Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 3 (Marzo, 1954)
- Date
- 1954-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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8 BÓL ff T I » INFORMATIVO Verwlrreng in den Koepfen Mam, 1984 Die Menge wird wildvon Begeisterung. Tableaus im Umzug stellen Themen aus der Bibel, Ereignisse aus der juedischen Geschichte, die Arbeit des Jischuw dar. Der Satire wird dabe| der weiteste Diese Worte aus der Megilat Esther, von ihrem Pflegevater Mordechai zur Koenigin Esther gesprochen, sollen dieser vor Augen fuehren, dass selbst sie, welche das Glueck beguenstigt und auf den persischen Herrscherthron gefuehrt hatte, sich nicht in absoluter Sicherheit wiegen solle und Bedrohung von Leben und Eigentum nicht als unmoeglich betrachten duerfe. Selbst ein Dasein auf der Menschheit Hoehen, unter der Gnadensonne eines der Maechtigsten der damaligen Welt, stellt etwas sehr Fragwuerdiges dar. Es war die menschliche und juedische Groesse Esther’s, die sie in jenem kritischen Augenblicke, da ihr Volk sich in schwerer Gefahr befand, erkennen liess, wo ihr Platz war, und dass sie das Risiko auf sich, nehmen muesse, ungerufen den Koenig aufzusuchen, um den Versuch der Rettung der juedischen Buerger des persischen Reiches zu unternehmen. Wenn die Koenigin ihrem Pflegevater erwidert: "Gehe hin und versammle alle Juden”, so bringt sie damit zum Ausdruck, dass der gewagte Schritt, den sie unternehmen will, nur dann Aussicht auf Erfolg haben koenne, wenn die gesamte Judenheit des Landes geschlossen und in wuerdiger Haltung hinter ihrer Koenigin stuende. Dies ist nur eine der vielen Episoden aus dem biblischen Estherbuche, die ihre Aktualitaet in den lezten Jahrzehnten abermals erwies. Nur, wenn Juden sich dessen bewusst waren, dass es unklug und gefaehrlich ist, sich auf Autobiographie (Schluss} Grund der Aehnlichkeit der Dreiecke zu „beweisen“: dabei erschien es mir ganz „klar“, dass das Verhaeltnis der Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks durch einen opitzen Winkel zu|f Gaenze bestimmt sein muesste. Nur etwas, das mir nicht so „klar“ erschien wie dies, bedurfte meiner Ansicht nach ueberhaupt eines Beweises. Ebenso erschienen mir die Dinget ueber die die Geometrie handelt, von keiner anderen Art als die Gegenstaende 'der sinnlichen Wahrnehmung, „die-man sehen und angreifen kann". Diem primitive Vorstellung, die aller Wahrscheinlichkeit nach der bekannten Kant’schen Problematik ueber die Moeglirhkeit . nvnthetiseher apriorischer U'■teile“ zugrunde liegt, beruht offenbar auf der Tatsache. dass die Beziehungen geometrischer Begriffe zu den Dingen der nn mittelbaren Anschauung stets unbewusst vgegenwaertfg ware«r""; Wenn es also den Anschein Spielraum gelassen. Schulen, ■ Jugendorganisationen, Kolonien, Doerfer und ganze Staedte nehmen daran teil. Jeden Augenblick zieht ein Orchester vorueber... bestimmte Positionen politischer oder wirtschaftlicher Art zu stuetzen, .die ihnen Sicherheit garantieren wuerden, konnte an ihre Rettung aus drohenden Gefahren gedacht werden. Oftmals predigten verantwortungsbewusste Juden im Sinne von Mordechai ihren Volks-und Glaubensgenossen, ohne auf Verstaendnis zu stossen, das Mordechai bei-seiner Pflegetochter fand. Noch steht das Geschehene zu lebendig vor unserem geistigen Auge, um an die einzelnen Katastrophen erinnern zu muessen, die sich aus falsch-verstandener Sicherheit ergaben. Aber immer wieder sollten wir gleich der koeniglichen Esther zu unseren Menschen sprechen: “Geht hin und