Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 1 (Enero, 1954)
- Date
- 1954-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero, 1954 BOLETIN I N _F, QRHA1ITO 5 SCHICHTWECHSEL David Ben-Gurion verab sohiedete sich in einer durch rtas Radio uebertragenen Rede von den Israel-Buergern. Er betonte in ihr seine Ueberzeugung von der grundsaetzlichen Einigkeit der Bevoelkerung trotz ihrer parteimaessigen Zersplitterung and schloss mit dem erhabenen Zitat aus dem Propheten Habakuk “Der Gerechte lebt mit seinem Glauben. Er predigt nicht den Anderen, noch gebaerdet er sich wie ein Heiliger, der Andere zum gerechten Leben aufruft, und bei ihnen Fehier entdecken will. IVielmeM' verwirklicht «r seinen Glauben im alltaeglichen Leben —er lebt ihn”. Die Parteileitung der Manai hat ihren Kandidaten fuer die Nachfolge bereits bestimmt: Mosche Scharet, Aussenminister Israels, soll auch das Amt des Ministerpraesidenten uebernehmen. Die Kontinuitaet der zionistlschen Fuehrerschaft scheint damit —in dialektischer Form— gesichert: nach Ben-Guriön, der vom Willen dirigierten Potenz, kommt die Reihe an den gewandten und vorsichtigen Diplomaten. Nach gewissen Ereignissen der letzten Monate (scheint der Zeitpunkt fuer solchen Wechsel gerade reif zu sein. HUETER DES FRIEDENS Die UNO, welche bekanntlich mit grossem Eifer und noch groesserem Erfolg den Weltfrieden zu behueten unternimmt, hat die Gefahr fuer den Frieden ploetzlich entdeckt. Pikanterweise hat diese sich nicht —wie von harmlosen Laien vermutet— am 38. Grad in Korea, oder in den indochinesischen Dschungeln niedergelassen. (Kanonendonner und Bombenexplosionen dort scheinen auf akustischen Taeuschungen zu beruhen!) Auch Triest, Marokko und Britisch -Guayana, von Kenya ganz zu schweigen, sind anscheinend unverfaengliche Themen fuer altjuengferliche Debattierklubs; der Frieden ist vielmehr bedroht durch den Zwischenfall von Kibya. Tn Washington, London und Paris, im Glaspalast der UN in New-York, ueberall debattiert man eifrig ueber Kibya, einem Dorf, von dessen Namen weder Herr Dulles, noch Herr Eden oder Bidault je in ihrem Leben gehoert haben. Dort liegt ploetzlich der Hund, der den Frieden bedroht, begraben! Weil angeblich israelische Kraefte einmal in der einzigen Sprache mit den Arabern gesprochen haben, die sie verstehen: der Sprache der Waffen. Zu dieser Symphonie der Ungerechtigkeit kommen nun noch einige Fistelstimmen, die sich als Chor der Rache bewaehren wollen. Zu den Arabern hat sich da die aus England kommende Radiostimme “Fuer den Mittleren Osten” gesellt. Diese verlangte die internationale Autorisation Jordaniens zu einem Vergeltungsakt... Besagte Radiosendung wird von einem Mann geleitet, von dem I «9 r es noch vor einigen Jahren hiess, dass “er ein gerechter Friedensbote sei, der unsere Menschen nur unter dem harten Zwang von Kriegsnotwendigkeiten in das Meer zuruecktrieb”... MacMichel war damals englischer Hochkommissaer fuer Palaestina. Er hat seine Fratze jetzt selbst demaskiert. Verbrecherischer als Kain sind alle diese Heuchler: den Frieden, den sie unzaehligemale ermorden, massen sie sich an, auch zu behueten. UNPOLITIK — EIN SCHOENES LIED Sde Boker ist ein kleines Dorf bei Beerscheva. Es hat sich keiner der politischen Parteien und Siedlungsorganisationen angeschlossen, sondern ist von Ex - Soldaten, die sich unbeschadet ihrer politischen Anschauungen zusammengefunden haben, begruendet worden. Bei einem Pressebesuch hagelte es ironische, unglaeubige und kritische Fragen: wie sie sich ein gedeihliches Zusammenleben vorstellen, woher sie den Nachwuchs bekommen wollen, von finanzieller Unterstuetzung ganz zu schweigen ... Ein Mann, der jahrzehntelang im Mittelpunkt parteipolitischer Auseinandersetzung stand, hat aber bereits seinen Glauben an das ueberparteiliche Dorf auf eindrucksvolle Weise bekundet: David Ben-Gurion wird als Schafzuechter in dieser Siedlung leben. Rabbiner K. Rosen, Praesident des Misrachi-Verbandes