Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1953)
- Date
- 1953-12-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 15 Neue Probleme der alten Religion VORBEMERKUNG Dieser Artikel ist aus der nordamerikanischen Monatszeitschrift “Jewish Spectator” uetaersetzt worden. Wir glauben, dass ihm besondere Wichtigkeit angesichts der kritischen Situation, in der sich die juedische Religion —besonders in Israel— befindet, zukommt. Wir freuen uns ueber diese klaren und mutigen Ausführungen des Oberrabbiners von Transvaal, Sued-Afrika, Dr. Rabinowitz, der allgemein als orthodoxe Autoritaet, und als grosser Gelehrter anerkannt ist, um so mehr als auch wir erst vor kurzem im Kreise des hiesigen Misrachi von aehnlichen Voraussetzungen ausgehend zu gleichen Schluessen gekommen sind. Hoffentlich wird dieser Aufruf des Ober* rabbiners Dr. Rabinowitz von den religioesen Autoritaeten verstanden werden. Loewenstein. PROBLEME Von Luis J. Rabinowitz (Suedafrika) Waehrend des zweiten Weltkrieges war ich Geistlicher der Armee des Mittleren Ostens. Dort war die Juedisch- Palaestinensische Einheit, die spaeter die Juedische Brigade wurde und hervorragende Dienste in Italien leistete, die wichtigste Gruppe. Sie war der Kern der tapferen Armee Israels. Fuer lange und ermuedende Monate v e r - schanzten wir uns in der duerren westlichen Wueste. Die Rationen fuer die Menschen waren klein. Sie bestanden aus Bully Beef (Rin. derpoekelfleisch), Heereszwieback und Tee. In jeder Einheit waren eine Anzahl orthodoxer juedischer Soldaten, welche das trefene Fleisch nicht beruehrten und die sehr viel litten. Ich untersuchte ihr Problem auf der Basis des Din Religionsgesetz) und auf Grund einer bemerkenswerten Stelle des Codex von Maimmonides wagte ich ein Responsum zu schreiben, dessen Kern war, dass in Anbetracht dessen, dass es Pflicht der juedischen Autoritaeten in Palestina sei, diese Menschen mit koscheren Nahrungsmitteln zu versehen, und diese dazu nicht in der Lage waren, ein orthcdoxer Soldat, der sich in d e r Schlachtlinie befindet, in Uebereinstlmmung mit dem jue. dischen Relieionsgesetz, nicht -koschere Nahrungsmittel zu sich nehmen duerfte. Bei meinem naechsten Besuch in Palestina legte ich dieses Responsum einer hervorragenden Rabbinischen Autoritaet vor. Er las es und schreckte zurueck’. “Unmoeglich” rief er aus. “Ich wuerde eher sterben, als erlauben, dass meine Lippen verbotene Nahrung beruehren”. Ich leg. te ihm dar, dass ich ihn nicht um seine persoenliche Meinung gebeten haette, sondern, dass er mir sagen sollte, worin meine Argumente irrig seien. Er weigerte sich. Ich gab das Responsum einem anderen Rabbiner. Er fragte mich unglaeubig: “Wollen Sie mich veranlassen eine Entscheidung herauszugeben, nach der ein orthcdoxer Soldat trefe essen darf? Ich trug das Responsum von Rabbiner zu Rabbiner, aber die Antwort blieb immer eine Variation desselben Themas “Wir koennen nicht”, bis ich es dem genialen Rabbiner Meir Berlin, dem Fuehrer des Misrachi, zeigte. Er untersuchte es sorgfaeltig und dann sagte er mir zu meiner grossen Freude: “Ich glaube, Sie haben Ihren Fall bewiesen.”. “Werden Sie mir helfen, irgendeine Unterstuet zung fuer eine Entscheidung zu erreichen? fragte ich ihn”. "Das ist nicht gut”, antwor- DER HALACHA tete er”. “Darum nennen sie uns Charedim. Charedim ist das allgemein angenommene Wort fuer die Orthodoxie. Es ist aus Jesaja 66,5 genommen und bedeutet woertlich—, jene, die zittern”. Jeder, der die Praxis rabbi. nischer Gutachten kennt, muss davon beeindruckt werden, dass die Autoren solcher Gutachten, nachdem sie eine abgeschlossene und fundamentierte Beweisfuehrung auf Fragen, die an sie gestellt werden, zu Grunde gelegt haben, oft zoegern ihre Schlussfolgerungen' in die die Zerstoerung des Tempels hervorgerufen wurde. Zu jener Zeit musste ein System des Judentums ohne den Tempel entwickelt werden. Der Tempel mit seinem Opferdienst war der Kern und das Herz juedischer Gottesverehrung, das Zentrum der Gemeinschaft zwischen dem •Juden und seinem Schoepfer. Dieses