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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-09-01 · 11 (Noviembre, 1954) · p. Seite 18

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
11 (Noviembre, 1954)
Date
1954-09-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 BOLETIN INFORMATIVO Noviembre, 1954 Mordeckai Manuel Noah Gedenkrede am Schminiaze reth 5715 Breslauer RaLbinerseminar RABBINER MANFRED LUBLINER In der Geschichte des amerikanischen Judentums, das in diesem Jahr sein 300 jaehriges Bestehen feiert, verdient Mordechai Manuel Noah unsere besondere Aufmerksamkeit. Als Schn eines Teilnehmers am amerikanischen Unabhaengigkeitskrieg war Noah schon in jungen Jahren in den oeffentlichen Staatsdienst getreten, den er dann spaeter wegen eines Konfliktes mit der Washingtoner Regierung wieder autgab. Seitdem betaartgte er sich in New York als Journalist und Mitarbeiter verschiedener Blaetter und befasste sich zugleich mit den Angelegenheiten der juedischen Gemeinde. Durch diese Beschaeftigung kam Noah in engsten Kontakt mit der schon damals existierenden Judenfrage. Und so hatte er den Geaanken, den bedraengten Juden der alten Welt —und hier waren es besonders die russischen Juden, die unter fuerchterlichsten Verhaeitnissen am Anfang des 19. Jahrhunderts lebten— eine Zufluchtsstaette in der amerikanischen Republik zu errichten. Zu diesem Zweck erwarb er ein grosses Stueck Land auf der vom Niagarafluss umspuelten Insel Grand Island. Hier wollte er, ein neuer Noah, eine Asylstadt mit dem Namen Ararat unter dem Protektorat der amerikanischen Republik errichten. Noch heute befindet sich im Stadtmuseum von Buffalo der Grundstein mit der interessanten Aufschrift: Hoere Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig. Ararat, Zufluchtsstaette der Juden, gegruendet von Mordechai Manuel Noah im Tischri 5.586 im 50. Jahr der amerikanischen Unabhaengigkeit”. Dieser Grundstein war am 15. September 1825 in Anwesenheit der Behoerden und der Geistlichkeit von Buffalo in feierlicher Form eingeweiht worden. Da es zu jener Zeit in Buffalo keine Synagoge gab, fand die religioese Zeremonie in der anglikanischen Ortskirche statt, in der der Geistliche ein Gebet sprach, der Chor Psalmen sang und Noah selbst ueber die Wiedergeburt Israels in der Neuen Welt eine lange Rede hielt. Mit dieser Feier war aber auch der ganze Traum dieses von ihm so kuehn Getraeumten zu Ende. Der Plan, der ihm zur Loesung der Judenfrage am Anfang des 19. Jahrhunderts vorschwebte, einen juedischen Sonderstaat zu gruenden, war frakassiert, aehnlich wie dem Versuch in unserem Jahrhundert in Russland, wo man den Juden das Recht eines Sonderstaates in Birobidschestan eingeraeumt hat. Nach diesem missglueckten Unterfangen beschaeftigte er sich weiter als Journalist, bis ihm gegen Ende seines Lebens eine neue tiefe Sehnsucht packte, um der immer mehr steigenden Judennot Einhalt zu gebieten. Es war im Jahre 1844 als er dann den Traum v. der politischen Auferstehung der juedischen Nation im eigenen Land getraeumt hat und in zwei flammenden Reden, die er in New York vor einem grossen nicht juedischen Auditorium hielt, forderte er seine Zuhoererschaft auf, dem juedischen Volk zu einem eigenen Heim zu verhelfen. In jenem Zeitpunkt erschien ihm die politische Konstellation fuer die Realisierung seines Planes besonders guenstig, da die Tuerkei sich im Beginne eines Zerfalles befand. Und