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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-09-01 · 11 (Noviembre, 1954) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
11 (Noviembre, 1954)
Date
1954-09-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Noviembre, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 9 Keiner empoerte sich Den nachstehend wiedergekuerzlich einen Preis im Ergebenen Artikel entnehmen zaehler - Wettbewerb des wir der “Frankfurter Rund- Sueddeutschen Rundfunks, schau”. Der Verfasser erhielt Jakob Gavrlel ging langsam durch die belebte Hauptgeschaeftsstrasse der grauen Industriestadt. Es war ein Samstag, und die Menschen hasteten an ihm vorbei, um vor Geschaeftsschluss noch ihre Einkaeufe fuer den Sonntag zu erledigen. Am Ende dieser langen Strasse lag sein Geschaeft - sein Geschaeft, das er vor 28 Jahren eroeffnet hatte und das jetzt wieder ihm gehoerte, ihm: Jakob Gavriel. Sein Rechtsanwalt hatte einen langen Prozess gegen Burmann gefuehrt, der das Geschaeft nicht hergeben wollte, da er es vor 17 Jahren rechtmaessig gekauft habe. Aber der Rechts anwalt bewies dass dieser Kauf unter Zwang stattgefunden habe. Als Jakob Gavriel sich jetzt seinem Geschaeft naeherte, spuerte er, wie ihm der Schweiss ausbrach. Er blieb stehen und lehnte sich an eine Hauswand. Seine alten Augen blickten furchtsam durch die randlose Brille auf die vorbeistroemenden Menschen. Keiner beachtete ihn, nur ein kleiner Junge rief; “Na, Onkel, bist du muede?!” und lief weiter, als Gavriel den Kopf schuettelte. Nein, er war nicht muede, er hatte nur ploetzlich Angst, wuergende panikartige Angst, dieselbe Angst wie vor 17 Jahren, als er nur mit einem kleinen Koffer nachts durch diese Strasse geeilt war. um den Nachtschnellzug nach Paris zu erreichen. Daran dachte er jetzt, daran und an Burmann, der eine Woche vorher zu ihm gekommen war und 10.000 Mark fuer sein Lederwarengeschaeft geboten hatte —10,000 Mark!; dabei war es mit Warenlager und Inventar gute 60.000 Mark wert gewesen. Als er nicht zu diesem Preis verkaufen wollte, hatte Burmann nur gelaechelt und mit seiner verbindlichen Stimme gesagt: “In einem Jahr werden Sie froh sein, wenn Sie noch 3.000 Pipen fuer diesen Laden bekommen”. Als Burmann nach einer Woche wieder vorsprach, verkaufte Jakob Gavriel sein Geschaeft mit Warenlager u. Inventar fuer 9.000 Mark! Nach zwei Jahren, —er lebte zu dieser Zeit mit Frau und Tochter bei seinem Schwager in Chikago—, nach zwei Jahren wusste er, dass er doch noch guenstig verkauft hatte. Seinem Freund Silberstein, der in Deutschland geblieben war, hatte man sein Musikaliengeschaeft zerschlagen und dann angezuendet. Noch spaeter erfuhr er, dass Silberstein samt seiner grossen Familie verschollen war. Jakob Gavriel blickte suchend um sich. Dort, auf der anderen Strassenseite musste die Musikalienhandlung gewesen sein. Ein neues Haus stand idort, ein praechtiges Haus, ueber dessen Eingang in flimmernder Leuchtschrift: Musikalien — Schwertfeger! stand. Er nahm die Brille ab Und wischte ueber seine Augen. Aber er hatte ' nicht in Amerika bleiben wollen, er hatte in diesen 17 Jahren von seinem Lederwarengeschaeft getraeumt, hatte nur an Deutschland gedacht, besonders an diese graue Industriestadt, in der er geboren war. Er wollte nach Hause, wollte sein Geschaeft wiederhaben. Er hatte einen Rechts anwalt beauftragt, seine Ansprueche geltend zu machen, hatte schliesslich einem Vergleich zugestimmt, der dahin auslief, dass er fuer sein Geschaeft 25 000 Mark zahlen musste, weil Burmann es renoviert hatte. 