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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-04-01 · 4 (Abril, 1954) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
4 (Abril, 1954)
Date
1954-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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A'brií, 1954 Bn'ifiHfr '' gv~n~~ i—-r-'~ REDACCION, S.C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTI AGO-CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIE D A D C Ú L T U RAL ISRAELITA B ' N E JISROEL" Año XVI — N.o 4 SANTIAGO DE CHILE Abril, 1954 Erste Tage Ian Land DAVID BEN GURION Pessach <» Nmmmer Freeden: Erinnerungen im April. 3 Praesident Figueres ueber Israel. 4 Kinder- und Jugendblatt. 5y6 “Die Sterne sind Zeugen’". 7 S. Einstein: Maikaefer im April . 7 Israel-Umschau (Waffen-Export u. a.) ...... 9 Fruehling eines Volkes. ... 10 Monatsspiegel (Maqui in Tirolerhosen u. a.) . 13 Sobald ich das Schiff verlassen und die tuerkische Zoll -Kontrolle passieren konnte, eilte ich, nach Petach Tikwah zu gelangen. Meine Freunde wollten gern, dass ich mit ihnen ein paar Tage in Jaffa bliebe. Ich aber hatte das leidenschaftliche Verlangen, ein juedisches Dorf zu sehen, und so erreichte ich noch am gleichen Tag die „Metropole” all unserer doerflichen Siedlungen. Nie werde ich diese Nacht, meine erste Nacht in Eretz Israel, mit all dem Ueberschwang des Gefuehls, endlich das Ersehnte erreicht zu haben, vergessen koennen. Ich lag die ganze Nacht wach —wer vermoechte wohl, in seirifT ersten Nacht in Eretz Israel &u schlafen?! Da war ich also wirklich im Land Israel angekommen, in einem juedischen Dorf, das Petach Tikwah hiess, d. i. Tor der Hoffnung — wie gluecklich war ich, nun endlich all die Erwartungen und Traeume meiner Kindheit erfuellt zu wissen... Alles begeisterte mich: das Heulen der Schakale in den Weingaerten — das Scharren von Eselshufen in den Staellen — das Quaken der Froesche in den Teichen ■— der Duft bluehender Akazien —das sanfte Murmeln des fernen Mittelmeers — das schattenhafte Dunkel der Orangenhaine — das Leuchten der Sterne im tiefen Blau des weiten Himmels ueber mir — Ich war unendlich gluecklich, obschon mir alles so fremd und seltsam schien, als sei ich in einem Maerchenreich zuhause — War alles nur Maerchenzauber? Ein grosses beseligendes Gefuehl erfuellte mein ganzes Sein — „Hallelujah, ich bin in Eretz Israel!“ — und das Land Israel war bei mir, wohin ich mich wendete oder wanderte — meine Fuesse streiften ueber Israels Erde, und Israels Himmel und Sterne waren hoch oben ueber mir — die ganze Nacht lang sass ich wach und hielt Zwiesprache mit dieser meiner neuen geliebten Welt.... Schoen sind die Tage in unserem Land mit ihrer Fuelle von Licht und dem weiten Blick ueber Meer und Berge, doch herrlicher noch sind die Naechte, voll Zauber ■-"G Mysterien. Wenn die Sonne guelden im weiten Blau des Himmels untergeht und das matte Silberlicht des Mondscheins die Berge umglaenzt — dann ercheint alles ringsum voll unerfuellter Sehnsucht, Verheissung und Geheimnis. Wohl kuehlt die wuerzige Bergluft die heissen Schlaefen, doch aus dem Schweigen ringsum steigt Erinnerung aus der Kindheit auf. Legenden aus fernen Tagen und Visionen der Zukunft fliessen ineinander, und Hoffnung und Sehnsucht zugleich erfuellen Herz und Seele mit ungeheurer Macht. Wer immer ein solches Erlebnis gehabt hat, wird die Erinnerung an diese Naechte in Eretz Israel mit sich tragen, und in ihm wird stets die Sehnsucht zurueckbleibtn, wie