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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-06-01 · 6 (Junio, 1955) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
6 (Junio, 1955)
Date
1955-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i 1 REDACCION, S.C. I. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL, 33066 CASILLA 2487, SANTIAGO CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA "B'NE JISROEL" Año XVII — N.o 6 SANTIAGO DE CHILE Junio, 1955 ■ *á Wm: AUSFLUG IN ISRAEL: ln den Sukkothfeiertagen des Jahres 1929 wurde der Grundstein zum ersten Hause in den Sandduenen des heutigen Nathanya gelegt, das damals als ein kleines Dorf fuer 40 Familien ins Leben gerufen wurde. Die ersten Siedler junge Menschen aus dem Galil, brauchten 4. Tagereisen um an ihren Bestimmungsort zu gelangen. Sie lebten anderthalb Jahre in Zelten, pfluegten und fieberten. Die Siedlung sollte mit Privatkapital aufgebaut werden, das in Orangepflanzungen investiert werden sollte. Der erste oeffentliche Kredit, den der Ort erhielt, betrug 1000 I Pfund und diente zum Bau von Haeusern. Ein grundlegender Wandel im Charakter Nathanyas trat ein, als im Jahre 1936 die umliegenden Suempfe getrocknet und eine Chaussee angelegt wurde, die Tel Aviv in erreichbare Naehe rueckte. So konnte sich Nathanya zu einem Knotenpunkt in der Verbindung von Tel - Aviv mit Haifa entwickeln sowie zum Mittelpunkt des landwirtschaftlichen Leben des Bezirkes. Auch begann er bald, ßommergaeste an seinen schoenen Strand zu ziehen Wesentlich fuer Nathanya war dann die Diamantenindustrie, die zu Beginn des Weltkrieges aus Belgien und Holland nach hier ueberfuehrt wurde und Tausenden von Arbeitern Brot gab. Die Diamantenepoche verhalf der ‘•Stadt-Nathanya zum Entstehen. Auch heute gibt sie immer noch 800 Menschen jn 26 Betrieben das taegliche Brot. Nach der Entstehung des Staates Israel wurde Nathanya als Stadt anerkannt und ihr eine Bodenflaeche von 30.000 Dunam zugewiesen. Die Stadt hat heute 35.000 Einwohner und beherbergt 60 bis' 70 industrielle Unternehmen der verschiedensten Art, in denen Gelder aus aller Welt investiert, sind, welche auf 20 Millionen IL geschaetzt werden. Seit 1938 hat Nathanya mehr als 30.000 Olim aufgenommen, deren groesster Teil in das Wirtschaftsleben eingeordnet werden konnte Nathanya gibt ein vortreffliches Beispiel dafuer, was in 25 Jahren in Israel auf gebaut und geleistet worden ist. s '■*$ lltii * -■aAi —• - I Oben: Gesamtansicht Unten: Parkanlage Das Buch als Freund i j Seit der Gruendung des juedischen Staates im Jahre 1948 hat die Buchproduktion Israels einen bedeutenden Aufschwung genommen. Nach den amtlichen Feststellungen brachten allein im Jahre 1953 die einheimischen Verlage 977 . Neuerscheinungen heraus, Israel steht mit seiner Buchproduktion an der Spitze aller Laender des Vorderen Orients. Denn der Prozentsatz an Analphabeten ist verschwindend gering, waehrend er in anderen orientalischen! Laendern, wie z. B. in Aegypi ten; bis zu 85% der Gesamtbevoelkerung ausmacht — ein Umstand, der natuerlich die verlegerische Taetigkeit stark einschraenkt. Von den fast 2 Millionen Einwohnern Israels ist ein wesentlicher Teil erst in den letzten 6 Jahren eingewandert. Unter ihnen befinden, sich viele, die die hebraeische Sprache nie so weit beherrschen werden, um Buecher zum Vergnuegen oder zum Erwerb voii Kenntnissen zu lesen, Doch auch unter denen, die hebraeische Buecher lesen, gibt es nur wenige, welche nicht zumindest zwei, und viele, die mehrere Sprachen beherrschen. So muss an zahlreichen Stellen das hebraeische Buch seinen Platz im Buecherschrank mit Buechern in allen Sprachen der Welt teilen. Die steigende Verbreitung des Hebraeischen als Sprache des taeglichen Lebens hat aber eine wachsende Nachfrage nach hebraeischen Buechern mit sich gebracht. Der