Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1953)
- Date
- 1953-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION» 6.C. I. B'NE JI9ROEL AV. PORTUGAL ©10. TBt, S»0»6 CASILVA Ä4S7. SANTIAGO «CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT | SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA "B'NE JISROEL" I _ . Año XV — N.o 9! SANTIAGO DE CHILE . < Septiembre, 1953 Am der Schwelle des Jahres An Gott “Gedenke unser zum Lieben” Rabbiner Manfred Lubliner An der Jahreswende im Angesicht ungeloester Zukunft bewegt uns alle ohne Unterschied und ohne Ausnahme ein Gedanke, der in jenes kurze Gebet gekleidet wurde “Gedenke unser zum Leben”. Die Bitte um Leben ist uns allen gemeinsam, und in allem Wandel und Wechsel in uns und um uns bleibt als einziges Unveraenderliches, wie der Fels im Meer, “der Wille zum Leben”. Ob wir zufrieden oder enttaeuscht, voller Hoffnung oder Desillusionen, reich an Ueberfluss oder belastet mit Sorgen und Noeten, gesund oder von Krankheit gebeugt an die Schwelle des Jahres gelangt sind, mit besonderer Intension wiederholen wir alle in einem jeden Jahr aufs Neue die “Bitte um Leben”. Wie wohl ein Jeder von uns aus eigenster Erfahrung und Erlebnissen weiss, dass das menschliche Leben ein Doppelgesicht hat, dass es neben der Tag —eine Nachthaelfte gibt, die uns durch Leid, Schmerz, Angst, Gewissenspein aufs Schwerste quaelt, so hungert dennoch der Mensch nach Leben. Es laesst sich dieser Lebensdrang nicht allein bei uns nur damit erklaeren, dass es eine allgemeine menschliche Empfindungsweise ist, sondern es haengt zutiefst mit der Lebensauffassung zusammen, die die juedische Lehre, die das Judentum uns gelehrt hat. Es ist das Charakteristikum der juedischen Religion, dass sie das Diesseits aufs staerkste betont und bejaht. “Der Himmel ist fuer Gott, die Erde ist dem Menschen gegeben”. Dieses Psalm wort spiegelt am klarsten die juedische Lebensauffassung wieder. Die Erde ist der Platz, wo der Mensch die Gabe des Lebens zur Aufgabe gestalten soll, wo er an der Errichtung des Gottesreiches in dieser Welt mitschaffen soll. nöitn ypr\ yayV ©3 »tmrf? Vr» ___ w» Verkuende dem uralten Volk.. Maimonides: Ueber die Umkehr Es ist keine leichte Aufgabe, die dem Menschen gestellt ist, denn gross sind die Unvollkommenheiten der Welt und noch groesser die Noete des menschlichen Lebens und es ist natuerlich, das es oftmals Zeiten gibt, in denen der Mensch von tiefer Verzweiflung erfasst wird, weil er der Groesse der Aufgabe nicht gewachsen zu sein scheint, und doch ueber all diesen Stimmungen des Zweifels und der Verzweiflung hinweg, beten wir “Gedenke unser zum Leben”. Wir wissen sehr wohl, dass auch das kommende Jahr nicht frei von Leid sein wird, denn es gibt keinen Himmel auf Erden, aber wie der Mensch nicht geboren ist, um nur zu leiden, so ist auch des Lebens Sinn nicht, nur gluecklich zu sein, denn selbst der Mensch, der dem Glueck und Glanz zu leben waehnt, wird zuweilen von jenem Dunklen und Raetselhaften erfasst, dass auch dem besten Dasein noch anhaftet. Auch ihn befallen zuweilen Zweifel ueber Sinn —und Zwecklosigkeit alles irdischen Daseins. Trotz all die. ses. Wissens haengen wir am Leben mit tiefster Liebe und Inbrunst und der uns angeborene immer neu erstehende Lebensdrang gibt uns die Kraft trotz aller Pruefungen und getauschter Hoffnungen den Kampf ums Dasein immer von neuem aufzunehmen, so tief und fest hat “der Wille zum Leben” in uns Wurzel geschlagen. Aber mit der Bitte um blosses Leben kann der Mensch sich nicht begnuegen, denn das nackte Dasein kommt auch dem Tiere zu. Die blosse Existenz, mit der das Tier sich