Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 3 (Marzo, 1955)
- Date
- 1955-03-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Marzo, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 9 NEUE ZUERCHER ZEITUNG Rassenhass in Amerika? JEWISH OBSERVER Juden in der Sowjetunion Die durch McCarty veranlasste Krise der Republikanischen Partei, die mit der heftigen Kampfansage des Senators an Praesident Eisenhower ihren Hoehepunkt erreichte, hat zu einer Scheidung der Rechtsextremisten, die sich nun um McCarthy scharen, von den Konservativen gefuehrt, die bisher “mitliefen”, McCarthys Sturz in den Abgrund jedoch nicht mitmachen wollten. Zum erstenmal seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist nun der Rechtsextremismus in den Vereinigten Staaten klar erkennbar. Es zeigt sich dabei, wie bedeutunglos. diese Gruppe zahlenmaessig und ihrem Gewicht nach ist. Ihr Hauptmerkmal ist die Abkehr von den Grundregeln des demokratischen Zusammenlebens, vom Rechtsstaat, ihr Appell an dunkle unerfuellte Sehnsuechte, an das Ressentiment, an den Hass. Ihr “politisches Denke’n” bewegt sich in Freund-Feind- Kategorien. Sie sind Revolutionaere, die die bestehende Ordnung sprengen und mit den demokratischen Traditionen abfahren wollen. Gruppen, dieser Art sind in der amerikanischen Geschichte nichts Neues. Man denke an die “Know Nothing” oder “American Party”, die vor einem Jahrhundert als Geheimorganisation (ihre Mitglieder “wussten von nichts”, wenn sie ueber die Vereinigung befragt wurden, daher ihr Name) gegen die katholischen, vor allem die irischen Einwanderer gegruendet worden war. 1854 gelang es dieser Partei, in vielen Staaten und auch im Kongress eine gewisse Machtposition zu erreichen, die dann aber bald zerbroeekelte. In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts gelangte, wie man weiss, der Ku Klux Klan zu einer gewissen Bluete, geistesgeschichtlich ein Kind der “Know Nothing”-Bewegung. In den dreissiger Jahren begannen sich unter dem Einfluss der deutschen nationalsozialistischen Auslandorganisation verschiedene Gruppen fascistischer Observanz zu regen, unter ihnen vor allem der “Deutsche Bund”, dessen Taetigkeit aber dann von der Regierung ein Ende gesetzt wurde. Nach dem Krieg erstanden einige dieser Gruppen wieder, wobei sie besonders versuchten, sich den Antikommunismus in allen seinen Formen,, der in Amerika im Zeichen des “Kalten Krieges” so stark anwuchs, dienstbar zu machen. Ihr Versuch, sich das Maentelchen des legitimen lAntdkommiunismus u m z uhaengen, scheiterte indessen. Nichts beweist das klarer, als der Umstand, dass das Committee on Unamerican Activities des Repraesentantenhauses vor kurzem unter dem Titel “Neofascist and Hate Groups” einen Bericht veroeffentlichte, in welchem diese extremistischen Gruppen ebenso scharf verurteilt werden wie die kommunistischen. Die Eiferer, die so oft die Frage stellen: “Will it happen here?” (Werden die Vereinigten Staaten fascistisch?), koennen diesen Vorstoss gegen den Rechtsextremismus nicht uebersehen. Sie hatten mit ihren duesteren Voraussagen oder -ahnungen nie recht, weil sie den bon sens des amerikanischen Volkes nicht oder zu wenig in Rechnung stellen und gewisse Exzesse mancher legitimer Antikommunisten mit “Fascismus’ gleichsetzten. Was diese Exzesse noch immer von den Extremisten unterschied, war, dass ihre Urheber stets versuchten, ihr Vorgehen rechtsstaatlich zu begruenden, sich also nie grundsaetzlich