12,000 Ma;rk lieh ihm sein Schwager, und mit seinen Ersparnissen, die er in Chikago als Buchhalter gemacht hatte, kam die Summe zusammen. Und nun war es soweit: uebermorgen, am Montag, musste Burmann raus. Jakob Gavriel beschleunigte seinen Schritt, sein Atem wurde knapp, sein Herz klopfte zum ’ Zerspringen, noch hundert Meter —noch fuenfzig Meter— und dann —dann sah er sein Geschaeft: “Burmann— Lederwaren” strahlte die gruene Leuchtschrift ueber dem Eingang. Die Fassade war mit schwarzem Marmor belegt, die Fenster —und Tuerrahmen aus schimmerndem Messing, die Auslage neonbeleuchtet. Vor den beiden grossen Fenstern standen viele Menschen, die offenbar ein Schild lasen, das an der Innenseite der Schaufensterscheibe befestigt war. Jakob Gavriel konnte nicht erkennen, wass auf d. Schild stand, und darum draengte er sich behutsam durch die Schaulustigen, die ueber irgend etwas zu schimpfen schienen Und dann konnte er lesen, was auf dem gelben Sschild stand, es waren grosse rote Buchstaben: “Total-Ausverkauf wegen Rueckgabe des Geschaeftes an den juedischen Besitzer!” las Jakob Gavriel... Vor seine Augen senkte sich ein grauer Schleier, der dunkler und dunker wurde, und er ballte krampfhaft seine Haende, in denen kalter Schweiss klebte. Er ballte die Haende nicht, um in die Fensterscheibe zu schlagen und das Schild herauszureissen, nein, er ballte diese schmalen Haende nur, um zu verhindern, dass er ohnmaechtig wurde. Jakob Gavriel konnte nicht Umfallen, er stand eingekeilt zwischen den Menschen; und nach einigen Sekunden wurde der Schleier vor seinen Augen wieder durchsichtig, und er starrte abermals auf das Schild. Da stand es wieder, das verhaengnisvclle Wort, das Wort, das ihn ruiniert hatte, da stand es in grossen roten Buchstaben. Die ihn umgebenden Leute beachteten Gavriel nicht, sie schauten auf das 'Schild... Und ein aelterer Mann sagte: “Kommen schon wieder, die Juden, leben also immer noch welche. Kann ja nicht so schlimm gewesen sein...”. Und eine junge Frau sagte: “Werden nicht viele bei ihm kaufen... ”. Und ein anderer Mann' sagte: “Ich kannte einen Juden, der war in Ordnung, bestimmt, der war nicht schlecht”. Und ein junger Mann rief: “Ein weisser Rabe!” Und eine alte Frau sagte: “Hier war frueher Gavriel. Ich habe bis 1935 viel bei ihm gekauft. Muss sagen: seine Sachen waren gut und billig —wirklich. Aber dann konnte man ja nicht mehr bei denen kaufen, sonst..." Und keiner' empoerte sich ueber das Schild— keiner! Jakob Gavriel draengte sich durch die Menschen auf die Strasse. Seine Augen waren weit aufgerissen vor Entsetzen. Er achtete nicht auf die vorbeirasenden Autos, stand einen Augenblick still, die Haende immer noch zu Faeusten geballt, und dann hoerte er, wie die alte Frau, die bis 1935 bei ihm Kundin gewesen war, rief: “Da ist er ja. der Gavriel! Da ist er ja!”