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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-05-01 · 5 (Mayo, 1955) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
5 (Mayo, 1955)
Date
1955-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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REDACCION, S.C. I. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL G lo, TEL, 3303« CASILLA 2487. SANTIAGO-CHILE BOLETIN INFORMATIVO S O C I EDA D CULTURAL Mitteilungsblatt ISRAELITA "B'NE JISROEL" Año XVII — N.O 5 PROFESSOR ALBERT EINSTEIN SANTIAGO DE CHILE Mayo, 1955 PROMETHEUS DES 20. JAHRHUNDERTS Von HANS KAUFMANN die Welt erschuetteitp T^!fChr Ch* vom Tode Albert Einsteil furcht ™^S5S&iT!Sh"!^1,GeiueW der Trauer, Eh ser Intensitaetseitdlm?,US’ wie sie in db -zehn Jahre und sechlTaEe vnihPrFrai?k1^ D' Ro°seveI Fosdickmp1S 4Vahre alt~bat de Naturforscher um eine Liste der^i,^1 Gruppe fuehrende aus der Geschichte ärer Wissen Namei ten inmitten der Statuen mnenS?' lb^e Gestalten soll losophen eine der Kh-chen Königen und Phi schlaege der Gelehrten•w *°rks zleren. Die Vor der. Fast alle Listen enthielten ’rtip'’?'1 Pu2kt,e? auseinan küd, Galilei und Newton Der VnmoNA?i?e” Archimedes, Euals einzigem Lebenden NEWTON - EINSTEIN Die Tragweite der Einsteinschen Forschungsergebnisse fuer Wissenschaft, Philosophie, Technik und den Fortschritt —oder Ausloeschung des Lebens— der Menschheit ueberhaupt zu ermessen, ist heute eine unmceglich zu bewältigende Aufgabe und wird es auch wahrscheinlich immer bleiben. Ganz gewiss' uebersteigt sie bei weitem die Kraefte und Moeglichkeiten eines jeden Laien und sei der Versuch, die Bedeutung des Dahingegangenen zu wuerdigen, noch so tief empfunden. Als Lord Haldane ihn in der Britischen Akademie der Wissenschaften begruesste sprach er ihn an als “den neuen Newton des 20. Jahrhunderts; der Mann, der eine noch groessere Revolution unserer Gedankenwelt verursacht hat, als dies Kopernikus, Galilei oder selbst Newton taten”.. Die im allgemeinen unter dem Namen “Relativitaetstheorie” zusammengefassten Erkenntnisse haben in der Tat dem menschlichen Geist ein neues Konzept vom Universum vermittelt. Und dieses neue Konzept, ungeheuer kompliziert in seiner Vielfalt, gipfelt, als Kroenung von Einsteins wissenschaftlichem Lebenswerk, in seiner “Einheitlichen Feldtheorie”. Dieselbe liefert der modernen Physik die Formeln, all die Erscheinungen, die bisher als Materie und Energie, als Gravitation und Elektromagnetismus, als Licht und Waerme, als Zeit und Raum, als Ruhezustand und Bewegung untersucht wurden, auf so etwas wie einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Das heisst, man ist dem “letzten Ziel' aller wissenschaftlichen Erkenntnis”, die nach seiner eigenen Definition darin besteht, “das groesstmoegliche Tatsachengebiet aus der kleinstmoeglichen Anzahl von Axiomen und Hypothesen zu erhellen”, insofern naeher gekommen, als er die Vielfalt der Natur und des Universums, des Makrokosmos und des Mikrokosmos, auf “eine einzige, in sich harmonische Theorie” reduziert hat. Nicht minder grandios erscheint jedoch die Tatsache, dass dieses gewaltige Abenteuer des menschlichen Geistes dadurch verwirklicht wurde, dass Einstein davon ausging, an der Nuetzlichkeit der menschlichen Sinneswahrnehmungen zur Erforschung des Universums zu zweifeln und schliesslich dazu gelangte, ihre irrefuehrende Unzulaenglichkeit mathematisch zu ueberwinden. Dass unsere Sinne die Umwelt dreidimensional empfinden und sich eine vierdimensionale Raumzeittoelt nicht vorstellen koen nen, war fuer ihn von nicht viel mehr Belang als die Tatsache, dass etwa ein Regenwurm davon “ueberzeugt” ist, die Erdoberflaeche sei eben und nicht gekruemmt Ebenso wird die Schlussfolgerung, dass das Universum endlich ist und seine Groesse berechnet werden kann, von unserem Vorstellungsvermoegen a priori und kategorisch mit der Frage abgelehnt: und was kommt dahinter? Nicht anders steht es mit dem Lehrsatz, dass zwischen zwei Punkten die Gerade die kuerzeste Verbindung sei und dessen Richtigkeit Einstein auf die Euklidsche Geometrie be^ grenzt hat