Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-03-01 · 3 (Marzo, 1955) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
3 (Marzo, 1955)
Date
1955-03-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8556771-9194104--1533-8556810
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Marzo, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 15 Der grosse Bibelerklaerer CURT WILK, BUENOS AIRIS JPfo ie/re*i, h Stand das soeben zuendegegangene bürgerliche Jahr 1954 Im Zeichen des 750. Todestages eines der allergroessten juedischen Geister, des Maimonides (RAMBAM), so enthaelt dieses neue Jahr 1955 abermals ein sehr wichtiges Datum: Vor achthundert und fuenfzig Jahren im Jahre 1105, starb zu Troyes (Frankreich), der Stadt seiner Geburt,"Rabbi Salomo ben Jizchak, unter der Abkuerzung “RASCHI” allgemein bekannt. Er ist der klassische Exeget von Bibel und Talmud, dessen Kommentare fuer die woertliche Erklaerung des biblischen und das einfache Verstaendnis des talmudischen Textes unentbehrlich geworden sind; sie wurden seit Jahrhunderten allen Bibel-und Talmudausgaben beigedruckt, und man darf von diesem grossen Meister sagen, dass das von ihm errichtete Lehrhaus rasch der Mittelpunkt juedischer Gelehrsamkeit in Nordfrankreich geworden ist wobei jedoch der Mann und seine Persoenlichkeit hinter seiner g e w a 11 igen Lebensleistung voellig zurueckgetreten sind, einer Tat von maechtiger Wirkung für alle kommenden Generationen. Rabbi Schlomo Jizchaki, 1040 in der alten Bischofsstadt Troyes, die spaeter Haupstadt der Champagne wurde, geboren, lebte vom Ertrage laendlicher Arbeiten; Weinbau und Viehzucht, dies wissen'wir, trugen zu seinem Unterhalt bei. Nur fuer wenige Jahre, etwa von seinem 20. bis zu seinem 24. Lebensjahre, hatte er, als bereits verheirateter Mann, die Heimat verlassen und auf dieser Reise die beruehmten Lehrhaeuser von Worms und Mainz besucht, die dank den Tagen des Rabbi Gerschom, der “Leuchte der Diaspora”, einen grossen Aufschwung genommen und sich um die Erforschung von Bibel und Talmud sehr verdient gemacht hatten. Dies war in jener Zeit lange vor Erfindung der Buchdruckerkunst, sehr schwierig, da man Buecher iaengst vergangener Zeiten und ferner Laender heranziehen musste, die man meist nicht verstand und die Hilfsmittel von Heute, Grammatiken, Woerterbuecher etc. unbekannt waren. Gewiss, das "Fuenfbuch”, die Thora, wurden in der Synagoge verlesen, ebenso Teile der Propheten als “Haftaroth”; auch viele Psalmen kehrten in den Gebeten wieder; doch die uebrigen Buecher der Bibel, der Talmud, viele andere Texte waren nur unter Schwierigkeiten zu verschaffen, und So muss man immer wieder bewundern, was in jener Epoche und noch lange danach fuer die lebendige Weiterentwicklung des traditionellen Gedankengutes v o 11 b rächt worden ist, und kaum jemand verdient hoehere Anerkennung als Raschi, von dem wir wissen, dass selbst seine eigenen Lehrer auf den jungen Rabbiner von fünfundzwanzig Jahren mit Ehrfurcht blickten, um sich dem Urteil seines klaren Geistes zu unterwerfen. Es war das Geniale an Raschi, dass er, den ihm von den Lehrern uebermittelten Meinungen treu folgend, in der Lage gewesen ist, seinerseits den Schuelern die uralten Ueberlieferungen in eine ganz neue Beleuchtung zu ruekken. Sein Ziel war, das von den Vorfahren ueberkommene Wissen klar zu verstehen und dieses Verstaendnis wei- Lass es Dich nicht RABBINER S. LEMLE Wenn Du meinst, Gutes zu tun und der Andere hat es nicht verstanden lass es Dichn nicht verdriessen. Du weisst doch nicht, wie bitter es dem Anderen ist. Wenn Du versuchst, anstaendig zu sein und stoesst damit nur gegen harte Mauern-lass es Dich nicht verdriessen. Wenn es leicht waere, wuerden alle anstaendig sein. Wenn Du allein bist und der, den Du erwartest, klopft nicht an Deine Tuer-lass es Dich nicht verdriessen. Du weisst doch nicht, was ihn gerade abhaelt. Wenn