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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-03-01 · 3 (Marzo, 1955) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
3 (Marzo, 1955)
Date
1955-03-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Marzo, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 17 Israel das Musikland Dr. Bergmann (von Seite 15) Die Veroeffentlichung der Programme des 28. Festes der “Internationalen Gesellschaft fuer Neue Musik’’, das vom 30. Mai bis 10. Juni dieses Jahres auf dem Carmel in Haifa stattfindet, lenkt zum ersten Male die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf Israel als ein Land der Musik. Zwar war der Ruf seines Philharmonischen Orchesters schon lange in die Welt gedrungen vereinzelte Kuenstler und Dirigenten Israels gastieren von Zeit zu Zeit in Europa, und die in Israel verlegten Kompositionen sind heute auch in Europa erhaeltlich, aber ueber das eigentliche Ausmass des Musiklebens und vor allem ueber das musikalische Schaffen in Israel war bisher wenig bekannt. Das Programm des Musikfestes wird dem internationalen Publikum das Israel Philharmonie Orchestra, das Radio-Orchester Jerusalems, das Haifaer Kammerorchester ver schiedene Choere, instrumentale Ensembles und Solisten vorfuehren, welche mit Kollegen internationalen Rufes zusammen auftreten werden: das israelische Schaffen wird durch drei von der Internationalen Jury ausgewaehlte Werke und durch ein Sonderkonzert belegt werden. Fast saemtliche kuenstlerischen Kraefte des Landes werden in der Welturauffuehrung von Darius Milhauds grossem “David”-Werk mitwirken, das in diesem Jahr als Oratorium und im naechsten Jahr als Oper gegeben wird. Die drei Israelischen Werke des Musikfestes charakterisieren drei der vier Hauotstroemungen, die heute das Schaffen in Israel beherrschen. Erich Walter sternberg, der mit einem Streichouartett mit Mezzosopransolo zu Worte kommt, gehoert der Gruppe von Komponisten an. die aus der mitteleuropaeischen Schule und dem Modernismus der zwanziger Jahre stammen und die ihren Stil unter dem Einfluss der neuartigen Umgebung des Nahen Orients kaum gewandelt haben Sie sehen in der Welt der Bibel und der eurooaelsch-iued'sehen Tradition die wesentlichen geistigen Gueter, welche der Kuenstler pflegen und gestalten soll, finden aber wenig Zugang zu der iahrtausendealten Tr ad iti o.n des Orients, waehrend so die geistige Haltung der Komponisten dieser Schule sie von ihren euronaeischen Kollegen absondert, gehoeren sie stilistisch doch voellig der enronaeischen Stil- und Klangwelt an. am ehesten der Welt Hi.ndcmlths in seiner mittleren Stilueriode. — Josef Tal. dessen Konzert fuer Bratsche und Orchester im Programm des Musikfestes erscheint, geheert, im Grunde demselben Kreise an, aber einer iuengeren Generation, die der Tradition dps Ostens empfaengücher und aufgeschlossener ist und in der Ausdruckskraft der traditionellen Einstimmigkeit, starke Mittel sieht. So hat Tal vor allem in einer choreographischen Musik “Aufstieg nach Jerusalem” mit, staerkstem Erfolg die musikalischen Moeglichkeit.en rein linearer Entwicklung bei Ausnutzung verscMedenster instrumentaler Klangfarben versucht, und die da* bei gewonnenen Stilelemente fanden ihren Eingang in Tals grossen Orchester- und Chorwerken, wie die symphonische Kantate auf eine Legende der Makabaeerzeit, sein zweites Klavierkonzert (das lm Februar vom Studio Zuerlch aufgefuehrt werden soll) und das Bratschenkonzert beweisen. — Der dritte Komponist im Programm des Musikfestes ist Roman Haubenstock-Ramati, dessen Werk “Blessings” (“Segenssprueche”) fuer eine Solostimme und neun Instrumente geschrieben Ist. Dieser junge Komponist gehoert der kleinen, aber nicht unbedeutenden Gruppe von Musikern an. die in der Verwandtschaft der uralten “Reihenkompositien” orientalischer Melodien und der “Serientechnik” der Zwoelftonmusik neue Moegglichkeiten erblicken welche gerade ein Komponist im Nahen Osten besonders entwikkeln kann — durch seinen engen Kontakt mit der noch gepflegten orientalischen Tra dition. Ramatis Werk ist auf Vokalisen komponiert und gibt dem Saenger die im Orient traditionelle Freiheit der Intonation in Vierteltoenen; in der vokalen Linie wird eine Synthese zwischen traditionellem orientalischem Sang und dodekaphoriischer Gestaltung versucht, waehrend