auf revolutionaeren Boden stellten. Man braucht ihre Uebergriffe nicht zu entschuldigen, um doch festzustellen, dass sie mit den fascistischen Gruppen nicht in einen Topf geworfen werden duerfen. Neofascisten Die Untersuchung des Com: mittee on Unamerican Aetivities, die von seinem Stab durchgefuehrt wurde, erstreckte sich nur auf zwei solcher fascistischer Gruppen, die sogenannte National Renaissance Party und die “Bewegung”, die sich um die antisemitische Halbmonatsschrift “C om m o n Sense” gruppiert. Die NRP ist ein offen nationalsozialistisches Organisatioenchen, das ein junger Fanatiker, James H. Madole, in Beacon (New York) leitet. “Was Hitler in Europa zustande brachte, wird die NRP in Amerika zustande bringen” schrieb Madole im Organ der Bewegung, dem “National Renaissance Bulletin’, im Mai 1953. Hauptquartier der Bewegung ist Yorkville, ein beinahe ausschliesslich von Deutschen besiedelter Stadtteil Manhattans (East 80. bis 90. Strasse). Vor den dort in grosser Zahl zu findenden Bierkellern und Gaststaetten, von denen viele sich in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren den Namen “Swiss” zulegten, pflegt Madole zum Volk zu sprechen, umgeben von seiner “Elitegarde”, in .schwarzen Uniformen, auf denen an Stelle des Hakenkreuzes als Partesymbol ein dem SS-Abzeichen aehnlicher Blitz zu sehen ist. Gepredigt wird “Rassenstolz”, Abschaffung der repraesentantiven Regierungs form und Schaffung einer Regierung der Elite, korporative Wirtschaftsordnung, Deportation der “Portoricaner”, Neger, Juden und Asiaten, Ausbuergerung der Juden und Verbot der Mischehen. Im Sprachgebrauch der NRP ist Judentum ein Synonym fuer Kommunismus, Demokratie wird mit Schwaechlichkeit und) Feigheit gleichgesetzt, weil in ihr nicht “eisenharte Kaempfer”, sondern nur lend e n I a h m e Schwaechlinge hochkaemen. Zur Befreiung Amerikas von den Juden werden “six inches of steel” empfohlen, mit andern Worten eine neue Nacht der langen Messer. Interessant ist, wie die NRP dem Kreml Beifall spendete, als dort antisemitisch gefaerbte Saeuberungen angeordnet wurden. Auch in mancher andern Hinsicht stimmen die Parolen der NRP mit den kommunistischen Parolen ueberein, so besonders in der ununterbrochenen Verunglimpfung sogenannter “internationaler Wall-Street- Bankiers” die aus Geldgier auf einen neuen Weltkrieg zusteuerten. Madole bemueht sich, seine Organisation auszudehnen. Der Bericht des Committee on Unamerican Activities erwaehnt solche Versuche in Los Angeles und Louisville, Pennsylvania und New Jersey. Man schaetzt aber, dass die Gesamtmitgliedschaft der NRP nicht groesser ist als etwa 700. Vor einem , Jahr kuendigte Madole an, das Organisatioenchen wolle einen Repraesentanten in ■ den Kongress entsenden. Als Kandidat wurde ein gewisser Keith Thompson jr. genannt, der eine Zeitlang als amerikanischer Vertreter des deutschen Neonazi Generalmajor R e m er registriert war. Thompson kandidierte dann aber nicht in der Wahl, und man hat nichts mehr von diesem Plan gehoert. Die Geldmittel der NRP . scheinen sehr beschraenkt zu sein. Ihr Bulletin wird nur vervielfaeltigt und nicht gedruckt, ihre Versammlungen finden in Privathaeusern und Hotels statt. Sie ist im: ganzen eine Gruppe von Psychopathen, von “Crack pots”, wie man hier sagt, und sie stellt gewiss keine nationale Gefahr fuer Amerika dar. Das Committee on Unamerican Activities empfiehlt aber trotzdem dem Justizdepartament, die Fuehrer dieses