Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1954)
- Date
- 1954-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION, S.C. I. B’NE J1SROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTI AGO - CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O C I EDA D C U LTU RAL I S R A E LITA B * N E JISROE L" Año XVI — N.o 12 SANTIAGO DE CHILE Diciembre, 1954 IN JENEN TAGEN, ZU DIESER ZEIT Chanuka« Gedanken Im Talmud finden wir einen Gedanken, der uns tief hinein in die Welt des Judentums fuehrt. Jerusalem und Caearea symbolisieren zwei diamentral entgegengesetzte Welt- und Lebensanschauungen.” Wenn man dir sagen sollte, Caesarea und Jerusalem seien zerstoert oder beide bestäenden nebeneinander, so glaube es nicht. Sagt man Dir aber, dass Jerusalem besteht und Caesarea zerstoert ist oder um gekehrt, so glaube es Caesarea verkoerpert das Prinzip dei rohen Macht. Jerusalem ist der Aufdruck einer Geisteskultur, die auf Recht und Gerechtigkeit gegruendet ist. Es erscheint dem juedischen Geist ausgechlossen, dass diese beiden Prinzipien eine Verschmelzung eingehen koennen, sie koennen ja nicht einmal nebeneinander bestehen. Dieser Gedanke laesst sich sehr leicht auf die Ebene des 20. Jahrhunderts projizieren. Die Auseinandersetzung, die sich in unseren Tagen vollzieht, kann in diesem Bilde gesehen. werden,. Die .Maechte, die sich gegenueberstehen, kaempfen nicht nur um wirtschaftliche und politische Probleme, sondern es geht auch um Lebensgestaltung und Lebensform. Ohne im Rahmen eines kurzen Chanuka-Artikels zu dieser Auseinandersetzung Stellung nehmen zu wollen, glauben wir doch daran, dass auch wir Juden in diesem Ringen ein Wort mitzusprechen haben sollten. Jerusalem ist wieder die Hauptstadt des juedischen Staates geworden, d. h. aber noch nicht, dass jenes Prinzio, das Jerusalem verkoerpert und Caesarea gegenuebersteht, schon seine Wiedergeburt erfahren hat. Im Gegenteil. Jene juedischen Hellenisten, gegen die das Heer der Makkabaeer zu kaempfen hatte, formulierten ihre Auffassung nach den Worten des ersten Makkabaeer-Buches: “Lasset uns ein Buendnis schliessen mit den Voelkern rings um uns her; denn seit wir uns von ihnen abgesondert traf uns viel Unglueck”. Im Munde dieser juedischen Hellenisten bedeutete dies nicht nur ein politisches Buendnis, sondern auch eine weitgehende geistige und kulturelle Assimilation. Israel war in der Gefahr seinen spezifischen Sharakter zu verlieren. Und dagegen standen die Makkabaeer auf fuehrten den ersten Kampf um die Freiheit des religioesen Gewissens, den die Menschheitsgeschichte kennt. Auch unsere Generation des juedischen Volkes steht in der Gefahr Jerusalem als geistiges Prinzip zu verlieren. Drs Wort des Propheten Jesarja; “Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr, “klingt in unserer Epoche leider abgegriffen. Vielleicht muessten wir auch diesen Satz ein wenig abaendern. “Nicht nur durch Kraft und nicht nur durch Macht, sondern durch meinen Geist spricht der Herr”. Denn kein menschliches Gebilde und vor allem kein Staat kann ohne Macht und ohne Kraft in einer Welt wie der unsrigen bestehen. Aber kei neswegs datf das juedische Volk vergessen, dass sein “Ruach’’ nicht dasselbe ist wie der Vclksgeist anderer Nationen. Jene Makkabaeer kaempfen gegen die geistige Gleichschaltung und Nivelierung, die von der damals die Mittellaendische Welt beherrschenden hellenistischen Kultur ausging, Jn dem “melting pot” des Vorderen Orients suchten sie das fuer Israel charakteristische zu bewahren. Dieser Wille hat ihnen die Kraft gegeben, die Schlacht bei Emmaus zu gewinnen, die einmal als eine der 15 entscheidenden Schlachten der Weltgeschichte betrachtet worden ist. Noch stehen in unseren Tagen Jerusalem und Caesarea sich diamentral gegenueber. Auch wenn das juedi-che Volk, um-sicb seine Zukunft zu sichern, die aeusseren Formen der Voelker der Welt nach zweitausend Jahren angenommen hat, sollen wir wissen, dass es nun darauf ankommt, dem juedischen Staat und dem juedischen Volk in der Welt seinen einzigartigen und unverlierbaren Inhalt zu bewahren und ihn zu neuer Kraft zu entwickeln. Aus der Erkenntnis dieser Tatsache folgt unsere juedische Verpflichtung in der heutigen Zeit. Der juedische Mensch kaempft einen entscheidenden Kampf um die Erhaltung seiner Ideale. Der Staat ist ein strategisches Mitte! auf diesem Weg, ebenso wie unsere Tradition. Moegen Juden diesen Ruf verstehen und sich von neuem den Idealen weihen, fuer die die Makkabaeer gekaempft haben. Mqegesich unere Generation, der ihr von der Bestimmung auferlegten historischen Aufgabe wuerdig erweisen. 