Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1954)
- Date
- 1954-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre, ' BOLETIN INFORMATIVO 7 i /(u*€4t,¿4JteU*téé*¡L Hission eines Dichters (30.12.1944) Von Hans Silber Mit tiefer Verantwortung gegenueber dem Wort, dessen Meisterschaft ihm als Gabe und Gnade vom Schicksal des Lebens gegeben wurde, hat Romain Rolland das Gewissen der Menschheit aufgeruettelt, hat er sich von Anbeginn seines ceffentliehen Wirkens in den Dienst des Geistes gestellt, der nicht Schranken und Grenzen setzt der Liebe zum Leben und allem, was das Leben kroent. Von der Schoenheit allen Schaffens im Innersten bewegt, verbunden mit der Weite und Tiefe menschlicher Gedanken und Empfindungen, durchdrungen von der Aufgabe mitzuwirken an dem taeglichen Werk der Menschengemeinschaft, fasste dieser a ketische, lebensreligioese Bekenner seine Mission, als Dichter ernst und verpflichtend auf. Er gehoert zu den grossen Humanisten der Menschheit, die ihr Leben nach dem Gesetz der Erkenntnis und Wahrheit, unbestochen von Ruhm und Erfolg der grossen Menschengemeinschaft widmeten. Fuer ihn war der Mensch die Kroenung des Lebens —der Sinn des Lebens. Fuer ihn kaempfte er, fuer ihn und an ihm litt er, ihm galt seine Vision von Freiheit und Wuerde. In seinem Buch “Gefaehrten meines Lebens” schreibt er einleitend: “Das Leben liegt in der Gemeinschaft der Menschen. Sie gilt es umzubilden”. Das war der Kern seiner Mission als Dichter, als Biograph, als Friedenskaempfer und Gesellschaftskritiker. Weil er das Leben liebte, das taegliche Leben, liebte er die Menschen, die taeglichen Menschen. Ihr erdverhaftetes Schicksal war sein Schicksal, ihr Leiden sein Leiden, ihre Hoffnungen seine Hcffnungen, ihre Niederlagen seine Niederlagen und ihre Siege seine Siege. Darum widmete er seinen Roman “Johann Christoph”, von dem einst der argentinische Schriftsteller Manuel Gälvez bekannte, dass er die Bibel der modernen Zeit sei, “den freien Seelen aller Nationen”, die da leiden, die da kaempfen und die siegen werden” . Der Wille zur Bruderschaft der Menschen trieben den Verkuender der Menschenliebe 7.u, unbeugsamem und kom promisslosem Kampf. Frueh schon erkannte er, das ihm und s e in e n Weggenossen nichts erspart bleiben wuerde. Er wusste, dass eine grosse Einsamkeit um ihn sein wird und dass Verleumdung und Hass ueber ihn herfallen werden! Aber er hatte den Mut zum Schmerz und zum Leid. Weil er ein Dichter war ein Mensch, der in sich die Konflikte menschlicher Irrungen und Wirrungen trug, der um die Tragik des menschlichen Kampfe? um Erfuellung und Vollendung wusste, verstand er auch die Forderung, die das Leben an ihn den Erkennenden stellte. Goethes Maxime: “Wer nicht verzweifeln kann”, der soll nicht leben”, war ihm nicht fremd. Auch fuer ihn gab es diese bittersten Stunden. Aber ihm war die Kraft, sich ueber Schmerz und Leid zum grossen Ja des Lebens zu erheben. Dieses grosse Ja finden wir schon in seinem “Johann Christoph”, in den fast in biblischer Sprache geformten Worten: “Gellet hin und sterbet, ihr die ihr sterben muesst! Gehet hin und leidet, ihr, die ihr leiden muesst! Man lebt nicht, um gluecklich zu sein, man lebt um sein Gesetz zu erfuellen. Leide! Stirb! Doch sei, was Du sein sollet, ein Mensch! Es gab fuer Romain Rolland keinen hoeheren Anspruch, keinen wuerdigeren