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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-07-01 · 7 (Julio, 1955) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
7 (Julio, 1955)
Date
1955-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 Julio, 1955 BOLETIN INFORMATIVO /i fäJVv'' r Zehn Jahre ALBERT EINSTEIN Ye reinigte Nationen VON HANS KAUFMANN “direkte Verhandlungen”: alles in allem kein Ruhmesblatt. ( Vor wenigen Tagen beging die Organisation der I Vereinten Nationen ihr zehnjaehrlges Jubilaeum in San Francisco, die Stadt ihrer Gruendungscharter. In unzaehligen Ansprachen, Reden und Kommentaren , wurde dieser 26. Juni zum Anlass genommen, eine Bilanz ihrer Taetigkeit zu ziehen. Es ist nicht uninteressant, eine Gegenüberstellung der Begeisterung jener, die in den V. N. die Wahrerin des Weltfriedens sehen, mit der Enttaeuschung derer, die sich am ewigen Zank und den leeren Formeln einer ueberholten Geheimdiplcmatle stossen, zu versuchen. Doch beruht vielleicht letzten Endes der Gegensatz hauptsaechlich darauf, ob man die geschichtliche Bedeutung dieser Institution an den hochgespannten Erwartungen misst, die manche in sie gesetzt hatten oder sie aber am praktischen Masstab ihrer tatsaechlichen Leistungen bewertet. Zweifellos besteht ein Abgrund zwischen der Hoffnung des fuer alle Ewigkeit gesicherten Friedens und der Realitaet des kalten Krieges. In zweiter Linie kann man sehr verschiedener Meinung darueber sein, ob .die Beilegung der verschiedenen ‘Kriege der Nachkriegszeit’ in Griechenland, Palaestina, Korea und Indochina auf das Konto der V. N. gutgeschrieben werden darf oder vielmehr auf andere Faktoren zurueckzufuehren ist. Ein solch ueberaus scharfer Beobachter der internationalen Szene, wie dies Leo Trotzky war, schrieb seinerzeit ueber den Voelkerbund (“Die verratene Revolution”): “Die Stalin, Baldwin und Leon Blum gemeinsame Formel: -Der Frieden waere gesichert, wenn alle Staaten sich im Voelkerbund vereinigen wuerden, um ihn zu verteidigen—, bedeutet lediglich, dass der Frieden gesichert waere, wenn es keinen Grund gaebe, ihn zu stoeren. “Wer nicht zugeben will, dass die V. N. das erblich belastete Kind des Genfer Selbstmoerders ist wird einwenden, dass man in San Francisco das Veto- Recht geschaffen hat, dass die Welt sich aendert und dass gerade in den letzten Wochen die internationale Lage sich merklich gebessert hat. Dem skeptischen Widersacher natuerlich ist es nicht entgangen, dass der optimi- -Sliäche Vorredner an anderer Steife' 0 -''•ht .als die Quelle aller ‘ueuc. "andmarkt hatte und eine k, .Tm der V. N. Charter verlangt, dass die Lage sich verschlecht t.ert oder verbessert oüt ohne Zutun von Lake Success und dass die tiefgreifendsten Aenderungen auf diesem gep.agten Planeten fern von dem Wolkenkratzer am Hudson-River vollzogen werden und man sie dort bestenfalls nachtraeglich registriert. Wer hat nun recht? Beide? (Keiner? Werweiss?! Eins steht jedenfalls fest: Man kann dem Werk der V. N. noch so kritisch gegenueberstehen —und Grund dazu gibt es in Huelle und Fuelle—, aber es ist nicht zu leugnen, dass manches sehr Positives geleistet wurde und wird und der, ganze nicht geringe Aufwand nicht umsonst ist. Bereits die Tatsache, dass es alljaehrlich waehrend der Tagungen der Vollversammlung eine Tribuene gibt, auf der die Grossmaechte ihre Meinungsverschiedenheiten praezisieren und die kleinen Staaten sich an die Weltoeffentlichkeit richten koennen, ist in dieser durch Wissenschaft, Massenbewegungen und Flugverkehr kleingewordenen weit nicht nur positiv, sondern einfach unermesslich. Sodann waere die Kleinarbeit zu nennen, die jahraus, jahrein von den spezialisierten Agenturen geleistet wird und die vielleicht nicht so an die Oeffentlichkeit