Du allein eine gute Meinung vertrittst und Andere Dich verlachen-lass es Dich nicht verdriessen. Du weisst doch dass es bequemer ist zu hoehnen als zu vertrauen. Wenn Du trotz allem optimistisch bist und man Dich darum fuer naiv haelt-lass es Dich nicht verdriessen. Nur die Optimisten verbuergen den Fort-! schritt. j Wenn Du von Pflicht und Verantwortung sprichst | und man Dich deshalb fuer altmodisch haelt-lass es i Dich nicht verdriessen. Du bist damit nicht allein, I denn viele sehnen sich nach gemeinsamer Verant- | wortung. i Wenn Du Dich um unser Volk kuemmerst, unser Land, unsere Zukunft und andere das nicht verstehen-lass es Dich nicht verdriessen. Die Stimme in Dir! ist ewig. Sie kam von unseren Vaetern und wird in j unseren Kindern sprechen.! Wenn Du trotz allem an den Frieden glaubst und i jeder Tag scheint Deinen Glauben Luegen zu strafen- ■ lass es Dich nicht verdriessen Ohne dass die Men- | sehen an den Frieden glauben, werden sie ihn nie erringen. Lass es Dich nicht verdriessen-glaube an Dich die! Menschen die Welt, an Gott. terzu-leiten. Jedes Wort der Tradition war ihm heilig, und er durchforschte es mit aller Kraft der Seele und des Geistes. Daran staerkte sich sein Geist maechtig; er -wollte nichts anderes sein als Erklaerer, und diese Endaerungen entsprachen dem Text so vollkommen, dass man sich daran gewoehnte, sie als organischen Bestandteil der heiligen Buecher anzusehen, und diese grossartigen Kommentare wanderten als unzertrennliche Wegbegleiter von Bibel und Talmud, durch die Jahrhunderte bis in unsere Tage. Raschis Bibelkommentar ist das erste hebraeische Buch gewesen, welches, im Jahre 1475, die Druckpresse verliess; es wurde bahnbrechend und grundlegend fuer die kommenden Schulen, die auf ihm aufbauten. Die Liebe der Nachwelt hat das Leben des schlichten Gelehrten in vielen Sagen und Legenden verklaert, ohne einen hoeheren Platz anweisen zu koennen als denjenigen, den er in der Geschichte der juedi- ■schen Wissenschaften erreichte. Dieser unermuedliche Forscher hatte aber auch noch Zeit gefunden, viele an ihn ergangene Rechtsfragen zu beantworten und eine Gebetssammlung anzulegen, in welcher die Not der Zeit ihren ergreifenden Ausdruck findet. Mitten aus rastlosem Schaf, fen raffte der Tod am 13. Juli ¡1105 den gottbegnadeten Weisen dahin. Der legendaere Studienort in Worms, die beruehmte “Raschikapelle”, ist im Jahre 1938 der Vernichtung durch die Naziverbrecher anheimgefallen. Sein geistiges Vermaechtnis aber ist unzerstoerbar, solange unser Volk an seinem Erbe festhaelt! Rabbiner Dr. Juda Bergmann s. A. Von Curt Wilk, Buenos Aires Im 81 Lebensjahre starb zu Jerusalem, seinem Wohnsitz seit einundzwanzig Jahren, der langjaehrige Rabbiner der Juedischen Gemeinde zu Berlin und hervorragende Wissenschaftler, Dr. Juda Bergmann. In Galizien zu Hause, hatte Bergmann die Wiener Jued. Theologische Lehranstalt absoviert, um dann zunaechst in kleineren Gemeinden (u. a. Frankfurt Oder) taetig zu sein, ehe ihn die Berliner Gemeinde im Jahre 1908 berief. Hier, an der Wirkungsstaette seines Schwiegervaters, des gelehrten Rabb. Dr. Adolf Rosenzweig (1850 bis 1918), fand auch er ein weites Betaetigungsfeld. Ueber die seelsorgerische— und Kanzeltaetigkeit hinaus (Synagogen Fasanen und Levetzowstr.) wurde Dr. Bergmann bekannt als Dozent und Mitbegruender der “Freien Juedischen Volkshochschule” (dem spaeteren “Lehrhause”), als Verfasser von Schriften u e b er juedische Folklore (“Juedische Namen”, “Die Legenden der Juden”) und, mehr dem engeren Kreise der Fachkundigen, als Forscher bezw. Erforscher des weiten (Schluss auf Seite 17) SUEDDEUTSCHE ZEITUNG Ueberschrift: Rechtsstaat “Triumph des Willens”, so nannte sich grossmaeulig einer der Reichsparteitage, die Pg. Hitler zu Nuernberg veranstaltete. Triumph des schlechten Willens, so ist man versucht, in schaerfster Anklage gegen die heutigen