Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1953)
- Date
- 1953-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre, 1983 “BOLETIN INFORMATIVO” DAS ERBE UNSERER HEBRAEISCHEN BESTANDTEIL DES HUMANISUS (Aus einer Vorlesung gehalten von Rabbiner, Prof. Dr. H. Lemle. Philosophische Fakultaet der Universitaet Rio de Janeiro) Meine Herren, indem wir an dieser Universitaet die hebräischen Studien beginnen, fuehlen wir uns als Erben und Fortsetzer einer langen und leuchtenden Tradition. Hiermit beziehen wir uns nicht nur auf die Tatsache, dass sich die Universitaet Brasiliens damit einreiht in die Kette fast aller grossen hoeheren Bil. dungs-Institute der ganzen Welt, die Lehrstuehle und Kurse fuer hebraeische Kultur unterhalten. Wir muessen sogar hervorheben, das der Lehrstuhl der hebr. Wissenschaften eine der aeltesten Komponenten der Hochschul-Organismus ist und dass Karl der Grosse der erste Propagandist der Wichtigkeit dieser Studien in groesserem Massstab war. Schon im XI. & XII. Jahrhundert finden wir solche Katheder an den Universitaeten von Louvain und Paris. Viel frueher aber, begannen die Intelektuellen aller Nationen und Kulturen sich schon fuer die Literatur der Hebraeer zu interessieren. Die Tatsache besteht, dass schon seit Abschluss der Zusammenstellung der Bibel, sie anfaenglich Gegenstand der Wissbegierde, und spaeter des Interesses und der Bewunderung wurde fuer Alle, ohne Ruecksicht auf Herkunft oder Nationalitaet. Ihr Inhalt ist, von Natur und aus Bestimmung, zu gewaltig, um sich in irgendwelche Grenzen oder Beschraenkungenn einfuegen zu lassen. Wir wissen, dass die erste Kultur, mit der das Hebraeische Beruehrungspunkte und Verbindungsglieder hatte, die hellenistische war, zu einer Zeit, in der diese die ganze zivilisierte Welt beherrschte, insbesondere die beiden grossen Zentren Aegypten und Syrien, Grenzlaender von Palaestina. Die Fruechte dieser ersten kulturellen Symbiose wurden Gemeingut der westlichen Welt, u. A. einige philosophische Werke, wie, z. B., diejenigen des Philo von Alexandrien und die aelteste der Bibel-uebersetzungen, die Septuaginta. Es ist interessant, die Rueckwirkung dieser ersten Harmonisierung der Kulturen auf die Juden selbst festzustellen, ein Prozess, der in der Folge so charakteristisch fuer das Schicksal der Israeliten wurde. Im Talmud, in den nach-biblisichen Compendien, die diese Phase getreu wiedergeben, findet man eine fesselnde Wiedergabe dieser Uebersetzung, von 70 Rabbinern ausgefuehrt, die speziell zu diesem Zweck nach Alexandrien berufen worden waren, Die Arbeit der Uebersetzer ist mit solchen, an Wunder grenzendem Eifer durchgefuehrt, dass es keinem Zweifel unterliegen kann, dass Gott selbst ihrem Unternehmen beistand und es segnete. Nach einem gewissen Zoegern bei Beginn der Annaeherung der beiden Kulturen, verstanden die Iisraeliten ihre Bedeutung zu begreifen und ihren Wert zu schaetzen. Als Beweis hierfuer dienen die Aussprueche der Rabbinen, naemlich: dass die Engel zwei Sprachen verstehen, das Hebraeische und das Griechische, oder der andere: dass der beruehmte Segensspruch Noahs an seine Soehne Jafet und Sem. die Vorlaeufer und Personifizierung von Hellas und Israel, so zu verstehen sei, als eine Voraussage und Begruessung des kulturellen Austausch.? zwischen diesen beiden Voelkern. Nach diesem Zusammentreffen mit den Vertretern der hellenistischen Welt, war die hebraeische Kultur dazu bestimmt, Beziehungen zu allen Zivilisationen der Welt anzuknuepfen. Horaz und Ta. citus bezeugen, dass auch die Roemer, wenn auch wahrscheinlich nur rudimentaere Kenntnisse der hebr. Literatur sich aneigneten. Wenn also schon in der vorchristlichen Aera die den Israeliten benachbarten Voelker ein lebhaftes Interesse fuer ihre Kultur zeigten, war, mit dem Beginn des Christentums und spaeter, mit der Anerkennung der hebr. Bibel als basisches Dokument der Religion, auch des Islam, der Weg frei, dass dieses einzigartige hebr. Buch