Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 10 (Octubre, 1954)
- Date
- 1954-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Octubre, 1954 BOLETIN INFORMATIVO iBgg’gg1 Orthodoxe Jude Die Kulturveranstaltungen der S.C.I. sollten am Donners tag, den 19. August, auch zwei Vortraege ueber das Thema “Der moderne Jude” bringen, und zwar einen Vortrag von Dr. Ernst Reichmann “Der liberale Jude” und einen Vertrag von Rabb. Egon Loewenstein “Der orthodoxe Jude”. Da Dr. Ernst Reichmann erkrankt war, hielt nur Rabb. Loewenstein seinen Vortrag, wobei er sich, um ganz objektiv zu verfahren, in gluecklicher Weise den Formulierunf en anschloss, die anerkanne Vertreter der Orthodoxie ueber deren Wesen aufgestellt haben. Der Begriff “orthodox” ist speziell auf jenen Kreis des westeuropaeischen Judentums angewandt worden, der am theratreuen Leben festhaelt. Er ist nicht aus wohlwollender Gesinnung von den Reformern den Altglaeubigen beigelegt worden. Spaeter uebernahmen ihn diese —nicht alle—, so wie einst die Geusen den Spottnamen (“Bettler) in einen Ehrentitel umwandelten. Ein erheblicher Teil der Orthodoxie widersetzte sich dieser Bezeichnung und nannte sich “gesetzestreu”, “thoratreu” und “ueberlieferungstreu”. An der Fuelle der Bezeichnungen erkennt man die Schwierigkeit, einen entsprechenden Ausdruck zu finden. Der Widerstand gegen das Wort “Orthodoxie”, das sich mit “Rechtglaeubigkeit” u e b. e r s e tzen laesst, entspringt dem Wunsche, dem Vorwurf des Hochmuts zu entgehen, der sich unweigerlich mit dem Ansaruch, den rechten Glauben zu monopolisieren, verbindet. Ausgangspunkt f u e r die Welt und Lebensanschauung des orthodoxen Juden ist die Tatsache der Existenz Israels als der Gemeinschaft, die nun seit Jahrtausenden um des religioesen Ideals willen eine Sonderexistenz im Ganzen der Menschheit fuehrt. “Ich habe Euch abgeschieden von den Voelkern, dass Ihr mir gehoert”. Diese menschheitspriesterliche Heiligung des Menschen kann nicht anders errungen werden als durch die uninteressierte, von selbstsuechtigen Zwecken freie Ausuebung der Mizwa, die Erfuellung der Gebote. Durch die Fuelle der Pflichten und der religioesen Motive wird Gott und die Religion zum zentralen Erlebnis jedes Einzelnen; alle Energien des inneren Menschen sind nach der einzig beherrschenden Richtung des Religioesen umgewandelt und vergeistigt. Aber das taegliche Leben laesst sich ohne weiteres nur nach Prinzipien regulieren. Es stellt den Menschen vor Konflikte, die Konflikte zwischen dem natürlichen Sein und der juedischen Lebensbestimmung. Heisst es nicht: “Diese Satzung soll der Mensch erfuellen, dass er durch sie lebe, lebe und nicht sterbe”. Wo liegt die Grenze fuer die Moeglichkeit der Selbstentaeusserung? “Liebe den Ewigen, Deinen Gott, mit Deinem ganzen Herzen” usw. Wie aber, wenn die Liebe zu Gott mit der Liebe zum Menschen in Konflikt geraet oder sogar den Preis des eigenen Lebens fordert? Die Grenze ist nicht fest bestimmt und die Regelung erfolgt in der sog. “muendlichen Lehre” im Talmud. Die Regelungen, die dort erfolgen, die Halachas, sind nie das Produkt einer ein zelnen Meinung, sondern stellen sich als Majoritaetsentscheidungen dar, denen sich zu unterwerfen auch die abweichenden Meinungen in der Praxis verpflichtet sind. Allerdings konnten Zweifel vor den Richterstuhl des Synhedrions gebracht werden. Mit den zunehmenden Leiden des Judentums hoerte die einst zentrale