Organisatioenchens wegen Verletzung der Smith Act, auf Grund deren auch die Kommunistenfuehrer v e r u rt eilt wurden, zu verfolgen. I Antisemiten Die zweite Gruppe, von der im Bericht des Committee on Unamerican Activities die Rede ist, konzentriert sich um das Balbmonatshetzblatt “Common Sense”. Es wird von Conde McGinley in Union (New Jersey) herausgegeben und als das “einzige nationale antikommunistische Blatt” Amerikas angepriesen, Es lebt ausschliesslich vom Antisemitismus und scheint damit vorzuegliches Geschaeft zu machen. Es erscheint seit 1946. “Zionism is a false face for Communism” liest man da, “Adlai und Ike sind marxistische Strohmaenner”. Amerika muss vor “Zionisten” errettet werden. Das Blatt kostet einen Dollar im Jahr. Die Auflage soll durchschnittlich 50.000 Exemplare betragen, wovon mehr als die Haelfte zu Propagandazwekken frei verteilt werden. Ein Maezen, der “Common Sense” eingestandenermassen nicht wenige Mittel zufliessen laesst ist Benjamin Freedman, ein juedischer Apostat, der die Einkuenfte aus seinem grossen Vermoegen zur Unterstuetzung antisemitischer Publikationen verwendet. Einmal finanzierte er den Druck und Versand von 50.000 Gratisexemplaren von “Common Sense”. Die Korporation, der “Common Sense” gehoert und die sich “Christian Educational Association” nennt, verfuegt ueber ein Jahreseinkommen von 30.000 Dollar. Die Gruppe McGinsleys arbeitet, wie aus dem Bericht hervorgeht, eng mit der National Reinaissance Party sowie auch mit andern Organisationen dieser Art, so zum Beispiel der Vereinigung “We, the mothers, mobilize for America”, Inc. (Chicago), zusammen. Es bestehen auch Verbindungen zu der chri- In der Grossen Moskauer Synagoge wird jeden Schabbath ein Gebet fuer Premierminister Marschall Bulganin und fuer seiner Regierung “Kampf fuer den Frieden” gesprochen, berichtet der Reuter - Korrespondent aus Moskau. Dieses Gebet stellt die Verbindung her zwischen einer juedischen Gemeinschaft, die auf eine jahrhunderte alte Tradition zurueck blickt und einer Regierung, die sowohl religioese Betaetigung wie antireligioese Propaganda frei gegeben hat. Heute bieten die russischen Juden fast dasselbe Bild einer orthodoxen, die Vorschriften genau beobachtenden Gemeinschaft wie zu der Zeit, als ihre Gelehrsamkeit bekannt und beruehmt waren. Aber es ist nur noch eine juedische Gemeinschaft v o n Graubaerten und alten Weibern, Nur wenige junge Gesichter sieht man in der Synagoge. Religioese Schulen fuer Kinder gibt es nicht. Die alten Leutchen scheinen noch an ihrem Glauben zu haengen, aber die Kinder, aufgewachsen mit dem materialistischen Gedankengut der “Liga der jungen Kommunisten”, haben sich vom Glauben entfernt. Man nimmt an, dass es heute etwa 500,000 Juden in Moskau gibt, von denen nur ein kleiner Prozentsatz als glaubenstreu bezeichnet werden kann. Aeussere Anzeichen fuer Antisemitismus liegen nicht vor, und die Verfassung des Sowjetreiches garantiert auch die Rechte der Juden. So kann man in der Moskauer Grossen Synagoge auch heute nichts von einer Atmosphaere der Furcht bemerken, und fast kein Anzeichen dafuer, dass hier Menschen zusammengekommen sind, die in Angst leben. Sie haben auch keine Besorgnis, mit Auslaendern zu sprechen, genau so wenig, wie sie ihre Glaubenstreue zu verbergen suchen Die alten Maenner tragen groesstenteils lange wallende Baerte, die Frauen Peruecken wie es sich fuer eine fromme juedische Mutter und Hausfrau gehoert. Zu einem