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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-06-01 · 6 (Junio, 1954) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
6 (Junio, 1954)
Date
1954-06-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Junio, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 9 ¡ fi Rezepte ans Washington Die Vereinigten Staaten von Amerika gleichen jener Hausfrau, die es verabsaeumt, vor der eigenen Tuer zu kehren —von den Hinterzimmern ganz zu schweigen—, dafuer aber unaufgefordert Kochrezepte an die Umgebung abz u g e b e n sich verpflichtet fuehlt. Ein Land, das es einem Senator in der Woche von Dienbienphu erlaubt, die eigene Armee zu diffamieren; ein Land, das seinen fuehrenden Atomforscher verdaechtigt und entlaesst, weil er mit einer Frau verkehrt hat, die in ihrer Jugend mal einen Kommunisten kannte; ein Land, in dem weisser Poebel durch unausgesetzte Ueberfaeile Neger von ihrem rechtlich erworbenen Wohnsitz vertreiben darf; ein Land, dessen Marinebuero ploetzlich und ohne Grund fuenf Angestellte entlaesst, die Juden sind und alle anderen behaelt, die es nicht sind, —ein solches Land sollte erst einmal bei sich die moralische Ordnung herzustellen versuchen, bevor es den Anspruch zu erheben wagt, Schrittmacher fuer andere Voelker zu sein!! Doch den Staaten, von ihrer wirtschaftlichen Vormacht Stellung verleitet, liegt jede gesunde Selbstbescheidung fern, sie unternehmen vielmehr den ueberheblichen Versuch, die Probleme der Welt durch Erteilung kurzer Anweisungen zu loesen. Die nordamerikanische Aussenpolitik republikanischer Praegung, welche gerade jetzt in Genf ihr offensichtliches Fiasko erleben musste, hat auf diese Art einen der wenigen aufrechten Staatsmaenner unserer Zeit, Indiens Ministerpraesident N e h r u, von seiner Neutralitaet ab—, und ins gegnerische Lager hinzubringen vermocht; auch den Kleinstaat Israel, die stabile Demokratie des Mittleren Ostens, hat Washington jetzt schwer veraergert: Der stellvertretende Staatssekretaer Byroade erklaerte offiziell, was zwecks Herstellung des Friedens um das Heilige Land zu geschehen habe; die Araber sollten Israel als fait accompli aner kennen und ihre negativistische Haltung ihm gegenueber aufgeben, die Israelim wiederum sollten von ihrer prinzipiellen Einwanderungspolitik Abstand nehmen, um damit die Befuerchtungen der Araber hinsichtlich einer durch starken Bevoelkerungszuwaehs bedingten Expansionspolitik zu zerstreuen. Was der Staatssekretaer zu uebersehen scheint, ist der grundverschiedene Wert, den beide Forderungen repraesentieren. Dass die Araber endlich den auf Grund eines VN-Besehlusses gegruendeten Staat anerkennen und ihre widerrechtlichen Kriegsdrohungen oder gar Taetlichkeiten einstellen sollte nicht erbeten werden sondern schon laengst vom internationalen Forum erzwungen worden sein; die Bevcelkerungspolitik eines Landes andrerseits ist aber seine hoechsteigene, interne Angelegenheit. Wie wuerde es Byroade aufnehmen, schluege Nehru zur Bereinigung der internationalen Atmosphaere den USA. vor ihren jaehrlichen Geburtenueberschuss um 50% zu senken und McCarthy die Televisionsstunden zu sperren? Damit aber nicht genug: Es ist kein Geheimnis, dass es im Augenblick keine Masseneinwanderung nach Israel mehr gibt, die vorgeschuetzten Befuerchtungen der Araber sind also nur ein schliessiger Schafspelz, mit dem sie ihre aggressiven Tatzen zudecken wollen. Woher kommt aber die neuerwachte Agression der Araber? Gewiss ist diese auch auf die Erkenntnis zurueckzufuehren, das das wirtschaftlich erstarkende Israel doch nicht, von inneren Schwierigkeiten ueberwaeltigt, “ausgeloescht" werden wird; zweifellos liegt ein anderer Grund in dem verstaerkten Liebeswerben der Russen um arabische Gunst; der Hauptgrund jedoch duerfte in der starken Aufruestung der Araberstaaten zu suchen sein, welche sich nur mit Hilfe der USA zu diesen Proportionen entwickeln kann. Eisenhowers Bemerkung, dass die amerikanischen Waffen nicht fuer lokale Kriege bestimmt seien, hat den Wert eines frommen Wunsches. Man darf die Suppe nicht wuerzen, wenn man nicht will, dass sie