Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 4 (Abril, 1954)
- Date
- 1954-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril, 1954 .... BOLETIN INFORMATIVO .. . . . , , 4,3 I i i I I I i I ) i Boeses mit 'Gutem vergelten Der Hass einiger Araberitaaten, oder genauer gesagt Ihrer Herrscher, gegen die junge juedische Republik koennte einen beinah pathologisch anmuten, wenn man nicht genau wuesste, dass sich hinter ihm das eiskalte Kalkuel reaktionaerer Rechenkuenstler versteckte, die eine toedliche Angst vor der durch die Anwesenheit einer dynamischen Bevoelkerung im Mittleren Osten beguenstigten Umwaelzung haben oder aber von ernsten inneren Schwierigkeiten ablenken wollen. Koenig Saud erklaerte kuerzlich, auch Milli o n e n mohammedanischer Menschenleben waere er bereit, fuer die Beseitigung Israels zu opfern (Der kuehne Haremsheld hat es bezeichnenderweise vergessen, die zu opfernden Millionen selbst zu befragen wie auch hinzuzufuegen, ob er sich freundlicherweise zu ihnen hinzuzurechnen bereit sei!) Jetzt hat Saudien erklaert, es werde Flugzeuge, die auf israelischem Territorium gelandet waren, wenn sie in sein Luftbereich kommen zwingen, niederzugehen oder sie absc hi essen. Transjordanien schickt weiter seine Franctireur-Banden ueber die israelische Grenze, Aegypten blokkiert immer noch den Suez- Kanal fuer Schiffe, die Waren nach Israel bringen wollen. Die Grossmaechte, welche nach dem Kybja-Vorfall auf ihren verstimmten Friedensorgeln alle Register moralischer Entruestung gezogen hatten, haben wieder zu ihrer goetzenhaften. Unberuehrtheit zurueckgefunden, mit Augen, die nichts sehen und Öhren, die nichst hoeren wollen. Und die Haende, eben noch scheinheilig klagend zum Himmel erheben, streichen emsig die diplomatischen Profite fuer ihre Untaetigkeit ein. Die UNO stoesst nicht die kriegstollen Hetzer aus ihrer Mitte, sie fand keine Worte der Entrues tung fuer die Ermordung der Juden durch die Jordanier, sie kann nicht einmal ihren eigenen Beschluss von ‘51 zwecks Aufhebung der Suez- Blockade durchsetzen. Der kleine David-Staat Israel hat demgegenueber oft genug bewiesen, dass er bereit i.t, zu den toenernen Goliathen des Islams in korrekte Beziehungen zu treten. Um nur zwei kleinere Beispiele zu zitieren, hat ein israelisches Schiff kuerzlich mehrere Tage in Cypern verloren um auf schiffbruechige arabische Seeleute, die herangebracht werden sollten, zu warten oder hat die Fluglinie El-Al im vergangenen Monat die arabischen Passagiere eines auf Israel-Boden notgelandeten indischen Flugzeugs mit Avion und Autobus dienstfertig in das jordanische Jerusalem befoerdert. Am wichtigsten jedoch duerfte der begruessenswerte Schritt der neuen Israel-Regierung sein, wonach den im Land lebenden Arabern jegliche Bewegungsfreiheit zurueckgegeben worden ist. Der Passierschein, der fuer sie bisher Zum Betreten “geschlossener Regionen” noetig war. ist abgeschafft Wenn man an die andauernden Grenzueberfaelle denkt, die von den in den Nachbarlaendern lebenden Arabern organisiert und nicht selten von den in Israel lebenden unterstuetzt werden, so kann man nicht umhin, von dieser Entscheidung tief beeindruckt zu sein, die ganz offensichtlich nicht von den zwingenden Notwendigkeiten des strategisch-politischen Tagesgeschehen diktiert worden ist sondern von dem aufrichtigen Wunsch nach juedisch - arabischer Verstaendigung. Doch wie heisst es schon im Psalm? „Ich bin fuer Frieden, doch was ich auch sage, —sie sind fuer Krieg!”