Titel, keine groessere Auszeichnung, als das schlichte und doch so erhabene Wort: Mensch. Man muss ein Dichter wie Romain Rolland sein, um so tief vom Wunder Mensch erfasst zu werden. Aber Romain Rolland war kein Dichter der Traeume, der verhuellten Wirklichkeiten, er floh nicht vor den Wunden, die das Lebens den Hilflosen schlaegt Er jammerte auch nicht ob der Leiden und Schmerzen, die jeder einzelne auf seinem Lebensweg erfahren muss. “In dieser Zeit der Feiglinge, die vor dem Schmerz zittern und laermend ihr Recht nach Glueck verlangen, das meistens nichts ist als das Recht auf das Unglueck anderer, wollen wir wagen, dem Schmerz frei ins Gesicht zu sehen und ihn zu verehren. Gelobt sei die Freude und gelebt sei der Schmerz. Beide sind Schwestern und beide sind heilig. Sie schmieden die Welt und schwellen die grossen Seelen. Sie sind die Kraft, sie sind das Leben, sie sind Gott. Wer nicht alle beide liebt, liebt keine von ihnen. Und wer davon gekostet hat, kennt den Preis des Lebens und kennt die Suessigkeit es zu verlassen”. So kann nur ein Dichter des Lebens sprechen! Ein Dichter, der nicht die Augen verschloss vor der Macht jener Kraefte, die sich dem Fortschritt der Menschheit zum Frieden, zur Gerechtigkeit, zur Freiheit von Not und Elend, von Unterdrückung und Ausbeutung in den Weg stellen. In seinen Romanen, in seinen Dramen, in seinen Biographien und seinen Kamfpschriften finden wir immer den Rufer und Warner, den Seher, der unbarmherzig sein Wert der Erkenntnis, der Erfahrung aber auch der Liebe in die Wagschale der Entscheidung wirft. Schlagen wir nur das Vorwort seiner Michel Angelo Biographie auf und wir finden die ihn kennzeichnenden Saetze: “Man muss einem Volke, das zu leicht dem Zauber der hochtoenenden Worte erliegt, dem bald Ermuedung folgt, zurufen; Die heldische I.-uege ist eine Feigheit, Es gibt nur ein Heldentum auf uer Weit, die Welt zu sehen, wie sie ist —und sie zu lieben!” Die Welt zu sehen, ihre Gesetze zu erkennen und sie zu lieben, das bedeutet in der Sprache des Dichters: Den Menschen zu sehen, seine Gesetze zu erkennen und ihn zu lieberf. Denn der Mensch ist die Welt. Nicht er ist fuer die Welt, die Welt ist fuer ihn da. Der Mensch. Welcher Mensch? Der von der Masse zur Macht, zum Reichtum, zum Erfolg getragene?— Der vom Hunger, von der Verzweiflung, von Elend und Kranheit gezeichnete? Der starke und siegreiche? Oder der schwache und unterlegene? Welche Antwort gibt uns der Dichter? Man muss sein ganzes Werk kennen, seine leidenschaftlichen Schriften gegen den Krieg, gegen den Vernichtungswahn. Man muss seine nachgelebten Biographien eines Beethoven, Tolstoi, Michel Angelo, Mahatma Ghandi erfassen, um zu wissen, was fuer ihn der “Mensch” bedeutet, fuer dessen Wuerde und Freiheit mit Wort und Tat zu kaempfen das Leben dieses grossen Mannes wert war. An seinen Freund Pierre L a r i v i e r e schrieb er 1915, im 1. Jahre des 1. Weltkrieges: “Mein Weg fuehrte vom “Helden” zum Menschen, denn im Laufe unserer glorreichen Zeit hat es sich gezeigt, dass der “Mensch” weitaus seltener geworden ist als der ‘Held”. Nicht Masse Mensch war das Ideal Romain Rolland’s, denn er begriff wohl, das es auf den “Einzelnen” ankommt, der seinen Weg bewusst und charaktervoll geht, ohne die Wuerde des Menschen und der Menschheit zu verletzen. Was er forderte war die Einheit des