s a m m e 11 Euch”, d. h„ schllesst die Reihen der juedlschen Einigkeit in der Diaspora und fuer Israel. So gesichert w i e menschliches Werk ueberbaupt nuf sein kann, wird sich der Aufbau des Staates Israel vollziehen, gesichert durch den Willen zur Schaffung einer juedischen Kultur und einer sozialen Leistung, die nur ein Volk vollbringen kann, dass alle Haman’s seiner Geschichte ueberwand und immer wieder Purim feierte zur Erinnerung an die Befreiung aus Gewalt und Not, haeufig erst im letzten Augenblicke, die aber sein Weiterleben gewaehrleistete. Vertrauen auf die eigene Kraft und Sammlung aller Juden zum gemeinsamen Werke, dies ist eine der grossen Lehren, die wir aus der Estherrolle entnehmen sollten. CURT WILK, (Buenos Aires). hatte, dass es moeglich sei, ein sicheres Wissen ueber die Dinge der Erfahrungswelt durch reines Denken zi* erlangen, dann beruhte dieses ..Wunder“ auf einem Irrtum. Trotzdem ist es fuer jeden, der es zum erstenmal erfaehrt, etwas Wunderbares, dass der Mensch ueberhaupt imstande i«t, einen derartigen Grad von Sicherheit und Klarheit durch das reine Denken zu erlangen, wie uns dies die Griechen auf dem Gebiet der Geometrie als erste gezeigt haben. Zwischen meinem 12. und 16. Lebensjahr machte ich , mich mit den Elementen der Mathematik und im Zusammenhang damit mit den Prinzipien der Differential- und Intergralrechnung vertraut. Dabei hatte ich das Glueck, auf Buecher *u stossen, die vielleicht manches an logischer Sehaerfe vermissen Hessen. dafuer aber Haunfeedanken klar und ueberslcht,- lieh hempsarbeiteten. Die Besehaeftlgung mit diesen Bttechem empfand Ich flm grossen und. ganzen a’s aen* .sserst.fesselnd*Jenn, Wen gelangte man zu grossartic»n Erkenntnissen, deren Ein* Diskussion neber Einsteins einheitliche Feldtheorie—Von Waldemar Kaempffert (“New York Times”) Albert Einstein verwendete vor dreieinhalb Jahhren, das es ihm nach zwanzigjaehriger Arbeit gelungen sei, eine einheitliche Feldtheorie zu entwickeln. Damit meinte er, dass er ein mathematisches System gefunden habe, ln welchem Gravitation und Elektromagnetismus durch eine einzige Reihe von Gleichungen miteinander verbunden waren. Zur gleichen Zeit aber erklaerte Einstein, er sehe keine Moeglichkeit, wie die Richtigkeit dieser Gleichungen zu beweisen sei. Erwin /Schroedinger stimmte ihm darin zu. Nun wurde Ende Juli von der Universitaet Indiana berichtet, dass Vaclav Hlavaty, einem aus der . Tschechoslowakei geflohenen Mathematiker, der an der Universitaet Indiana einen Lehrstuhl fuer Mathematik bekleidet, dieses von Einstein und Schroedinger fuer nahezu unmoeglich gehaltene Kunststueck gelungen sei. Mit anderen Worten, es sei ihm gelungen, die Einsteinschen Gleichungen zu loesen. Er war dabei von der Voraussetzung ausgegangen, dass Gravitation nichts weiter ist als eine andere Erscheinungsform des Elektromagnetismus. Die Kommentare zu dieser Meldung spiegelten Verwirrung und Verblueffung. Es war nur allzu ersichtlich, dass sich die Berichterstatter in einer aehnlichen Lage befanden wie jene Eskimos, dedruck auf mich ebenso stark war wie der, den ich der elementaren Geometrie gewonnen hatte — zu dem Grundgedanken der analytischen Geometrie, der unendlichen Reihe und den Begriffen des Differentials und Integrals. Ich hatte ferner das Glueck, die auf dem Gesamtgebiet der Naturwissenschaften erzielten Erbegnisse und angewandten Methoden in einer ausgezeichneten, leicht fasslichen Abhandlung kennenzulernen, die sich nahezu vollkommen : auf qualitative Aspekte beschraenkte (Bernsteins „Volksbuch der Naturwissenschaften“, ein. Werk von fuenf bis sechs Baenden) und von mir mit atemloser Spannung gelesen wurde. Ich war auch schon etwas in die theoretische Physik eingedrungen, als ich im Alter von 17 Jahren in das Zuericher Polytechnikum eintrat. Dort fand ich ausgezeichnete Lehrer (zum Beispiel Hurwitz, Minkowski und so weiter) vor. die mir wirklich eine gruendliche mathematische Ausbildung haetten vermitteln koennen. Tch arbeitete jedoch die meiste Zeit ueber, begeistert, hier Erfahrungen aus unmittelbarer Anschauung gewinnen zu koennen, im physikalischen Laboratorium. Die uebrige Zeit verwendete ich hauntsaechlich dazu, zu Hause die Werke eines Kirchhoff, Heimholtz. Herzt und so weiter durchzustudieren. Die Tatsache. dass ich die Mathematik bis zu einem gewissen Grad vemarhlacsstgte. hatte Ihren Grund nicht nur darin, dass mein Interes«« fuer die Naturwissenschaften *taerk*r war als fne.r die Mar .thematik, sondern auch, in folgender merkwuerdlger Er* nen man. erzaehlt hatte, wie wundervoll das Lied „Heideroeslein“ sei; niemand hatte e3 ihnen aber jemals vorgesungen oder vorgespielt. Im allgemeinen muss man eben ein Musikstueck gehoert haben, um es verstehen zu koennen. Auch Hlavatys Erhellung der Einsteinschen einheitlichen Feldtheorie kann nur verstanden werden, nachdem man die Mathematik, die zu ihrer Loesung angewandt wurde, begriffen hat. Die allgemeine Relativitaetstheorie gibt uns die Moeglichkeit zu einer geometrisenen Deutung des Begriffes „Kraft”. Dies gelingt fuer die sogenannten Gravitationskraefte jedoch nicht fuer den Elektromagnetismus. Nun scheint es aber gewiss, dass alle Kraefte — wenn man einen solchen altmodischen Ausdruck noch gebrauchen darf — entweder elektromagnetische oder Gravitationskraefte sind. Elektromagnetische, Kraefte aber verhalten sich proportional zur Ladung und nicht zur Masse des Koerpers, auf den sie einwirken. Daher haengt der Weg eines geladenen Teilchens in einem elektromagnetischen Feld von der Beziehung zwischen seiner Ladung und seiner Masse ab und aendert sich, je nach der Natur des Teilchens. Hier nun besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen einem Gravitationsfeld und einem elektromagnetischen Feld. Ein Unterschied, der es allem Anschein nach nicht zulaesst, die. ‘ geometrische Deutung des Gravitationsfeldes auf das kenntnis. Ich sah, dass die Mathematik in zahelose Spezialgebiete aufgespalten ist, von denen jedes einzelne die kurze Lebenszeit, die uns bescl/eden ist, ohne weiteres voellig in Anspruch zu nehmen imstande ist. So fand ich mich denn in der gleichen Lage wie Buridans Esel, der sich durchaus nicht entscheiden konnte, von welchem Heubuendel er fressen sollte. Und das war offenbar darauf zurueckzufuehren, dass ich bisher noch zu wenig gruendlich in das Gebiet der Mathematik eingedrungen war, um klar zwischen dem grundlegend wichtigen, dem eigentlichen Fundament. und dem uebrigen mehr oder weniger entbehrlich gelehrten Beiwerk unterscheiden zu koennen. Abgesehen davon aber war auch mein Interesse fuer die Vorgaenge in der Natur ungleich staerker und als Student war es mir nicht klar geworden, dass der Weg zu einer genauen Kenntnis der Grund zuege der Physik ueber hoechst komplizierte mathematische Verfahren fuehrt. Diese Erkenntnis daemmerte mir erst allmaehlich nach langen Jahren der freien wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Allerding ist auch die Physik in Teilgebiete gesüalten, von denen jedes imstande ist, ein kurzes Lebenswerk voll auszufuellen. ohne