Problem wurde aufgenommen und geloest, indem die Synagoge an die Stelle des Tempels und die Wohltaetigkeit an die der Opfer trat. Das Judentum ueberstand den Sturm und trumphierte. Es war die groesste, aber keineswegs die einzige Herausforderung, die an das Judentum waehrend der wechselnden Umstaende der nahezu zweitausend Jahre herantraten. Die Vertreibung aus Palaestina, die Aechtung des Judentums durch die Roemer, die Epoche der Zwangstaufen —alle stellten ihre Probleme, waehrend die Einfuehrung der Monogamie und die Hebung des Status der verheirateten Frauen, die praktische Abschaffung der Schwagerehe, die Entfaltung der gesetzgeberischen Taetigkeit der Gemeinden Ausscha a m T. Joel Lang Israel (Aus dem “Jewish Chronicle”, London, von einem unserer Leser uebersetzt und eingesandt). Durch Errichtung des Staates entstanden religionsgesetzliche Probleme: Verkehrs —und Sicherheitsdienst, duerfen sie am Schabbat arbeiten? Praxis umzusetzen, weil sie zu den “Jire Hatora” gehoeren, zu jenen, die sich fuerchten, definitive, irrtumsfreie Entscheidungen zu faellen. Ihr Zoegern ist einem tiefen Sinn fuer Verantwortung, verbunden mit angeborener Bescheidenheit und Misstrauen in ihre gesetzgebende Kompetenz, zuzuschreiben. Und je bedeutender der Rabbiner ist, desto groesser ist oft sein Zoegern. Aber wer diese Gutachten kennt, muss von ihrem Mut beeindruckt werden, wenn es sich um eine Angelegenheit handelt, die fuer die Zukunft einer Gemeinschaft oder fuer den Fortbestand des Judentums von lebenswichtiger Bedeutung ist. In dem erwaehnten Fall war ich darauf vorbereitet, dass meine Beweisfuehrung falsch waere, meine Argumente auf Unkenntnis basierten, dass ich mich fuer Menschen einsetze, die ich zu betreuen hatte, Worauf ich aber nicht vorbereitet war, war die Haltung: “Wie koennen Sie von mir erwarten, das zu tun?”. Das orthodoxe Judentum steht einer Problematik gegenueber, die nicht weniger grundlegend ist als jene, die vor nahezu 2000 Jahren durch nitte ueber die Art und Weise darstellen, in der die grossen Autoritaeten des Judentums die Tora biegsam hielten. Das juedische Gesetz unterlag einem Prozess kontinuierlicher Entwicklung, der es vor der Erstarrung bewahrte. Doch waren dies privatgesetzliche Bestimmungen. Durch die Errichtung des Staates Israel sind jedoch andere Probleme entstanden: In dieser Diskussion werde ich mich auf zwei Fragen beschraenken, den Schabbat und die Feier des Juedischen Unabhaengigkeitstages. Trotz der grundsaetzlich absoluten Unverletzbarkeit des Schab, bat, gibt es bemerkenswerte und auffallende Ausnahmen, die die Verletzung des Schabbat nicht nur erlauben sondern sogar erforderlich machen. Die bedeutendsten sind a) Lebensrettung b) Verteidigung der Heimat und c) die Opfer im Tempel. Wir wollen uns auf "die erste dieser Kategorien beschraenken. Wenn das Problem der Rettung menschlichen Lebens auf dem Spiel steht, muss (nicht: kann) der Schabbat unbeachtet bleiben. Wie wendet man (Schluss auf Seite 17) Es gibt wenige Dinge ln Israel welche einen solch denkwürdigen Eindruck auf den Besucher hinterlassen, wie die Art in welcher sein Volk den Sabbath haelt. Es gibt keine genaue Statistik ueber die Anzahl der orthodoxen Juden im Staate, aber ein Ueberseebesucher in Tel Awiv, Jerusalem oder einer anderen Stadt in Israel bekommt den Eindruck, dass alle oder fast alle seine Einwohner orthodox sind. Eine heilige Ruhe legt sich auf das Land wenn der Sabbath sich naehert. Alle Theater und Kinos sind geschlossen. Eisenbahnen und Busse, Haifa ausgenommen, verkehren nicht, und der Verkehr im allgemeinen ist aufs aeusserste beschraenkt. Privatautos sieht man staendig und besonders in Tel-Aviv ei. ne Anzahl Taxis, die aber viel langsamer fahren. Die Hupen ertoenen leiser als ob die Chauffeure sich schuldbewusst fuehlen wuerden. In Israel beginnt der Sabbath am Freitag Mittag. Zur Lunchzeit sieht man Leute 'im Fabriken, Werkstaetten und Bueros nach Hause eilen, und viele Geschaefte sehliessen. Allmaehlich werden die Strassen und Cafees ueberfuellter