Verantwortlichen in Bund und Laendern, die sogenannte Wiedergutmachung zu nennen, die nun im 10. (mit Worten: zehnten) Jahr seit des Braunauers truebem Ende noch kaum begonnen hat, was fuer die wirtschaftswunderselige Bundesrepublik den beachtlichen Vorteil bietet, dass die ueberlebenden Opfer Hitlerts allmaehlich in Not und Elend aussterben. Das Ganze ist ein Skandal, den anzuprangern wir nicht muede worden sollten, besonders nicht in einem Augenblick, wo deutsche Divisionen erneut in greifbare Naehe ruecken, Divisionen, die allein in vier Monaten soviel kosten werden, wie die gesamte bisher aus schlechtem Willen unterlassene individuelle Wiedergutmachung in acht bis zehn Jahren erfordern wuerde: naemlich drei Milliarden. Es ist nun schon wieder eineinhalb Jahre her, seit der Bundestag mit seinem Bundesentschaedigungsgesetz die individuelle Wiedergutmachung endlich in Gang zu setzen schien. Jedoch: es fehlen die Ausfuehrungsbestimmungen, und so lange kann eben die Entschaedigung leider nicht beginnen. Leider? Nein: körn hat ja schliesslich auch, um nur Beispiele zu nenn&n, den Lastenausgleich, die Kriegsopferversorgung die Heimkehrerentschaedigung unter Dach und Fach gebracht, von den brandeiligen 131ern ganz zu schweigen. Hier aber —wo es um die ueberlebenden Opfer eines das deutsche Ansehen schaendenden Massenverbrechens geht — sind die “technischen Schwierigkeiten” ueberwaeltigend, In Gestalt der Finanzministerien aber hat man sozusagen die Boecke zu Gaertnern gemacht: Diese Ministerien sind zugleich Schuldner und hinsichtlich ihrer eigenen Schuldverpflichtungen weisunggebende Behoerde Ueberschrift: Rechtsstaat. LE MONDE Absurd und unnuetz Maurice Duverger schreibt u. a.: “Man kann durchaus der Meinung sein, dass die freie Welt ohne deutsche Truppen laenger leben wird als mit ihnen” — diese Bemerkung der “New York Post” unterstreicht ausgezeichnet die Absurditaet des Problems, in das der Westen sich verstrickt hat. Man bewaffnet Deutschland nicht wieder, um die Wuensche der Deutschen zu erfuellen: denn diese sind der Wiederbewaffnung abgeneigt. Man bewaffnet Deutschland auch nicht wieder, um die Sicherheit der freien Voelker zu gewaehrleisten; denn diese Sicherheit ist seit Jahren ohne die deutschen Truppen gegeben, und die Entwicklung der neuen Waffen vermindert fortschreitend die Bedeutung der konventionellen Waffen. Man bewaffnet Deutschland wieder, weil Washington dies im Jahre 1950, zur Zeit der koreanischen Aggression, gewollt hat und weil die ungeheure diplomatische Maschine Amerikas noch nicht zum Stehen gebracht werden konnte. Man bewaffnet Deutschland wieder, weil Grossbntanien ueber die wirtschaftliche Konkurrenz der Bundesrepublik beunruhigt ist, und weil ein alt gewordener Churchill die berechtigten Kritiken vergisst, die vor dreissig Jahren ein Churchill auf der Hoehe seiner Kraft an der Verblendung der britischen Diplomatie geuebt hat. Das alles wissen die Franzosen. Wenn sie ihre tiefsten Wuensche der atlantischen Allianz opfern, wissen sie zugleich, dass ihr Opfer denselben absurden und unnuetzen Charakter hat wie die Proben, die man den Rittern in der Sage als Treuebeweise auferlegte. Das erhoeht die Allieerten in den Augen der Franzosen nicht. Zwoelf deutsche Divisionen verstaerken den westlichen Block materiell kaum. Moralisch aber haben sie ihn schon zutiefst geschwaecht, noch bevor sie existieren. Die Verschiebung von einigen Stimmen im Parlament kann genuegen, um eine juristische Entscheidung zu faellen, aber nicht, um die oeffentliche Meinung und die tiefen Gefuehle der Nation zu aendern. Der Buchstabe der Vertraege von Paris ist ratifiziert, aber die Texte bleiben ohne Seele, und die Bedingungen, unter denen sich die Ratifizierung abgespielt hat, bergen die Gefahr in sich, dass sie fuer immer und ewig dieser Seele beraubt wurden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.