Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 10 (Octubre, 1953)
- Date
- 1953-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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UïâSii REDACCION» S.C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 C.ASILLA 2487. SANTIAGO * CHILE BOLETIN INFORMATIVO ***** MITTEILUNGSBLATT I s o C 1 E D A D CULTURAL ISRAELITA " B ‘ N E J 1 S R O E L " 1 **. Año XIV — N.o 10 SANTIAGO DE CHILE Octubre, 1953 12 de Octubre: Dia de la Tor der Zukunft Der Empfang Aussenminister Scharetts bei S. E., ei Presidente don Carlos Ibänez bestaetigte die Freundschaft Chile -Israel. f|i$i iiüli Üiiüi mm Der Verfasser, der bekannte in Oslo wohnhaf. te Literaturhistoriker Max Tau, weilte vor einigen Wochen in Jisrael und gibt hier einige seiner Impressionen wieder. (Red). Ich kam mit Schauer, aber ich reiste erfuellt von Freude zurueck. Alle meine Gedanken wanderten zu dem Maitag zurueck, wo die Sonne ueber das suedliche Norwegen ihre ganze Pracht zu entfalten versuchte, wo die Rosen am Hause zu bluehen begannen und wo die Nachricht durch das Radio zu uns drang: In Palaestina haben die Juden ihre Unabhaengigkeit erklaert. Jisrael ist ein Staat geworden. —Meine Gedanken gingen zurueck zu dem grossen Tag in der norwegischen Geschichte, wo sich auch in Eidsvold ein paar Maen. ner erhoben, ihre Unabhaengigkeit erklaerten und bereit waren, fuer ihre Freiheit zu kaempfen. Jisrael wurde ueberfallen. Jisrael wurde gerettet. Meine Gedanken wanderten zu einem anderen Tage zurueck, wo ich ohne die Zeitungen gelesen zu haben, an einem grauen Morgen durch die Osloer Strassen wariderte, Erschreckt sah ich in nur ernste und traurige Gesichter. Was war geschehen? Ich wagte es kaum zu fragen. Ploetzlich lief eine Verkaeuferin aus ihrem Geschaeft zu mir und sagte, und es war schwer fuer sie die Worte hervorzubringen —sie unterdrueckte sie gleichsam unter Traenen: “Wissen Sie denn nicht, was geschehen ist? Denken sie nur— die juedischen Kinder —eine Flugzzeugkatasthophe— aber einer ist gerettet, ja, einer. Und Sie wissen doch, wie wir Jisrael lieben! Dieser Augenblick war die Stunde der Verbruederung des ganzen norwegischen Volkes mit dem neuen Staat Jisrael. Es gab kein Heim, wo man nicht das Unglueck der Kinder wie ein Unglueck, das in der eigenen Familie geschehen war, erlebte. Ein ganzes Volk bezeugte vor der Welt die Liebe zum Staate Jisrael. Die Diskussion ueber die Abstammung des Columbus zieht sich schon sehr lange hin. Schon in der Schule konnten alle, die etwas Naeheres ueber Columbus erfahren wollten, eine Luecke in den Ueber lief erungen feststellen, die kein Lehrer und Historiker erklaeren konnte. Obwohl aus viel frueheren Zeiten es genauere Dokumente gibt, schien im Falle Columbus jemand das Interesse gehabt zu haben, vieles zu verschleiern. Nun die Gelehrten trugen Blatt fuer Blatt zusammen, und es entwickel-’ te sich ein Streit, denn sie scheinen beweisen zü koennen, dass Columbus juedischer Abstammung war. Sie behaupten, dass er ein Maranne gewesen sei. 1492! Die Geschichte erinnert an die Ereignisse der Niazizeit. Die Situation war aehnlich, denn die Juden suchten ein Land, wo sie Unterkommen konnten. Die spanischen Juden erhielten eine Frist, am 2. August 1492 das ¡Land zu verlassen; Am 3. August 1492 frueh segelte Columbus ab. Dass gerade diese Daten im Zusammenhang stehen, wird von den Gelehrten als Hypothese angenommen, aber wenn die Hypothesen und Tatsachen sich anhaeufen, glauben sie etwas Konkretes daraus folgern zu koennen. Was den Namen von Columbus betrifft, ist er nicht der richtige, den dieser bei seiner Geburt hatte, denn er wurde latinisiert, in Spanien hiess er Colón. Colons gab es unter-den Juden in Venedig, Genua und Suedfrankreich sehr viele. Die Juden hatten zu dieser Zeit haeufig Namen nach den Staedten. Die juedischen Colons stammten aus Koeln und waren eine Gelehr. tenfamilie, in der es viele, Astronomen und Geographen gab. War doch das ganze Unternehmen Columbus ein geopraphisch - astronomisches ... Auch in Spanien gab es unter den Juden im 13., 14., und 15. Jahrhundert Colons. Dies veranlasste die Gelehrten zu der Annahme, dass Columbus Maranne war. Die Gegner dieser These aber be„ haupten, dass Torquemada viel zu wachsam gewesen waere, um sich einen solchen Streich spielen zu lassen. Ausserdem sei ihrer Meinung nach der Vorname