Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 1 (Enero, 1954)
- Date
- 1954-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero, 1954 BOLETIN INFORMATIVO Jahre 3 Die Heilige Stadt * 3000 Bei Jerusalem Ich hause in der Naehe von dem Götte, Der das Gelobte Land erschuf — Ein Beben raunt mir drob im Blut, Und Staunen hebet meine Menschentritte. Die Huegel von Jerusalem Sind meine Brueder, Der Himmel von Judaea mein Gemach. Ich bin in beider Mitte..— Die Gaerten von Arnona laechein; Die Voegel von Arnona girren Mir um das Angesicht Seit tausend Fruehlingen. — In heissem Salzmeers fernem Silberspiegel Badet mein Auge in der Morgendaemmrung — Ein Araber vom Dorfe Surabaha Nahet mit seiner braunen traechtigen Kuh. “Saida!” gruess’ ich ihn, der ja mein Vetter. “Saida ma salam!” gruesst mich der baertge Alte. — Die Kuh schaut stumm mir in die gruenen Augen. —- Vielhundert Voegel saugen an den Bruesten, Den Bluetenbruesten keuscher Pflaumenbaeumchen, Dem hell-hellgruenen Weinstock bei der Iris. Im Lorbeerbusche halten sie Versammlung. Die Voegel schwirr’n vorbei an meiner Tuer; Und langsam mich entdeckend, spuere ich, Dass ich mich ja in meinem Bett befinde — Die Voegel jauchzen mir zu Kopf, zu Fuessen, Zur Rechten kuessen sie, zur Linken mich Wie ich mich zag aus Schlummers Armen winde. t DEVORAH HYRKANOS FRUEHESTE KUNDE “...Wahrlich, dies Land von Urusalim, Weder mein Vater noch meine Mutter Hat es mir gegeben; Die maechtige Hand des Koenigs Gab es mir... Wahrlich, der Koenig hat seinen Namen gesetzt Auf das Land von Urusalim Fuer ewig. Darum kann er es nicht lassen, DER ZUG KAM AN mm mm ' msM. WM Av.w.v«.! mmm mm. ÄS ■ .-I ¡mm ■■Ä. Haendeklatschen, Hueteschwenken, begeisterte Zurufe begruessten den ersten Eisenbahnzug, der von Haifa in Jerusalem eintraf. Puenktlich war der Zug mit einer grossen Zahl von Gaesten und Passagieren von Haifa abgefahren. Die Lokomotive, war mit der Israel-Fahne geschmueckt. Ueberall auf dem Wege standen Menschen, die dem Zug zuwinkten, Araber nicht weniger als Juden. Als der Zug in Ludd einfuhr, warteten dort schon die Reisenden aus Tel-Aviv, unter ihnen der Verkehrsminister. Er ging auf der Weiterfahrt von 'Waggon, zu Wagon begruesste besonders die Journalisten, die ihm “Masal Tow” und “Schehechejanu” zuriefen, und hatte dann genug zu tun, die Fahrkarten, die ihm Pasagiere reichten mit seinem Autogramm zu zeichnen. Bei der Weiterfahrt durch tiefgesehluchtete Berge standen die Fahrgaeste an den Fenstern, Filmleute und Photographen arbeiteten unaufhoerlich, Kinder und Erwachsene liefen rastlos im Zuge auf und ab, im “Speisewagen” herrschte Hochbetrieb, so dass er bald “ausverkauft” war. Als der Zug sich arabischen Doerfern näherte standen ganze Schulklassen mit ihren Lehrern am Bahndamm und klatschten dem Zuge zu, der sein Tempo erheblich verlangsamte, als er ueber eine noch. im Bau befindliche Bruecke fuhr, die, ueber einen tiefen Abgrund gebaut, nicht viel breiter als die Schienen selbst ist. Jerusalem kam in Sicht. Aus den Haeusern liefen Leute winkend dem Zug entgegen, Traenen standen ihnen in den Augen. Jetzt waren es nicht mehr arabische, sondern juedische Schulkinder, die den Bahndamm saeumten, als haetten sie dort schon stundenlang auf die Eisenbahn gewartet. Mit grossen Augen bestaunten die Allerkleinsten das eiserne Ungetuem, das sie zum erstenmal an sich vorbeifahren sahen. Dann hoerte man schon die Kapelle vom Bahnhof in Jerusalem, in den der Zug fahrplanmaessig um 11.20 Uhr einfuhr. Die Bahnhofshalle prangte in den Farben des Staates und war mit gruenen Girlanden verziert. Zum ersten Male wurde zu diesem Anlass auch das neue Stadtwappen von Jerusalem gezeigt: der Loewe Judas vor den Quadern der Klagemauer, umrankt von den Oelzweigen des Friedens. Ueber der Einfahrt war, sinnreich ausgewaehlt, der Spruch Jesaja 49, 11 in blauen Lettern auf weissem Grunde zu lesen: “ICH WERDE ALLE BERGE ZU GERADEN WEGEN MACHEN, MEINE STRASSEN WERDEN GEHOBEN SEIN Anlaesslich des festlichen Ereignisses konzertierte erstmalig die Feuerwehrkapelle der Stadtverwaltung in schmucker Uniform. Auf dem Bahnhofsschild steht nunmehr ausschliesslich “Jeruschalajim” in hebraeischen Lettern. Das arabische “El Kuds”, das englische “Jerusalem” und das griechische “Hyrosalima” sind verschwunden. Das Land von Urusalim.. Mit diesen beschwoerenden Worten bat Prinz Abdi-Heba, aegyptischer Gouverneur von Jerusalem, seinen Koenig dringend um Verstaerkung. Jedoch der Sonnenanbeter, der zarte Philosoph und Friedensfuerst Echnaton, scherte sich wenig um •die ferne, vom Grossvater Tutmosis eroberte Barbarenkolonie —war wohl auch ganz ausgefuellt von der Umschaffung der Religion, von den Konflikten mit den Priestern —kurz, Abdi - Heba harrte umsonst auf Hilfe, bis er schliesslich schmerzlich resignieren muss: Dies ist das erstemal, dass die Stadt Jerusalem in einem geschichtlichen Dokument auftaucht. Ob dieser ergebene Staatsbeamte tatsaechlich mit seinem Fuersten starb, als dieser bald darauf —1358 v. Chr.