Instanz des Synhedrions auf. Damit erhielten die Entscheidungen der Vergangenheit zunaechst einen definitiven Charakter. Nach der Ansicht der Orthodoxie wuerde es die Einheit des Judentums sprengen, wuerde aus eigener Machtvollkommenheit ein Einzelner oder eine raeumlich begrenzte Gruppe fuer sich allein den Grenzstein verschieben, den die Frueheren festgesetzt haben. In zwei fundamentalen Werken — in Mischne Thora des Maimonides und im. Schulchan Aruch des Rabbi Josef Caro — hat das Judentum seine grossartige Kodifizierung erfahren, die stillschweigend vom gesamten Volke anerkannt wurde. Der Beginn der neuen Zeit, das durch die franzoesische Revolution eingeleitete Eman *;ipationszeitalter, das die Scheidewaende zwischen Mensch und Mensch im modernen Rechtsstaat mehr und mehr niederlegte, hat zum Eintritt der Juden in die staatliche Gemeinschaft mit der nicht juedischen Umwelt gefuehrt und damit das Problem der unverfaelschten Reinerhaltung des juedischen Lebensideals zur Loesung auf gegeben. Das traditionelle Judentum folgte nur widerwillig dem weitgehenden Optimismus zahlreicher Kreise, die glaubten, dass die weltgeschichtliche Sonderstellung Israels mit dem unverkennbaren Fortschritt der Menschheit teilweise ueberfluessig geworden sei. Der orthodoxe Jude fuehlte sich weder berechtigt, auch nur in Form der Sprache der Gebete den Zusammenhang mit der gesamten Judenheit als dem eigentlichen Traeger der Messiashoffnung a u f z u g eben, noch hielt er sich fuer befugt, von den Gesetzen der Lebensheiligung im Interesse der Teilnahme an der Kulturarbeit der Mitwelt auch nur das Geringste zu opfern. Mit dieser Auffassung kam die Orthodoxie in eine schwierige Situation, einerseits gegenüber der nicht juedischen Umwelt, andererseits mit weiten juedischen Kreisen, die von einer mehr oder minder energischen Fortentwicklung des Judentums traeumten. Auch hierueber aeusserte sich der Redner in eingehender Weise. Doch erscheint es zweckmaessig, ueber diesen Fragenkomplex erst in dem Referat ueber den Vortrag, der das liberale Judentum schildern soll, zu berichten. Nur soviel sei gesagt, dass der yortrag ein verheissungsvoller Auftakt fuer die Behandlung des Gesamtproblems war und Anlass zu der GRUPPE GOLDA MEYRSON: 25. Okt. abds. Montag, Montag, 8. Nov. abds. “Der Mensch und sein Gott”. (Ein altes Thema neu betrachtet). Lene Back. “Judentum als Zivilisation”. Herr Rabb. Manfred Lubliner. GRUPPE VERA WEIZMAN: Montag, 25. Okt. nachm. “Seher, Profeten und Dichter”. Herr Dr. Emil Goldschmied. Montag, 8. Novnachm. “Robert Oppenheimer”. Herr Walter Goldschmidt. GRUPPE HANNAH MEISEL: Dienstag, 26. Okt. nachm. “Der Mensch und sein Gott”. Frau Lene Back. Dienstag, 9. Nov. nachm. “Malerei und Skulptur in Is rael”. Frau Dully Kleiner. GRUPPE HENRIETTA SZOLD: Donnerstag, 28. Okt. nachm. “Malerei und Skylptur in Israel”. Frau Dully Kleiner. Donnerstag, 11. Nov. nachm. “Was bedeutet mir die Wizo?” Diskussions-Nachmittag- W. I. z. o. Liebe Wizoschwestern; Wir hoffen, dass Sie die offiziellen Feiertage und unsere Jomtauwim gut verbracht haben und wuenschen Ihnen auch fuer die restlichen dieses Monates alles Gute. Bis zum Ende unseres Arbeitsjahres bleiben uns nur noch 3 Monate. Wir sind bemueht, auf Grund verschiedener Plaene, die noch in Vorbereitung sind und von Vortraegen, die Sie aus unserem Programm ersehen koennen, fuer diese kurze Zeit auch weiterhin Ihr Interesse und Ihre