so hegte er die ehrliche Hoffnung, dass unter dem Protektorat der Grosssmaechte in Palaestina eine Heimstaette fuer die Juden geschaffen werden koennte-, die die endgueltige Loesung der Judennot in der Welt bedeuten wuerde. Mit Recht kann daher Mordechai Manuel Noah als Vorlaeufer der zionistischen Idee angesehen werden, jener Idée, die er fast ein halbes Jahrhundert frueher getraeumt hat, als Hess Pinsker und Theodor Herzl, die dieser Idee eine noch klarere und praegnantere Ausdrucksform in ihren Schriften gegeben haben. RABBINER LUBLINER ENTZIEHE DICH NICHT DEINEM VOLKE (Ueber Franz Rosenzweig’s Jugend) VON HANS TRAMER So waechst Franz Rosenzweig heran. Die Schuljahre vergehen, alles Grosse und Erhabene nimmt er in sich auf, nur um eins ist es schlecht bestellt: vom Judentum, seinem Wesen und Leben, hoert und sieht er so gut wie nichts oder zumindest sehr wenig. Er nimmt zwar teil an dem juedischen Religionsunterricht des Gymnasiums, aber beeindruckt wird er davon keineswegs. Wahrscheinlich war die Art des dort Gebotenen derart schal und unlebendig, dass es den doch sonst so sehr und schnell begeisterungsfaehigen Knaben nicht zu packen imstande war. Und das Elternhaus konnte und wollte ihm erst recht nichts Juedisches bieten. Hier beschraenkte sich das religioese “Mindestmass” buchstaeblich auf die drei Hauptfeiertage, und auch die waren im uebrigen zu einer so leeren, voellig unverpflichtenden Aeusserlichkeit geworden, dass aus diesem “Dreitagejudentum” wirklich keine religioesen Werte entspringen konnten. Ueberhaupt legte man in diesem Hause darauf Wert, als neuzeitlicher, aufgeklaerter, gebildeter Mensch zu leben, der dem Judentum zwar nicht abtruennig wurde, weil das eben irgendwie den Geruch des Unehrenhaften an sich hatte, sich sonst aber in keiner Weise von seinen andersglaeubigen Mitbuergern unterscheiden wollte. “Betonte Unjuedischkeit” nennt Franz Rosenzweig spaeter selber den Geist, der sein Elternhaus beherrscht hatte. Und es wird das wohl auch nicht sehr uebertrieben sein, denn wenn wir hoeren, dass ihm z.B. die juedische Freitagabendfeier bis in seine Studentenjahre eine gaenzlich unbekannte Sache war, von -der er bis dahin nie auch nur das Geringste vernommen hatte, so kann man sich schon eine ziemlich genaue Vorstel- Es ist eine Gedenkstunde, mannt an Vergangenes, an Menschen mit denen wir gelebt. an Zeiten, die wir durchlebt. Heute erinnert sie uns an ein persoenlich.es Erlebnis, von dem zu sprechen wir es als eine Herzens —und Ehrenpflicht betrachten. Unser Gedenken gilt unserer hochverehrten und nievergessenen alma mater judaea, unserer geistigen juedischen Mutter, die uns das Ruestzeug auf den Lebensweg mitgegeben hat um ueberall in der Welt als Interpret des juedischen Gedankengutes einer jahrtausendalten Tradition in positiv historischem Sinne wirken zu koennen. Es gibt ein altes Wort; Wohltun rettet vor dem Tode”, das will sagen, es gibt Taten, Handlungen, die vom Menschen ausgefuehrt, Menschen ueber leben. Eine solche Tat war die des Stifters dieses Seminars, Jonas Fraenkel, Enkel des Landrabbiners Josef Fraenkel, der zu einem besonders grossen Wohlstand gekommen, in seinem Testament neben anderen wchltaetigen Stiftungen allgemeiner wie juedischer Natur auch die Schaffung eines Seminars zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern anordnete. Keine naeheren Ausfuehrungsbestimmungen waren dem Testament beigegeben, so