— von seinen Priestern ermordet wurde, geht aus dem Tontafel-Archiv von Telel-Amarna (das 350 Schreiben aegyptischer ' Vasallen und Statthalter aus Syrien und Palaestina an ihre Koenige enthaelt) nicht hervor. Doch hatten zu dieser Zeit jene wilden “Habiru” schon den Jordan ueberschritten und brachen ein ins Land. Es waren aber diese Horden niemand anders als die Staemme der Hebräer, die sich unter Josuas Fuehrung daran machten, das ihnen verheissene Land ln Besitz zu nehmen —“und sie nahmen die Staedte des Koenigs”— alle, bis auf Jerusalem, in dessen natuerliche Schutzwaelle und Mauern sich die Jebusiter festgekrallt hatten. Es heisst zwar im Buch der Richter, 1: “Aber die Kinder Juda stritten wider Jerusalem und gewannen sie und schlugen sie mit der Schaerfe des Schwertes und zuendeten die Stadt an”. Doch wenige Verse spaeter wird zugestanden: “Aber die Kinder Benjamins vertrieben die Jebusiten nicht, die zu Jerusalem wohnten, sondern die Jebusiter wohnten bei den Kindern Benjamins bis auf diesen Tag”. Es vergingen fast vierhundert Jahre seit der aegyptischen Kolonialherrschaft, bis Jerusalem Israel angehoerte und dessen Hauptstadt wurde: “Und der Koenig zog hin mit seinen Maennern gen Jerusalem wider die Jebusiter, die im Lande wohneten... David aber gewann die Burg Zion, das ist Davids Stadt... Also wohnte David auf der Burg und hiess sie Davids Stadt. Und David bauete rings umher, von Milo an einwaerts”. (2. Samuel 5.). Mit diesem Ereignis, das beinahe 3000 Jahre zurueckliegt, ward Israel wie ein Baum in Jerusalems Erde eingepflanzt, senkte weitverschlungene Wurzeln tief in den steinigen Boden der Felsenstadt. Mag auch der Baumstamm zerspellt, die Krone zerstoert, die Blaetter in alle Winde geweht worden sein —unloesbar klammern sich die Wurzeln fest, saugen Nahrung aus uraltem Erdreich und speisen neue Triebe. Hierher, in seine Stadt Jerusalem, brachte David tanzend und jauchzend die Bundeslade mit den Zehn Geboten Mosis, auf denen jegliche menschliche Ethik sich gruendet. Hier erklang die Himmelsmusik der Psalme und hier formte sich die kristallene Weisheit der Sprueche. Auf einer Flaeche von hundertfuenfzigtausend Quadratmetern erhob sich hier das strahlende Monument des Tempels, geheimnisvolles Symbol der Gottvermaehltheit, Manifestation irdischer Macht und Ueppigkeit, Verwirklichung ueberschwaeng- 1 i c h e r Kuenstlerphantasie. Die Propheten Hessen hier ihre machtvollen Stimmen erschallen, und Schulen entstanden, in denen neue Wege und Erkenntnisse auf den Gebieten der Gottesgelehrtheit, der Gesetzgebung, der Politik, Soziologie und Philosophie gefunden wurden—Erkenntnisse, die das geistige Antlitz der Welt mitpraegten; und nicht ohne Kontakt mit den beruehmten Lehrhaeusern von Babylon wurde hier der Jerusalemer Talmud geschaffen. Der Staat zerfiel, der Tempel stuerzte, das Volk zerstob —schmachtete in Sklaverei oder irrte ruhlos und verfolgt durch die Laender der Erde. Und doch war es wiederum die Heilige Stadt, welche die Zerstreuten vor dem Untergang rettete: das Andenken an sie und was sie symbolisierte, hielt das Volk inmitten der vielen Verfolgungen aufrecht. Auch die Stadt, Jerusalem, war im langen Lauf der Jahrhunderte vielfach Objekt der Angriffslust geworden. Doch auch sie ueberlebte die wechselvollen Geschicke ihrer Eroberer und schien auf die Rueckkehr ihrer Soehne zu warten.— bis in unsere Tage! “Moege sich der Koenig um sein Land kuemmern. Das Land des Koenigs wird verloren sein. Alles Wird mir genommen werden; Feindschaft ist um mich... Jetzt aber Nehmen die Habiru Die Staedte des Koenigs... Gibt es auch in diesem Jahr Keine Bogenschuetzen, Dann moege der Koenig Eine Abordnung senden, Auf dass er mich zu sich nehme, Zusammen mit meinen Bruedem, Und sterben wollen wir Mit dem Koenig, unserem Herrn... ”* Die Hauptstadt im Festschmuck