als je, da sich viele Dorf-und Kibbutzim Bewohner in die groesseren Staedte begeben, um dort den Sabbath zu feiern. Es gibt die Vorstellung, dass leder Jude am Sabbath 2 Seelen hat, eine zweite hinzugefuegt fuer die Gelegenheit. Jeder der sich am Freitag Abend durch die Allenby —Street in Tel Aviv schlaenseln muss, muss annehmen, dass sie am Sabbath auch 2 Koerper haben. Aber auch die Synagoeren sind ueberfuellt wie wohl in keinem Land der Erde. Am Freitag Abend ist die grosse Synagoge von Tel- Aviv sowie viele Synagogen in Jerusalem so ueberfuellt, dass viele Besucher draussen bleiben muesssen und dem Gottesdienst durch die Fenster und Tueren folgen muessen Aehnlich ueberfuellt sind die Anzahl kleiner Synagogen und Gebethaeuser. Ein glaenzender Contrast zu den halbleeren Synagogen hier und in andern Laendern. Das Hai. ten des Sabbath ist natürlich nicht nur allein auf religioese Juden beschrankt. Auch der nicht religioese Israeli betrachtet diesen Tag als einen Ruhetag. Da er nicht arbeitet, moechte er sei. ne Verwandschaft mit seinem religioesen Nachbar beweisen, eine bemerkenswerte Angelegenheit in einem Lande wo politische Gegensaetze solch .scharfe Teilungen zwischen einem Juden und dem andern hervorrufen koennen. Aber in der Israeli Armee ist es vielleicht, dass das 4te- Gebot mit besonderer Strenee und Treue gehalten wird. In der Israeli Armee, Marine und Luftwaffe werden Sabbath und religioese Braeuche im allgemeinen gewissen, haft gehalten. Die Regierung tut alles, um fuer die religloe- Frau oder jedes dienenden Mannes durch einen Stab kompetenter Rabbiner, zu sorgen. Da Israel ein kleines Land ist, bekommen viele der dienenden Maenner und Frauen die Erlaubnis den Sabbath zu Hause zu verbringen. Freitag Nachmittag sind die Strassen Israels voll uniformierter Leute, die um einen Lift bitten. In der Armee ist keine allgemeine Arbeit erlaubt, nur das allernoetigste wird gemacht. Diejenigen die Dienst haben sind mit allem versorgt, was wichtig ist, um einen Sabbath im orthodoxen Sinne zu halten. In der Armee wird am Sabbath nicht gekocht, alles Essen wird am Freitag fertig gemacht und in besonderen Behaeltern aufgewaermt. Es gibt nur einen kleinen Prozentsatz Orthodoxe in der Armee, aber aus Ehrerbietung fuer die Minderheit, und weil Israel ein jued. Staat ist wird auf Kaschruth gehalten. Jede Kueche hat zweierlei Geschirr und Bestecke, etc. Den Soldaten wird jeden Tag eine bestimmte Zeit zum Beten erlaubt, 1|2 Stunde morgens, 15 Min. fuer Mincha und 15 Min. fuer Maariw. Am Sabbath und 1 112 Stunden fuer die Morgengebete erlaubt und jedes Armee Camp hat seine eigene Synagoge. Es wird niemand gezwungen zum Gottesdienst zu gehen, aber ein Armee Rabbiner sagte mir, es sei eine grosse Anzahl der Soldaten anwesend. Die dienenden der Israeli Armee bekommen ein Gebetbuch und eine Taschenbibel, und Maen. ner bekommen auch 2 Arbakanfaus und Tefillin und wenn sie verheiratet sind auch einen Tallis. Diese Sachen werden ihr Eigentum und sie koennen sie beim Verlassen der Armee mit nach Hause nehmen. Israeli Armee - Bestimmungen sind nicht nur dazu da, um die Religion zu halten, sondern auch um die Soldaten mit jued. Tradition, Geschichte und Kultur vertraut zu machen, das geschieht alles, um den jued. Lebensweg zu gehen. Es werden staendig Vortrae. ge ueber Religion und andere Themen gehalten, und ebenso verwenden die Rabbiner viel Zeit dazu, um besondere Talmud Schiurim und Vortraege ueber die woechentliche Sidra zu halten. Die Rabbiner nehmen einen besonderen Platz in der Armee ein. Sie sind immer bereit zu helfen, und das Einhalten der religioesen Vorschriften zu ueberwachen. Die Armee Rabbiner die man ln Israel trifft, machen den Eindruck aufgeklaerter Leute, besorgt ihre Pflicht zu tun. Denn es darf nicht vergessen werden, dass , die Armee ln Israel als Schule und Schmelztiegel betrachtet wird, in welchem Juden aus allen Laendern trainiert werden, nicht nur Grenzen zu verteidigen, sondern auch das geistige Erbe der Juden uesen Noete jeder dienenden berall in der Welt.