weitblickend lung davon machen, was Judentum in diesem Hause an der Terrasse hiess. Und doch werden dem heranwachsenden Franz gewisse juedische Erlebnisse zuteil, und der, der sie ihm vermittelt, ist sein Grossonkel Adam! Dieser ein wenig absonderliche und abgesonderte alte Mann, fuer den Franz wohl die Freude seines einsamen und kinderlosen Alters war, nimmt hin und wieder, so oft er ihn dazu bewegen kann, den Grossneffen in die Synagoge mit und zeigt und erklaert ihm alles, was dort vorgeht. Aber das ist nicht viel; was Franz da erlebt, ist eine kalte, abgestandene Verrichtung ohne Blut und Kraft, die zu den Erzaehlungen seines Onkels, zu den Helden und Propheten der Bibel, die ihm dieser lebendig zu machen weiss, in keinerlei Verhältnis steht. Aber immer und immer wieder haemmert er ihm ein,- was es bedeute, Jude zu sein, und als der kleine Franz sich an seinem ersten Schultage— wohl mit der “Schultuete” in der Hand— dem Grossonkel in seiner neuen Wuerde vorstellen kommt, da gibt ihm dieser etwas auf den Weg mit, was er auch tatsaechlich sein Leben lang nicht vergisst; Du gehst heute das erste Mal unter Gojim, sagt ihm der Onkel, — bedenke stets, dass Du ein Judenbengel bist! Und aehnlich mahnt er ihn auch am Tage nach seiner Barmizwah, die sonst aber ohne jeden tieferen Eindruck auf Franz geblieben ist; als er nach der grossen Feierlichkeit den jungen Kerl wieder allein vor sich hat, blickt er ihm tief und beschwoerend in die Augen und ruft ihm zu: “Entziehe Dich nicht Deinem Volke!” IVL B. war dieser Philantrop, der den ihm zugeflossenen Reichtum als ein von Gott anvertrautes dem Wohl der Gesamtheit gehoerendes Gut immer betrachtet hat, dass er dem Stiftungskuratorium die Durchfuehrung seines letzten Willens m i t unbeschraenkter Machtvollkommenheit ueberliess. Schuf Jonas Fraenkel die materielle Basis fuer die Idee eines Rabbiner —und Lehrer-' Seminars, so war es der Dresdner Oberrabbiner Dr. Zacharias Frankel, der die geistige Grundlage fuer diese neue juedische alma mater geschaffen hat, Bisher war die Ausbildung der Rabbinen auf Jeschiwoth, auf Talmudschulen erfolgt, die ihre Aufgabe darin sahen, ihre Studenten geistig und seelisch tief mit dem juedischen insbesondere gesetzlichen Schrifttum verwurzeln zu lassen. Jedes Einbeziehen von nicht juedischen Inhalten in den Bildungsgang hielten sie fuer schaedlich. Voellige Isolierung des Judentums vcn seiner Umwelt erschien ihnen als unersetzliche Voraussetzung fuer die Erhaltung der Lebenskraft und Eigenart des Judentums. Dieser Auffassung nun trat Zacharias Frankel in Schrift und Wort energisch entgegen und vertrat das Recht der Wissenschaft im Judentum und das Recht des geschichtlichen Judentums innerhalb der allgemeinen Weltkultur. Es war die gebieterische Forderung der Zeit, die Frankel richtig erkannte, eine Synthese zu schaffen, zwischen den treuen Waechtem des Alten und den unentwegten Verfechtern des Neues, eine Synthese gemaess dem Ausspruch Kohelets: “Es ist gut, dass du das Eine fasst und das Andere nicht laesst, denn der Gottesfuerchtige genuegt allem”. Es darf als das hervorstechendste Kennzeichen dieser alma mater angesehen werden dass sie seit ihrer Gruendung im Jahre 1854 immer bestrebt gewesen ist, das Alte mit dem Neuen organisch zu verbinden und zu einem Ganzen zu vereinigen, dass sie es verstanden hat, durch ihre hervorragende Lehrer, die an ihr gewirkt haben, das Alte aus seinem