. Maqui in Wer die beflaggten Haeuser lachenden Gesichter, die hysterischen Freudenausbrue che der Oesterreicher hatte sehen koennen, nachdem sie von dem Maler aus Braunau heimgefuehrt worden waren, musste zu der Annahme gelangen, dass sie sich ueber den Anschluss masslos freuten! Jetzt werden wir allerdings von der cesterreichischen Regierung eines Besseren belehrt: obige Annahme ist falsch, der Anschein hat getruegt, der Jubel war kein Jubel, das Heil kein Heil, und der Anschluss eine Invasion. Wir koennen zwar nach allen aus Oesterreich kommenden Berichten ueber Schule, : Strasse, Presse usw. nicht unbedingt davon ueberzeugt sein, dass die sehnsuechtige Erinnerung ans Grossdeutsche Reich so voellig aus den Koepfen der Ostmarkigen ge- ««hwunden Ist; jedoch ln den T irolerliosen Geschichtsbuechern, die Oestreichs Regierung bei Verhandlungen mit juedischen Instanzen ueber Wiedergutmachung nachzulesen scheint gibt es keinen Hinweis auf die dortige Nazi-Bewegung, die auf gut - wienerischem Antisemitismus aufbauen konnte, fuer die Deutschen willig und erfolgreich 5. Kolonne - Dienste leistete und nach dem Anschluss in beispiellos sadistischen Orgien ihren Glauben an teutsches Volk und Fuehrer unter traurigen Beweis zu stellen fuer noetig hielt. Vielmehr sei Oesterreich —erfaehrt man jetzt— Opfer einer Naziinvasion, wie Polen oder Frankreich, also ganz gegen seinen Willen geworden. Somit zu keiner Wiedergutmachung verpflichtet. Es ist schade dass heute keine Konjunktur fuer Anti-Nazis besteht; Oesterelch haette sonst wahrschein Einigung Der behagliche Durchschnittsbuerger ist meist geneigt, ange .ichts politischer Auseinandersetzungen und ihrer Kristallisation in verschiedenen Parteien, entsetzt auszurufen: Wozu der viele Streit?! Der in den politischen Realitaeten lebende Mensch jedoch weiss, dass die Kaempfe zwischen den Parteien eine unbedingt gegebene Notwendigkeit sind, das demokratische Ausdrucksmittel von miteinander ringenden Interessen und dasj somit unser Bemuehen nicht auf ein Unterbinden jeglichen Parteistrebens gerichtet sein darf sondern lediglich auf dessen Maessigung. Der Realist kommt dadurch sogar manchmal in die Lage, erstaunt auszurufen: Wozu diese friedliche Einigung? wenn er naemiieh befaerchtet, dass ein ehrliches Interesse nicht mehr seine aufrichtige Vertretung finden wird. Diese Ueberlegungen muss man anstellen, wenn aus Israel, die Meldung kommt, das der Hapoel Hamisrachi und der Misrachi vor der voelligen. Fusion stehen. Der Misrachi ist die aelteste Fraktion im Zioni.mus. Seine Idee des “Landes Israel fuer das Volk Israel auf - WOZU? Grund der Tcra Israels’ musste er jahrzehntelang hindurch mehr gegen orthodoxe Extremisten verteidigen, die ein Zusammengehen mit areligioesen Juden als Verbrechen ansahen und denen die zionistischen Bestrebungen als mit den Me rsiaserwartungen im Widerspruch stehend erschienen, als etwa gegen Widersacher innerhalb des zionistischen Lagers. Diese stellten sich schlimmstenfalls auf den Standpunkt, dass Religion eine privatsache” sei. Der Misrachi hatte —und h a t— ein hervorragendes Menschenmaterial in seiner Jugend. Zionsbegeistert, traditionsgebunden, hebraeisch gebildet, mit einer Liebe zur “Avoda” (was bekanntlich Gottesdienst wie auch Arbeit bedeuten kann!) so kamen sie ins Land, gruendeten Kibutzim, Moshavim, gingen ins Dorf und in die Industrie, kurz, reihten sich in das gro:se Heer der Arbeiter und Pioniere ein. Da begann die soziale Realitaet sicVv bar zu machen; Brctsorgen. Lohnkaempfe und —als Folge— auch der sozialistische Traum einer gerechteren Welt wurden genau so die Achse des Interesses der rechtglaeubigen wie der freien Jugend. Es kam zur