im Lande aufgewachsenen Jugend sind ausserdem die Klassiker der Herkunftslaen. der ihrer Eltern oft ebenso vertraut wie die hebraeischen Klassiker, welche sie in der : Schule lernt. So entsteht eine i grosse Nachfrage nach Ueber. setzungen von Werken der Weltliteratur. So gross jedoch die Nachfrage nach hebraeischen Buechern auf einer fast unbegrenzten Zahl von Gebieten ist, so weiss der israelische Verleger andererseits, dass er fuer jedes einzelne seiner Buecher oft mit einem bei schraenkten Absatz rechnen kann. Von einem Roman in Hebraeisch kann er im allgemeinen nicht mehr als 2000 Exemplare verkaufen. Von einem “Best seller” 5000 bis 6000. Eine Sensation im israelischen Buchhandel bedeutete daher der Absatz von 50000 Exemplaren des Gedichtbandes “Die siebente Spalte” von Nathan Altermann, eine Sammlung von aktuellen Gedichten, die alllwoechentlich in der Tageszeitung “Davar” erscheinen. Trotz der geringen Auflagehoehe kommen indessen immer mehr neue hebraeische Buecher aus allen Gebieten auf den Markt. Dabei sind die Preise durchaus erschwinglich Denn ein Roman durchschnittlicher Laenge kostet zwischen 2 und 3 I. Pfund. Mit Ausnahme der religioesen Literatur standen die Romane an der Spitze der Verlags. listen von 1954. Von den genannten 977 Neuerscheinungen entfielen 205 auf diese Gruppe. Soeben erschien auch der 5 Band eines hebraeischen Konversationslexikons, dessen erster Band im Jahr 1948 herauskam und dem jedes Jahr ein weiterer Band folgt. Vor kurzem hat nun auch die Israelregierung die Einfuhr von deutschen Buechern freigegeben, die bisher verboten war. Doch duerfen verstaendlicher Weise diese Buecher nicht in den Schaufenstern der Buchbandlungen ausgelegt werden. Es gibt aber unter den vielen Uebersetzungen der klassischen Literatur ins Hebraeische bereits eine ganze Anzahl von Ueberse-zungei aus dem' Deutschen. So erschienen Kleists “Michael Kohlhaas” und Rilkes “Weise von Liebe und Tod’ in hebraeischer Uebersetzung in bibliophiler Aus stattung im Verlag von Moshe Spitzer in Jerusalem. Die guten Leutchen wissen nicht, was es einem fuer Zeit und JVluehe gekostet, um lesen zu lernen. Ich habe achtzig Jahr gebraucht, und kann noch jetzt nicht sagen, dass ich am Ziele waere. (GOETHE) Von Hanns Arens Diese Frage scheint mir von Bedeutung zu sein im Hinblick auf die so oft gehoerte Ausrede: “Ich habe keine Zeit zum Lesen!” Die meisten Menschen gebrauchen sie gedankenlos, wie sie stuendlich so viele Worte sagen, bei denen sie sich nichts denken. Auch das ist ein Zeichen unserer Zeit. Wenn ich die Frage stelle: “Koennen wir noch lesen?”, so denke ich dabei nicht an blosse Unterhaltung. Die meisten “Bestseller” liest man, um das Sensationsbeduerfnis zu befriedigen. Man soll sie lesen, aber darueber nicht vergessen, dass es auch noch andere Buecher gibt, die vom Menschen noch etwas mehr, naemlich Konzentration verlangen. Damit ist das Stichwort gefallen: Buecher, die vom Leser die freiwillige Hingabe fordern, Buecher, die auf hoeherer Ebene angesiej delt sind. Ich meine damit i keine “belehrenden” Buecher. Ich denke an wichtige und gewichtige Buecher bedeutender Menschen. Solche Buecher sind oft nicht “leicht” zu lesen. Das heisst aber nicht, dass sie schwer verstaendlich seiens. Alle diese Buecher sind jedermann zugaenglich. Aber sie verlangen Hingabe, Versenkung und Konzentration, Ruhe und Bereitsein. Fuer die Strassenbahn sind sie nicht gedacht und geschrieben! Wenn nun gesagt wird “ich habe keine Zeit”, dann soll das eigentlich heissen: “es ist mir zu muehsam! Ich will gut und spannend unterhalten sein, weiter nichts. Wenn ich das nicht haben kann, dann lese Ich eben nicht”. So oder aehnlich wuerde mir vielleicht geantwortet. Aber es ist nur eine Flucht oder Aus. flucht. (Schluss auf Seite 13) . 3556

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