begnuegt, macht noch kein menschliches Leben aus und deswegen beten wir nicht nur um Leben, sondern fuegen eine weitere Bitte hinzu: “Schreibe uns ein ins Buch des Lebens. “Das Du bist der grosse Baum, ich nur ein kleines Blatt, das sich in einem Traum von Dir gebrochen hat. Was bin ich nun im Wind, wenn Du nicht bei mir bist? Ein ruheloses Kind, das ohne Heimat ist. Nimm mich in Dich hinein, Du tiefer, blauer Fluss!! Lass mich die Welle sein, die singend sterben muss. S. E. Buch des Lebens ist nur dem Menschen eigen, mit seiner eigenen Hand schreibt er sich darin ein, mit seiner Arbeit, mit seiner Leistung, mit seinem Schaffen, mit seinem Wesen, damit gibt er seinem Leben seinen Inhalt, Wert und Zweck und macht es zu einem menschlichen. Mit dem Griffel der Pflichterfuellung fuellt er die Blaetter des Buches, das ihm an einem jeden Jahresanfang aufs Neue vorgelegt wird. Ein jeder schreibt sich sein Lebensbuch selbst, sein Wert wird nicht nach Quantitaet, d. h. nach Umfang, sondern nach Qualitaet, d. h. nach Leistung bemessen. Fragmente bedeuten oft mehr als blaetterreiche Buecher. Mancher erringt in einer Stunde die Ewigkeit, so lautet ein Spruch unserer Weisen, waehrend ein langes unnuetzes Leben ein fruehes Ende bedeutet. Weder nur zu leiden noch nur gluecklich zu sein, sind wir geboren, sondern einzig und allein unsere Schuldigkeit zu tun. Nur in der Arbeit liegt der Segen, in einer Arbeit, die alle unsere Kraefte anspornt und steigert, die uns nicht nur Genuss und innere Befriedigung, sondern auch Muehe, Anstrengung und Selbstueberwindung bereitet in einer Arbeit, in der ein Je. der auf seinem Platz zum Wohle unserer Gemeinschaft und unseres Volkes leistet. So moege unser Ruf nach Leben und nach dem Buch des Lebens nicht ungehoert verhallen, moege ein jeder zu leben und zum Buch des Lebens eingeschrieben werden und moege es unserem Volke im kommenden Jahre beschie. den sein, ein neues Blatt in seinem langen, ruhmreichen Lebensbuch auszufuellen. ¿Was ist Umkehr? Der Suender gibt die Suende preis, er entfernt sie ganz aus seinen Gedanken und beschliesst in seinem Herzen, sie niemals wieder zu begehen, wie es heisst: Der Frevler verlasse seinen Weg, der Mann des Args seine Planun. gen, er kehre um zu IHM und er wird sich seiner erbarmen. So bereue er das Geschehene, wie es heisst: Ja, nach meiner Abkehr hat es mich gereut. Umkehr und Versoehnungstag suehnen nur Suenden zwischen Mensch und Gott; Suenden zwischen Mensch und Mitmensch werden aber erst vergeben, nachdem man dem Mitmenschen das erstattet hat, was ihm gebuehrt und ihn besaenftigt hat. Jeder Mensch besitzt Verdienst und Sch/Uld. Wessen Verdienst die Schuld ueberwiegt, ist ein Gerechter, wessen Schuld das Verdienst ue. berwiegt, ein Frevler. Halten Verdienst und Schuld die Wage, so ist er ein Mittelmaessiger. So verhaelt es sich auch mit dem Staat. Ist das Verdienst aller seiner Bewohner groesser als ihre Schuld, ist der Staat ein gerechter, ueberwiegt aber die Schuld, so ist es ein frevlerischer. Und so ist es mit der ganzen Welt. Ist die Schuld eines Menschen groesser als sein Verdienst, so stirbt dieser Mensch alsobald in seinem Frevel, wie es heisst: Ich schlug dich mit Feindesschlag wegen der Uebermacht deiner Verfehlung. So ist es auch mit dem Staat, dessen Schuld uebermaechtig ist, alsobald vergeht er, wie es heisst: Der Klagruf wider Sodom und Gomorra, er schwoll. Es gibt Verdienste, die viel Schuld aufwiegen und es gibt Schuld, die viele Verdienste au.fwiegt. Alle Propheten haben ueber die Umktchr ausgerufen und Israel wird erst durch Umkehr erloe st werden. " * W ** Erzaehle dem jungen Staat SS##