Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 3 (Marzo, 1954)
- Date
- 1954-03-01
- Page
- Seite 17 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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M&rzo, 1Ö6* B OL EI t I NFÖBMiMfö I Vf DIE WERKSTATT DES Ala der grosse Kibbuz Givat Chaim sich teilte, die Mitglieder der Mapam am alten Platz und in dem alten Da'ehverband des Kibbuz Meuchad; blieoen, die Mapeiniker sich; dem Ichud Bakwuzah Wehaj kibbuzim anschlossen und zur [ Linken der Landstrasse neu anbauten, blieben zwei Kib- 1 buzunternehmungen in gej meinsamer Verwaltung: die grosse Konservehfabrik ,Gat‘ mit der ihr angeschlossenen Fassbinderei und, — Werk und Arbeitsstaette eines ein- I zigen Mannes — das „Bu- | batron“, das Atelier des Pup* j penspielers Honsu. Parteipolitik und Kunst stimmen selten zusammen, wohl aber die. Kunst des Pup* PUPPENSPIELERS etwa 2000 Puppen, davon die Haelfte beweglich. Jetzt bereitet das „Bubatroat“ eine Auffuehrung vor, in der 400 Figuren auf treten werden. wom aoerme. ue» ruy , Ich sah nur eine einzige von penspielers, die nichts ande | ¿jesen Marionetten auf der res will, als Kmaer und kind-; BUehne in Bewegung liehe Erwachsene entzuecken So bestand Honsu darauf, dass seine Werkstatt beiden Gruppen gehoere, dass er seine .Lehrlinge“ (d. h. die Halbwuechsigen, die 2 — 3 Stunden unter seiner Anleitung arbeiten) und die jungen „Sprecher“ und Helfer bei seinen Rundfahrten ohne Ruecksicht auf die Parteizugehoerigkeit aus der Kibbuzjugend waehlen duerfe, und dass ihm bei der Schaffung seiner Spiele die Genossen helfen, die spielerische Phantasie und dichterische Gaben haben, gleichviel ob sie von rechts oder von links der Landstrasse kommen. Ist doch auch sein Publikum nicht nach Parteien gesondert. Wenn er in allen Ferienwochen herumreist und in grossen Saelen oder Amphitheatern spielt, sind die Unternehmer, die gegen ein bestimmtes Entgelt das „Bubatron“ engagieren, der Kulturausschuss der Histadruth, der Kibbuzim und Doerfer aller Richtungen vertritt, oder es sind die Bezirksaussehu<?sse, die Doerfe? und Maabaroth in ihrem Gebiet zusammenladen. Bisweilen ist es auch der Keren Kajemeth. An 75 Orten hat das „Bubatron“ in diesem Jahre gespielt, und seine Hoerer kamen aus 240 Plaetzen. Die propagandistische und technische Vorbereitung der einzelnen Auffuehrungen ist das Einzige, worum sich Honsu nicht kuenmmert. Sonst aber macht er allein alles, was mit dem „Bubatron“ zusammenhaengt. Er modelliert die Koepfe — damit sie weithin wirken. Er presst sie selbst aus einer selbst bereiteten Masse oder'lehrt Jungen (und dies ist mehr Muehe als Hilfe) sie zu pressen, sie spaeter auf verschiedene Art zu bemalen und auszustatten. Er fuegt die vielgliedrigen Koerper aus Leichtmetall zusammen. Er schnitzt die verschiedensten Modelle von Haenden und Fuessen aus weichem Holz, mit dem auch Schueler leicht arbeiten koennen. Er entwirft und formt die Tiere, die in seinen Auffuehrungen mittun: den grossen, beweglichen Loewen, der da an Schnueren in der Werkstatt haengt, das Kamel, die Katze. Er gibt den Musikanten- Marionetten ihre Instrumente in die Hand und ordnet sie so zusammen, dass sie als richtiges Orchester geigen, blasen und trommeln. Er malt die Kulissen, er