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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-09-01 · 11 (Noviembre, 1954) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
11 (Noviembre, 1954)
Date
1954-09-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Noviembre, 1954 BOL ET IN INFORMATIVO 15 i míáát H*kiÉ«á Der stille Avantgardist Camille Pissarro, der Meister des Impressionismus / Von Otto-Karl Werckmeister Der "Patriarch des Impressionismus” hat die Ueberwinder des Impressionismus ueberlebt. Als Camille Pissarro am 13. November 1903 starb, waren Seurat, van Gogh, Lautrec und Gauguin schon tct. Nur der groesste von ihnen lebte noch: Cézanne, der sich selbst stets Pissarros Schueler nannte. Pissarro ist 1830 geboren, seine Eltern sind Juden, seine Heimat die Antilleninsel Saint-Thomas. In Paris geht er zur Schule, kommt 1847 zurueck, arbeitet ein paar Jahre im vaeterlichen Geschaeft; aber dann wiederholt sich die alte Szene der Kunstgeschichte — der Sohn tritt vor den Vater und sagt: "Ich werde Maler!” Und so faehrt Pissarro ins Mekka der Kunst: nach Paris. Der erste und bleibende Eindruck sind die Bilder Corcts, jene Landschaften, in denen die Malerei ueber die Pose triumphiert, wo das romantische Gefuehl webt im Zusammenklang der gruenen, braunen und grauen Toene. Pissarro wird Corots Schueler, er ist Portsetzer der realistisch - romantischen Barbizon - Schule und ihr Ueberwinder in einem neuen Stil. Corot malte noch Nymphen, Millet das arbeitende Volk, die anderen aus Barbizon suchten in ihren Bildern noch das Wahre der Natur zu entdecken, Pissarro ist ihr Nachfolger, aber laesst die letzten inhaltlichen Praetentionen fallen. Mit ihm beginnt die Zeit der reinen Malerei, die in Bonnard und Matisse, in Delaunay und Kandinsky ihren Hoehepunkt findet. Der neue Stil! Das ist der Impressionismus, die hoechste Steigerung des Realismus und zugleich die erste gueltige Verwirklichung eines subjektiven Kuenstlertums, das nicht die Welt darstellt, sondern seine eigene Vorstellung davon, Hier ist die letzte Station, bevor die Malerei endgueltig den Boden der Wirklichkeit verlaesst und eindringt ins Reich einer ganz anderen, neuen, schoepferischen Individualitaet. Im Im- IVessionismus geschieht die Geburt der modernen Malerei. Konsequent gehen Pissarro und die anderen ihren Weg, unbekuemmert um die schlimmsten Anfeindungen und die bitterste Armut. Zuerst ausgeschlossen vom offiziellen “Salon” gruenden sie ihren eigenen "Salon des Refuses”, und es wird lange dauern, ehe ihre Bilder in die “serioese” Ausstellung Eingang finden. Immer wieder wird Pissarro refuesiert, und erst gegen Ende seines Lebens kann er sich mit seiner Arbeit auch materiell durchsetzen. 1873 i°t das grosse Jahr des Impressionismus, nun haben Pissarros Bilder die letzten Schweren und Truebheiten abgestreift, sie sind reine Malerei, still und dabei doch von einer Freudigkeit, die ein Erbe ist von der Romantik Corots und gleichzeitig eigenster Ausdruck seines lyrischen Temperaments. Pissarro setzt sich vor das unscheinbarste Motiv, er malt ein paar Haeuser, den geliebten Dorf eingang mit zwei, drei Baeumen rechts und links. Ihm loest sich nicht wie Monet die Welt in eine spruehende, flimmernde ■Oberflaeche auf, in der sich alles auf den Lichtwert reduziert. Massen, Farbvaleurs und linaere Strukturen kann