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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-09-01 · 9 (Septiembre, 1955) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
9 (Septiembre, 1955)
Date
1955-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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REDACCION) S.C. I. B’NE J1SROEL AV. PORTUGAL 610. TEL, 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO«CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O CIED A D C U LT U RAL IS R A E L I T A “ B * N E J I S R O ÉL" Año XVII — N.o 9 _ 3- SANTIAGO DE CHILE Septiembre, 1955 HEILIGUNG DES LEBEN Vor^mehr als 50 Jahren schrieb der grosse nordische abstrakten Ideen beschaefti- Dichter des modernen Dramas sein letztes tiefes pessimisti sches Werk und in einem hinterlassenen Entwurf paraphrasiert er den'Titel: “Wenn wir Toten erwachen, ja, was sehen wir dann? wir sehen, dass wir nie gelebt haben”. Diese Worte enthalten einen bitteren Vorwurf, um nicht zu sage« eine starke Anklage. Die Nachwelt wird des Treubruchs gegenueber der Vergangenheit bezichtigt, das ist die tiefe Klage der Toten. Haben sie Recht? Fuer das Leben der Gegen wart im allgemeinen scheint uns die charakteristische Bezeichnung “Entheiligung” angebracht. Auch vor Israel hat dieses Phaenomen nicht halt gemacht. Israel, das Volk, das einst am Sinai berufen wurde, ein heiliges Volk zu werden, ist an der “Entheiligung des Lehens” erkrankt. Das alte so vertraute Wort “Kodausch” ist aus dem juedl sehen Leben geschwunden und deswegen ist die Klage auch unserer Toten zu hoe ren: Wir sehen: dass wir nicht gelebt haben, “Die Heiligkeit des Lebens” ist die ganze Lehre des Judentums. Im Gegensatz zu den anderen Religionen, die in den Glaubenssaetzen das Wesentliche, in den religioesen Ge braeuchen nur das Nebensaechliche sehen, steht beim Judentum im Anfang das Wort: “Wir sollen tun und hoeren”. Im Anfang steht die Tat. Das Judentum betrachtet die Erfuellung der Tatgebote als die Konkretisierung des Glaubens und der religioesen Erkenntnis. Wenn auch das Judentum keineswegs die Bedeutung religioeser Betrachtungen gering schaetzt, so steht doch ueber allem die einmalige Bedeutung der Tora. Es gibt kein Volk in der Welt, das das Studium der Tora so noengeschaetzt hat und daher in allen Epochen bestrebt gewesen ist, die Kenntnis dieser Tora unter ihren Soehnen zu verbreiten, kein Volk, das einen solch grossen Wert darauf gelegt hat, dass seine Soehne “sitzen und lernen", lernen im ewigen Lebensbuch. Wenn es in einer der talmudischen Diskussionen um die Frage geht, was groesser Dt: Lernen oder Erhielten”, Theorie oder Praxis und die Antwort dann gegeben wird, dass das Lernen hoeher steht, weil es zur Erfuellung fuehrt, so ist es eben nur so zu verstehen, dass aus der Erkenntnis und Kenntnis, aus dem Wissen, der Weg zur Erfuellung und Tat fuehrt. Eine abstrakte Idee hat keinen Bestand, sie hat keine Wurzel in der Wirklichkeit, im praktischen Leben und wenn ein ungewoehnlicher. ungeahnter Sturm sich erhebt, fegt er sie weg aus der Welt und sie verschwindet fuer immer. Es ist ebenso selbstverstaendlich. dass die Erfuellung der Gesetze ohne Erkenntnis auf die Dauer kei- ■nen Bestand hat, aber abstrakte Ideen neigen dazu Verwirrung zu stiften und schliesslich in Vergessenheit zu geraten. Denn wer sind diejenigen, die sich mit den gen. Theoretiker, Wissenschaftler, einige wenige Auserwaehlte; und wie viel sind es in jedem Volk und in einem jeden Geschlecht? wie ist es denn moeglich in einem ganzen" Volk abstrakte Ideen zu verwurzeln? Die Masse j formt das Volk. Wenn die! öchueler der Weisen die Wurzeln des Volkes repraesentie-; ren, so bildet die Masse den Stamm, seine Zweige und Aeste das Volk. Und die Masse wird etwa die