66Kemem fremden Goett rn dienen!” “... und gemeinsam mit seinen Soehnen ueberfiel Mattathias ben Jochanan aus dem Geschlechte der Hasmonaeer, ein hochbetagter Priester, der in Modein, mitten im Gebirge zwischen Jerusalem und Jaffa, als einer der angesehensten Buerger seines Heimatortes lebte, den koeniglichen Beamten, toetete ihn und zerstoerte den heidnischen Altar”. So geschehen vor 2120 Jahren, anno 167 vor der heute in der Welt ueblichen Zeitrechnung. Damit begann, wie die Geschichte unseres Volkes meldet, jener Aufstand, dessen heldenhaften Gang und siegreiches Ende wir Juden in dieser Woche des Chanukkafestes wieder mit dem ganzen berechtigten Stolz auf Ahnen feiern, die es ablehnten, fremden Goettern zu dienen. Sie lehnten es ab, weil sie der von aussen auf sie eindraengenden und schon in ihre Gemeinschaft eingedrungenen Welt der Fremden nicht das Opfer der Wesensart und der religioesen Ueberlieferungen ihrer Vaeter bringen wollten. Es ging letzthin um das, was Heinrich Heine, da er als reifer Mann schon zu seinen Urspruengen zurueckstrebte, in seinem Buch ueber Ludwig Boerne in die Worte gekleidet hat: “Welche schauerlich isolierte Stellung sie einnehmen unter den Voelkern des Altertums, d;e dem freudigsten Naturdienste ergeben, den Geist vielmehr in den Erscheinungen der Materie, in Bild und Symbol, begriffen! Welche entsetzliche Opposition bildeten sie deshalb gegen das buntgefaerbte, ta i e r o g lyphenwimmelnde Aegypten, gegen Phoenizien, den grossen Freudentempel der Astarte, oder gar gegen die schoene Suenderin, das holde, suessduftende Babylon, und endlich gar gegen Griechenland, die bluehende Heimat der Kunst!”. An einer anderen Stelle dieser Schrift erweiterte Heine den Gedanken noch mit der Erklaeruhg fuer ihn seien Aus dem Museum in Ein-Charod mm ■i ®ääs < 1 sWsti&t '•VrvHtV: **• IW It - ««“I ’Hü •* t4; alle Erdbewohner “entweder Juden oder Hellenen, Menschen mit ascetischen, bildfeindlichen, vergeistigungssuecntigen Trieben, oder Menschen von lebensheiterem, entfaltungsstolzem und realistischem Wesen”. Juden oder Hellenen! Juden gegen Hellnen! Und doch erschoepft sich in dieser Gegenueberstellung die Vorgeschichte des Makkabaeer-Aufstandes nicht fuqr den, der dem historischen Zusammenhang von damals mit den Mitteln der wissenschaftlichen Erkenntnisse unserer Zeit entschiedener beizukommen sucht. Vor allem wird sie dem Umstand nicht gerecht, dass die Judaeer ein Land bewohnten, an dessen Grenzen (wie so oft vorher und auch nachher) ueberlegene Maechte, ja, Kulturen brandeten — damals die ptolemaeischen Herrscher Aegyptens im Sueden, und ihre entscheidenden Rivalen, die Seleuciden, Erben des grossen mazedonischen Alexander auch sie, im noerdlichen Syrien, Alexander der Grosse selbst war zwei Jahrhunderte vorher mit vollstem Bewusstsein der Traeger und Foerderer jener staedtischen Zivilisation Athens gewesen, der es der alte Kontinent Europa bis in unsere Tage verdankt, dass er in seiner geistigen Gestalt und seinen besten menschlichen Ueberlieferungen auf diesem Erdball immer noch den Vorrang vor Asien, Afrika, Australien und sogar vor Amerika hat. Wollen und koennen wir — auch wir Juden — es bestreiten? Nicht indessen in so weitgespannten, um nicht zu sagen weit hergeholten geschichtsphilosophischen Erwaegungen und auch nicht — oder nicht nur — im religicesem Eifertum lagen die Antriebe des Mattathias ben Jochanan, sondern auf dem Gebiet akuter Politik, ob es ihm bewusst war oder nicht. Am hellsichtigsten wird dieser Tatsache der Autor des Buches Daniel gerecht. Er spricht vom “Koenig des Nordens’’ und den “Hilfskraeften des Suedens”, und deutet damit an, dass die Aussenpolitik des judaeischen Priesterstaates unter so verworrenen Verhaeltnissen fueglich darin bestehen musste, sich entweder nach der einen oder nach der anderen (geopraphischen) Richtung zu orientieren, wenn er sich nicht auf den halsbrecherischen Kurs unentwegter Neutralitaet, consequenter “Nicht - Identifizierung mit Nord oder Sued” einlassen wollte. Wer mit den I (Schluss auf Seite 4) RABBINER E. LOEWENSTEIN.