scharf schmeckt! .Refrain ans Pra Kein Mensch ist vor seinem Tode gluecklich zu preisen, meinten die Roemer. Dabei dachten sie bestimmt noch gar nicht an das Schicksal kommunistischer Parteigroessen, die oft und unverhofft von den Hoehen ihres buereaukratischen Olymps in die Zellen der Geheimpolizei fallen. Die Stunde schlug im letzten Monat wieder fuer mehrere Prominente der osteu ropaeischen Republiken, u. a. wurde Dr. Husak, Vorsitzender der slowakischen kommunistischen Partei, mit mehreren Freunden des Hochverrats und der Spionage fuer schuldig erklaert. Sie sollen mit dem ehemaligen tschechoslowakischen Aussenminister Clementis konspiriert haben, um “die Selbstaendigkeit der Tschechoslowakei zu vernichten”. Eine geradezu sensationelle Ueberraschung ist, dass das antisemitische Leitmotiv jenes Prozesses wieder mit voller Lautstaerke auf genommen worden ist. Husak und seine Mitangeklagten haben, wie es im ausfuehrlichen Prozessbericht Radio Bratislavas woertlich heisst, “juedischen Kapitalisten aus Pressburg” ermoeglicht, ih|r Vermoegen aus dem Lande zu schmuggeln. Sie gestanden ferner, dass sie Juden beschuetzt dass sie der Agitation der Zionisten und der Taetigkeit der juedischen Hilfsorganisation ‘Joint Distribution Committee’ jahrelang untaetig zugesehen hatten. Die “Joint” wird nun wiederum, wie seinerzeit im Moskauer Bulletin ueber die Verhaftung der Kremlaerzte, als “Spionageorganisation der amerikanischen Imperialisten” bezeichnet. Dabei ist, im Gegensatz zu Slansky und den meisten seiner Mitangeklagten, keiner der heutigen Angeklagten Jude; sie galten •vielmehr in Pressburg, wie der Vorkriegszeit nahestehende Clementis, gerade zu als Antisemiten. Die Anschuldigungen erreichen den ueblichen Grad an Absurditaet. Betrueblich aber ist die Schlussfolgerung, die sich daraus zu ergeben scheint: Das Abblasen des Aerzteprozesses in Moskau, die Absetzung seines Initiators Ignatiew und die Rehabilitierung des juedischen Polizeichefs Eitingon scheint doch nur auf Veranlassen Berias erfolgt zu sein. Mit dessen “Entlarvung” und Hinrichtung, nach der Fuesilierung Eitingons und der Wiedereinsetzung Ignatiews. scheint die antisemitische Clique im Kreml wieder Oberwasser bekommen zu haben. In Rumaenien wurden, wie der Weltkongress aus zuverlaessiger Quelle erfaehrt, die Prozesse gegen fuehrende Persoenlichkeiten der juedischen Kollektivitaet abgeschlossen. Ihre Namen zu nennen verpflichtet uns unser Solidaritaetsgefuehl; ihre Namen nennen, heisst gegen die Anklagen protestieren. A. L. Zissu, der bekannte Schriftsteller und geistige Fuehrer des rumaenischen Judentums, der waehrend der Jahre der nationalsozialistischen Besetzung Praesident der Zionistischen Bewegung war; Mishu Benvenisti, der fruehere Praesident der zionistischen Organisation Rumaeniens und eine der leitenden Persoenlichkeiten der rumaenischen Sektion des Juedischen Weltkongresses; Frau Mella Jancu, die Praesidentin der rumaenischen Sektion der Juedischen Gesundheitsorganisation, Moshe Weiss, ein Fuehrer der Zionistischen Jugend in Rumaenien, sowie der Journalist N. Moshkovitz. Dr. Cornel Jancu, ein bekannter Arzt und Fuehrer der Allgemeinen Zionisten, Bernhard Rohrlich, frueherer Vorsitzender der Zionistischen Organisation Rumaeniens, Leon Iztkar, frueherer Vorsitzender der zionistischen Fonds in Rumaenien, Dr. Theodor L«e- Der Veitstanz des Harlan Es ist nicht leicht, der Prestigeregisseur des Dritten Reiches gewesen zu sein, eines Reiches, das bekanntlich 988 Jahre vor der angekuendigten Dauer sein ploetzliches Ende fand. Der gehaessige Schundfilm “Jud Suess”, den Veit Harlan seinerzeit im Auftrag des diabolischen Propagandaministers drehte, nimmt sich bei Nachkriegsbeleuchtung nicht mehr so vorteilhaft aus und das erworbene Nazi - Praedikat “staatspolitisch wertvoll” belastet seinen Schoepfer, Es ist hiernach (verstaendlich, dass Regisseur Harlan, der ja fuer diesen Film seine finanziellen und politischen Gewinne bereits einheimsen konnte, den “Jud Suess gehen lassen moechte, nachdem der Jud seine Schuldigkeit getan hat”. Da muss er nun zu seinem veraergerten Befremden feststellen, dass er den Schatten