Pissarro nicht entbehren. Seine Farbskala ist in ihren delikaten Harmonien stets begrenzt, nicht strahlend und ausschweifend wie bei Monet. Pissarro malt nicht “wie der Vogel singt”; wohl sind auch seine Bilder Gefuehlsausdruck, aber verhalten und voller Hingabe an die Natur; nicht selbstherrlich, sondern dienend —unauffaelliger als bei den grossen Architekten Seurat und Cézanne schliesst sich das Gesehene zu Ordnungen zusammen, die nichts von Abstraktion haben. Diese Landschaften sind Malerei im unbefangenen Sinne; nicht aus Bioecken, zusammengefuegt zum Bau des Bildes, sondern in den harmonischen Abstufungen der farbigen Oberflaeche stellt sich ein stilles Gleichgewicht her. Bei Pissarro formt sich eine Landschaft ins Endgueltige, und ohne dass man die Gewalt eines bildnerischen Intellekts dahinter spuert, tritt das Dauerhafte daraus hervor. Hier hat der Maler seine schoenste Aussageform gefunden, Impressionismus ist fuer ihn mehr als ein Programm: ein Bekenntnis. Stets um handwerkliche Vervollkommnung besorgt, wandte er sich eine Zeit dem Pointillismus zu. Aber was fuer Seurat Erfuellung bedeutete, war fuer Pissarro Verirrung. Er hatte die Kraft, zum alten Stil zurueckzukehren. So malte er in den letzten zehn Jahren die lange Reihe der Landschaften mit den einfachen Menschen, dann die Staedtebilder —als er, der Freilichtmaler, wegen einer Augenkrankheit das Zimmer nicht mehr verlassen durfte und aus taeglich gemieteten Raeumen seine Ansicht des Draussen auf die Leinwand brachte. Die gedaempfte Harmonie einer alles verbindenden Atmosphaere leuchtet aus den letzten Schoepfungen; fern von Strenge und Monumentalitaet, auf seine eigene stille Weise vollzieht sich fuer Pissarro das Geheimnis menschlicher Vollendung in der Form. Pissarro : ERNTE Bezirk siebzehn, zweites Grab Zwei Tage bin ich in Paris. Zwei Tage wandere ich durch Gassen, Parks und Museen, blicke erinnerungstrunken ueber Daecher und Giebel, traeume unter schattenspendenden Marquisen der Boulevards. Paris ist unersaettlich. Aber Paris gibt auch mehr, als man in wenigen Tagen aufnehmen kann. Man muss diese Stadt studieren, wochenlang, monatelang; ja, Jahre reichen kaum aus, um sie ganz kennenzulernen. Das ist der Reiz dieser Stadt: Immer, wenn man sie sieht, ist sie neu, ist sie anders, einmalig, ewig schoen und jung wie eine geliebte Frau. In allen Staedten, in denen, ich mich laenger aufhalte, besuche ich die Friedhoefe. Man glaubt nicht, was uns diese Staetten des vergaenglichen Lebens alles zu sagen haben. Es ist nicht nur die Stille, die Zurueckgezogenheit und Feierlichkeit, die uns anspricht, ds ist der Charakter der Stadt und seiner Bevoelkerung, der sich in der Gedenkstaette der Toten offenbart. Paris hat viele Friedhoefe, und der Cimentiere du Pere- Lachaise ist der beruehmteste. Aber ich wende meinen Schritt zum Montmartre. Ich will das Grabmal Heinrich Heines sehen. Ein aelterer Herr steht vor dem Pfoertnerhaeuschen. Ich sehe ihn fragend an. “Sie wollen zum Grabmal einrich eines?” fragt er freundlich. “Ja — ich — natuerlich.. Er sagt es so gelaeufig, als ob er sehr oft gerade nach diesem Grab gefragt werde. Ueberall auf meinem Weg zwischen den Gedenkstaetten finde ich kleine Schilder mit roemischen Ziffern. Mein Fuss stockt — ich stehe schon vor der Bueste Heines. Hier also liegt er in fremder Erde, Heinrich Heine, der