner Erwaehnung tun. Zu welchem Zwecke geschieht diese Erwaehnung? “...damit wir taeglich unseren Ursprung in das Gedaechtnis zurueckrufen, dass wir einst ein Sklavenvolk in Aegypten gewesen: und dass Gott uns durch ausserordentliche Taten und Wunder aus dieser Sklaverei befreit habe; damit wir durch diese grosse Wohltat uns verpachtet halten, uns Gott hinzugeben; und endlich, dass Gott damals zuerst seine grosse Allmacht und besondere Vorsehung fuer uns vor den Augen der ganzen Welt gezeigt habe..." (Maimönides). Wir haben in unserer Zeit erneut Veranlassung, unser Dankbarkeitsgefuehl gegen Gott zum Ausdruck zu bringen, weil unsere 2000-jaehrige Sehnsucht nach unserem Lande in unserer Generation erfuellt worden ist. Daher ist eine Aenderung unserer Lebensgestaltung durchaus notwendig durch die Erfuellung der goettlichen Gebote. Wie aber kann der juedische Mensch die goettlichen Gebote erfuellen, wenn er nicht ueber juedisches Wissen verfuegt? Unsere Weisen lehren uns, dass der juedische Mensch sich Zeiten festlegen soll fuer das Studium in unserer Tor ah; denn Sinn und Zweck unseres Erdendaseins ist “unser Streben, die Gottesnaehe zu erreichen”. Die Naehe Gottes will durch Werke errungen sein, durch die Befolgung der Gebote. Wenn wir uns ernstlich mit unseren Zeitproblemen beschaeftigen, muessen wir zu der Erkenntnis kommen, dass unser Gebot der Stunde lauten mussl “Juedisches Wissen in unsere juedischen Haeuser”. ' HEIMAN ABRAMCZYK mm DER TALITH-WEBER Aach er uebt ein heiliges Handwerk aus

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