des Menschen, dessen geschichtliche Funktion er auf so verarbscheuungswuerdige Weise verfaelscht hat, nicht los werden kann; es gibt noch Menschen, die einen charakterlichen Schwerpunkt besitzen und es ablehnen, sich von den Erzeugnissen eines Mordhetzers ablenken und zerstreuen zu lassen. So kam es in Zuerich zu spontanen Boykottkundgebungen gegen Har lan’sche Nachkriegsfilme. Was tut ein Regisseur? Er inszeniert Reue; nach allen Regeln der Buehnenkunst; Nahaufnahme; im Grossformat. Es sei ihm, Harlan, gelungen, den Filmstreifen des Jud Suess aufzutreiben und zu kaufen; er wolle ihn nunmehr in einem symbolischen Suehneakt verbrennen. Zur Teilnahme Vvaren Vertreter vcn jenen Organisationen geladen, welche in dem Kampf gegen Harlan an erster Stelle gestanden hatten: Naemliche der israelitischen Kultusgemeinde, der christlichjuedischen Arbeitsgemeinschaft, der Arbeitergewerkschaften. .. Die geladenen Gaeste gingen zu einer Vorbesprechung mit Harlan, der ihnen auseinanderlegte, dass es sich nur um einen von seinem Gewissen diktierten Suehneakt handle, in dem eine wertvolle, mit dem Original hergestellte Negativkopie, die in der Schweiz deponiert gelegen hatte, vernichtet werden sollte. Die Vertreter der Organisationen machten aus ihrem Standpunkt keinen Hehl, wonach aufrichtige Suehne eines derart theatralischen Effekts entbehren koenne und lehnten ihre Teilnahme an dem spektakulaeren Entlastungsakt ab. Wie recht sie daran taten, sollte sich gleich zeigen! Zu der gluecklicherweise verhinderten Schaustellung kamen fuenf Vertreter des Filmwesens im Saargebiet, wo Harlan-Filme bis jetzt verboten sind. Die Herren kamen auf Kosten — des Filmverleihs Transozean, ueber dessen wesentliches materiell bedingtes Interesse und Beteiligung Har lan seine Gespraechspartner geflissentlich taeuschen wollte. Den Saarlaendern erzaehlte der wendige Regisseur, dass es sich um eine —wertlose— Kopie handle, welche wohl aus Spanien zurueckgekommen sei. Harlan, dieser Widersprueche ueberfuehrt, liess sich von seinem Vorhaben nicht abhalten und verbrannte vor einem Notar —aber ohne Zuschauer— den Filmstreifen. Doch aus der Asche des Jud Suess steigt Veit Harlan nicht als Phoenix mit weissen Schwingen hervor... wenstein, ein bekannter Philosoph und Historiker, Dan Eshanu, frueherer Vorsitzender zionistischen Arbeiterpartei in Rumaenien. Die Urteile lauten von 20 Jahren bis lebenslaenglich Ge faegnis. Ein zweiter Prozess wurde gegenueber 22 Fuehrern der juedischen Jugendbewegung Hashomer Hazair durchgefuehrt. In diesem JJrozess bekannte sich der Angeklagte A. Mark zu dem zionistischen Gedanken und fuegte hinzu: “Ihr habt in euren Gefaengnissen viele unserer Mitglieder gefoltert und getoetet. Dieses Verbrechen wird niemals vergeben werden”. (Mark wurde zu 20 Jahren Gefaengnis verurteilt) . Am schmerzlichsten muss uns dieser Ausruf beruehren. Der Haschomer Hatzair, eine Bewegung, die in ihren zionistischen Leistungen hervorragend ist, hegt einen naiven Glauben an die Gerechtigkeit im Ostblock. Zu allem Leid der Verfolgung, des Prozesses und seiner Luegen und der Verurteilung kommt bei den Chaverim des Hashomer Hatzair noch die bittere ideologische Enttaeuschung. Man hat im Osblock ein altes Lied, ein garst’ges Lied von neuem angestimmt. 13er beruehmte Wohltaeter Auf drei Stuetzen ruhte die wunderbare Rueckkehrbewegung der Juden in ihr Land, soweit man ihre praktischen Verwirklichungsphasen ins Auge fassen will: auf dem Heer der Chaluzim, auf der segensreichen Institution des Keren Kayemet und auf dem Mann Baron Edmond de Rothschild. Unter den Reichen Israels gab und gibt es diamentral entgegengesetzte Charaktere: Die einen vergessen ihr Volk und seine Noete in dem freudigen Gefuehl der eigenen Sicherheit oder bei der betoerenden Jagd nach mehr Reichtum und mehr Sicherheit. Andere benutzen ihre finanzielle Stellung, die mitunter auch mit politischem Einfluss verbunden zu sein pflegt, um ihren bedraengten Bruedern zu helfen und deren Leid zu mildern. Unter diesen edlen Gestalten unserer Aristokratie wird keiner so (Schluss auf Seite 11)

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