hat sein Amt niedergelegt. Er hat sich zu der Ueberzeugung durchgerungen, “das eine politische Partei, mit der Religion als Programpunkt. nicht nur die Interessen des Judentums nicht foerdert. sondern ihnen direkt schaedlich sei...”; religioese Fragen sollten ausserhalb des parteipolitischen Kampfplatzes geprueft werden. Wir warten nun darauf, dass der Oberrabbiner von Israel sein Einverstaendnis mit diesem ehrwuerdigen Standpunkt oeffentlieh bekannt gibt... HAHN KRAEHT AUF DEM MIST In den DKW-Werken kam es bei der Vorfuehrung eines neuen Modelles zu einer nazistischen ‘Fehlzuendung’. Das Vorstandsmitglied, Dr Hahn . lobte in seiner Rede die “sehr viel kraftfahrfreudigere Regierung von 1933”, nannte die internierten Kriegsverbrecher “Ehrenbuerger der Nation” und verabschiedete sich von seinen —etwas zu geduldigen!— Zuhoerern mit .hochgestrecktem Arm. Die wehmuetigen Erinnerungen des Automagnaten Hahn an das dritte Reich, das bekanntlich Autos am laufenden . Band brauchte und sie auf den Absatzmaerkten Stalingrad und El- Alamein in grossen Massen unterzubringen verstand — diese wehwehmuetigen Erinnerungen sind verstaendlich. Und da es sich schon bis zum deutschen Huehnerstall herumgesprochen zu haben scheint, dass man derartige. Sentimente nicht mehr verstecken braucht, kraeht sie so ein Hahn von seinem neonazistischen Misthaufen frech hinaus. Politische Folgen? ... “dann aendert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist!” Aber eine Frage: Warum dreht niemand so einen Gas-Hahn ab? STABILISIERUNG DER DEMOKRATIE Auf der Suche nach einem wirksamen Wahlsystem, das das demokratische Ideal einer bestimmenden Volksmeinung in die Wirklichkeit eines entsprechenden Parlament zu uebersetzen vermag, haben die einzelnen Laender recht verschiedene Wege eingeschlagen. Dass die rein proportioneile, direkte Vertretung der Waehlermassen in einem einzigen Abgeordnetenhaus das theoretisch gerechteste, ein praktisch aber oft zu gefaehrlichen Schwankungen fuehlrendes System zu sein scheint, wird ueberall erkannt. Zwei- Kammer und Zwei-Parteien Systeme, Abgeordnetenwahlen ueber Wahlkreise u. aehnliches mehr, hat unbeachtet seiner theoretisch kaum zu rechtfertigenden Basis in der Praxis weitaus groessere Erfolge zu verzeichnen. Auch in Israel versucht man die “uneingeschraenkte” Demokratie etwas rationalistisch zu beschneiden. So haben die Grossparteien, Mapai und Allgemeine Zionisten, einen Gesetzvorschlag einbringen wollen, nachdem Parteien, die auf sich nur weniger als 10% der abgegebenen Stimmen vereinigen konnten, ohne Vertretung in der Knesset bleiben sollten. Ob dieser Vorschlag aber, angesichts der heftigen Proteste von den kleineren Parteien, durchkommt, ja auch nur eingebracht werden wird, erscheint zweifelhaft. Von den Opponenten wird angefuehrt, dass Mapai und Allgemeine Zionisten diesen Schritt zu unternehmen gedachten, um sich gegen die verwandten, aus eigenen Reihen hervorgegangenen Splittergruppen zu schuetzen. Die Stabilisierung der Demokratie laege ihnen gerade weniger am Herzen... Die Knesset verabschiedete aber im vergangenen Monat ein Gesetz, das in einem viel tieferen Sinn zur Staerkung der Demokratie beitragen kann: die nationale Fuersorge fuer Alte, Hinter hliebene, Arbeitsinvaliden, Kranke und werdende Muetter fand ihren ersten legalen Ausdruck. Wie Arbeitsminister Golda Meirsöhn richtig bemerkte, “ist es gerade der Kern dieser Gesetzgebung der die Werte symbolisiert, die Israel verteidigt”. GROSSMACHT ODER GROSSMUT Die Grossmaechte sind bekanntlich der Hort des Fortschritts; sie sind —je nach dem— Paradiese sozialer Gerechtigkeit, Hueter des Friedens, Vorkaempfer menschli- SIE FRAGEN WIR ANTWORTEN Hebraeischer Badeort? C.... n. Bei der Eroerterung unserer Ferrienplaene brachte mich ein chilenischer Freund in Verlegenheit als er laechelnd bemerkte, er fuehre nach Cartagena, weil es einen so netten, hebraeischen Namen haette. Ich schaemte mich meiner Ignoranz! Mit