Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1953)
- Date
- 1953-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION* S.C.I. B'NE J1SROEL AV. PORTUGAL 810. TEU 33096 CASILLA 2407. SANTIAGO »CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT Iso C 1 E D A D CULTURAL ISRAELITA " B ’ N E JISROEL" ■ . Año XV — N.o 12 SANTIAGO DE CHILE Diciembre, 1953 KURZGESCHICHTE VON M. SMILANSKY MOSCHE SMILANSKY Am. 7.10 verstarb im Hadassa-Krankenhaus in Tel- Aviv nach laengerer Krankheit im Alter von 79 Jahren Mosche Smilansky, einer der fuehrenden Schrift steiler des Landes der zu den bekanntesten Persoenlichkeiten der zionistischen Bewegung gehoerte. Smilansky wurde im Jahre 1874 in der Ukraine geboren und gehoerte zu den Schuelern und Mitarbeitern von Achad Haam. Noch in seinen Jugendjahren begab er sich in Begleitung von Tjomkin nach Palaestina und arbeitete als Tageloehner in Rischon Lezion. Schon damals erregten seine „Briefe aus dem Lande” starkes Aufsehen und der Oberrabbiner von Moskau, Jaakov Mase, versicherte, dass aus diesem Juengling einer der grossen Schriftsteller Israels erstehen wuerde. Spaeter setzte Smilansky d. Arbeit als Tageloehner fort, gleichzeitig entwickelte er aber eine immer staerkere kulturelle Aktivitaet, trotzdem eine solche offiziell verboten war. Noch vor dem ersten Weltkrieg uebersiedelte Smilansky nach Rechovot wo er auch seither seinen staendigen Wohnsitz behielt. Mosche Smilansky erwarb sich grosse Verdienste beim Ankauf von Boeden im Negev. Waehrend den letzten Jahren widmete er sich staendig mehr seinen literarischen Arbeiten und zeitweise veroeffentlichte er ausser seinen Bueehem auch Artikel im “Haarez”. Smilansky schrieb insgesamt ueber 25 verschiedene Werke u a. „Rechovot”,"“Erzaehlungen einer Liebe”, „Soehne der Wueste”, „Chedera”, usw. Im Jahre 1949 wurde ihm der Ussischkinpreis fuer Literatur zugesprochen. Die Beerdigung Mosche Smilanskys fand in Rechovot statt, deren Ehrenbuerger er war. Nicht umsonst hatte der Pflanzer Befuerchtungen fuer seinen Arbeiter gehegt. Schimon, der bis dahin keine Lie. be fuer eine Frau empfunden hatte, verliebte sich in das Maedchen vom ersten Augenblick. Es war ein Gefuehl, das sein Herz voel'lig erfuellte. Tagsueber ging er bei seiner Arbeit herum wie ein Mondsuechtiger, nachts fand er keinen Schlaf. Er begann, krank auszusehen. Das Maedchen war sehr, sehr schoen, doch so unschuldig offen wie ihr Name, Tmima, es verhiess, war sie nicht; sie wusste recht gut, dass der “Junge” in sie “bis ueber die Ohren” verliebt war. In ihrer Gesellschaft ist er wie stumm, nur seine Augen erzaehlen mehr als Worte es koennten. Sie muss in ihrem Inneren laecheln, wie seine Hand erzittert, wenn sie ihn zufaellig beruehrt. So empfindet Tmima fuer den unverdorbenen, schuechternen Menschen meist mitleidige Nachsicht, doch spuert sie auch mitunter eine starke Zuneigung fuer ihn. In die Arbeit schien sich Tmima schnell hinein zu finden. Selbst der Pflanzer, welcher die feste Ueberzeugung hatte, dass jue. dische Frauen keine landwirt- Schaft liehen Arbeiterinnen sein koennten, ihr Platz vielmehr “in der Kueche und im Kinderzimmer” sei, musste sich mit der Leistung des Maedchens zufrieden geben. Sein Arbeiter jedoch tut ihm leid; dessen veraendertes Benehmen muss seine Besorgnis erregen. Das Maedchen gefaellt dem Pflanzer als fleissige Arbeiterin, doch nicht als Mensch. Er hat kein Vertrauen zu ihr, sie verheisst kein Glueck. Des Abends war Tmima oft in der kleinen Barrake, in der die Arbeiter ihr Buero und Klub eingerichtet hatten. Schimon aber war dem oeffentlichen Leben der Kolonie fern geblieben, sowohl dem der Plantagenbesitzer und Pflanzer als dem der anderen Arbeiter. Er wusste, dass eine gewisse Spannung zwischen den beiden Lagern herrschte, doch bemuehte er sich wenig, dieser auf den Grund zu gehen. Es war ihm gleichfalls bekannt, dass es Gegensaetze innerhalb der Arbeiterschaft gab, doch auch diese zu verstehen, machte er keinerlei Anstrengungen. Wenn er an einem heissen Tag durch die schattige Zitruspflanzung strich, spuerte er, wie er seine Arbeit liebte. Seinen Arbeitsgeber, hatte er gern, und er wusste, dass auch dieser ihm sehr zugetan war. Wenn er manchmal von anderen Arbeitern bittere Worte und harte Anklagen gegen die Pflanzer hoerte, so konnten sie ihn nicht ueberzeugen, so viel persoenliches Vertrauen er auch zu den Freunden hatte. Jetzt aber begann das Maedchen langsam seinen in. neren Frieden zu erschuettern. Sie “bearbeitete” ihn mit aller Vorsicht, doch mit IteÄÄiüi * 5 .'