fern er auch von Israel sei. Ein Jahr lang habe ich in den Kolonien Judeas gearbeitet, doch fuer mich gab es mehr Malaria und Hunger als Arbeit. Doch auch Arbeit, Hunger und Malaria waren neu und interessant. War ich nicht hierher gekommen, um etwas ganz Neues zu erleben? Mit mathematischer Praezision erfolgte jede zweite Nacht der Besuch des Malaria-Fiebers. Auch Hunger war oft zu Gast bei mir, manchmal fuer einige Wochen, manchmal sogar fuer endlos scheinende Monate. Tagsueber konnte ich dagegen noch einen Ausweg finden oder wenigstens vermeiden, daran zu denken, dass ich hungrig war. In den Naechten jedoch, in schlaflosen langen Naechten, da spuerte ich die Heimsuchung des Hungers so sehr, dass es mir schien, als wuerde mir alles Mark aus den Knochen gesogen, als schluege mein Herz bis zum Hals hinauf, als koennte ich nicht mehr klar denken..Zitternd und zerbrochen fiel ich beim Morgengrauen in Schlaf. So wechselten Arbeitstage mit Fieber und Hunger ab und mit entsprechenden Naechten. Dennoch hielten meine Freude und meine Begeisterung all dem stand. Wer haette sich damals auch um Malaria geschert! Es gehoerte dazu, in Eretz Israel Fieber zu haben, und die wenigen, die von Malaria verschont blieben, schaemten sich sogar etwas vor uns Anderen... Das war zur Zeit der neuen Alijah, wo mit jedem Schiff ein Kontingent neuer Einwanderer ankam. Die meisten neuen Arbeiter Hessen sich in Petach Tikwah nieder und obgleich die Farmer dort gerade mit einem Boykott juedischer Arbeiter begonnen hatten, wuchs unsere Zahl von Woche zu Woche. Aus allen Provinzen Russlands, aus Staedten und Doerfern Polens, Litauens, Wolhyniens und Weiss-Russlands kamen nun junge Menschen nach Eretz Israel, wir alle liessen Büecher und Theorien zurueck, Argumente und Diskussionen, und wir kamen aus Yeshivoth, aus Volksschulen oder Mittelschulen ins Land, um es wieder durch unsere Arbeit aufzubauen. Wir alle hatten noch den Tau der Traeume in unseren Herzen, wir waren voll Frische, und keine schweren Schicksalsschlaege hatten bisher unsere Begeisterung eingedaemmt Wir waren so froehlich, so unbeschwert und so voll Enthusiasmus wie eine Karawane von Pilgern, die Schaetze in der Wueste sucht. Jeder von uns fuehlte sich wie neugeboren. Fern hinter uns lag nun das Exil mit den engen Gassen und den dichtgedraengten Strassen, waehrend wir hier inmitten von Gaerten und Hainen lebten. Hier war alles neu: die Natur, das Leben und die Arbeit. Selbst die Beaume waren hier anders, als wir sie je gekannt hatten: Oliven und Mandelbaeume, Palmen und Eukalyptus und vor allem Orangenbaeume. Und es waren unsere Baeume. Wir pflanzten sie und sorgten fuer sie. Wir sassen nicht laenger auf Schulbaenken, wir hatten nicht laenger Buecher vor uns, aus denen wir lernten, unseren Geist durch nutzlose Dialektik zu schaerfen. Wir waren jetzt Arbeiter. Wir pflanzten Baum- Schoesslinge in die Etde, wir pflueckten Orangen, wir faellten Baeume und wir gruben Brunnen aus — wir bearbeiteten die Erde, und die Erde gehoerte zu unserem Heimatland. Und wir arbeiteten nicht nur. Wir eroberten, durch unsere Arbeit Land. Wir alle waren conquistadores — Pioniere in Eretz Israel — konnten wir uns noch mehr wuenschen?! Wir arbeiteten und kamen v or a n, ueberschaeumend gluecklich u e b er unseren Sieg. Abends, nach der Arbeit oder nach einem Tag mit einem Malaria - Anfall, pflegten wir uns in der Arbeiter - Kueche zu treffen oder auch in den Sandhuegeln zwischen den Weingaerten und den Orangenhainen. Und dann