Christo. phoros doch als Beweis seines Christentums anzunehmen. Die Gelehrten, köennen aber anfuehren, dass gerade unter den Marannen der Na. me Christophor oder Chrisrobal sehr haeufig war. Was aber die anderen Umstaende der Reise des Columbus anbetrifft, gibt es keine Meinungsverschiedenhe i t e n unter den spanischen Gelehr. ten, denn hierbei handelt es sich um Tatsachen, die niemand anzweifeln kann. Man ist sich einig, dass an den Vorbereitungen z u dieser Weltreise Juden und Marannen einen massgeblichen Anteil hatten. Die Finanzierung lag in den Haenden der Marannen: Luis de Santangel, Alfonso Caballerio, Juan Ca. brero und Gabriel Sanchez. Sowohl die Juden wie auch die Marannen waren daran interessiert ein Land zu finden, wo sie sich niederlassen konnten. Die Juden, weil ihnen ein Termin zum Verlassen des Landes gesetzt war und die Marannen, da sie zu jeder Zeit durch die Lock. spitzel Torquemadas aufgestoebert werden konnten. Die Juden ausserhalb Spaniens, vor allem in Portugal, unterstuetzten das grosse Un. ternehmen des Columbus, Diego de Deza und der juedische Minister des portugiesischen Koenigs Alfonso V., Don Isaak ben Jehuda Abarbanel gaben Colón betraechtliche Geldsummen fuer seine Expedition. Auch die nautische, astronomische und geo. graphische Vorbereitung lag zum groessten Teil in juedischeh Haenden. Die Instrumente wurden von Jehuda Cresques” dem juedischen Leiter der nautischen Akademie von Palma hergestellt. Der juedische Astronom Abraham Zakuto der Univer. sitaet in Salamanca arbeitete die astronomischen Karten fuer Colón aus. Eine Reihe juedischer Mathematiker, Geographen und Mediziner arbeiteten mit. Auch unter der Besatzung befanden sich viele Juden, darunter zwei juedische Aerzte Marco und Bemal. Der erste Mann, den Columbus ans Land schickte, war der Jude Luis de Torres. Es ist selbstverstaendlich dass dies alles, was hier aufgezaehlt wurde, kein luekkenloser Beweis fuer die juedische Abstammung von Columbus ist. Es ist noch viel zu vieles vor der Oeffentlichkeit verborgen und so bleibt weiter umstritten, ob Columbus Spanier, Italiener, Jude oder Maranne war. Nur juedische Gelehrte haben bisher wie ueberhaupt Juden als solche, an dieser Auseinandersetzung ueber die Abstammung eines grossen Mannes nur in geringem Masse teilgenommen. (Dr. S. Simoni) Ich kam mit Schauer. Ein jeder der im Flugzeug v. Amsterdam nach Lydda sass, er. litt noch einmal das Unglueck der letzten Jahre. Sie kamen aus der ganzen Welt —aus Sued. und Nordamerika, aus Canada, aus Frankreich und aus Skandinavien. Alle wollten noch einmal einen ihrer ueberlebenden Verwand, ten umarmen, alle wollten Pessach in Jisrael feiern. Durch alle fremden Sprachmelodien konnte man ein wenig zaudernd die Angst der Erwartung vernehmen. Ueber dem Mittelmeer brannte die Sonne. Die meisten versuchten sich vor der Staerke des Lichtes zu schuetzen. Dann fiel die Dunkelheit ganz Juedisches Handelsschiff aus dem Mittelalter unerwartet ein. Die Menschen wurden ehrfuerchtig, man fuehlte'ihre Demut. Ein Gewitter begann, der Regen prasselte hernieder. Dann sank das Flugzeug, sicher und ruhig. Die Tuer wurde geoeffnet, und ein junges schoenes Maedchen in blauer Uniform kam hinein, stellte sich in der Mitte vor dem Ausgang auf und sagte auf Hebraeisch: “Willkommen in Jisrael!” — Die Menschen standen, und sie brauchten Zeit, um mit ihrer Bewegung fertig zu werden. Was viele kaum zu traeumen wagten, sie erlebten es in diesem Augenblick. Fuer viele war es das letzte* Mal, dass die Traenen der Trauer kamen, denn in dem Augenblick, wo sie ihren Verwandten— ihren Bruder, ihre Schwester oder sogar ihre Mutter— wiedersahen, ver. mochten sie nur noch zu jubeln. Es kann doch nicht sein! Aber es war doch wirklich. Das Leben ist immer rei. eher als alle unsere Vorstellungen, die Wirklichkeit man. 4 nigfaltiger als unsere Gedanken. Welcher Dichter wuerde es wagen, zu gestalten, und wer haette geglaubt, dass es moeglich war? Immer wieder kommen diese Gedanken, wenn man Beth Jitzchak erlebt. Die deutschen Siedler, vertrieben aus ihren Berufen, haben sich dort zu einer Gemeinschaft zusam. mengefunden, die ein Vorbild fuer die Voelker sein kann. Sie alle haben einmal den Untergang erlebt, sie haben gesehen, wie schnell eine Welt der Sicherheit zerbrechen kann. Diese gemeinsame Ver. gangenheit, dieses gemeinsa- (Fortsetzung auf Seite 5)