Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1953)
- Date
- 1953-09-01
- Page
- Seite 17 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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B o l E!• in informa TiVo” Unser Jahr 5713 Der “Observador” hat im Jahre 5713 geschwiegen. Nicht etwa deshalb, weil er den Lesern des “Boletín informativo” nichts zu berichten hatte. Es gibt immer interessante Neuigkeiten sowohl negative wie G. s. D. auch positive. Und nun geht das Jahr 5713 seinem Ende zu. Es freut mich, feststellen zu duerfen, dass unser Redakteur auch ohne den “Observador” in der Lage war, unser “Boletín Informativo” interessant und aktuell zu gestalten. Aber ich habe so manches auf dem Herzen und darum wollen wir, noch schnell bevor das Jahr endgueltig zu Ende geht, den “Observador” sprechen lassen. Am Ende eines Jahres wird abgerechnet — man macht Balance. Zumindest ist es im kaufmaennischen Leben so ueblich. Warum sollen wir uns nicht auch ueber das im vergangenen Jahre Erreichte und auch nicht Erreichte Re. chenschaft ablegen? Wenn wir wie der Lehrer seinen Schuelern Noten geben wollten, wuerden wir sagen, es verdient die Note 5 (regulär— wie es in den hiesigen Schulen heisst). Wir konnten in Ruhe und ohne Aufregungen an unserer Gemeinde weiterbauen Man kann sagen, dass der einzige Missklang jener “Engel” war, der dauernd in die Posaune blasen muss, weil er sich anders nicht wichtig machen kann. In unserer kulturellen Arbeit konnten wir Erfolge verzeichnen, aber leider auch Misserfolge — nicht weil die Veranstaltungen nicht gut vorbereitet waren, sondern weil Bequemlichkeit und Mangel an Interesse uns manchmal auf leere Stuhlreihen blicken lassen. Einmal im Monat veranstalten wir fuer unsere Jugend im Anschluss an den Gottesdienst Onege Schabbat, (die keinen Anspruch darauf erheben, gesellschaftliche Ereignisse zu sein), und an denen leider immer nur ein kleiner Teil unserer Schueler teil, nimmt. Unseren Eltern fehlt die Iniciative, ihre Kinder auch ausserhalb des regelmaessigen Programmes der Religionsschule in die Synagoge zu bringen. Dagegen hat die Magbit 5713 dank der hingebungsvollen Arbeit einiger Weniger (sehr weniger) mit einem vollen Erfolg abgeschlossen Dieses Lob gilt allerdings nicht fuer jene Unentwegten, die sich immer noch 'der Magbit entziehen moechten oder sich nur sehr unzulaenglich an ihr beteiligen Sehr schwer —immer schwerer — wird uns die Durchführung unserer Sonntagssammlung fuer die Judennot in der Welt. Unsere Jugend, die bisher diese Sonn, tagssamlung durchgefuehrt hat, scheint zu einem sehr grossen Teil von einer Judennot in der Welt nichts mehr zu wissen. Einige Wenige— es sind meist immer dieselben, begreifen die Verpflichtung, die ihnen ihre Sorgenfreiheit auferlegt und verstehen, dass sie mithelfen müessen, unr anderen ihre Sorgen zu erleichtern. Und leider un. terstuetzen viele Eltern ihre Kinder in ihrer Bequemlichkeit-und helfen ihnen, Ausreden zu finden, um sich diesem edlen Werk unserer Gemeinde zu entziehen. Dies sind die hauptsächlichsten “schwarzen Punkte”, die wir fuer das Jahr 5713 zu verzeichnen haben. Wir koennten noch andere aufzaehlen. Aber wir wollen unser Debet nicht ueberlaste». Diesem Debet steht ein sehr wesentliches “Habet” gegen, ueber. Nach einer schweren Krise, die wir in unserer Jugendarbeit beobachten mussten, beginnen sich unsere Jungen und Maedel auch ausserhalb der chaluzischen Bewegungen wieder zu reorganisieren. Dank dem Heim, das sich der “Deguel Israel” in der Vicuña Mackenna eingerichtet hat, besitzen