sangen wir gemeinsam und tanzten, sangen und tanzten gemeinsam, Arm in Arm und Schulter an Schulter... Suedlich Beerschewas frisst der Autobus, nun im noerdlichen Negew, Kilometer um Kilometer. Wir durchfahren die Steppe, die mit dem Gruen ihrer vorsichtig und gleichsam versuchsweise in dieser fruehen Jahreszeit aufsprossenden Graeser und dazwischenstellenweise mit zartrosa leuchtenden Bluetenkelchen lange nicht so sandig scheint, so unergiebig, wie man es sich mitunter vorstellt, aber andererseits natuerlich auf den ersten Blick gewiss auch noch keineswegs so zukunftsschwanger, wie es den Plaenen der landwirtschaftlichen Experten, den Berechnungen unserer Bewaesserungs-Ingenieure und nicht zuletzt dem Optimismus Dr. Dov Josephs entspricht. Kurz: zwischen Zweifel und Hoffnung wird unser laienhafter Verstand hin- und hergerissen. Und unser Herz, da wir uns Sde Boker naehern, aehnlich zwischen Zweifel und Hoffnung — werden wir einem David Ben Gurion begegnen, der sich entsagend und vielleicht enttaeuscht, ein Eremit, vom Getriebe der Welt und des Staates entfernt hat, den er — vor allem er — ins Leben gerufen hatte, oder jemandem, der sich nur zeitweilig zurueckgezogen hat, weil er hofft, nach dieser Ruhepause mit desto frischeren Kraeften zurueckkehren zu koennen, und der uns eben dies, seine Rueckkehr, hoffen lassen wird? Allerdings: ob es nur Hoffnungen sind, die an eine solche Rueckkehr zur geeigneten Zeit geknuepft werden, oder ob sich manche unserer oeffentlichen Angelegenheiten dann nicht auch wieder entsprechend komplizieren wuerden — das ist bekanntlich eine Frage, die vom parteipolitischen Auge des Beschauers... Der Autobus „schuckert” mit solcher Macht ueber eine unausgeglichene Stelle der Chausee, zu steinigem Moertel kristallisiertem Sand oder was es sein mag, dass die Gedanken jaeh abbrechen. Wir fahren haarscharf an einer Talsenke vorueber, in der tief unten das ausgebrannte Skelett eines Jeep an jene Wochen im Spaetherbst 1948 erinnert, da die beste Jugend unseres Landes zum Sueden durchbrach. „Hej ddroma 1‘Eliath!” Da sind wir schon, zwar nicht in Eilath — es liegt noch ungezaehlte Meilen weiter suedlich—, aber nahe der Siedlung, die zum Wohnsitz des frueheren Ministerpraesidenten geworden ist. Am Horizont ragen im Osten Bergeskuppen auf: dort also zieht sich die Arawa hin. Der Autobus umfaehrt Sde Boker in elegantem Bogen und biegt dort ein, wo ein Schild, das vorher vielleicht als unoetig noch nicht existiert hatte, etwas kuehn behauptet, hier sei der Parkplatz fuer Motorfahrzeuge. Die Baracken stehen in ziemlich weiter Entfernung voneinander; irgendwo flattert die Fahne des Staates; irgendwo haelt ein Maedchen mit dem Sten aufmerksam Wacht; zwischen den Gebaeuden ragt ein Radiomast etwas improvisiert in die Hoehe — und dort ist, unverkennbar nach so vielen Bildern, Ben Gurions langgedehnter Zrif mit dem Wasserbehaelter auf dem Dach. Schon wird seine Gattin — 'oder nennen wir sie angesichts der gewandelten Verhaeltnisse adaequater, obgleich mit allem Respekt seine Ehefrau, Paula Ben Gurion, in Arbeitshosen aus Manchesterstoff, dunkelbrauner Bluse und einem darueber angezogenen roten Stricksweater sichtbar und da tritt auch er aus der Tuer seiner Baracke, in Khaki, gesundheitlich offenbar glaenzend in Form, und mit einem friedlich wohlwollenden, aber auch leicht amuesierten Laechein ueber diese Invasion von mehreren Dutzend Journalisten. (Schluss des Interview auf Seite 15)

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