. Jakob Gavriel rannte los —er rannte weiter— ein Auto bremste kreischend, die Passanten blieben stehen und riefen etwas —er rannte— ein Polizist wollte ihm den weg versperren» so wie man ein durchgehendes Pferd aufhaelt, die Arme gespreizt — Gavriel aber nahm alle Kraft zusammen und schlug einen Haken, wechselte auf die andere Seite hinueber, rannte mit vorgeneigtem Kopf — er rannte die lange funkelnde Strasse zurueck, an deren Anfang der rettende Bahnhof lag. Kalkweiss im Gesicht, mit bebenden Haenden loeste er am Schalter eine Fahrkarte nach Paris, wartete das Wechselgeld nicht ab, nahm nochmal die letzte Kraft zusammen, hetzte auf den Bahnsteig, sprang in einen Zug, der. westwaerts fuhr. Zwischen der Ankunft, dieses Zuges in Paris und der Abfahrt des Zuges zur Kueste telegraphierte Jakob Gavriel seinem Rechtsanwalt: —Geschaeft umgehend verkaufen— Stop— auch mit Verlust- Ein Problemkreis von direktem juedischen Interesse wird behandelt in Kapitel' VIII der grossen, von einer anglo-amerikanischen Expertengruppe im Auftrag der allieerien Regierungen herausgegebenen Dokumentensamm lung zur deutschen Aussenpolitik der Jahre 1918-1945. Hier finden wir Teile der diplomatischen Korrespondenz des Auswaertigen Amts mit den deutschen Vertretern in Jerusalem und in den arabischen Laendern, und zwar aus der Zeit, als zum ersten Mal die Errichtung eines Judenstaates offiziell diskutiert wurde. In einer Geheimnote erklaert Aussenminister Neurath bereits am 1. Juni 1937, dass Deutschland gegen den Judenstaat ist, empfiehlt Als der ‘liebe Nicht weit von uns wohnte in der Muenstergasse ein alter Troedler, den vor allem die Kinder gern mochten Jahrzehnte hindurch hatte er sich nicht veraendert. Noch immer reichte ihm, wenn er gebeugt dahinschritt, def wirre, schlohweisse Bart bis auf die Knie, und wie einst trug er seinen zerschlissenen, kaftanartigen Mantel, in dem er mit dem breiten schwarzen, freilich etwas speckig glaenzenden Hut aussah wie eine biblische Gestalt, die Ehrfurcht einfloesste. Man ruehm te seine Redlichkeit, denn man konnte bei ihm auf Stottern kaufen, ohne uebervorteilt zu werden. Kam einer zu ihm, der in Not war, half er ganz umsonst, mit einer mehrenden Selbstverstaendlichkeit. Er brachte es deswegen auch nicht zu Reichtum oder Besitz. wenngleich die Schwatzhaften von heimlichen Schaet zen munkelten, die er in seinem Keller verberge. Sooft der Alte seinen Wagen durch die Strassen zog. Lumpen, Knochen und Alteisen sammelnd, umschwaerm te ihn das junge Volk, neckte ihn oder bot seine Dienste an. wofuer er sie dann belohnte. Mit bunten, glaesernen Schmetterlingen oder Hunden, Kugeln und Steinen, die in den seltsamsten Farben schillerten, oder papierenen Windraedern, Abziehbildchen und derlei Dingen, die ein Kinderherz erfreuen Niemals hoerte ich, dass einer dem Alten etwas zuleide tat. Wenngleich viele jetzt voller Spott oder geringschaetzig ueber ihn hinwegsahen, denn es war die Zeit, da man ihn und seinesgleichen in Acht und Bann erklaerte. Aber er jammerte deswegen keinesfalls. Gelassen, beinahe heiter, wie schon vor Jahren und Jahrzehnten, ging er seinem Gewerbe nach, Zog seinen Karren durch die Strassen machte seine Ankunft vor den Tueren mit dem monotonen “Wer hat Lumpen? — Kaufe Lumpen!” bekannt. Mia, mein Toechterchen. war dem Alten genau so gewogen,. wie ich es eimal gewesen war, und wie die unzaehligen anderen, die seine Glasperlen, Kugeln und Muenzen liebten, die er ihnen jedesmal in die Hand zaehlte. wenn sie mit den Abfaellen aus Rumpelkammer und Speiaber den deutschen Diplomaten Zurueckhaltung. Dann kommen die Berichte der diplomatischen Vertreter, Generalkonsul Doehle in Jerusalem, Gesandter Gmbba in Bagdad usw.; die Frage ist der