erdenkt und bekleidet all diese dekorativen und die beweglichen Figuren, die beim Auftreten fuer Augenblicke den Mechanismus vergessen lassen, der sie bewegt. Die bisherigen Spiclprogramm* verlangten eine von zweihundert! — einen alten Waechter mit seiner Tabakspfeife, die er von Zeit zu Zeit zu dem beschnurrbarten Mund fuehrte, und dem Gewehr, das er laessig trug und bei Gefahr ausrichtete, und ich kann sie nicht vergessen. I selbst (damit war. er als ich I in das Atelier kam beschaef- | tigt) die Beleuchtungskoerper! vor, diese starken elektrii sehen Birnen und Scheinwerfer, welche die Buehne mit ihren kleinen Figuren fuer mehr als 1000 Zuschauer klar erkennbar machen und die Wirkung des Lebendigen steigern. Er ueberwaeht die Aufnahmen auf zwei rasen auswechselnden Grammophonplatten fuer die den Bewegungen genau entsprechende Musik. Er sorgt iuer die richtige Anbringung und Ersatzteile der Lautvemtaerker. Er studiert mit den Kindern, die in Sprechspielen fungieren, die Rollen. Er stellt mit unerschoepfncher Erfindungsgabe allein oder mit wenigen Freunden die Programme zusammen. Was enthalten diese Programme? Es gibt zwei Haupttypen von Auffuehrungen. eine sind Maerchfenspieie oder Stuecke aus dem Leben des Landes — wie sie der Keren Kajemeth vor einigen Jahren in deutschen D. P.- Laegern und in England durch das „Bubatron“ auffuehren liess, und jetzt wie- Aber nicht genug an dem; der, als wirkungsvolles zio- Eriinaen und Formen all dieser bunten lieblichen maer-! chenhaften oder grotesken j Figuren: Honsu ist dauernd j am Erfinden u. Konstruieren! — da einen Mechanismus der! es einem einzigen Spieler ermoeglicht, eine ganze Gruppe musizierender oder tankender Puppen zusammen zu jewegen — da die grosse Buehne, die in dem von ihm selbst erbauten Atelier so angebracht ist, dass sie — anjefuellt mit Kulissen, Appaaten, Marionetten — als Rie-;enki.-te unmittelbar auf eiten Lastwagen hinuntergeassen werden kann, um so /on Ort zu Ort zu fahren. Oder er entwirft nicht nur, sondern baut selber eine noch;roessere, zusammenlegbare 3uehne, mit Schiebetueren, an Stelle des Vorhangs, auf iie kleinere Buehnenraeume — transportiert als saubere, nit ihren Spielern gefuellte Listen, in schneller Folge geohoben werden Er bereitet nistisches Propagandamittel, ins Ausland schicken will. Der zweite Typ sind die in der letzten Zeit bevorzugten. „Shows“, einzelne Kabarettscenen, die einander nach 2-3 Minuten abloesen. (Als eins unter den vielen schon vorbereiteten Stuecken wird die naechste Saigon die „Rhapsodie in Blau“, bringen; die Marionetten liegen schon in ihrer Kasten-„Buehne“. „Wie ist das moeglich?“ — fragte ich immer wieder in diesem Ateiier mit seiner unendlichen Fuelle von klug geordneten Figuren, Kaesten, elektrischen Geraeten. Grammophonen, Buehnen. iß dem Atelier waren ausser Honsu— einem schmalen, elastischen Mann von 38 Jahren — nur zwei 16 - jaehrige Jungen, Schueler, die einige Nachmittagsstunden hier verbrachten; der eine wirklich mit Hilfsarbeiten fuer däs „Bubatron“ beschaeftigt, der zweite bei der Konstruktion ABRAHAM SCHLONSKI AUS DEM BUCH: BAGALGAL-IM EAJD ERBST Es sinkt das Zelt — es klagt der Herbst — Wer weint dort: weh —ach— weh— Wind oder Schakal —Hund oder Bruder? Mit jedem Tropfen