Menschen in Gesinnung und Handlung, in Idee und Verwirklichung. Darum durfte er, Romain Rolland, schreiben: “Wo der Charakter nicht gross ist kann es der Mensch, kann es der Kuenstler nicht sein, auch nicht der Mann der Tat. Da entstehen wohl hohle Goetzenbilder fuer die niedrige Menge, aber sie alle zusammen zerstoert die Zeit. Was liegt am Erfolg? Gross muessen wir sein, nicht scheinen”. Im Tagebuch von André Gide koennen wir eine Eintragung finden, die auch die Einstellung Romain Rolland’s zum Menschen charakterisiert: “Das Indiviheute mehr als die Masse, heute mehr als. die Hasse. Aber zuerst kommt es darauf an, die Masse in jene guenstige Lage zu bringen, die den gesunden Individualismus erlaubt, sich zu betaetigen”. Die Zeit, in der Romain Rolland lebte, und die zwei Weltkriege umfasste, war keineswegs so gestaltet, um diese einfachen und natürlichen Voraussetzungen, von denen Gide sprach, zu erfuellen. Weil Romain Rolland den Menschen suchte, der das Schicksal des Lebens ganz auf sich zu nehmen bereit ist, musste er seine Mission als Dichter in der Sicher .tellung dieser Vorbedingungen des wahren erfuellten Menschsein suchen. Auch in diesem Kampf blieb Romain Rolland der unbestechliche und aufrichtige Beobachter und Kaempfer. Als es Mode wurde, sich im Freiheitskampf als unbedingter, kritikloser Verehrer des Proletariats zu gebaerden, liess er in seinem “Johann Christoph” den “Helden” des Romans, einem jungen Proletarier sagen: “Wenn ihr wenigstens faehig waeret, die alte Welt zu zerstoeren. Aber nicht einmal das koennt ihr! Ihr wollt es auch gar nicht, ihr habt doch nur einen Gedanken im Kopf, Besitz von Albert Schweitzer - SO Jahre Am 14. Januar 1955 feiert, bewundert und verehrt von der gesamten gesitteten Welt, Albert Schweitzer seinen 80 ten Geburtstag. Dieser Universalmensch, welches Wunder in unserer Zeit der Spezialisten, hat jedem von uns viel zu sagen, und dass er den Nobelpreis erhielt, hat in der ganzen Welt begeisterte Zu-’ Stimmung gefunden. Er, der Sohn eines elsaessischen Landpfarrers, hat als Theologe, als Philosoph, als Orgelspieler und Musikwissenschaftler, als Arzt und Leiter eines von ihm gegründeten Urwaldhospitals in Lambarene, als Bach-und Goetheforscher unzaehligen Menschen geistig und koerperlich geholfen. Seine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben begreift alles in sich, was als Liebe, Hingebung, Mitieiden, Mitfreude und Mitstreben bezichnet werden kann. Er hat in allerschwerster Zeit seine Stimme gegen Barbarei und politisches Verbrechertum erhoben und er kann am Ende seines Buches “Aus meinem Leben und Denken” bekennen: “Meiner Ansicht gibt es ke’n anderes Schicksal der Menschheit als dasjenige, das sie sich durch ihre Gesinnung selber bereitet. Darum glaube ich nicht, dass sie den Weg des Niedergangs bis zu Ende gehen muss Weil ich auf die Kraft der Wahrheit und des Geistes vertraue, glaube ich an die Zukunft der Menschheit”. H. F. Churchill and das iuedische Volh (Zum 89. Geburtstage des Staatsmannes) VON CURT WILK Wenn winston Churchill am kommenden 30. November das 80. Lebensjahr vollendet, werden ihm aus allen Teilen der Welt Huldigungen dargebracht werden. Sie gelten zweifellos in erster Linie dem Premierminister Grossbritataniens im 2. Weltkriege, mit dessen Namen und Leistung der Sieg der Alliierten ueber Hitler-Deutschland