das meist gele» sene, Interpretierte und studierte Werk wurde. Die Bibel wurde in mehr als achthundert Sprachen und Dialekte uebersetzt. Christen und Mohammedaner stellten die Erlernung der hebr. Sprache und der Heiligen Schriften, speziell die letztere, ln den Mittelpunkt Ihrer Erziehung. Die hauptsaechlichsten Begriffe und bedeutendsten Persoenllchkelten der hebr. Kultur trugen in hervorragendem Masse dazu bei, die jugendlichen Mentalitaeten und Seelen zu formen. Moses und David. Job und Jesaia, Han na und Ruth wurden die Freunde der Kindheit, ebenso wie die Psalmen und die Sprueche der Propheten und Weisen eine unerschoepfliche Quelle des Trostes und der Eingabe fuer die Einfachen und die Grossen, fuer Denker und Poeten bildeten. In diesem kurzen Resum6 koennen w i r nur einige hauptsaechliche Phasen in der Entwicklung der hebraistischen Studien anfuehren. Unter den Kirchenvaetern der patristischen Epoche zeichneten sich einige durch ihre Kenntnisse dieser Sprache aus, wie Justinus Martir, Clemens von Alexandrien, Origenes, Eusebuis und Ambrosius. Alle diese ueberragte jedoch Hieronimus, der beruehmte Autor der lateinischen Bibelübersetzung der Vulgata, dessen Lehrer der bekannte tal. mudische Meister Bar Chanina war. Diese ersten Hebraisten waren so beeindruckt von der Aehnlichkeit der Ideen der Hebraeer mit denen der griechischen Philosophen, dass sie wiederholt erklaerten, Solon und Platon seien die Schueler von Moses und den Propheten. Dieser Schluss begegnet sich mit einem verspaeteten Echo Nietzsche’s, welcher sagte: “Sokrates und Platon, die Meister der Tugend und der Gerechtigkeit, waren Juden, die nach Griechenland verschlagen waren". Die intensivste Ausstrahlung der hebr. Kultur, jetzt schon der nach-biblischen finden wir auf dem Gebiet der mittelalterlichen Philosophie, auf dem einige juedische Denker die Rolle von Pionieren auf dem Gebiet der Forschung und der Ideen spielen. Sie dienten als Mittler zwischen den europaeischchristlichen Schulen und den arabischen Auffassungen, als Ausgleicher der philosophischen Ideen der Hellenen mit den basischen Begriffen des biblischen Glaubens, gleicherweise heilig sowohl den Christen wie den Juden. Unter den jued. Philosophen des Altertums zeichnet sich besonders aus, der schon erwaehnte Philo von Alexandrien, und im XI. und XII. Jahrhundert, Salomón ben Jehuda ibn Gabirol und der Grossmeister aller dieser Denker. Moses ben Maimón, oder Maimónides. Das Werk Gabirols, “Mekor Chajim”—“Fons Vitae”, veroeffentlicht unter dem, allerdings verfaelschten, Namen des Verfassers in “Avicebron”, uebte einen grossen Einfluss aus auf die franziskanischen Theologen, und so. gar auf Eckehart und Jordano Bruno. Das zusammengefasste Werk Maimónides’, “More Ne. Von “Hollywood zur Oase’ (uebersetzt aus der nordamerikanischen Zeitschrift “TIME” von 17.8.53) Auf den sonnengedoerrten Huegeln von Santa Susana, mit Buschwerk und Zwergeichen bedeckt, koennten Priester und Propheten des alten Israel ohne Staunen einhergehen: denn gerade so sah jenes harte Land aus, auf dem Jakob sich einst auf einem steinernen Kopfkissen zur Ruhe niederlegte und in dem David seinen Gott mit Lied und Lanze pries. Doch die Huegel von Santa Susana liegen nur einige Kilometer von Los Angeles entfernt und die Juden, die dort Spazierengehen, sind Maenner vom Schlage eins Julius Fligelman, des Moebelfabrikanten, oder des Schauspielers Paul Muni. Sie und viele andere nordamerikanische Juden aller Altersschichten kommen zu dem “Brandeis-Lager-Institut” wie zu einer geistigen Oase, wo sie Frieden und die Weisheit ihrer Vorfahren finden koennen. Das Lager wurde vor sieben Jahren eingerichtet und nach dem verstorbenen Oberrichter Louis D. Brandeis benannt, der sein ganzes Leben zutiefst gefuehlt hatte, dass Juden bessere Amerikaner werden wuerden, wenn sie bessere Juden seien. Die Farmhaeuser, Schuppen und Jaegerhuetten, sind in Lesezimmer, Gesellschafts und Versammlunsraeume verwandelt worden. Das Institut versucht, nach Worten des 54-jaehrigen Direktors, Dr. Shlomo Bardin, “unseren Menschen eine Ueberlieferung wieder zu eroeffnen, die Tausende von Jahren alt ist.