Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 1 (Enero, 1954)
- Date
- 1954-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION- S.C. I. B’NE J1SROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2437. SANTIAGO-CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT Iso C 1 E D A D CULTURAL ISRAELITA ” B ' N E JISROEL" I Año XVI — N.o 1 SANTIAGO DE CHILE Enero, 1954 So merkwuerdig es klingt: die Archaelogie des Heiligen Landes ist weit weniger geklaert und in ihren Ergebnissen gesichert, wie die Archaeologie der anderen alten Kulturlaender des Mittleren Ostens. Erstaunlich ist, dass das Land, das den drei grossen Weltreligionen heilig ist, auf archaeologisehem Gebiet so wenig erforscht wurde, doch ist dies zum Teil gerade auf die Rivalitaet der Religionen zurueckzufuehren, nicht zuletzt auch auf die Ausgrabungsfeindschaft der islamischen religioesen Behoerden, die %. B. Grabungen in der Jerusalemer Altstadt die groessten Schwierigkeiten machen. Die juedischen Altertuemer werden jedoch staendig erforscht, so weit die Fundstellen zugaenglich sind. Seit zwanzig Jahren wird in Beth Shearim bei Tivon, unweit von Haifa, durch die israelische Altertumsforschungsgesellschaft weiter ausgegraben, wobei fast regelmaessig bedeutsame Entdeckungen gemacht werden. In der jetzt abgeschlossenen Grabungssai son, der ersten seit 1940, wurde u. a. das Grab des Aidessios, des Oberhauptes des Rates der Aeltesten von Antiochia entdeckt, ferner die Graeber der Rabbanim Simon und Gamaliel, Mitgliedern des Sanhédrin, der obersten religioesen Behoerde der Juden im alten Palaestina. In knapp vier Wochen wurden vier Katakomben ausgeraeumt, deren bedeutendste als Fassade drei monumentale Boegen besitzt, die aber nicht —wie bei den Hoehlengraebem in und um Jerusalem— in lebenden Fels gèhauen sind, sondern an den Abhang angebaut wurden. Nur der mittlere Bogen Ist ein wirklicher Eingang, die beiden seitlichen dienen nur der Verzierung, aehnlich wie roemische Triumphboegen. A;.vv. SFSi Antike 7-kelchige Lampe der Vergangenheit;¡M BIBEL UND BIRMINGHAM H. D. SCHMIIDT M. A. (OXFORD) Dr. Mazar (rechts) leitet die Ausgrabung Die Neuentdeckung ist am bedeutsamsten in philologischer Hinsicht. Auf je eine hebraeische oder aramaeische Inschrift kommen etwa sechs griechische, woraus klar hervorgeht dass die Kultur Palaestinas nach der Zerstoerung des zweiten Tempels weit staerker hellenisiert war als bisher angenommen wurde. Eine kurze Inschrift, die wahrscheinlich die Kritzelei eines Knaben ist, zeigt erstmals griechische Worte, die mit hebraeischen Buchstaben geschrie ben sind. In einer andren Inschrift erscheinen aramaeische Ausdruecke in einem phoenizischen Text. Der Entdecker von Beth Shearim war Alexander Zeid, der beruehmte Waldhueter des KKL., dessen Reiterstandbild einen der Huegel in dem huebschen Tal von Beth Shearim kroent. Zeid wurde 1936 von Arabern bei einem Ueberfall aus dem Hinterhalt getoetet, seine Witwe ist heute noch die Hueterin von Beth Shearim. Die Ausgrabungen sind noch lange "nicht abgeschlossen. Die bisherigen Ergebnisse geben jedoch ein deutliches Bild der kleinen Stadt, die am Huegel emporsteigt. Die imposante Synagoge, aehuli«h der von Kfar Nachum (Capemaum am Kinnerethsee) und wie diese dreischiffig aber bedeutend groesser, beherrschte das Stadtbild; sie war der Sitz des Sanhedrin und zugleich Gerichtshalle. ..In Beth Shearim kodifizierte Rabbi Jehuda die Mischna. Es gehoerte der Prinzessin B e r e n ic e, der Schwester des letzen Koenigs aus der herodianischen Dynastie, doch stammen die Ruinen aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. Ch., als nach dem Zusammenbruch des Bar Kochba-Aufstandes das Zentrum der juedischen Kultur sich nach Norden verschob. Beth Shearim blieb Sitz des Sanhedrin bis zu seiner Zerstoerung im Aufstand gegen den roemischen Kaiser Gallus im Jahre 352. Jedenfall wurde keine Muenze gefunden, die aus einer Zeit nach diesem Jahre stammt. Die israelische Altertumsforschungsgesellschaft b e - gann neuerdings auch mit Ausgrabungen an einem kleinen “Tel”, d. h. einem Ruinenhuegel, bei Beth Masmil, unweit Jerusalem. Es scheint sich hier um eine Staette des Hoehenkultes aus der Zeit der juedischen Koenige zu handeln, vermutlich aus dem 8. bis 9. Jahrhundert v Chr. Der Gipfel des Huegels trug einst einen flachen Steinboden, auf dessen Resten Asche und Spuren einer Brandstaette gefunden wurden. Der Birmingham Schnellzug eilt durch Shakespeares Heimatgrafschaft Warwickshire. An den Fensterscheiben spielt der Wind mit den Regentropfen Pferderennen. Im Abteil ist kaum noch ein Platz frei. Es sitzen da zweierlei Arten von Studenten. Die einen, die zu einem Bibelkurs der juedischen Studentenschaft nach Birmingham fahren und ihre vorgeschriebenen Kapitel vorbereiten, ringen mit den Tuecken der hebraeischen Sprache. Die andern, die vom Oxforder Eintrittsund Stipendienexamen kommen, haben mit den Schwierigkeiten der deutschen Sprache gekaempft und vergleichen die Examensfragen, in die ich auch bald meine Nase stecke. Die Fragen erstreckten sich von ¡Lessing bis Thomas Mann; die deutschen Kenntnisse dieser Studenten sind ueberraschend. Als sie mein Erstaunen sehen und meine Jerusalemer Vergangenheit erfahren, fragen sie natuerlich nach dem Niveau des Deutchunterrichtes an den Schulen Jisraels. Ich antworte dass es da keinen Deutschunterricht gaebe. Dann gehoere der Unterricht der deutschen Sprache und Literatur wohl erst zum Erziehungsprogramm der Universitaet in Jerusalem. Als sie hoeren, dass es auch da keinen Platz fuer deutsche Literatur gaebe, schweigen sie hoeflich. Das Land um uns wurde schwaerzer und die Halden rueckten naeher heran. Die Luft roch nach saurem Kohlenrauch, Birmingham kam in Sicht. In dem Meer dunkelroter Industriehaeuser gibt es gar manche Luecke. Die Stadt Birmingham hat 100,000 Haeuser durch deutsche Luftangriffe verloren, erklaerten mir die Studenten, als sie sich fertig machten und ihre deutschen Examensfragen wegpackten. Am Bahnhof stand das Empfangskomitee bereit, um die 40 Studenten des Bibelkurses, die aus ganz England eintrafen, in ihre TJnterkuenfte zu bringen. Bald sass ich in einem Auto meiner neuen Birminghamer Freunde. Birmingham ist ein Industrie- und Handelszentrum von ueber einer Million Einwohner. Darunter gibt es etwa 6000 Juden, welche in vier Gemeinden mit vier Synagogen eingeteilt sind, was den grossen Vorteil hat, (dass jedes Gemeindemitglied sich ueber die Mitglieder der drei andern Gemeinden erhaben duenken kann. Daher sind die meisten Juden auch Gemeindemitglieder. Das Thema des Bibelkurses war die Bibel und ihre Umwelt im Lichte der neuesten Funde. Man muss nicht gleich an die intensiven Lernwochen und Bibelkurse denken, die es in Deutschland in den dreissiger Jahren gab. Es wurde mindestens soviel Stunden getanzt als gelernt, aber es scheint doch ein neuer Rahmen fuer juedisches Lernen und lebendigen Gedankenaustausch unter' den Studenten im Entstehen. Die vereinigte juedische Studentenschaft Grossbritanniens und Irlands hofft Kurse und Seminare so zu organisieren, (Schluss auf Seite 17) Reste einer alten Synagoge (Kfar Biram)