den Hunger nach tieferer Erkenntnis zu stillen. Auch hier hatte man es mit, einer ueberwaeltigenden Masse ungenuegend zusammenhängender, auf experimentellem Wege gewonnener Daten zu tun. Auf diesem Gebiet lernte loh tedoch bald das heraus* zufinden das mich zu den grundlegenden Erkenntnissen elektrische Feld zu uebertra* gen. . Einsteins einheitliche Feldtheorie ist einer der vielen Versuche, die bisher gemacht wurden, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Wie kann Hlavatys Schlussfolgerung, dass die Gravitation nur eine spezielle Form des Elektromagnetismus sei, experimentell bewiesen werden? Es ist schwer, sich ein solches Experiment vorzustellen. Den Wissenschaftlern, d i e sich nur sehr langsam und zoegernd bereit fanden, den Begriff zu akzeptieren, dass Masse und Energie das gleiche seien, war es aber schon einmal gelungen, die Richtigkeit der Einsteinschen Behauptung experimentell zu erweisen. Es besteht kein Zweifel mehr, dass diese spezielle iielativitaetstheone. wie siegenannt wird, richtig ist. Die Zahl der Experimente, mit denen man die allgemeine Relativltaetstheorie verifizieren konnte, ist klein. Nun steht die Wissenschaft der sehr viel schwierigeren Aufgabe gegenueber, ein Experiment zu ersinnen, das schlaend beweist, dass wir Elekromagnetismus meinen, wenn wir von Gravitation sprechen. Man sagt, dass Einstein von Hlavatys Ergebnissen nicht sehr beeindruckt sei. „Ein nennenswerter Fortschritt ist nicht erzielt“, sagt der Begruender der Relativitaetstheorle. Und ausserdem missbilligt er jeden Versucn, die einheitliche Feldtheorie und Hlavatys Loesung zu popularisieren; denn daraus wuerde nichts entstehen ais „Kontusion in den Koepreu von Unberufenen”. fuehren konnte, und mich von allem anderen abzuwenden, von jener Vielzahl der Dinge, die nur den Geist belasten, von dem Wesentlichen aber ablenken. Der Haken an der Sache war allerdings der, dass man sich fuer die Pruefungen mit diesem Zeug den Kopf vollstopfen musste, Dieser Zwang hatte eine derart abschrekkende Wirkung auf mich, dass mir nach meiner Abschlusspruefung ein ganzes Jahr lang die Beschaeftigung mit naturwissenschaftlichen Problemen widerstrebte, Billigerweise muss ich allerdings hinzufuegen. dass wir in der Schweiz weit weniger unter diesem Zwang, der jedes wirkliche wissenschaftliche Streben zu ersticken angetan ist, zu leiden hatten, als dies andernorts vielfach der Fall ist. Bei uns gab es nur zwei Pruefungen, ansonsten aber körnte man tun, was man wollte, ganz besonders dann,, wenn man wie ich einen Freund hatte, der die Vorlesungen regelmaessig besuchte und ihren Lehrstoff gewissenhaft durcharbeitete. Dadurch stand es mir, abgesehen von den wenigen Monaten knapp vor den Pruefungen, frei, womit if*h mich beschaeftigen wollte, eine Freiheit. die ich reichlich ausnuetzte und fuer die ich gern das etwas schlechte Gewissen, das damit verbunden war, als das weit geringere Uebei in Kauf nahm. Mir Erscheint es tatsaeehlieh nahezu wie ein Wunder, dass die heutigen Lehrmethoden den heiligen Forschergeist noch nicht zur Gaenxe erstickt haben* denn gerade dieses?arte Pfi«enrch*n braucht in erster Linie Freiheit, ohne die sie unweigerlich zugrundegeht. PU RTMGE DANKEN: "BILDE DIR NICHT EIN, IN SICHERHEIT ZU SEIN” “Bilde Dir nicht ein, dass Dn allein im koeniglichen Palaste von allen Juden der Gefahr entgehen wirst; ziehst Du Dich jetzt zurueck, so wird den Juden von anderswo her Hilfe und Rettung werden; Du aber und Dein Vaterhaus, Ihr werdet zugrundegeben”. (EstherroUe IV-13-14).