wir jetzt ein Jugendheim, in dem unsere Jugend sich ihren Wuenschen entsprechend zusammenfinden kann. Wir hoffen sehr, dass das Janr 5714 unsere Jugend in voller Aktivitaet finden und dass sie fuer sich selbst und fuer unser Volk arbeiten wird. Als einen vollen Erfolg duerfen wir auch die Tatsache verbu. chen, dass sowohl das Comité Representativo wie die Federación Sionista beginnen, sich fuer das Problem der Jugendlichen, die nicht organisiert sind zu interessieren. In diesem Zusammenhang ist auch das Comité Representativo zu dem Erfolg zu beglueckwuenschen, den sein ausserordentlicher Kongress gehabt, hat, auf dem die Loesung dem der gesamten Kollektivitaet gemeinsamen Probleme ange. bahnt worden ist Abschliessend duerfen wir feststellen, das Jahr 5713 trotz aller unausbleiblichen Schwierigkeiten ein Jahr der Weiterentwicklung und des Fortschritts war. Und weil wir schon unsere Feder wieder aufgenommen haben, wollen wir auf einen anderen Punkt aufmerksam machen So manche unserer Gemeindemitglieder haben das Glueck gehabt, ihre Ansprueche, die sie an den deut. sehen Staat gestellt haben, in klingender Muenze ausgezahlt zu sehen. Wir freuen uns mit ihnen ueber diesen Erfolg. Unsere Freude waere aber um vieles groesser, wenn Sie uns an diesem Ergebnis ihrer berechtigten Bemuehungen teilhaben lassen wuerden. Immer war es in unserer Vergangen, heit ueblich, dass wir an finanziellen Erfolgen auch die juedischen Gemeinden und ihre Wohlfahrtsfonds teilneh. men Hessen. Ja, man empfand es sogar als Verpflichtung, “Maasser” — einen Zehnten— zu geben. Erst in dem man auch an andere denkt, empfindet man jene innere Genugtuung, die die Folge einer jeden guten Tat ist. Wir richten also an jene Gemeindemitglieder, denen es endlich gelungen ist, ihre berechtigten Ansprüeche durch, zusetzen, den Aufruf, auch diese -innere Genugtuung zu suchen und an die Gemeinde und ihre Fonds zu denken. Wann waere der Zeitpunkt geeigneter als jetzt zu den bevorstehenden Jamin Noralm. (SCHLUSS VON “ERBE...”) Schriftsteller zu. Die groessten Kuenstler inspirierten sich von neuem an dem Licht, das von Hellas ausstrahlte, und an den unsterb. liehen Dokumenten aus der Jugendzeit des Menschengeschlechts. Auch entdeckte man wieder die Schoenheit der hebr. Literatur. Man wendet sich von neuem und entusiastisch den Wissenschaften zu, die getraenkt sind von dem Geist des Sinai und der Erde Israels. Das Hebraeisch wird zu einer viel studierten und gelesenen Sprache. Der Weise und Polyglott von Rotterdam, Erasmus, gab das Beispiel und zahlreiche Schueler und bedeutende Nacheiferer folgten ihm. Pico de la Mirandola stellte die erste Bibliothek hebr. Schriften zusammen und es gelang ihm sogar, sich in die aeusserst schwierige Lektuere der Kabbala, der Doktrin der jued. Mystik, zu vertiefen. Es gab sogar gebildete Frauen, haupt saechlich Toechter vornehmer Familien, die sich durch ihre Kenntnisse der Sprache Moses’ auszeichneten, unter denen sich die Koenigin Christina von Schweden, auf diesem Spezialgebiet, besonde. ren Ruf und Anerkennung erwarb. Der bedeutendste der Hebraisten der Renaissance und der Epoche der Aufklaerung war, ohne Zweifel, Reuchlin, der, verdienterweise, “der Va. ter der nicht-juedischen Hebraisten” genannt wurde. Reuchlin spielte in der Verbreitung und Auslegung der hebr. Literatur eine ganz aus. sergewoehnliche Rolle. Ausser der Abfassung einer wissenschaftlichen Grammatik des Hebraeischen und einer Reihe anderer grundlegender Werke, wurde er verschiedene Male hinzugezogen, um den Talmud gegen