— durch Gebet und Musik, durch Drama und Kirnst— durch das Leben als Wir anstatt als ICH”. ç&ggl* Paul Muni (Zentrum) in der “Oase”. Im Vordergrund Dr. Bardin, der Lagerleiter Ungefaehr 200 junge Maenner und Frauen ueber 18 werden jeden Sommer von ihren Eltern oder ihrer Gemeinde zu “Brandeis” geschickt; dieses Jahr gab es schon eine Juengerengruppe Alonim (Kleine Eichen), in die 13-18 Jaehrige eingegliedert waren. Doch den groessten Erfolg hat das Lager mit den “alten Eichen”, den Erwachsenen, die zu den kurzen Aufenthalten in den Sommermonaten kommen. Die etwas ueber 60 Maenner, die letzte Woche dae La. ger besuchten, kamen von Hollywood und aus San Francisco, aus Denver und New York. Unter ihnen befanden sich Hoerspielverfasser, Autoren, Schauspieler, Fabrikbesitzer und Grossindustrielle, ein Vlcebuergermeister. Die Gruppe erhielt ihren geistigen Aperetlf in einer Ansprache des musikalischer Leiters des Instituts. Max Helfman. Er erzaehlte ihnen von jungen Leuten, die zv den Werten ihrer Religion zurueckfaenden —“...stellt euch dl* 80 jungen Studentinnen 7 . KULTUR vuehim" — "Fuehrer der Verwirrten” wurde eingehendst studiert und haeufig konsultiert von den beiden wichtig, sten theologischen Philosophen des Mittelalters, Albertus Magnus und Thomas de Aquino. Dieser bezieht sich in seinen Werken, und ganz besonders in seiner “Suma”, zu wiederholten Malen auf den “Rabbi”, d. h„ auf die bedeutendste Gestalt der hebr. Philosophie und Theologie, auf Moses ben Maimon, oder “Rambam”, wie er in der jued. Wissenschaft genannt wird. Die Renaissance und der Humanismus erweckten in den Menschen neuerdings das Interesse fuer die klassischen Aieusserungen der Kultur.Man wandte sich wieder dem Studium der griechischen Philosophen und roemischen (Schluss auf Seite 17) vor, wie sie in ihren Badean. zuegen an dem schoenen Schwimmteich sitzen, und ihre Parascha, den Wochenabschnitt aus der Tora, wiederholen und lernen... Ich weiss, dass Viele mich fragen werden, warum denn eine Rueckkehr zum wahren Judentum so wichtig geworden sei. Ich will euch sagen warum: Vor 2000 Jahren verkuendeten die Juden ihre Botschaft an die Welt und das Christentum war die Folge. Die traurige Wahrheit ist aber, meine Herren, dass es kein voller Erfolg war, denn haetten wir eine wahrhaft christliche Welt, so brauchten wir das Judentum nicht so dringend. Meine Freunde, wir muessen noch einmal be. ginnen. Wir Juden muessen noch einmal der Welt die Botschaft von Liebe, Frieden und Wuerde bringen...”. Die Maenner schlafen in Zelten, machen ihre eigenen Betten. Sie lesen die Bibel, lernen Gesaenge und Gebraeuche, proben das religioe. se Auffuehrungsstueck, mit dem jeder Aufenthalt gekroent wird. Dieses Mal hiess es “Der Spaniole”, handelte vom Leben des grossen Re. ligionsphilosophen aus dem 12. Jahrhundert, Maimonides. und war von einem bekannten Drehbuchautor verfasst worden. Es gab viel Lachen und Heiterkeit, aber auch lange Stunden ernster Gespraeche mit einem Rabbiner. Wie jedes Mal, so war auch jetzt der erhebendste Augenblick die Sabbat-Ausgang-Zeremo. nie der Havdala. Die Stimmen erhoben sich zu dem heiligen Gesang vom Elijahu, der das Kommen des Messias ankuenden wird. In drei konzentrischen Kreisen standen die Lagergaeste, ihre Arme um die Schultern ihrer Freunde gelegt, und bewegten sich leise im Rythmus des Liedes. Als der Sabbat- Abschied ausgeklungen war und die Lichter einer nach dem andern aufflammten, empfanden viele dieser hastenden und gehetzten Staed. ter zum ersten Mal ihr Judentum mit einem Gefuehl der Beglueckung und Dankbarkeit. “Ich komme wieder”, sagte einer der Teilnehmer. “Ich waere auch ohnedies wiedertekommen. Aber wenn man einmal an einer Havdala hier teilgenommen hat. kann man einfach nicht mehr fernbleibenr.