Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 10 (Octubre, 1953)
- Date
- 1953-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Octubre, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 3 k F . *- Jí Krach im Nachbarhaus Bet’ und arbeit! Bei den Volksabstimmungen in den arabischen Laendern gehoert es zum guten Ton der Herrscher von eigenen Gnaden nicht weniger als 99,6% Ja-Sager hinter sich zu bringen. Man koennte daraufhin etwas uebereilt zur Meinung gelangen, dass bei dem Brauen der Wahl. resultate Rezepte aus russischer oder deutscher Kueche kopiert worden waeren, in denen ja wie noch erinnerlich die serienweise Herstellung der allgemeinen Volkszufriedenheit erfunden wurde. Doch haette man damit die originelle Erfindergabe der Muselmaenner unter. schaetzt. So hat man etwa in Syrien eine neue, ganz eigene Abstimmungsmethode durchgefuehrt, die allen Anspruch darauf erheben darf, in die traenenreiche Geschichte des “freien, allgemeinen und geheimen Wahlrechts” einzugehen. Und zwar errichtete man dort der Einfachheit halber immer gleich zwei Zelte: in dem groesseren, blumengeschmueckten lagen nur die Ja-Zettel aus, waeh. rend in dem zweiten jeder, der sich einen Weg durch die sperrende Soldatenkette und die poebelnden Massen gebahnt hatte, seine Protest. Stimme einwerfen konnte. Und da ihm dabei niemand ueber die Schulter sah, war es also geheim ¡Wie schoen schieden sich nach dieser, der Nachahmung empfohlenen Methode, die Boecke Das hat es zwar unselige lange Jahre durch gemacht, aber dieses Mal braucht man das Verb “waehlen” jedenfalls nicht mehr mit Anfueh. rungsstrichen versehen. Zur groessten Ueberraschung in allen Lagern —den einen freut’s, den andern reut’s— entschied sich in absolut demokratisch durchgefuehr. ten Wahlen eine grosse Majoritaet Westdeutschlands f u e r Bundeskanzler Adenauer, seine Partei, seine Politik. Wir halten das Wahlergebnis nicht fuer unerfreulich; erstens, kann man Konrad Adenauers eindeutiger antihitleristischer Einteilung respektvolle Anerkennung und Sympathie nicht versagen; zweitens aber, wurden die hochgespannten Hoffnungen der Nazis, die unter eigenem Firmenschild auftreten wollt e n, so gruendlich enttaeuscht. Sie blieben nach allem Rummel, den sie um feich zu machen verstehen, ohne einen einzigen Sitz im Bundestag. Nach diesen Vorbemerkungen gelangen wir allerdings zu einigen schwerwiegenden “Abers”. Adenauer selbst ist nicht frei von den Gefahren (sein ueberwaeltigender Sieg hat sie gewiss nicht verkleinert), ein autoritativer Gebieter zu werden. Seine scharfen Ausfaelle gegen Presse und Gewerkschaften, nur weil sie im Wahlkampf gegen ihn waren, sind besorgnisvon den Schafen! Wie erhebend das einmuetige Stroemen der Menge zum Zelt der Zufriedenheit! Doch, Ironie beiseite, alle Hochachtung vor den einigen ¡Hundert, die ein Nein zu sagen wagten! Ihr Schicksal duerfte nicht beneidenswert sein!) Nun, auch damit sind noch nicht alle Fragen geloest: die Massen sind zwar einheitlich zufrieden gestellt, oder —was nach jenen Regierungen aufs gleiche hinauslaueft — zufriedenstellend, vereinheitlicht jedoch beginnt jetzt erst die wilde Jagd der einflussreichen Effendis um Amt und Wuerde —und mehr Einfluss. So konnte es im Libanon geschehen, dass ein Kandidat seinen Gegner im Praesidentschaftspalais, wo sie bei. de zu Gast waren, niederschoss. Die Familie des Ermordeten haelt die Wacht an seinem offenen Sarg und wartet auf die Gelegenheit, die vom Koran gebotene Blutrache verueben zu koennen. Im Iran oder dem Persischen Markt drehte sich das Karussel mit derartigem Ruck, dass der alte Mossadek vom Fuehrerbock ins Ge. faegnis geschleudert wurde. Da sitzt er nun, der eigen. nuetzige Intrigant, der mit jedem seiner demagogischen Mittelchen —toenende Phrasen, Traenen, Ohnmachtsanfaelle— Massen auf die Strassen, in Kampf und Tod treierregend. Wiederum die beinahe 16 Millionen, die ihn waehlten, scheinen ihm gerade mit deswegen ihre Stimme gegeben zu haben. Auf der Suche nach dem Starken Mann fanden die Waehlermassen eben Adenauer ue. berzeugender als die Fuehrerchen der Nazigruppen. Das spricht nicht gegen Adenauer; es zeugt aber auch nicht von