Unterstellungen und Anschuldigungen zu verteidigen, die aus Ignoranz gegen ihn erhoben worden waren. Mutig verliess er die Stille der Welt der Buecher, und stellte sich als Verfechter der Literatur und Kultur, die er, wie keiner, beherrschte. Wir muessen hervorheben, dass Reuchlin, in dieser seiner Campagne um die Wahrheit und Gerechtigkeit in der Verteidigung des Talmud, einige der grossen Paepste als Vorlaeufer hatte. Der Einfluss dieser hebrai. stischen Renaissance hatte aber einen historischen Widerhall auch noch in einer anderen Richtung. Luther betonte mit immer groesserem Nachdruck die Idee der Rueckkehr zu den Heiligen Schriften als Basis der Religiositaet. Luthers Bibelueber Setzung diente dem Zweck, ihre Kenntnis direkt dem Voile zugaenglich zu machen, in Erinnern wir uns der Worte unserer Schrift in der es heisst: Erscheine nicht leer vor dem Ewigen. Ein Jeder nach dem, was er zu geben vermag, nach dem Segen des Ewigen, Deines Gottes, den er Dir gegeben. Diesen Segen wuenschen wir fuer das Jahr 5714 allen unseren Freunden, den Mitgliedern unserer Gemeinde und des ganzen juedischen Jischuws in Chile. Vor allem moege in ihm unsere Medinat Israel und mit ihr das ge. samte juedische Volk inmitten einer friedlichen Welt in Ruhe an einer segensreichen Zukunft arbeiten koennen. OBSERVADOR allen seinen Schichten und Kulturstufen. Der hervorragende Platz, den die Bibel im evangel. Kult einnehmen konnte, hatte zur Folge eine intensivere Beschaeftigung der protestantischen Theologen mit der Sprache und Literatur der Israeliten. Ihre Beitraege zu den hebr. Wissenschaften nahmen Umfang und Bedeutung an. Wir behandeln hier das Studium der hebr. Original- Texte, moechten uns aber nicht voellig enthalten, wenigstens zu erwaehnen, welch ungeheuren Einfluss die hebr. Literatur, insbesondere natürlich die Bibel, immer ausuebte auf die sensibleren Geister und Seelen, auf Dichter und Komponisten, Maler und Bildhauer. Wir brauchen wohl nicht viele Namen erwaehnen: der “Moses” von Michel Angelo; das Oratorium “Messias” von Haendel; das “Verlorene Paradies” von John Milton; die beruehmte Dichtung von Camaes “Psalm 137” sind einige von den zahllosen Werken der Erbauung in Marmor und Melodie, in Vers und Rythmus der ewigen Wellen der Schoenheit und Wahrheit, die von den Heiligen Schriften ausstrahlen. Die Auswirkung des hebr. Geistes, so bemerkenswert bei den ersten Kolonisatoren der Neuen Welt, des amerikanischen Kontinents, muss noch einem spezialisierten Studium Vorbehalten bleiben. Wir haben dabei nicht nur im Sinn die hebr. Namen der Maenner und Frauen, die so charakteristisch sind bei den Puritanern, wie, im allgemeinen, bei den noerdl. Voelkern, sondern auch gewisse Versuche der Kolonisation und Or. ganisation des sozialen Lebens, sichtlich orientiert nach biblischen Vorbildern. Der “Pilgrim Code” der Kolonie von Plymouth und der “Body of Liberties” von Massachusets gruenden sich, anerkann. termassen, auf den hebr. Schriften. Nach einem be. ruehmten Ausspruch von Lecky “diente der hebr. Moertel als Fundament fuer die Basis der Republik”. Sie diente als Grundlage fuer viele Ideale und viele soziale und politische Errungenschaften, die die Neue Welt charakterisieren und klassifisziert werden koennen als einige der troest. liebsten Aspekte der neuen Zeiten. Es gibt keine glaenzendere und sympathischere Figur, mit der wir diesen Rueekblick schliessen koennten, als die des beruehmten Hebraisten auf dem Thron Brasiliens, Dom Pedro bestand, darauf waehrend er sich in des Gaerten des Palastes erging, ein