grosse Dichter und Spoetter, der Suchende und Unermuedliche, der ruhelose Wanderer, der endlich in einem Land, das er liebte und verehrte, seine letzte Ruhestaette fand. Seine Lebenskameradin ist neben ihm gebettet. Ich stehe lange — ein Mensch seiner deutschen Heimat, ein Buerger seiner Geburtsstadt — und denke an ihn, dessen Werke ich im Herzen * trage, dessen Lieder ich sang seit meiner Kindheit. Und ich bringe ihm Gruesse. Mit Andacht lese ich die Worte, die er sich und seinen Freunden schrieb, und die in den Sockel des Grabmals eingemeisselt sind: Wo wird einst des Wander- (mueden letzte Ruhestaette sein? Unter Palmen in dem Sueden? Unter Linden an dem Rhein? Werd ich wo in einer Wueste eingescharrt von fremder (Hand? Oder ruh, ich an der Kueste eines Meeres in dem Sand? Immerhin! Mich wird umge- (ben Gottes Himmel, dort wie hier, und als Totenlampen schwe- (ben nachts die Sterne ueber mir “Bezirk siebzehn, zweites , , W. He. I (eingesandt aus Deutschland) Grab’ Sill mm mm WM * ' SS? WM « 'V SttKtw mm Heines Krankenlager (zeitgenoess. Stich) DEUTER UNSERES GESCHICKS DEM DICHTER EDMOND FLEG ZUM 80. GEBURTS¬ TAGE Am 26. November vollendet .der juedisch - franzoesische Schritfsteiler Edmond Fleg, das 80. Lebensjahr. Zu Genf, 1874, geboren, hat dieser Autor immer eine bewusst-juedische Haltung eingenommen. Seine Romane und Gedichte lassen eine tiefe Verbundenheit mit juedischer Geschichte und Tradition erkennen, und man darf von ihnen sagen, dass sie auch gebildete nicht juedische Kreise in Frankreich mit juedischem Geist bekanntgemacht haben und zwar mit dem religioesen Gehalt, wie er uns aus Bibel und Talmud ueberkommen ist, als auch mit den Problemen, die das moderne juedische Leben kennzeichnen. Am staerksten zeigt sich dies in dem beruehmt-gewordenen zionistischen Roman “Ein kleiner Prophet”, dessen deutsche Uebertragung im Jahre 1927 erschien und eine der besten geistigen, literarischen, Waffen gegen, die Assimilationsbestrebungen jener Epoche wurden. Die seelischen Noete, welche das Kind in diesem Buche durchlebt von dem Augenblicke an, da es seine erste Begegnung mit seinem Judensein hat, sind auch noch heute aehnlich denjenigen, denen juedische Jugend ausgesetzt ist, die in einem fremden Millieu heranwaechst und nichts von ihrem juedischen Volke und dessen grosser Vergangenheit erfaehrt. In einem anderen Buche von Fleg,, einer “Moses-Biographie”, finden wir interessante und lehrreiche* Details, durch die versucht werden soll, die Helige Schrift solchen Juden, die aus einer fremden Umgebung kommen, naeherzubringen. Auch gibt es eine “Salomo •- Biographie”, die ebenfalls zum guten Teil auf dem Legendenstof der “Aggadah” beruht. In einem weiteren Werke “Ecoute-Israel” (“Hoere Israel”) ist die Geschichte des juedischen Volkes in Gedichtform erfasst; doch liegt erst ein Teil der bedeutenden poetischen Schoepfung vor. Fleg teilt die Zeitabschnitte dieses Geschichtswerkes in das juedische Kalendarium der grossen Feste ein: . Das Buch pessach: (Abraham bis Moses, die Stamm- - vaeter, Mizrajim, das Gelobte Land). Das Buch Schawuoth: (Josua bis Nebukadnezar (Die Kriege Gottes). Das Buch Rosch haschanah: (Ezechiel bis Holofernes) Die Strceme Babels, Die besiegte Akropolis) Das Buch Jom Kippur; (Pompejus bis Berenike, (SCHLUSS SEITE 17)

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