unloesbar verknuepft ist. Ohne Englands Durchhalten in den kritischen Tagen von 1940 und 41, als es gegen einen weit-ueberlegenen Gegner allein stand, waere der Kampf auf Leben und Tod nicht zum guten Ende gefuehrt worden, und Winston Churchill war die Seele seines Volkes in jener Epoche, energiegeladen und mutig genug, der Nation auf Jahre hinaus -nichts anderes als “Blut, Schweiss und Traenen” zu versprechen. Aber es waere falsch, anzunehmen, dass Sir Winston, wie er heute heisst, bei aller Sympathie fuer das juedische Volk, unser juedisches Schicksal tiefer empfunden haette als dasjenige anderer unterdrueckter Vcelker. Churchill hat sich selbst als Zionisten bezeichnet. Dem Kabinett von 1917, das die historische “Balfourdeklaration” beschloss, gehoerte er als “Erster Lord der Admiralltaet” an Dann wechselte er ins Kolonialministerium hinueber, und er ist verantwortlich fuer da? seinen Namen tragende Churchill-Statement von 1921, durch welches Transjordanien vom eigentlichen Palaestina, auf dessen Beden das “Juedische Nationalheim “errichtet werden sollte, abgetrennt worden ist. Vorangegangen war eine Reise Churchills in Degleitung des beruehmten Obersten Law rence nach Jerusalem, wo auf einer Konferenz mit den Arabern jener Beschluss gefasst wurde, der einer konfusen Situation ein Ende bereiten, aber dem juedischen Volke ein schweres Unrecht zufuegen sollte, denn zur Zeit des Weltkrieges war immer von der kuenftigen jued. Heimstaette zu beiden Seiten des Jordan die Rede. Doch Churchills freundliche Haltung gegenueber dem Aufbauwerk in Erez Jisroel blieb bestehen. Er bezeichnete das unglueckliche Chamberlain’che “Weissbuch” vom Fruehjahre 1939 als “Schandfleck” und warf als Oppositionsfuehrer der Regierung fertge etzte Verletzungen der Mandatsbestira mungen vor, ohne jedoch, aïs er dann im Mai 1940 die Macht uebernahm. die verhaengnisvollen Einwanderungs-und Bodenkaufsbestimmungen des Weissbuches aufzuheben. Vielmehr versuchte er, die Gesamtbehandlung des Palaestina Problems bi? nach dem Kriege hinauszuschieben, sodass es nur eine “illegale” Einwanderung von Juden nach Erez Jisrael gab, was sich leider verhaengnisvoll fuer das juedische Volk auswirken musste. Und ebenso widerstand Churchill lange Zeit den juedischen Bestrebungen auf Schaffung einer juedischen Brigade, die erst zu einem spaeten Termin in die Kriegshandlungen eingreifen konnte. Dagegen kritisierte Churchill abermals heftig die Labourregierung Attlee-Bevin, die er fuer die Unruhen von 1946 und 47 mitverantwortlich machte. Er fand damals keine ermutigenden Worte fuer die juedischen Unabhaengigkeitskaempfer, brachte aber wiederholt sein Festhalten an der Idee der jued. Heimstaette zum Ausdruck. Das Winston Churchill dem Staate Israel, als dieser sich vSchluss auf Seite 13) der Welt ergreifen, euch in das vom Buergertum angewaermte Bett legen!”. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass in einem Manifest, das von einer pazifistisch radikalen Gruppe herausgegeben wurde, Romain Rolland zu der “rechten Mitte” gfezaehlt wurde. Mit Recht erwiderte Rolland etwas verbittert: “Ich lege keinen Wert auf Etikettierung der politischen Parteien, ich habe .nie einer Partei angehoert, trotzdem habe ich es nicht verdient, in keinem Augenblick meines Lebens, diese Abstempelung: Mitte der Rechten!”. (Schluss in der naechsten (Nummer)