Gegenstand von Memoranden und Analysen, worin beide Seiten kuehl abgewogen werden. Deutschland wollte sich damals keinesfalls wegen Palaestina mit den Englaendern verzanken, und daher auch nicht aktiv gegen die Errichtung des Judenstaates auftreten, solange man dies fuer die offizielle englische Politik hielt. Die Dokumente zeigen auch, dass die Deutschen keine grosse Meinung von den Arabern hatten. Der Mufti von Jerusalem sandte im Sommer 1937 einen gehei- Gott’ starb... eher angekeucht kamen, um sie seiner Karre aufzubuerden. Ja. Mia hatte eine besondere Schwaeche fuer den Alten, Sein biblisches Aeussores, der lange Bart und die guetigen Augen, machten ihn fuer sie zum “lieben Gott”, so, wie er in ihrem Religionsbuechlein. inmitten der Engel und Propheten, oder ueber den Wassern schwebend, als er die Welt erschuf, abgebildet war. Ob der alte Troedler wusste, dass es Menschen gab, die ihn liebten? — Oder ob er nur die Schmaehungen hoerte? Er tat, als fechte ihn beides nicht an; und sein Leben laufe nach einem wunderlichen Gesetz ab, an dem er nichts zu aendern vermoechte. Ruhig, wie ein Fels in der Brandung, verhielt er, wenn die Strasse um ihn herum brauste und tobte, oder vom Verkehr erfuellt war. Er hatte die Faehigkeit, zu missachten, was des Ansehens unwert schien. Ich weiss nicht genau, wie es dann eines Tages geschah: Ich hoerte die raschen Schritte meines Kindes, sein aengstliches Rufen, mit dem es za mir ins Zimmer drang, die Haende vor dem Gesicht, immerfort klagend: “Der liebe Gott ist tot, der liebe Gott ist tot!” Erst allmaehlich begriff ich: Der alte Troedler — auf der Gasse, dicht bei seinem Wagen, lag er, Ein Stein von ungefaehr hatte ihn niedergestreckt. Keiner wusste, wer ihn geschleudert hatte, keiner fragte danach. Das Kind war aeusserst erregt und wollte sich nicht mehr beruhigen. Schliesslich brachten wird es zu Bett. Und da geschah es, dass es mich voller Angst, halb im Fieber, fragte: “Wird es nun Krieg geben, Vater, weil doch der liebe Gott tot ist?” Mir war seltsam zumute. KARL BURKHEISER (Deutsche Volkszeitung; Duesseldorf) men Abgesandten nach Berlin, der aber keine Zusicherungen erhielt. Ein Brief eines syrischen Arabers Doktor Imam aus Damaskus, der in Deutschland studiert hat und als politischer Abgesandter nach Berlin geschickt wurde, schliessst sogar mit “Heil Hitler”, Von besonderem Interesse ist, angesichts des Todes von Ihn Saud, ein Bericht des i Gesandten Grobba vom 18. I Februar 1939 aus Dschidda, l worin er ausfuehrlich ueber seinen Besuch bei Ibn Saud und ueber dessen Wunsch, politisch und wirtschaftlich mit Deutschland zusammenzuarbeiten, berichtet. Die Unterhaltung begann mit Ilm Saud’s Feststellung, dass Deutschland und Saudi Arabien einen gemeinsamen Todfeind haetten, naemlich den Juden, und zweitens, dass beide sich zu verteidigen haetten gegen die Feindschaft Englands. Ibn Saud verlangte vor allem Waffen, aber das wurde in Berlin abgelehnt. Ueberiiaupt zeigen die Dokumente eine ueberraschende Abneigung, den Arabern bei ihrem anti-englischen Aufstand mit mehr als freundlichen Worten zu helfen. Auch die Opoosition des Mufti gegen das Haavarah-System blieb erfolglos und das System funktionierte bis zum Ausbruch des Krieges und rettete noch viele Tausende deutsche Juden. Dr. R. W. NAZI - MACHENSCHAFTEN im Mittleren Osten

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