Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 4 (Abril, 1955)
- Date
- 1955-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Abril, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 3 i 1 ) 1 'í L YALTA - KNALLT DA! Verhandelt oder Gehandelt Ein Mann, der das Haus seines Nachbarn anzuzuenden bereit ist, um sich ein Ei braten zu koennen, ist, wie uns ein englisches Sprichwort lehrt, ein Egoist. Eine Gruppe Menschen, die eine Welt in Brand zu stecken gewillt ist, um fuer sich etwas wohltuende Waerme zu erzeugen, nennt man eine politische Partei. Den Republikanischen Politikern Nordamerikas musste es von vornherein klar sein, dass die voellig unzeitgemaesse Veroeffentlichung der Aufzeichnungen ueber die zwischen Roosevelt, Churchill und Stalin in Yalta gepflogenen Verhandlungen das Ansehen ihres Vaterlandes bei Freund und Feind herabsetzen wuerde. Sie nahmen dies jedoch bereitwilligst in Kauf, da sie sich durch den erwarteten Popularitaetsverlust der Demokraten im Land selbst reichlich kompensiert erachten. Schliesslich waren die wesentlichen Tatsachen ueber d i e verschiedenen Unterhandlungen zwischen den Drei Grossen genuegend bekannt nicht nur durch die Zeitungsmeldungen, sondern durch seither veroeffentlichtc Memoiren fuehrender Per. soenlichkeiten und durch die sich spaeter ergebene letzthin politisch - geographische Sachlage in Europa und Asien. Was aber der jetzt' veroeffentlichte Bericht reichlich enthaelt sind kleine Anekdoten und Aussprueche, die einer politischen Pikanterie nicht voellig entbehren, und welche —aus dem Zusammenhang gerissen, in einer Wahlversammlung zittiert—, die Eselsbruecke darstellen fuer den dialektischen Trugschluss: Demokrat gleich Roosevelt g 1 e ich Russenf r e u nd gleich Kommunist gleich Erzfeind! Was von den republikanischen Propagandisten absichtlich, von den breiten Massen ungewollt vergessen wird, ist, den zeitgemaessen Hintergrund der damaligen Gespraeche zu berücksichtigen. Heute, wo der hysterische Antikommunismus in den Staaten, jede Verhandlungsbereitschaft mit den Russen einerseits, jedes Misstrauen gegen faschistische Regime andrerseits, zum Hochverrat stempeln moechte, nehmen sich Roosevelts Worte und Taten ganz anders aus als in den tragischen Kriegsjahren, wo ein Dutzend Laender erobert und unterdrückt, die ganze Welt aber bedroht war von den teutonischen Soeldnerhaufen. Um der Dankbarkeit willen aber, die wir Juden aus Deutschland fuer den verstorbenen Presidenten F. D. Roosevelt empfinden, und der historischen Gerechtigkeit zuliebe aber sei dies festgestellt: Die Tore Europas und Asiens wurden den Russen gerade durch die verbrecherisch-ueberspannten Abenteuer des Hitlerrigimes geoeffnet, das, wenn es frueher bekaempft worden Waere, zweifellos das politische Gleichgewicht der Welt weitaus weniger gestoert haette. Einer der ersten Staatsmaenner aber, die die ungeheure Gefahr erkannten, welche der Nazismus fuer die Menschheit bedeutete, war Roosevelt. Ihm gelang es durch entschlossene Fuehrung, die Amerikaner aus ihrem isolationistischem Schlummer zu wecken und zur entscheidenden Anteilnahme im Weltkrieg hinzufuehren; er autorisierte in einzig dastehender Grosszuegigkeit die materielle Unterstuetzung der gegen die Naziheere kaempfenden Alliierten; er wagte es schliesslich, den grossen Traum einer fuer den Frieden arbeitenden Menchheit durch harmonische Zusammenarbeit unter den Grossmaechten schrittweise anzustreben. Bei etwas naeherer Betrachtung entpuppt sich der Laerm um Yalta als billiges parteipolitisches Knallfeuerzeug. Noch aus den Zeiten der Mandatsregierung stammt die t i e f g e h ende Meinungsverschiedenheit unter den zionistischen Fuehrem, ob man im Kampf gegen den aeusseren Gegner gemaessigte Methoden diplomatischer Verhandlungskunst anwenden oder aber aktivistischere Wege einer militaerischen Kraftdemonstration einschlagen solle. Israel hat im allgemeinen in seiner Aussenpolitik eine gemaessigte Haltung bewiesen, unterbrochen eigentlich nur von zwei scharfen Reaktionen, Kibia und Gaza, auf eine lange Kette von den von arabischer Seite provozierten Grenzzwischenfaellen. Waehrend der Zeit der israelischen Zurueckhaltung, hoerte der junge Staat freund lichere Worte aus London und auch von jenseits des Atlantischen Ozeans. Doch gab das praktische Resultate fuer den jungen Staat? Kamen die jungen Opfer, die aus dem Rueckhalt erschossen worden waren, dadurch zu neuem Leben? Wurde Aegypten zur Freigabe des Suez-Kanals, die arabischen Staaten zum Frieden gezwungen? Jetzt, nach dem Zwischenfall in Gaza, bedauert das nordamerikanische Aussenamt, sich in die Lage versetzt zu sehen, die geplanten pro - israelischen Erklaerungjen vorlaeufig zu verschieben. Dabei ist es ganz offensichtlich, dass eine den Frieden und die Grenzen in Palaestina garantierende Erklaerung, vor Wochen gegeben, die fortdauernden arabischen Provokationen