Recht? Einem netten Scherz soll man eine kleine Uebertreibung gewiss nachsehen. Der wahre Kern £ber sieht folgendermassenaus: das heutige Cartagena in Spanien, von dem unser Badeort in Chile seinen Namen herleitet, wurde von den Puniern begruendet und nach ihrem grossen Stadt-Staat Karthago benannt. Die Punier waren ein zweifellos in Vielem, so auch in der Sprache, den Juden verwandter semitischer Volksstamm. Ihre Richter nannten sie Schofetes (hebr.; Schoftim), ein Heerfuehrer 'trug den Beinamen Barka, (d.h. Blitz, hebraeisch: Barak und Ihr groesster Heerfuehrer war “Gunst des Baals” Hannibal (heb.: Chen Ha Bäal) So ist auch schliess lieh Karthago aus einem stark an das Hebraeische anklingenden Namen, naemlich Kart - Chadascht, die Neue-Stadt, entstanden. Hebraeisch hiesse das: Kirja Chadascha. Mond gegen Sonne? M. K. Durch Ihre Auskunft ueber die Schaltjahre angeregt, moechte ich Sie doch bitten, mir die wesentlichen Unterschiede zwischen unserem und dem allgemeinen Kalender zu erklaeren! In Stichworten: Jegliche Zeiteinteilung beruht auf den Bahnen der Himmelskoerper. Neben Tag und Nacht war es die leichte Beobachtung der Mondphasen, die schon im fruehestem Altertum ein Zeitmessen ermoegiiehte. Der juedische Kalender hat den Mondumlauf als bestimmendes Mal beibehalten und, da dieser 29 1|2 Tage dauert, Monate von abwechselnd 29 und 30 Tagen. Ein solches Mondjahr hat (12 mal 29,5) hur 354 Tage, ist also um etwa 11 Tage kuerzer als das allgemein uebliche Sonnenjahr, dem der Umlauf unserer Erde um die Sonne zu Grunde liegt (365 1]4 Tage), Der mohammedanische Mondkalender hat auf diesen Zeitunterschied k e in e Ruecksicht genommen und so faellt z. B. der Heilige Monat manchmal in die heisse Jahreszeit, andere Male in die Regenperiode. Unser Kalender musste mit Ruecksicht auf den landwirtschaftlichen Charakter unserer Feste die Zeitdiskrepanz zwischen dem Mond- und Sonnenjahr ausgleichen und schaltete daher ca. alle drei Jahre einen Schaltmonat ein. Waehrend also der bürgerliche Kalender ein ausgesprochener Sonnenkalender, bei dem ein Monat in keinerlei Beziehung mehr zu dem Mond steht, der mohammedanische ein reiner Mondkalender ist, bedeutet der juedische Luach eine Synthese; er ist ein soli-lunarer Kalender. SCHOCKED. Bei einem Reisefilm, der in der Universitaet kuerzlich zu Vorfuehrung gelangte, fiel mir unangenehm auf, dass ein grosser Teil der in Indien aufgenommenen Altaere und Tempelstaetten mit dem verruchten Hakenkreuz verziert waren. Was ist die Geschichte dieses krummen Kreuzes? Das Hakenkreuz ist urspruenglich keineswegs ein “arisches” oder “germanisches” Symbol. Dass die Nazis es fuer sich beschlagnahmten und damit fuer alle Zeiten schaendeten, geht auf die ganz absurde und voelllg aus der Luft gegriffene Annahme zurueck, die Inder haetten ein hakenkreuzfoermiges Geraet zur Gewinnung des heiligen Feuers fuer den Opferdienst benutzt. Die tatsaechliche Her kunft des Zeiches ist nicht mit Sicherheit bekannt, vermutlich ist es in den verschiedenen Gebieten auf verschiedene Art entstanden. Interessant ist in diesem Zusammenhang nur eins: im vorgeschichtlichen Europa, etwa bei den Germanen, ist es ueberaus selten, waehrend es in Ostasien neben Indien in China und Japan, aber auch im Bereich der alten Mittelmeerkulturen (auf alten hebraeischen Kulturgegenstaenden!) sehr viel haeufiger ist.. Ein geschichtlich “unbelastetes” und aesthetisch nicht haessliches Symbol ist leider —wie so viel anderes— von den neo-teutonischen Mordbrennern geschaendet worden. eher Wuerde, Verteidiger westteuropaeischer Zivilisation, Stuetze der Kolonialvoelker, kurz — so oder so rum — Menschheitsbegluecker. Das ergibt sich auch aus fölgendem Beispiel: Als der UNO-Hochkommiissar 227 al- I te und kranke, zur Zeit noch ' in China befindliche Fluecht linge unterbringen wollte, erklaerten sich zu ihrer Aufnahme folgende Grossmaechte sofort bereit: Belgien, Daenemark, Norwegen, Schweden die Schweiz rmd rsraeL BEN.