typischen Schabbath-Vormittags- Gottendienst finden sich etwa 300 Menschen, darunter mindestens 30 Frauen. Dies deutet darauf hin, dass orthodoxe Juden sich fuer den Gottesdienst von ihrer Arbeit freimachen koennen. Es gibt in Moskau kein “Ghetto” und auch kein eigentliches Justian Nationalist Crusade, der antisemitischen Organisation Gerald L. K. Smiths, zur Constitutional Education League von Poseph P. Kamp und zum National Economic Council von Mervin K. Hart, dem gefaehrlichsten Prediger des Rassenhasses, weil er es verstand, sich das Maentelchen der Respektabilitaet umzuhaengen. Hart gibt eine Newsletter heraus, die sich von den vulgaeren Publikationen “Com m o n Sense”, “Headlines” (Kamp), “The Cross and the Flag” (Smith) vorteilhaft unterscheidet, aber eben doch eine ausgesprochen antisemische Tendenz verfolgt. Alle (Schluss auf Seite 13) denviertel. Die Synagoge, in der Grossen Spasoglinshevski Strasse, ist die groesste der Stadt, ein schoenes, vor etwa 60 Jahren errichtetes Gebaeude, und aussserdem gibt es noch andere Synagogen in anderen Stadtbezirken. 1939 gab es 10 Synagogen in Moskau, doch hat sich ihre Zahl allmaehlich vermindert, sodass heute Juden aus allen Teilen Moskaus bei feierlichen Anlaessen in der Gross e n Synagoge zusammenstroemen. Am Rosch Haschanah und am Jom Kippur kamen mehrere tausende und die Strassen waren voellig verstopft. Die Kultgegenstaende sind durchwegs alt, die Gebetbuecher meist aus dem Jahre 1912. Die Tallithim haben ausgefranste Saeume, die Thoramaentel sind fadenscheinig, die Silberbehaengestumpf geworden. In der Sowjetunion erhaelt keine religioese Gemeinschaft vom Staate Subsidien. In der Synagoge selbst sind an den Waenden zu beiden Seiten der Bundeslade Gebete in russischer und hebraeischer Sprache fuer die Friedens-Campagne der Sowjetregierung angebracht. Dieselben Gebete werden beim Schabbath - Gottesdienst zusammen mit den Gebeten fuer Bulganin und Staatspraesidenten Woroschilow gesprochen, Das sind aber auch die einzigen Zeichen einer Konzession an das moderne Le. ben-Im uebrigen bietet die Ge meinde ein eigenartiges Bild von erhabener Wuerde, mit den Maennern in ihren langen schwarzen Kaftanen, viele mit Kaeppchen, andere in der typischen Russenbluse, die Hosen in hohen Lederstiefeln, und mit Pelzmuetzen. Die Umgangssprache ist jiddisch. In einem kleinen Gelass neben der Synagoge kommen jeden Morgen um 5 Uhr die Chassidim zusammen, um zu lernen. Fuer die Frauen gibt es eine Mikweh, An den Waenden der Synagoge haengen Sammelbuechsen. All das macht den Eindruck als ob sich seit Jahrhunderten trotz allen Umwaelzungen draussen hier drinnen nichts veraendert haette. In der Tat hat man den Eindruck, dass die Sowjetregierung der Juedischen Gemeinde keinerlei Hindernisse bereitet, ja, zum Teil sogar die Orthodoxen noch unterstuetzt, denn eine beschraenkte Anzahl von Koscherfleisch gibt es, wenn es auch natuerlich nicht in den ¡Lebensmittel - Geschaeften verkauft wird. Angesichts des Fehlens von Religionsunterricht und juedischen Schulen ist es jedoch problematisch, ob die orthodoxe russisch - juedische Gemeinschaft noch unbegrenzte Zeit weiter bestehen wird. Die Schliessung der Sygnagogen stellt keinen bewussten feindlichen Staatsakt dar sondern ist einfach das Ergebnis des mangelnden Beduerfnisses nach religioeser Betaetigung. Im Uebrigen ist die Haltung der Sowjetregierung allen Religions - Gemeinschaften gegenüber gleich. (Jewish Observer)