die ungewoehnliche Besetzung des instrumentalen Begleitkoerpers auf eine Stilisierung heterophoner orientalischer Klangwelt hindeutet. Er ist aus vier Geigen, Floete, Celesta, Harfe, Klavier und Schlagzeug zusammengesetzt. Die Klangvorstellung in Ramatis Werk — wenn auch nicht sein Stilcharakter — steht den Bestrebungen der vierten Gruppe israelischer Komponisten nicht allzu fern; diese Gruppe wird in dem Sonderkonzert des Musikfestes zu Worte kommen: es ist die Schule der “Mittelmeer-Komponlsten”, die in bewusster Anlehnung an die orientalische Klangwelt einen Folklorismus auf sozusagen hoeherer Ebene erstreben. Der bekannteste Komno.nist dieser Gruppe ist Paul Ben-Haim, dessen Erste Symphonie in vielen europaeisohen Laendern und in den Vereinigten Staaten mit aussergewoehnlichem Erfolg gespielt wurde und dessen Sonate fuer Sologeige von Yehudi Menuhin in aller Welt aufgefuehrt wird. Ein feinsinniges lyrisches Talent, souveraenes Formgefuehl. eine unter deutlichem Einfluss der hier monoten und da weitgeschwungenen orientalischen Linie, gestaltete Melodik und eine exotische Mischung von. Farben und Klaengen zeichnen die Musik dieses Komnonisten aus, der trotz aller Neigung zum Folkloristischen niemals billig und gemeinplaetzig wird. In den Werken von Alexander Uria Boscovich und Oedoeo Partos werden Kolorit und Rhythmus staerker, und auf Kosten der melodischen Lvrik, betont; beide Komponisten stammen aus Suedo^teuropa und stehen dem Einfluss der Bartok-Schule nahe. Boscovlchs Oboenkonzert und. Partos’ “Lobgesang” fuer Bratsche und Orchester gehoeren den hervorragendsten Werken der neuen Musik an: das erstere erscheint im Katalog der Plattenprojekte des Conseil International de Musique (Unesco) und das Partos-Werk wurde von William primrose in sein Répertorier aufgenommen. Das Schaffen der juengeren Generation, von Komponisten, die bereits im Lande geboren und erzogen sind, ist weniger von den Problemen beherrscht, die die aelteren Komponisten infolge ihrer Verpflanzung in eine neue Atmosphaere beschaeftigen. Bei ihnen interessiert vor allem die Neugestaltung der Melodik, wie .sie sich aus dem eigenen Charakter der hebraeischen Sprache ergibt. Das Hebraeische, das den aus europaeischen Laendern Eingewanderten eine Fremdsprache, den in Israel Geborenen aber erste Sprache ist (wenn auch nicht immer “Mutter” spräche), hat alle melodischen und rhythmischen Eigenschaften einer orientalischen Sprache, und auch ihre Klangwelt ist vcel- 'ig anders als die derjenigen romanischen und germanischen Sprachen, welche die grosse Musik der europaeischen Laender ln den letzten Jahrhunderten mitgeformt haben. Welcher Stilschule auch immer die jungen Komponisten Israels angehoeren — und die fuehrenden Geister der oben charakterisierten vier Hauptschulen sind ja ihre Lehrer—, so vollzieht sich hier ein interessanter Stilwandel, der weit ueber die engen Grenzen der jungen Nation von Interesse ist. Wer die Entwicklung der Musik in den letzten Jahrzehnten aufmerksam verfolgt und analysiert hat, findet Bestrebungen zur Anlehnung an alte orientalische Traditionen in vielen Laendern, bei vielen Meistern, in vielen Werken. In Israel wird vielleicht eine Bruecke zwischen Alt und Neu. zwischen Ost und West gebaut, so wie ln alten Zeiten Palaestina als Bruecke und Mittler zwischen den Kulturen wirkte. Es scheint vielleicht von symptomatischer Bedeutung, das die IGNM Israel fuer ihr erstes aussereuropaeisches Mu sikfest auswaehlte, und es zeugt von kulturellem Weitblick des Buergermeister Aba Chuschi, dass er die als ‘Stadt der Zukunft’ bekannte Stadt Haifa in den Dienst des musikalischen Fortschritts gestellt hat, zu einer Zeit, wo Israel noch mit schwerwiegenden politischen und wirtschaftlichen Problemen zu ringen hat, aber die geistige und kulturelle Iniciative nicht vernanchlaessigen will. Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang das Symposium, das im Anschluss an das Musikfest unter den Auspizien des Conseil International de Musique der Unesco abgehalten werden soll und sich mit dem Thema “Der Orient in der Zeitgenoessischen Musik” beschaeftigen wird. » Peter Gradenwitz Kleine Annoncengrosser Erfolg Gebietes der orientalischen Sprachen. Jedem Radikalismus abgeneigt, stand Dr. Juda Bergmann auf dem rechten Fluegel des religioesen Liberalismus und wusste sich der Tradition tief verbunden. Diesen Geist verpflanzte er in die Seelen der juedischen Menschen aller Kreise, die ihm groesste Hochachtung entgegenbrachten und vererbte ihn vor allem seinen Kindern. Ihnen schloss er sich schon im Jahre 1933, 59 —jaehrig, an, um sich in Erez Jisrael das Leben neuaufzubauen. In Jeruschalajim setzte er seine schriftstellerische Taetigkeit fort, gelegentlich auch vor ehemals deutschen Juden an den hoechsten Festen predigend. Drei Werke sind in den letzten Jahren aus der Feder Juda Bergmann’s in hebraeischer Sprache erschienen: “Das Judentum, Gedanke und Gestaltung”, “Das Volk und sein Geist’, und “Juedisches Wohltun, seine Geschichte und sein Einfluss auf die soziale Kultur der Menschheit”. Hierzu kommen noch zahlreiche Beitraege in hebraei. sehen Zeitungen und Monatsschriften. In seinen Erinnerungen “Vom Irrtum zur Wahrheit” hat Israels Erster Staatspraesident, Prof. Chaim Weizmann, der Familie Bergmann eine schoenes Denkmal gesetzt. Mit einem der Soehne des nun Verewigten, mit dem genialen Chemiker vom Weizmann-Institut zu Rechowot, Prof. David Ernst Bergmann, verband Weizmann eine tiefe persoenliche Freund Schaft. Die aus Deutschland stammenden Juden in der Welt, insbesondere die einstigen Mitglieder der Berliner Gemeinde werden den Menschen und Lehrer Juda Bergmann nicht vergessen; er hat zum Segen des ganzen juedischen Volkes gewirkt, und seine Kinder nehmen im Leben des Staates Israel hochgeachtete Positionen ein. “Es fehlt a Jid zu Minjan” Von RACHEL RABINOWITZ Uebersetzt aus dem Jewish Chronicle London Diese Worte hallten durch meine Kindheit! Wir hatten immer ein Minjan am Schabbos und Jonttef, aber an Werktagen war es leider anders. Unsere Mitglieder waren arme Leute, einige von ihnen Gelehrte, und alle verdienten ehrlich und schwer ihr Geld, oft hatten sie bis spaet in die Nacht zu arbeiten. Daher kam es dass so wir aus irgend einem Grunde, gewoehnlich wenn jemand Jahrzeit hatte, ein Minjan mitten in der Woche benoetigten, wir verloren waren. Langsam versammelten sich die Leute in dem kleinen Bethamedrasch. Sie standen in Gruppen zusammen. Sie setzten sich auf Holzbaenke. Sie warteten. Es waren nur 9 Leute! Immer wieder zaehlten sie einander, und dennoch es waren nur neun. Dann ging ein Geschrei los. Es fehlt a Jiid zu Minjan, schrieen sie vereint. Ich hoerte sie, liess meine Aufgaben, meine Buecher was immer ich machte, ich lief dem Ruf zu folgen. Sie walteten auf mich. Ich bekam schnell begreiilich und ziemlich komplizierte Instruktionen. Versuch Rebb Moische die Strasse unten, sagten sie. Versuch Rebb Schnyuel um die Ecke, Frag Rebb Jankel unten. Frag Rebb Jitzrok oben. Vielleicht findest Du den jungen Meier zu Hause. Geh und schau nach Avramele, geh und schau, geh und such. Sag ihnen wir brauchen einen Zehnten. Sag ihnen wir warten. Ich ging, ich flog, ich eilte, ich rannte, die Strasse rauf die Strasse runter, zu den Zelten zu den Nachbarn. Es fehlt a Jiid zu Minjan, wiederholte ich dringend. Ich wusste das war genug! Das war eine Mitzwe die konnte und wuerde nicht warten. Sie wuerde nicht warten. Sie wuerden ihre Mahlzeiten unbeendet lassen, sie wuerden ihre gemuetlichen Sessel lassen. In der Tat, wenn sie da waeren kaemen sie. Aber ach, sie waren nicht immer da. Wenn ich zurueck. kam und berichtete: kein Glueck! dann galt es andere Wege zu versuchen. Gelegentlich borgten wir uns einen Mann ven einem anderen Minjan. Das war eine feststehende Tatsache. Wir selbst waren immer gewillt jemand zni borgen wenn sich die Gelegenheit ergab. Zu andern Zeiten waren wir sogar faehigeinen Nichtreligioesen anzuhalten welcher gerade vorbei kam. Ich bin nicht fromm sagte er hoffnungsvoll. Ich habe dringende Verabredung sagte er verzweifelt. Es fehlt a Jiid zu Minjan, antworteten sie unerbittlich und das war es. Die Vorsehung verliess uns nie! Um die elfte Stunde kam immer der Zehnte, und ehrlich ich war enttaeuscht. Gerade als ich bereit war Elijahu den Prophet, zu begruessen, natuerlich incógnito, mit seinem wallenden Bart die Kleidung eines Bettlers und das Gesicht eines Engels der langerwartete Zehnte erschien in der Verkleidung eines atemlosen, arbeitenden Juden. Und glaubt mir, Elijahu selbst koennte keinen herzlichereren Empfang haben. Jiiden lommer dawnenl

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