unterbunden und damit die juedische heftige Reaktion ueberfluessig gemacht haette. Der VN-Beauftragte Burns hat darueber sehr kluge und gerechte Bemerkungen abgegeben. Ueber die wahre Friedensbereitschaft Aegyptens kann man sich an Hand der Bemerkungen Saleh S a 1 e m s orientieren, nach denen Aegypten nie mit Israel Frieden machen wuerde, auch wenn dies Land alle Beschluesse der VN befolgen und alle arabischen Fluechtlinge zurueck nehmen wuerde. Er, Saleh Salem, faende sich auch mit einem auf das Stadtgebiet Tel- Avivs beschraenkten Israel nicht ab. Dieser unnachgiebige Effendi schlug im uebri. gen kuerzlich “zur Befriedung” die Uebergabe des Negevs an Jordanien vor, wohl um ein gerade im ersten Erschliessen befindliches Gebiet zu seinem lethargischen wuestenschlaf zurueck zu fuehren. England wies diese Forderung kuehl ab und erinnerte bei dieser Gelegenheit daran, dass es Garant der tatsaeehlichen Grenzen im palaestinensischen Gebiet sei. Diplomatische Verhandlungen ueber das Negevgebiet kommen zu spaet; zu viel wurde dort durch energisches Handeln bereits entschieden. SPRACHLOS Die Tatsachen sind bekannt—in der Wahlversammlung einer der Adenauerkoalition teilnehmenden Partei kam es zu einer antisemitischen Kundgebung— und den Kommentar dazu, den kann man sich sparen. Religion fuer Menschenrechte Ein kluger Mann meinte einst, dass ps ohne Orthodoxie kein Judentum gaebe. Ein weiser Mann erwiderte darauf, dass ohne religioesen Liberalismus gleichfalls kein Judentum bestehen koenne. Tatsaechlich gehoeren alle Stroemungen, die aus einer Zeit geboren werden, in die Geschichte eines Volkes und wirken nolens volens zu seiner Erhaltung. So hat nicht nur die juedische Gesetzestreue konservierend in der Geschichte gewirkt, sondern auch der Liberalismus gab der grossen Mehrheit, welche, an den minutioesen rituellen Verordnungen nicht mehr festhaltend, ausserhalb Unserer Religion Befriedigung gesucht haetten, einen neuen Inhalt innerhalb des Judentums. Trotz alledem hat der religioese Liberalismus bei uns Juden nur selten eine gerechte Beurteilung erhalten; von der Orthodoxie von jeher heftigst bekaempft, wurde er auch vom Zionismus hauptsaechlich als Folgeerscheinung —oder gar Wegbereiter— der Assimilation verdammt. Es ist aber Zeit, einmal daran zu erinnern, dass es heute ernsthaft strebende Menschen auf der ganzen Welt gibt, die ihre nationaljuedische Einstellung mit einem religioes-liberalen Weltbild vereinen. Die “Union for Progressive Judaism”, zu deren fuehrenden Menschen u. a. auch Rabbiner Dr. L. Baeck zaehlt; versucht, diese Stroemung innerhalb des Judentums zu vereinen. Die Feuerprobe bestand eine dieser Gruppen kuerzlich in Suedafrika, als sie im Namen der Religion und Mensch lichkeit gegen die Regierungsbestimmungen p r o t es. tierte, welche die Erziehungsmoeglichkeiten fuer die Eingeborenen einschraenken sollen. Der juedische Liberalismus hat damit bewiesen, (dass auch er einen weiten Weg von den Zeiten des zaghaften “mosaischen Bekenntnisses unter unserem Schirmherrn Wilhelm dem Xten” zurueckgelegt hat. Er ist zu einem berufenen Wortfuehrer juedischer Menschen geworden! Name - gesetzlich geschuetzt Die junge Judenrepublik hat bereits auf ihrer Exportliste eine Reihe interessanter Artikel, von Waffen bis zu falschen Zaehnen. Ein alter, stets bewaehrter Exportartikel bleiben aber die Zitrusfruechte, von denen im Jahre 1954 knapp eine Million Kis ten zum Versand gelangten. Die Hauptabnehmer sind England und Sowjetrussland, danach kommen andere 15 Laender. Unter den exportierten Zitrusfruechten erfreuen sich allerseits groesster Beliebtheit die grossen und saftigen Apfelsinen, die sogenannten “Jaffa-Orangen”. Ein besonderes Amt zur Ueberwachung der Ausfuhr prueft in Israel die Erstklassigkeit der unter diesem Namen zu verkaufenden Fruechte. Zum grossen Erstaunen der Londoner erschienen nun kuerzlich auf dem dortigen Markt kleine, halbgruene Apfelsinen, die trotz ihrer Saft- und Kraftlosigkeit den stolzen Namen “Jaffa-Orangen” trugen. Eine angestellte Untersuchung ergab, dass es sich um Fruechte aus Cypern handelte. Die Plantagenbesitzer Cyperns erklaerten, dass man jede Apfelsine mit jenem Na. mien be— und auszeichnen duerfe, da die palaestlnensischen grossen Orangen alle mit “Jaffa” bezeichnet wuerden, auch jene, die nicht am Kuestenstrich neben der Stadt Jaffa gewachsen waeren. Doch in England gibt es einen sehr strengen Ausschuss, der die geschaeftliche Moral ueberwachen muss. Dieser erklaerte nun, dass, da Jaffa in Israel gelegen sei, alle in jenem Land angepflanzten grossen Orangensorten und nur diese den Namen “Jaffa” fuehren duerfen. Dieser Name verbuerge ausserdem eine hervorragende Qualitaet, welche die cypriotischen Fruechte nun einmal nicht besaessen Kuenftig kaufen die Englaender also nur “Jaffa-Orangen” aus Israel! BEN. ‘Abba, erzaehl wieder, wie du den Negev erobert hast...! 1