abstrakte Idee erfassen, um mit ihr und nach ihr zu leben? Die Tora ist keine abstrakte Idee, sie : ist auch nicht nur einigen Auserwaehlten gegeben, dem ganzen Volk ist sie zum Besitz gegeben oder wie ein Rabbi es einmal sagte “Gott hat Wohlgefallen an Israel,! deshalb hat er ihm, dem gani zen Volk, die Tora und Mizi woth in grosser Zahl gege-! ben. Kein Gesetz ohne Tora d. h. Studium” —ohne den Grund der theoretischen Erkenntnis sind die Gesetze leere Gebraeuche und auch umgekehrt hat die Tora ohne Gesetze keinen Bestand, denn sie waere wie eine nackte Seele ohne Koerper. Fortsetzung Seite 7 tív¿& Ernste Gedanken aus Anlass des Neuen Jahres 5716 TORAHSCHREIBER AUS TUNIS Er uebt ein uraltes Handwerk ans Mit Windeseile ist ein Jahr verflogen. Auch wer es nicht wahrhaben will, den ueberzeugt der unerbittliche Lauf der Tage, dass wiederum ein Jahr in unserem Leben abgelaufen ist. Jeder Jude, der noch einen Funken juedischen Gemeinschaftsgefuehls in sich fuehlt, bereitet sich darauf vor, wenigstens diese drei Tage des Jahres,-die mit dem Jahreswechsel verbunden sind, in der juedischen Gemeinschaft zu begehen. Viele, all zu viele, haben nur noch einen sehr oberflaechlichen Begriff von unserem Gebetbuch und es faellt ihnen schwer, dem Gebet der Gemeinde zu folgen oder in jedem Augenblick in das Gebetbuch hinein schauen zu" koennen. Aber in diesen Tagen zieht doch ein unerklaerliches, ja vielleicht sogar mystisch zu nennendes Gefuehl den juedischen Menschen zu seinen Bruedern und Schwestern . Was bewegt sie, was empfinden sie? Einmal im Jahr : wenigstens befreien sie sich von dem Draengen, von dem! Getriebenwerden, von dieser i unaufhoerlichen Hast, von diesem Tempo, in das uns die moderne Welt hineinzwaengt. Einmal wenigstens will man in Ruhe und ohne unmittelbare Sorgen in sei-; nem Synagogenplatz sitzen koennen, um mit seinen Ge-, danken frei und ungebunden durch sein Leben schweifen zu koennen. Dann traeumen wir. traeumen von laengst vergangenen Tagen, von der Kindheit, Elternhaus, Freunden, G e b u r t s st a d t, alles schiebt durcheinander. Und wir traeumen davon, wie schoen das Leben sein koennte, wenn nur eben all das nicht waere, was dieses Leben so schwer macht. Ja, aber, so fragen wir, was ist das: ein schoenes Leben?; Auch unsere Bibel laesst j Menschen traeumen und nicht nur Individuen, sondern; auch das Volk. An dem erhabensten Tage i des Jahres, in der feierlichi sten Stunde des Jaum Kipur j spricht auch der grosse Pro-; phet Jesaia vom Traeumen: j und es wird sein: sowie der; Hungrige traeumt — sieh’ da,; er isst, dann wacht er auf, I doch leer ist seine Seele; und j wie der Durstige traeumt — I sieh da, er trinkt, dann wacht er auf und seine Seele schmachtet”. I Und auch im Buch der 1 Psalmen ist vom Traum die Rede in jenem Lied, das wir bei festlichen Gelegenheiten singen; “Alu Gott die Gefangenen nach Zion zurueckfuehrte. dan waren wir wie Traeumende”. Begreifen wir den Gegensatz zwischen diesen beiden Traeumen? Jesaia spricht vom Traum der Leere, des Jagens nach Nichtigem, des reinen Suchens der Genuesse des Lebens. Und wenn wir erwachen, ist die Seele leer, leerer als sie je vorher gewesen. Dann spueren wir —in jenen seltenen Momenten des Lebens, — wie schal, wie inhaltslos alles in uns und um uns herum ist. Die Speise hat uns nicht gesaettigt und der Trunk nicht erfrischt. Und jener andere Traum des Psalmisten, der uns Juden durch die Jahrhunderte in stunden ■ des Leids das Leben erleichtert hat, er drueckt einen Traum aus, dessen Inhalt ein Ideal, dessen Kraft eine Vision ist. In diesen ehrfurehtgebietenden Tagen sollte ein Jeder sich fragen, welchen Traum er traeumt, wohin ihn sein Lebensweg fuehrt. Ob Fortsetzung Seite i

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