gelangt, aber um so wirkungsvoller ist. Was UNESCO fuer Kultur und Erziehung, UNICEF fuer Kindheit und Jugend und CE- PAL, um nur drei Beispiele zu nennen, fuer das Studium der amerikanischen Wirtschaftsprobleme geleistet hat, gehoert zu den Ruhmesblaettern zeitgenoessischer Geschichte. Von den verschiedenen Arbeitskommisionen der V. N, hat wohl die vielversprechendste, der Sicherheitsrat, die in ihn gesetzten Hoffnungen am staerksten enttaeuscht. Der griechische Buergerkrieg endete durch den Abfall Titos von Moskau, der Krieg in Korea wurde in Panmunjon und der in Indochina in Genf mit dem verfemten Nichtmitgliedsstaat China ausgehandelt, in mehr lokalisierten Konflikten wie dem Streit um Kaschmir empfahl jaan den Beteiligten Nur dem israelisch-arabischen Krieg setzte der Sicherheitsrat durch energischen Eingriff ein Ende. Den Moment waehlte er zwar leider nicht, als die von der Vollvers a m m 1 u n g beschlossenen Grenzen des Staates Israel invadiert wurden, sondern als dieser zum Gegenschlag ausholte, denn so wollten es die in ihm vertretenen Grossmaechte, aber die Tatsache, wenn auch in ihrer moralischen Bedeutung geschmaelert, bleibt bestehen: man hat diesem Krieg ein Ende gesetzt. Und mehr; man hat einen Waffenstillstand zustande zu bringen geholfen, einen schlechten Waffenstillstand, aber immerhin, einen Waffenstillstand und man kontrolliert ihn auch. Manchmal schlecht wie Bernadotte und Bennike, manchmal ' besser wie Bunche oder Burns, aber man kontrolliert ihn irgendwie. All dem ist eine praktische Bedeutung unmoeglich abzusprechen. Und es ist kein Zufall, dass ausgerechnet zu diesem geographisch so begrenzten Thema noch viel mehr zu sagen ist: Am Fall Israel hat die Organisation der Vereinten Nationen schlecht und recht bewiesen, dass sie irgendwie die Hueterin des Internationalen Rechts ist. Um einen solch imponderabilen wert zu veranschaulichen, ist es gut, sich vor Augen zu fuehren, wie viel staerker doch die Position des Staates Israel dadurch war und ist, dass er nicht nur dank der Opferbereitschaft seiner Bevoelkerung einen siegreichen Befreiungskrieg fuehrte, sondern dass er ihn auch, unter anderem, im Namen der historischen 33 Stimmen vom 27. November 1947 durchfocht. Auch der Moment der Aufnah: me Israels in den Kreis der Vereinten Nationen bestaetigte, als Kroenung der damaligen Serie der “Anerkennungen” des Staates, dass die.« Organisation doch etwas mehr darstellt als nur die Summe ihrer Einzelmitglieder. Zwischen Hoffnung und Unglauben hat die Menschheit den 10. Jahrestag ihrer grossen und unvollkommenen Friedensorganisation begangen. Werden sich die Ideale Wilsons und Roosevelts verwirklichen? Wir alle hoffen es. Und wenn auch die V. N. keine bessere Welt hetvorbringen werden, so sei doch der heisse Wunsch ausgesprochen, dass in nicht allzu ferner Zeit eine bessere Welt sich auch eine bessere, gerechte, uebernational orientierte und tatkraeftige Organisation wahrhaftig “vereinter Nationen” schaffen moege AUS EINER REDE GEHALTEN VON RABBINER MAN FRED LUBLINER AM ZWEITEN TAG SCHOWUAUS Der Genius zaehlt zu den grossen Geheimnissen des Menschentums. Aue Bemuehungen, sein Wesen zu ergruenaen, beginnen una enden in der philosophischen Ueberlegung, alle 'Versuche, aas Geheimnis seines seuis lebensgesetzüch zu eriassen, sind zum Scheitern verurteilt. Wir vermoegen vielleicht koerperliche und s e e 1 is c h e Merkmale und Eigentümlichkeiten festzustelien, kennen aber weder die individuellen noch sozialen Ideen des Genius. Sein Dasein ist eine Begnadung des Volkes, aus dem er hervorgegangen, und ist ein Geschenk, dieses Volkes an die Menschheit, welcher der Genius immer zugehoeren wird, er ist aie hoechste und seltenste Form des menschlichen Daseins, denn ihm eignet eine