Bildung des Hapoel Hamisrachis, des Arbeiter-Misrachi, der sich bald voellig selbstaendig, auf einem sozialistischen Programm fus.end, machen ko«n te. Tatsaechiich wurde der Poel Misrachi bald zu einer der wichtigsten Parteien im Land (waehrend der Misrachi selbst ein zahlenmaessig schwaches Grueppchen blieb), deren Mitglieder in Hagana und Kolonisation mit an erster Stellestanden. Mehr noch: Innerhalb des Arbeitermi.rachi gab es wichtige Menschen, die es absclut mit ihrer religioesen Einstellung vereinigen konnten, fuer eine staerkere Anpassung an (oder gar Eintritt in) die Histadrut-Gewerkschaft in allen Arbeitsfragen ihre Stimme zu erheben. Mit Recht fanden sie, dass der religioese Arbeiter dieselbe Pflicht habe, fuer seine soziale Besserstellung zu kaempfen wie sein areligioeser Genosse. Die Debatten ueber diesen Fragenkomplex schienen zwischen den Fraktionen noch gar nicht abgeschlossen zu sein als die Mitteilung ueber das Vercciuueuüeu mit aer Duergerlichen Splittergruppe des Misrachis eintraf. Die israelische Arbeiterschaft kann nur hoffen, dass der Hapoel Hamisrachi durch dieses Buendnis nichts von seiner chaluzischen Dynamik einbuesst. Sie sind keine Moerder Israel hat seine Fahne, seinen Sitz in der V. N., seine Hauptstadt, seine Polizei. Es hat auch seine Verbrecher. Sogar (seine Moerder. Jabotlnsky hastte das, einem seiner Aussprueche nach zu urteilen, als Norma- Jsierung begruesst, andere moegen es von Herzen belauern. An der Tatsache aber laesst sich nichts aendern, umso weniger als ein Teil der Neueinwanderer aus den unteren Schichten Nordafrikas und Arabiens sich rekruitierte und die harten Lebensumstaende im Land nicht gerade besaenftigend wirkten. So also gab es etwa ein Dutzend dingfest gemachter Moerder, die in den Gefaengnissen auf die Vollstreckung des Urteils wartelich gar hoechst eigene Anti: nazi-Parti'anen, jodelnd und in Tirolerhosen, vergefuehrt! : Kein Wunder, dass in sol-; eher Atmosphaere Unkraut! gedeihen kann und so ist1 tatsaechiich —neben Cryptonazisten und Expertoantisemiten— jetzt ein neuer Giftpilz emporgeschossen, der ‘Verband der Rueckstellungsbetroffenen”. In diesem haben sich zur gemeinsamen Verteidigung jene vielgeprüften Leute zusammenge-; schlossen, die erst die Nazi- Invasion ueber sich geduldig ergehen, sich dann juedische Geschaefte und Haeuser aufdraengen Hessen und die befuerchten, jetzt dafuer eine Verguetung zahlen zu muessen, Nutzniesser Hitlers, vereinigt euch! 1 ten. Sie waren von den Gerichten fuer ihre Verbrechen zum Tode verurteilt worden, wobei aber nicht klar war, ob diese harte Strafe in Israel ueberhaupt gesetzlich sein wuerde. Im vergangenen Monat nun gab die Knesset ihre Antwort: In Israel gibt es keine Todesstrafe! Wieviel Glaube an den Menschen und Vertrauen in die Zukunft gehoert dazu, wenn ein junger Staat, der aus den verschiedensten Gruenden noch nicht zur Ruhe kommen kann, solch kuehnen Entschluss fasst. Liegt darin nicht die Bestaetigung des Willens, das geistige Erbe von Bibel und Propheten auch in eine legislative Wirklichkeit umzusetzen? In einem eindrucksvollen Filmschauspiel wurde neulich die ungeheure Anklage gegen die gesamte Gesellschaft und besonders ihre Justiz geschleudert, die, wenn sie die Verbrecher hinrichtet, selbst zu Moerdem wird. Der israelischen Justiz wird man diesen Vorwurf nicht machen koennen. BEN ANZEIGENANNAHME fuer das "BOLETIN INFORMATIVO" NUEVA YORK 52 — 6.0 PISO — OF. 611 TELEFONO 86603 UND BEI DEN BEKANNTEN AGENTEN BUEROZETT: 10-12 und 16-19 Ute AUF WUNSCH WERDEN DIE INSERATE ABGEHOLT f -.*msF2TZL\\ L.. -. Li r r*—«-a©/*