Sympathie fuer Wizo wachzuhalten. So sind wir im Augenblicke damit beschaeftigt, Briefe unserer Jungen in Israel (der Toechter und Soehne bezw. der Angehoerigen unserer Wizoschwestern) , zu sammeln und gemeinsam nach entsprechender Sortierung des Inhaltes in einheitlicher Form zu einem oeffentlichen Vertrag zu bearbeiten. Auf diese Weise wollen wir nicht nur die Eindruecke unserer Juin Israel, sondern auch ihre Mentalitaet und Einstellung zum Leben beleuchten und zur Kenntnis bringen. Sie alle sind herzlichst eingeladen, uns solche Briefe zur Verfuegung zu stellen. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch eine andere originelle Idee erwaehnen, die eine interessante Realisierung gefunden hat: Unsere Gruppe der jungen Frauen, die Gruppe VERA WEIZMAN, erhob zum Thema eines Diskussionsnachmittages im Hause von Frau INGE SCHAUL die Frage: “Was bedeutet mir die Wizo?” Manch kluges und liebevolles Urteil kam dabei zutage. Aber im Sinne der Hoffnung gibt dass die Meinungsverschiedenheiten ueber die behandelten Fragen, wenn auch natuerlich keine endgueltige Loesung, so doch eine gewisse Klarheit ueber die Problemestellung erfahren. Der Beifall der zahlreichen Zuhoererschaft war somit wohlverdient. R. W. Gerechtigkeit wollen wir auch erwaehnen, dass auch die Frage einiger Verbesserungen aufgeworfen wurde, der "wir gerne und nach Massgabe unseres Koennens Rechnung tragen wollen, denn last not least sprechen wir mit Lessing: “Das sind die Weisen, die vom Irrtum zur Wahrheit reisen und das sind die Narren, die im Irrtum verharren”. Schliesslich sind wir alle nur um das Eine bemueht, um das eine gemeinsame Ziel der WIO: unserem Lande zu helfen nach bestem Wissen und Gewissen! H ABONIN- VALPARAISO Gottesdienst: Jeden Freitag abend um 19. Uhr. Jeden Samstag vormittag um 9 Uhr- Ausserdem an Jahrzeiten. Diese Daten mues sen jedoch rechtzeitig an die Casilla 984 mitgeteilt werden. Verkuendung des Neumondes Samstag, den 23. Oktober. 1. Tag: Mittwoch, den 27. Oktober Chechwan. 2. Tag; Donnerstag, den 28. Oktober. W. I. z. o. Zweimal Israel Am Sonntag d- 29. 8. sprachen im Rahmen eines Tees im Café City, Frau Marta Frankenberg und Frau Ilse Freund ueber die Eindruecke und Erlebnisse ihrer Israelreisen. Die Veranstaltung war ueber Erwarten gut besucht und bedeutete sowohl ideell wie materiell einen schoenen Erfolg fuer unsere Gruppe. Ilse Freund erzaehlte mehr vom Standpunkt einer interessierten Touristin aus, die mit offenen Augen und empfaenglichem Herzen die mannigfachen Eindruecke auf sich wirken Hess. Marta Frankenberg berichtete viele Einzelheiten aus dem Kibbuzleben. Beide waren vom Geiste unseres Landes, von seinen Schoenheiten und seinen fast maerchenhaften Leistungen tief beruehrt, am meisten aber von der Begeisterung und Opferbereitschaft aller Israelis, seien sie nun Kibbuzbewohner oder individuell lebende Einwohner des Landes. Die Zuhoerer erfreuten sich an den lebendigen Schilderungen und stellten anschliessend interessierte Fragen. I. W. GEDENKSTUNDE Aus Anlass des Jahrestages des 9. November und der vor 10 Jahren durch den Brand in der San Diego 316 vernichteten 14 Thorarollen findet am SONNTAG, DEN 11 NOVEMBER VORMITTAGS 11.30 UHR auf dem Friedhof Conchali eine Gedenkstunde statt. Die Mitglieder und Freunde der S.C.I. werden gebeten, an dieser teilzunehmen. DAS DIREKTORIUM DER SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA "E'NE JISROEL