fliessen neue .Traenen. Tropf, tropf, tropf, tropf, es hoert nicht auf— Der Regen tropft —er tropft. So Wie der Herbst in unserem Lande weint, So wird der Vaterlose weinen — Wenn ueber ihm eine zitternde Hand Die goldenen Himmelslichter putzt. Tropf, tropf, tropf. In diesem Dunkel will ich keine Kerze zuenden, An diesem Tage keinen Brief mehr schreiben. Aber irgendwo habe ich noeh eine Mutter: O weh, ihr Sohn ist heute nacht verwaist. Tropf, tropf. Kalt ist da9 Zelt. Und irgendwo Da heult ein Hund. Er heult vergeblich — oouu — Wer weiss es besser wohl als er — Von Hause kommt nichts mehr. Tropf. UEBERTRAGEN VON JUSTA eines alten Festungsbaus fuer den Geschichtsunterricht, bei der Honsu ihm half. (Auch andere kuentlerische und kunstgewerbliche Versuchsarbeiten ven Schuelern lagen in der Werkstatt, Zeichen der „Nebenarbeit“ des Puppenspielers. „Wie ist es moeglich, dass ein einzelner Mensch all diese Arbeiten leistet?“. „Was waren Sie frueher?“— fragte ich weiter. Honsu, der waehrend diesen ganzen Gespraechs rasch weiterarbeitete, antwortete: „Meine Mutter war eine Malerin, und eine gute. Aber ich war jung, als ich ins Land kam. Da ar-! beitete ich zuerst im Kiobuz ais Baecker nur nebenbei als Puppenspieler. Es ist grosszuegig von dem Kibbuz, dass er mich das Atelier bauen und ganz Puppenspieler sein laesst. Wenn ich anders i taetig waere — nicht gerade i als Baecker, aber als Leiter einer Werkstatt, in der sechs oder sieben Chawerim unter mir arbeiten waere ich dem Kibbuz wertvoller. Fuer die Vorbereitung einer Tournee rechnen wir durchschnittilcii 400 Arbeitstage. Alles was darueber und ueber unsere Selbstkosten eingeht, dient zur. Vervollstaendigung des Ateliers“. Honsu war hinter der Buehne mit der Vollendung irgend einer Apparatur beschaeftigt. Und als ich noch einmal — halb zu mir selbst — nachdenklich sagte: „Ich begreife es doch nicht, wie ein einzelner Mensch dies alles schafft“ sagte er, mitten aus seiner Arbeit, ebenso nachdenklich: ,Ja, wenn ich darueber nachdenke, begreife ich es auch nicht“. Aber er denkt gewcehnlich nicht darueber nach. Bestimmt denken die Kinder nicht darueber nach, und auch nicht die Grossen, wenn sie sich dem Glueck dieser doppelten Taeuschung hingeben: dem Spie! lebender Puppen auf einer Schaubuehne." Margarete Turnowsky-Pinner AUS DEM LAND DER RELIGIONEN: Der Dom mit den goldenen Das pittoreske Bild, das der Kärmel dem von der See her kommenden Besucher Israels bei. der Einfahrt nach Haifa bietet und das mit zu den sehoensten Landschaftsbildern des Mittelmeeres gehoert, hat eine interessante Bereicherung erfahren. Der Tempel der ueber die ganze Erde verbreiteten Sekte der Behais, deren geistiges Zentrum in Haifa ist, wurde vollendet. Er steht ueber dem Grabe des Gruenders dieser Religionsgemeinschaft, des Bab der dort seit einem halben Jahrhundert seine letzte Ruhestaette hat. i Dem Namen „Bab“ kommt in der religioesen Mystik des Vorderen Orients eine ganz besondere Bedeutung zu. Er wird stets von Gruendern solcher Gemeinschaften angenommen, die sich als Vorlaeufer des in der Theologie des Ostens mit Mahdi bezeichnten Messias ansehen. Der Ursprung der Behaisekte ist Persien, wo sich auch heute noch Islam und altiranische Glaubensvorstellungen zu einer Theosophie