Buch kennen zu lernen, das aus myste. rioesen Zeichen bestand. Mit einer einzig dastehenden Hingabe gelang es ihm zu erlernen, diese Hysterien zu entziffern und sich die hebr. Sprache so anzueignen, dass er es soweit brachte, die schoensten Uebersetzungen der schwierigen Poesie des franzoesisch-juedischen Kul. tus zu verfertigen. Aus seiner Feder existiert eine huebsche Version des Liedes vom “Laemmchen”, des “Chad Gadja”, mit dem die haeusliche Feier der ersten beiden Naechte des Osterfestes, der Feier der Befreiung und der Freiheit, schliesst. In dem Herzen des Monarchen hallten stark wieder die Traeu. me und idealistischen Visionen des israelit. Volkes. Was suchten schliesslich alle diese Hebraisten, vom 17 aeltesten Pelyglotten bis zum Kaiser, vom Theologen des Altertums bis zum Gesetzgeber der modernen Gesellschaft, in den hebraeischen Wissenschaften? Die Geschichtsschreiber fanden in ihnen wertvolle Auskunnft ueber die Ereignis, se im Nahen Osten waehrend eines Zeitraums von fast zwei Jahrtausenden. Die Philologen zogen aus diesen Studien reichhaltigstes Material fuer ihre Forschungen auf dem Gebiet der vergleichenden Sprach-und Zivilisations.Wis. senschaften. Die Kenner literarischer Schoenheiten hiel. ten in den Heiligen Schriften eine einzigartig anziehende und vielseitige Ernte. Es war aber noch etwas mehr, was nicht nur die Gelehrten und Literaten, sondern auch die Laien aller Kulturen und Nationen zum Stu. dium der hebr. Wissenschaften veranlasste. Etwas anderes noch erweckte ihre Aufmerksamkeit und hielt sie staendig.im Bann. In der Welt der hebr. Literatur fanden sie das, was die Menschheit an elementarstem und wesentlichstem besitzt in ihrer mora. lischen, geistigen und kulturellen Struktur. Das, was zum Vermaechtnis der ganzen zivUisierten Menschheit wurde, sprach zu ihnen aus den Seiten mit den schon so alten, aber unvergaenglichen Zeichen. Es eroeffneten sich ihnen die ewigen Wahrheiten, an die, so oft, die Menschheit sich anklammerte und an denen sie sich orientierte. Es sind Wahrheiten, die es dem Menschen gestatten, inmitten der Mengen und Sensationen eine Ordnung und einen Plan wahrzunehmen, sodass sichauf diese Weise, in jeder individuellen Mentalitaet die urspruengUche Schoepfung wiederholt, die aus dem Chaos den festen Boden unter den Fuessen schuf, und den Horizont, zu dem wir unsere Augen und unseren Geist erheben koennen. Die der hebr. Wissenschaften Beflissenen fanden in ihnen Anordnungen und Massnahmen, die dazu bestimmt waren, dem Zusammenleben der Menschen einen, seiner wahren Natur wuerdigen Charakter zu geben der sie ueber die Sphaere der reinen Instinkte hinaushebt. Es sind Anordnungen, deren Bedeutung ewig und universell ist, denn in ihnen kommt zum Ausdruck und zur schoepferischen Festlegung unser aller Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Ordnung und Bruederlichkeit. Und auf allen Seiten dieser schon sehr vergilbten Buecher erchienen dem aufmerksamen Leser jene Traeume, die die Menschheit schon seit einigen zweitausend Jahren begleiteten, und die auch heute noch in allen Farben des Regenbogens schillern zwischen dem Abgrund der taeglichen Erfahrungen und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Diese Traeume bildeten die Grundlage des IdeaHsmusbedroht von einem die Pioniere, die Maertyrer aufrecht erhielt. Nie zuvor sah sich dieser Idealismus bedroht von einem solch kalten und zynischen Materialismus. Nie zuvor hatte es die Menschheit so bitter noetig, an diese Wahrheiten, diese Anordnungen und Traeume erinnert zu werden.