geschichtlichen Kern zu loesen und in moderne Form umzubilden. Hunderten von Schuelern ist das graue Haus in der Wallstrasse zu Breslau ein vertrautes Heim gewesen, wo Schueler und Lehrer in innigstem Kontakt miteinander gestanden und wo die Schueler mit die schoensten Stunden ihres Lebens verbracht haben. Aber sie war nicht nur uns eine Mutter, sondern sie war eine “Mutter in Israel”, sie war das Stammhaus fuer neue moderne juedische Ausbildung, das seine Zweigstellen in der gesamten Welt aufgerichtet hat, in Budapest, Wien, Berlin, London und Cincinatti, Warschau, Florenz und New York. In diesen Tagen vor 25 Jahres genau, hatten wir die Ehre das Jubilaeum des 75. jaehrigen Bestehens mitzufeiern. Es waren erhebende Stunden, unvergesslich, weil sich der Geist der juedischen Elite der gesamten Welt in Breslau versammelte, um der schon damals etwas betagten und doch noch jungen Mutter ihren herzlichsten Dank abzustatten fuer das was sie zum Erhalt des Judentums in der gesamten Welt beigetragen nat. 9 Jahre nur nocn soute die Lehrstaette in Betrieb bleiben, dann ist auch sie ein Opxer der Nazis geworden. Fuer immer haoen sich die Pforten dieses Hauses geschlossen, aas Jonas Fraenkel seine Existenz verdankte. “Die Maenner der Treue sind dahin": Wir gedenken des hochherzigen und grosszuegigen Stifters, der wahrhafter Jude und ein edier Mensch gewesen, wir gedenken des geistigen Schopefers und mit inm ail der Maenner, die in diesen 84 Jahren ihr Leben und ihren Geist in den Dienst der juedischen Sache und der juedischen Wissenschaft gesteht haoen, die nur von einem Gedanken beseelt gewesen, zur . Groesse und Ruhm der heiligen Lehre in der Welt ihren Beitrag zu leisten. Die Maenner der Treue sind dahin, aber ihre Nachfahren haben die Aufgabe uebernommen und wollen sie weiterfuehren zum Wohle des Judentums und zum Segen der Menschheit. PIONERAS Die Pionier - Frauen von Chile sind bei der Vorbereitung ihres “Neschefs”, der Feier, die alljaehrlich um die selbe Zeit stattfindet. Am Donnerstag, den 18. November, werden sich alle Frauen versammeln, welche unsere Bewegung kennen oder kennen lernen wollen. Die meisten werden von unserer Arbeit gehoert haben und auch viele schon unseren vorherigen Neschafim beigewohnt haben. Bisher war dieser immer ein grosser Erfolg, da der grosse Salon der B’nei Jisroel, der Festlichkeit gemaess, vollkommen ueberfuellt war. Aber jetzt rechnen wir mit noch groesserer Teilnahme, da wir dieses Mal ein besonders originelles Programm darbieten werden. Es wird ausgefuellt sein mit lebenden Bildern, musikalischen und artistischen Szenen, welche die Geschichte Israels und insbesondere die Arbeit der juedischen Frau darstellen werden. Ebenso wird ein grosser interessanter Kiosk nach Anleitungen einer spezialisierten Dekorateurin angefertigt werden, in welchem Sie viele huebsche praktische und Geschenkartikel, welche von unseren Chawerot fuer diese Gelegenheit konfektioniert wurden und sogar Gegenstaende aus Israel kaufen koennen. Auch wird eine von unseren Chawerot servierte, reichliche “once” zum Wohlbefinden unserer Besucherinnen beitragen. Der Preis der Eintrittskarte, worin sowohl die Darbietungen, als auch die once eingeschlossen ist, wird 200. Pesos betragen. Wir hoffen, dass auch Sie und Ihre Freundinnen zu unseren lieben Gaesten zaehlen werden, um somit zum Erfolg unserer Arbeit beizutragen.

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