zusammenfinden, die dem bischen Mohammedanismus fremd und feindlich ist. Aus dem Gegensatz zwischen mohamedanischer Orthodoxie und freieren religioesen Vorstellungen resultiert der Konflikt, den der Bab mit dem offiziellen Islam hatte und der zu seinem Tode und zur blutigen Verfolgung seiner Anhaenger fuehrte. Er wurde auf Befehl des Schah hingerichtet, weil seine Lehren fuer die mittelalterliche Orthodoxie des Schiismus gefaehrlich schienen. Auch seine Anhaenger wurden blutig verfolgt; aber die Lehre erhielt sich heimlich, bis gegen Mitte des 19. Jahrhunderts einer seiner begabtesten Schueler, Behaiullah, Teile der Gefolgschaft des Bab zuerst nach Mesopotamien fuehrte, bis sie endlich auf Anordnung des tuerkischen Sultans Ahdul Hamid zwangsweise in Akko bei Haifa angesiedelt wurden. In der Naehe des Ortes ist das Grabmal Behaiullahs, nach dem die Behais ihren Namen fuehren. Die sterblichen Ueberreste des Bab wurden von seinen Anhaengern unter Lebensgenueebternen Denken des ara-’ fahr aus Persien nach Pa-1 laestina gebracht, wo sie inj nerhalb der von den Behais dort angelegten Persischen Gaerten am Ostabhang des j Karmel liegen. : Die Lehre der Behais ist I der Versuch einer Synthese von Judentum, Christentum und Islam ¿nit der Tendenz, den Orient aus seiner religioesen Starre zu befreien. Es war eine mutige. Tat in der Mitte des 19. Jahrhunderts im tuerkischen Reiche Forderungen wie die Gieichbereichtigung der Frauen und religioese Duldung zu erheben, universalistisch und humanitaer zu sein und gleichzeitig die Vorzuege der weltlichen europaeischen Bildung gegenüber der religioes orientierten des Islam zu predigen. Weltanschaulich gesehen kann man die Behais als die Quaecker der oest'ichen Welt bezeichnen, die wie diese keine Kirche mit ihren Gebraeuchen kennen und die als hoechste Tugend tugendhaftes Leben, Rechtlichkeit und ehrliche Sitten ansehen. In den letzten Jahren haben sie in den Laendern*d£r erwachenden farbigen Welt eine grosse Zahl von Anj haengern unter der Jugend gefunden, da die Gleichbe-J rechtigung der Rassen zu ihren Grundforderungen gej hoert. .! Nach langen Auseinandersetzungen zwischen -• n Nachkommen des Behaiullah um die Eroioige tiat s-uii Urenkel, Shoghi Rabbani, ein Erbe als Haupt der elf koepfigen Koerperschaft an von der die Angelegenheiten der Behais auf der ganzen Erde geleitet werden. Shögm Rabbani hat die im 20. Jahrhundert uebliche Ausbildung ¡ eines fortschrittlichen orien-! talichen Intellektuellen ge- I Posten. Er ist mit eine- Kanadierin Verheiratet, deren : Vater, ein Architekt, den Ge-! danken des Tempels geistig | und kuen'tlerisch inspiriert 1 hat, weil etner Feha’ueberhe-; ferung zufolge das Licht der Lehre des Bab von Hmfa I ueber die Erde gehen soll. Die Kuppel des Domes wirrt ¡•jnlt 12,000 in Holland hergestellten vergoldeten ■ Ziegeln gedeckt sein. In die Kuppei wird ein silbernes Kaestchen j eingemauert, das ■ Stuecke f de? Mauerbewurfs, eines persischen Gefaegni'ses enthaelt, tn dem der Bab lange Jahre eingekerkert war. Der Bau leuchtet als riesige,. ln Weiss und Gold ge* . haltene Saeule aus dem'. dunklen Gruen der Zypressen find dem Bunt der in persischer Gaertnerkurst aehalteren Blumenbeete in das tiefe Blau des Mittelmeerhliamels hinauf.'