das heisst, auf eine Abstraktion der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit selbst jedoch ist die des gekruemmten Raums, der keine geraden Linien kennt. Die Behauptung, dass Zeitablauf und Gemm '"'S I : •VW/’Í HI MM ¿M schwindigkeit nicht absolut messbar sind, da es kein festes, normierendes Bezugsystem gibt und auch der ‘Raum’ der nach Einstein nur die Beziehung und Ordnung der Himmelskoerper darstellt, als solches nicht dient, stellt diesem unzulaenglichen Instrument, das wir “Menschenverstand” nennen, eine weitere unloesbare Aufgabe. ' Der Weg zum Verstaendnis des Weltbilds, das die “moderne” Physik, d. h. die Physik seit Einstein beschreibt, liegt weit abseits von den Pfaden althergebrachter Vorstellungen. Nichtsdestotrotz ist dieses Weltbild heute in unserer tatsaechlichen Erfahrung verankert und sei es auch nur fragmentarisch, in zwei ebenso frappierenden wie revolutionaeren Experimenten. Das erste wurde von einer britischen Wissenschaft liehen Expedition nach dem Ende des ersten Weltkriegs vorgenommen, im Jahre 1922 erfolgreich wiederholt und bestaetigte durch genaue Messungen Einsteins Behaup. tungen betreffs der Kruemmung des Lichts beim Durch- I queren eines Kraftfeldes. Im Fall des genannten Experiments handelte es sich um die Beobachtung des Planeten Merkur waehrend einer Sonnenfinsternis, eben des Planeten, der bislang der Newtönschen Gravitationstheorie getrotzt hatte. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu bemerken, dass die Resultate bei der Anwendung der Einsteinschen Formeln mit denen Newton im allgemeinen identisch sind, dass sie jedoch auch bei den Grenzfaellen hoechster Geschwindigkeiten (annaehernde Licht geschwindigkeit) und besonders starker Gravitationsfelder (Sonnennaehe) die Wirklichkeit interpretieren, waehrend letztere sich als unzulaenglich erweisen. Es ist somit unrichtig zu behaupten, dass Einsteins Lehre die Newtonsche Gravitationstheorie etwa widerlegt habe; er hat sie vielmehr im dreifachen Hegelschen Sinne “aufgehoben”: naemlich konserviert, auf eine hoehere Ebene gehoben und ueberwunden. Die zweite experimentelle Bostaetigung betrifft Einsteins Behauptung ueber die Identitaet von Materie und Energie —Energie ist gleich Masse multipliziert mit dem 9.1iadFat der Lichtgeschwindigkeit — durch die Schaffung der Atombombe E mc2: drei Symbole, die der Menschheit das Geheimnis der Sonnenstrahlung offen barten und einen der Schleier die das Wunder des Lebens selbst verbergen, zerrissen. Seit Prometheus den Goettern das Feuer entwandt, hake11 nur gezaehlte menschliche Taten die Welt vor die ewig wiederkehrende Alterna. & vorstellbaren Ausmasse in sich. SCHWEITZER- EINSTEIN Es mag nicht zuletzt das Gefuehl einer ungeheuren Verantwortung gewesen sein, das Einstein immer wieder dazu bewogen hat, seiner Gelehrtennatur nicht nur die Weltferne zu versagen, auf die sie ein Anrecht hatte und die sich so mancher “zerstreute Professor” goennt, sondern bis in die Tagesfragen der Politik hinabzusteigen, sei es, um den Weg zum Fortschritt zu beschleunigen oder auch nur, um die Fahrt zum Untergang zu bremsen. Er war es, der der. Praesidenten Roosevelt auf die Bedeutung der hitleristischen Atomexperimente aufmerksam machte und zu Inangriffnahme des Manhattan - Projekts veranlasste. Er war es aber auch, der unter vollkommen anderen Umstaen. den den Wasserstoffbomben- Hysterikern zum Trotz sich auf Seite Robert Oppenheimers stellte. Hatte er einen bestimmten politischen Standpunkt? Niemand darf die Frage mit Ja beantworten, aber jedermann kannte ihn; naemlich fuer alle guten Sachen und gegen alle schlechten. Fuer Gerechtigkeit, fqer Neger, fuer Frieden, fuer politische Gefangene, fuer freie Meintfngsaeusserung; gegen Unterdrueckung, gegen Mac Carthy, gegen Luegendetektor, gegen Franco. Das mag fuer manch einen banal klingen oder sehr einfach erscheinen, aber die Quelle, aus der er die Kraft fuer diese Haltung schoepfte, liegt in ihrer Reinheit und Unzugaenglichkeit den meisten verborgen; es ist die Quelle der Menschenliebe. 1 (Schluss auf Seite 9)

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