einem Umschwung in der Denkungsweise der Deutschen. Noch eine traurig-stimmen. de Betrachtung: Frankreich und Italien konnten bisher zu keiner stabilen Regierung gelangen; zu heftig tobt der aufrichtige Streit der Gesinnungen, vielfach verschaerft durch Wirtschaftliche Schwierigkeiten im Innern diplomatische Zusammenstoesse im Aeussern. Die Amerikaner nun, die bei ihren Partnern keine Gesin. nung aber Ordnung wuenschen, verstehen sich daher am besten mit den Deutschen. Der schon wieder sogar von Adenauer! geaeusserte “Drang nach Osten” beruehrt sie sympatisch und so pumpen sie Gelder in die bluehende deutsche Wirt, schaft. Schliesslich sagen sie ihnen sogar, wie Fuster Dulles in einer in der internationalen Diplomatie unerhoer. ten Art—, fuer wen sie stimmen sollen. Und die Mehrheit des deutschen Volkes, ganz behaglich lebend, fuehlt Dass der Handel die Flagge folgen laesst, gehoert zu den anerkannten Sp*richwoertern der Geschichte. Dass aber auch, die Religion oft als Sprungbrett fuer machtpolitische Meisterspruenge dienen muss, wird aus Pietaet vom offiziellen Geschichtsunterricht gewissenhaft verschwiegen. Auch wir erlauben uns, nur deshalb den zarten Schleier ganz fluechtig zu lueften, da die sowjetischen Spielpartner im diplomatischen Bridge so offen mit Kreuz Trumpf zu spielen begannen. Und zwar handelt es sich um das Doppelkreuz der orthodoxen Kir. che und deren Einfluss im Mittleren Osten, insbesondere in den palaestinensischen Teilen. Im 19. Jahrhundert war Palaestina fuer die Grossmaechte, allen voran Russland, das Sprungbrett zur Vergroesserung ihres Einflusses im Vorderen Orient, Jerusalem war neben Konstan. tinopel eines der wichtigsten Ziele aller imperialistischen ben konnte. Von der Zelle aus versucht er noch einmal sein Glueck: er kuendet sehr zur Beunruhigung der Regierung, die seine Popularitaet noch immer sehr fuerchtet, einen Hungerstreik an. Willensstark, weist er das Fruehstueck ab; auch das Mittagbrot geht in die Kueche zurueck. Doch eine Stunde spaeter ist sein Durchhalte. wille erschoepft: Mossadek winselt um Essen, das mian ihm freudig reicht. Der “Mann” der zum Symbol der arabischen Unnachgiebigkeit wurde, ist sich selbst nicht gerade unerbittlich gegenüber. Er bringt in einem fuer ihn entscheidenden Mo. ment unter Aufbietung aller Willenskraft nicht einmal das zustande, was jeder 13-jaehrige Judenjunge, mindestens leinmal im Jahr und ohne Lorbeeren zu ernten, leisten muss und leistet: Er kann nicht einen Tag fasten. Alles dieses, und aehnliche nicht angefuehrte Beispiele, sollen nicht faelschlich als Maengel im arabischen Volks. Charakter aufgefasst werden Man soll nicht nur des grossen Beitrags der Araber zur allgemeinen Kultur in der Vergangenheit eingedenk ■sein, sondern auch die vollste Ueberzeugung hegen, dass sie einst wieder eine wichtige Rolle spielen werden. Dann näemlich, wenn sie sich wie jedes Volk es muss!) sich ihrer engstirnigen Fana. tiker entledigt haben werden Inzwischen koennen wir nur angesichts dieser Fuehrerelite resigniert den Satz ausrufen. Das sind deine Goet. ter, Arabien! allen Grund dazu, dies denn auch zu tun. Und so waeh. len sie, satt und und zufrieden, rechtskonservativ. Wenn die Zeiten schlechter werden und sie hungrig sein sollten, so werden sie, mit Wo. tans Hilfe, schon wieder zumi — Rechjfesradikalismus zurueckfinden. Tendenzen im Vordern Orient. Wie weit aber auch die Absichten der verschiedenen Grossmaechte einander widersprachen — im Aufbau ihres Propaganda - apparates gingen sie den gleichen Weg. Waren die Konsuln in Jerusalem die offiziellen Vertreter ihrer Staaten nach aussen, so waren die Kirchen die tatsaechlichen, Agenten der Grossmaechte. Immer neue, der schwachen Tuerkei abgeewungene Konzessionen vergroesserten den Besitz der Kirchen und der Kloester, die von ihren Regierungen auch finanziell unterstuetzt wur. den. So wurde die orthodoxe Kirche zu einem der wichtig, sten politischen Faktoren in Palaestina. Nach dem Fall des Zarismus und Verschwinden der Tuerkei aus Palaestina schwand aber auch der Einfluss der Orthodoxen. Die russische Mission schrumpfte zu. sammen, und in den Kirchen versammelten sich nurmehr