«l-.'-.vMv.V'i-l-ÄrÄS.VMoi.'WPX« iHsH ¡¿L'&ww-: mm ggggg Das preisgekroente Buch BA’ ARAVA, (In der Wueste) grosser Ausdauer. Anfaenglich stellte sie ihm lediglich einige Fragen ueber die Beziehungen zwischen ihm und dem Arbeitsgeber, dann be. gann sie, das “Idyll” zu verspotten, “Es gibt keinen Platz fuer Idylle in einer Welt der Ausbeutung”, sagte sie ihm, “Wo ist hier die Ausbeutung”, verwunderte sich Schi, mon. “Er erweist dir einen besonderen Gefallen und bezahlt dir fuenf Schillinge taeglich statt der ueblichen drei. Doch verdienen tut er an dir tausende!! Mit Seidenhandschuhen sammelt er deine Schweisstropfen ein!”. Die Gabe, mit Worten streiten zu koennen, hatte Schimon niemals besessen, noch weniger sprachgewandt war er in Gegenwart dieses Maedchens dessen Blicke sein Herz pochen Hessen. Er wollte ihr entgegnen, dass ihre Vorstellungen aus einer fremden Welt genommen waren, aus fernen Laendern, wo die Lebensgewohnheiten sehr verschieden von den ihrigen w!ar; dass keine Analogie zwischen den reichen Staaten und diesem Land bestehe; dass hier Kapital und Arbeit Pionierwerk unter schweren Bedingungen leisten muessten. Doch Schimon fand nicht die passenden Worte, um ihr diese Gedanken zu erlaeutern. Derart fanden Tmimas Worte, trotz seines inneren Widerstandes, langsam Einlass in seine -Ueberlegungen, Beinah ohne es zu bemerken, begann er verschiedene Vorkommnisse mit anderen Augen zu betrachten, auch sein Verhaeltnis zum Arbeitgeber aenderte sich. Schliesslich begleitete er seine Arbeitskollegin zu den abendlichen Versammlungen und hoerte dort die Reden und Vortraege Tmima selbst war eine der Hauptredner und erfreute sich groesster Beliebtheit bei den Hoerern. Von jeder dieser Versammlungen kehrte Schimon erregt oder auch veraergert, immer aber verwirrt zurueck. Der feste Boden unter seinen Fuessen war ihm genommen, einen neuen Standort aber hatte er nicht gewonnen. Seine Gefuehle fuer Tmima waren aeussersten Schwankungen unterworfen. Manchmal erfuellte ihn ein starkes Gluecksgefuehl, als sei ein Stern an seinem Lebenshimmel auf gegangen; andere Male jedoch, gab er sich Rechenschaft darueber, dass es ein Irrlicht sei, und dass die gelegentlichen Freundschaftsbezeugungen des Maed schens nichts anderes seien als ein Spiel mit ihm. Da geschah in einer der groesseren Pflanzungen ein haesslieher Vorfall. Ein Zu- Gammenstoss zwischen dem Aufseher und einem Arbeiter endete in Taetlichkeiten. Der Arbeiter beschuldigte den Aufseher, ihn geschlagen zu haben, dieser jedoch behauptete, dass der Andere als erster die Hand gegen ihn erhoben habe. Die Arbeiter verliessen als Zeichen ihres Protestes die Arbeit mitten am Tag und so verbreitete sich die Nachricht von dem Vorkommnis mit Windeseile in der Kolonie. Am Abend versammelten sich erregt diskutierende Gruppen von Arbeitern in ihrem Haus, auch die Pflanzer beriefen eiligst eine Zusammenkunft. Auf beiden Seiten erhitzten sich die Gemueter: die Arbeiter drohten mit einem Streik, wenn der Aufseher nicht entlassen und der Pflanzer keine angemessene Geldstrafe in einen oeffentlichen Fonds bezahlen wuerde; unter den Pflanzern forderten d i e Draufgaenger, saemtliche Arbeiter auszusperren, falls sie am naechsten Tag nicht puenktlich zur Arbeit erscheinen sollten. Es schien eine Zeitlang als waeren die niedrigsten Triebe in den feindlichen Lagern entfesselt worden; es fanden sich Menschen, die (Schluss auf Seite 7) X» ■*>*. ■:< >*X‘- ■y.vK-;, mm