Faehigkeit an, die wir als goettliche Gabe ansehen, hinier aas Werden der Dinge zu schauen, wo die andern-Menschen nur die aeussere Form oder den Vorgang wahrnehmen koennen. In ein Wort altjuedischer Weisheit..gekieidet neissc das: “Deine Weit magst Du. schauen düerfen in Deinem Leben”. Diese Gnade ist dem Genius Albert Einstein zuteil geworden, deswegen sagen wir ein Grosser —und Groesse ist, was wir nicht sind, ist von uns geschieden, das ist unsere Trauer, dass er ein solch Grosser war und bleibt und dazu einer der sich und sein Werk vollendet hat, das ist unser Trost. Unser Schmerz —unser Trost sagen wir bewusst, weil er in allen Tagen seines Lebens ein stolzer und bewusster' Sohn unseres Volkes gewesen ist. Er hat zu jenem kleinen und doch grossen Volk gehoert, das der Welt vor Jahrtausenden durch seinen ersten Genius Moses das Gesetz des Sinais gebracht hat, jenes unsterbliche Gesetz, das fuer alle Zeiten die Lebensfundamente gelegt hat und abermals nach Jahrtausenden kam einer aus diesem kleinen und doch grossen Volk und offenbarte der Welt das Geheimnis von dem einen und unteilbaren Universum. In seinen Formeln eroeffnete sich die bisher hoechste Er-, fassung alles dessen, was die Welt zusammenhaelt. In seiner Arbeit, die ihm wohl oft erchauern machen musste, war nun die Materie im irdischen Zusammenhang ihrer ueberirdischen Gesetze erfasst. Ein solches gigantisches Geisteswerk zu schaffen, war nur moeglich in der Einsamkeit, jener Einsamkeit von der der Dichter gesagt hat: Wer viel einst zu verkuenden (hat Schweigt viel in sich hinein, Wer einst den Blitz zu zuen- (den hat, Muss lange Wolke sein. Selbstgewaehltes Alleinsein gehoert zu den heiligen Rechten des Genies, jenes periodische SichzuruecKziehen, das der Schaffende bedarf, und das keine Abwendung von der Welt und der Gemeinschaft bedeutet. Das ist vielleicht mit das Groesste an aiesem Genius, aas er, aer Ueuerragende, doch Mensch gebueoen ist una aas im edelsten Sinn des Wortes. Durch Bescheidenheit , Guete und ueoeigrosse Hnfsbereitschait bot er das hinreissenae Bild eines Mannes, der ganz seiner Bestimmung aux dieser Erde gelebt hat. Und noch eines! er war Jude und auch dies im besten Smne des Wortes. Nicht nur, dass er zu allen Zeiten fuer sein Volk eingetreten ist, dass er ein bewusster und kaempfender Zionist w a r, sondern er war auch Jude, 'der den Einen und Unteilbaren Gott, von dem einst Moses gekuendet, zu tiefst verehrt hat. Vor mehr als einem Jahrzehnt hat Albert Einstein in einem Aufsatz ueber “Wissenschaft und Religion” es ausgesprochen: “So hoch das Streben des Menschen nach Wissen zu schaetzen ist, so ist doch ebenso klar, dass das Wissen von dem, was ist, nicht direkt die Tuer oeffnet” zu dem, was sein sollte. Man kann das klarste und vollstaendigste Wissen haben, von dem was ist-, und dennoch nicht in dör Lage sein, daraus abzuleiten, was das Ziel unseres menschlichen Strebens sein sollte. Blosses Denken kann uns nicht den Sinn der hoechsten und fundamentalsten Zwecke enthuellen. Dies ist die bedeutendste Funktion, die nur die Religion im sozialen Leben des Menschen erfuellen kann. Fragt man: woher die Autoritaet zu solchen fundamentalen Zwecken fliesst, so kann man antworten: sie existieren als maechtige Traditonen, die auf das Verhalten, das Streben und das Urteil der Individuen einwirken, treten in Erscheinung nicht durch Demonstration, sondern durch Offenbarung, deren Mittler machtvolle Persoenlichkeiten sind. Man soll nicht versuchen, sie zu rechtfertigen, sondern Klar und einfach ihre Natur zu erfuehlen. Diese Schlussworte sind das Bekenntnis eines Grossen, der sich in Demut vor dem Einen und Unteilbaren, vor dem Gott des Du sollst gebeugt hat.

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