eine Handvoll verhungerter Nonnen und Moenche. Schliesslich uebernahmen die Englaender das russische Kirchengut als Treuhaender, da die »Frage nicht zu entscheiden war, ob die bolschewistische Regierung der Rechtsnachfolger der russischen Kirche sei. Jetzt aber bereitet sich eine Aenderung vor. Israel, der souveraene Nachfolger Palaestinas, beherbergt ei. nen russischen Gesandten, Der grosse Schade, der uns von dem geheimnisvollen Kluengel der “untergruendigen” Superpatrioten seit vielen Jahren zugefuegt wird, Kam diesmal wieder im aussenpoltischen Feld ans Licht. Nicht nur, dass der wirtschaftspolitische Hauptberater im nordamerikanischen Aussenministerium, Gardiner, in seiner heftigen Kritik am Staate Israel auf unsere Terroristen mit und ohne Kaeppchen zurueckkahm; sondern auch ein anderer, alter Widersacher hat sich ihrer als Argument bedient: John Glubb Pascha, Kommandant der (Jordanischen Legion, zum Islam uebergetretener Ex Gentleman, legte in einem Presse-Interview mit der Londoner Times, den juedischen Terroristen alle Grenzzwischenfaelle zur Last. Ob Glubb Pascha den unversoehnlichen Anti . Zionisten mimt, um den arabischen Ar. beitsgebern sein Renegatentum in Vergessenheit zu bringen, oder ob er auf englische Anweisung, handelt, gerade um die Friedensfuehler die in hoechster Spheare ausgestreckt werden, mit einer Rauchwolke hasserfuellter Worte zu tarnen —fst Sache der Spekulation. Jedenfalls unsere altbekannten Aussen- Beiter, mit ihren Umsturz, plaenen und Attentatsprojekten leisteten unseren Feinden und dieser Diplomat beginnt nun ein immer groesseres Interesse an der vom Moskauer Patriarchen abhaengigen orthodoxen Kirche und ihren Institutionen in Israel zu zeigen. Darueber hinaus ist in den letzten Monaten eine auffallende Ve.rstaerkung des Personals der russischen Ecclesiastischen Mission durch junge Maenner, die aus Russland kommen, zu konstatieren. Nach deren Erfolg zu urteilen vergessen sie ueber dem rechtglaeubigen Beten keineswegs die politische Arbeit. Uebrigens beleuchtete das schwankende Licht des Halbmondes eine aehnlich idyllische Verkuppelung von Froemmigkeit und politischer Berechnung. General Naguib begab sich in den vergangenen Wochen zum zweiten Mal in seinem Leben, zum ersten Mal aber als Staatsoberhaupt, auf die Pilgerfahrt nach Mekka. Dort betete er, kuesste den heiligen Kaaba-Fels (jetzt mit Neon-Licht beleuchtet! und opferte zwei Hammel. Doch auf der Rueckreise machte er einen Abstecher nach Taif, wo er den greisen Koenig Ibn Saud traf und sich ohne Zeugen mit ihm unterhielt. Eine offizielle Staatsvisite seitens des aegyptischen Koenigstuerzers b e i dem Maechtigsten Monarchen Arabiens hatte sich schwer einfaedeln lassen. So jedoch kam das Zusammentreffen ganz ungezwungen, spontan auf religioesem Hintergrund. Naguib betete dann: “Allá! Gib uns den Sieg im Vertreiben der Englaender aus Aegypten, und befreie Marroko von den Franzosen...” Wir lassen den Schleier fallen... beste Zutraegerdienste. Dass aber die Fuehrer und Anstifter unserer “Patrioten” auch selbst politisches —und anderes— Kapital zu schlagen verstehen, geht aus folgendem hervnr: wie erinnerlich sollte sich das juedische Volk, nach Ansicht dieser Herren, vom deutschen Volk auch nicht einen Bruchteil dessen wiederersetzen lassen, was ihm geraubt worden war. Ein vielleicht vertretbarer Standpunkt. Da ihn aber die Mehrheit nicht teilte, und die Extremisten sich das IRecht nehmen zu koennen glauben, den Staat nicht auch als ihren Staat anzuerkennen und infolgedessen das Recht, aus diesem Staat gewissermassen nach Belieben auszutreten, griffen sie die Knesset, in der der ihnen nicht genehme Beschluss gefasst werden sollte, mit Steinen und Stoecken an. Einer der Cherut-Partei, Ex Sternist N. Yellin faehrt nun aber selber nach Deutschland, aus rein kommerziellen Gruenden, wie die Zeitung “Cheruth” versichert. (Wir sind beruhigt! Wir dachten, er wolle auch den Goethe- Preis annehmen!) Es laesst sich nicht leugnen, dass, wo es sich um Geschaefte handelt, die Fuehrer des juedischen Fa- IschijSmUte (viel zu vergessen bereit sind. BEN Deutschland waehlt Ja Politische Geschaefte und Geschaeftspolitik