Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 6 (Junio, 1953)
- Date
- 1953-06-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Junio, 198S BOLBTíN INFORMATIVO 3 Dr. ALFRED MAY Gedenkrede des Vorsitzenden des Repraesentanten - Kollegiums, Herrn Alfred Feldmann, bei der Trauerfeier fuer Dr. Alfred May am l.o Mai 1953 Schmerzerfuellt und in tiefer Trauer haben die Gemeindekoerperschaften z u dieser Feierstunde eingeladen, um ehrend und dankbar zu gedenken eines ihrer Besten. Alfred May ist abgerufen worden in die Ewigkeit, viel zu frueh fuer die Seinen, viel zu frueh fuer uns alle. Mit wehem Herzen ergreife ich das Wort, um dem trefflichen Manne, dessen Freundschaft besessen zu haben ich das Glueck hatte, im Namen unserer Gemeinde Worte des Gedenkens zu widmen. Alfred May wurde als juengstes von 4 Geschwistern vor fast 61 Jahren in Frankfurt geboren, jener traditionsreichen Stadt am Main, von der so viel juedische und allgemeine Kultur ausgegangen ist. Sein Elternhaus war ein wahrhaft juedisches. Wenn der Sabbath nahte ruhte in diesem Hause jegliche Arbeit. Hier im Elternhaus und in den ersten Schuljahren —bevor er das Gymnasium besuchte wurde er 3 Jahre in die “fromme Schule’’ geschickt— lagen die Wurzeln seines reic h e n juedischen Wissens. Fortschrittlich wie er in allen Dingen war, war er auch fortschrittlich in religioesen Fragen. Tief innerlich ist er immer ein guter Jude gewesen, ein frommer Jude gewesen, dem hoechste Froemmigkeit Wohltun war, zu helfen im Stillen, und er hat vielen geholfen. Er wurde zum Doctor der Rechtswissenschaften promoviert nachdem er in Freiburg, Berlin und Marburg studiert hatte. Hier in Marburg lernte er die treue Gefaehrtin seines Lebens kennen, mit der er in gluecklichster Ehe verbunden war. In seinen Studentenjahren besonders in Marburg arbeitete er in zionistischen Organisationen. Vielleicht haben ihn die Eindruecke der spaeteren Jahre oder der Einfluss seiner Umgebung wieder etwas von dieser Arbeit entfernt. Aber in unserem Kreise war er immer ein positiv fuer Israel arbeitender Gefaehrte, dessen wertvolle Mitarbeit uns sehr fehlen wird. Nach 4 Jahren aktiven Kriegsdienstes liess er sich in Frankfurt als Anwalt nieder. Nur wenige Jahre uebte er den freien Anwaltsberuf aus, denn bald berief ihn ein weltbekannter Konzern als Syndikus in seine Verwaltung. Fast 15 Jahre hat er diese verantwortungsreiche wichtige Stellung inne gehabt. Seine Leistungen waren ueberragend. Seine Gewissenhaftigkeit, seine bedeutenden juristischen Kenntnisse sind in hoechstem Maasse anerkannt worden 15 Jahre nachdem er infolge der politischen Verhaeltnisse in Deutschland seinen Posten verlassen hatte, haben ihn seine frueheren Mitarbeiter zu einem Besuch eingeladen, bei dem er ueberhaeuft wurde mit Ehrungen, bei dem er und seine Gattin ueberschuettet wurden mit Aufmerksamkeiten. Alfred May, dessen hervorstechendste Eigenschaft eine seltene Bescheidenheit war, wurde zum Mittelpunkt von Ehrungen gemacht, die wohl verdient waren, die aber auch zu ' I PiÜ mm Hl WM mm Mm IM werten waren als Ausdruck einer Gesinnung, die weit abrueckt von der beklagenswerten Haltung, die auch heute noch in Frankfurt vielfach anzutreffen ist. Und Alfred May, immer abhold jedem Hervortreten seiner Person, war doch erfreut und beglueckt ueber die Anhaeng- Uchkeit, ueber die dankbare Anerkennung seiner Leistungen, ueber die zahllosen Beweise unveraenderten und ungeminderten Vertrauens. Er wanderte aus nach Chile. Im Jahre 1935 traf er hier ein als noch wenige Emigranten dieses gastliche Land betreten hatten. Mit ihm waren seine Gattin', seine beiden Soehne, damals noch Kinder, und die Mutter seiner Gattin. Hier baute er neu auf. Ein Heim wurde geschaffen, gediegen doch bescheiden, gewidmet einem innigen Familienleben. Den Soehnen war er Fuehrer und Berater, ein Erzieher, der ihnen ein musterhaftes Leben vorlebte. Der alten Dame war er ein sorgender liebevoller Sohn, seiner Gattin war er das Glueck ihres Lebens. Aber auch er war seinem Schicksal unendlich dankbar dafuer, dass es ihm diese Frau zur Lebensgefaehrtin gegeben hat, deren kluges frauliches Urteil ihn oft zum Guten beraten hat. Ich werde nicht eine Unterhaltung vergessen, in der er mir sagte, dass er ueber eine Tagesfrage, die uns sehr bewegte, mit seiner Frau gesprochen habe. Sie habe ihm nachgewiesen, . dass er zu herb geurteilt habe. Neben der Gattin und den Soehnen, neben der betagten Mutter seiner Frau betrauern ihn sein aelterer Bruder und seine Schwester. Ihnen allen gilt unsere waermste und herzlichste Teilnahme. Selbstredend war, dass ein so tatkraeftiger Mann wie Alfred May, auf der Hoehe seiner Schaffenskraft, sich bald beruflich betaetigte. Zusammen mit Frankfurter Freunden gruendete er die Firma, in der jetzt sein aeltester Sohn arbeitet und die sich eines hohen Ansehens erfreut. Spaeter beteiligt er sich an jenem Werk, das zu den bedeutendsten des Landes gehoert und das zu einer Musterstaette von Fleiss und Tuechtigkeit geworden ist. Unschaetzbar sind die Dienste, die er diesem Hause geleistet hat. Seine Klugheit, seine Zuverlaessigkeit, sein Weitblick und vor allem seine ausgleichende Guete haben reiche Fruechte getragen, und schwer betroffen ist der Mann, der Seite an Seite mit ihm gearbeitet hat, Jahr fuer Jahr, um das Ansehen des stattlichen Unternehmens immer mehr zu vergroessern, das so vielen Arbeitern und Angestellten Beschaeftigung gibt. Sie mussten erst zu einander finden, der Aieltere und der Juengere, der Bedaechtige und der Temperamentvolle. Aber dann wurde der aeltere Teilhaber zum wahren Freund und Berater, zum vaeterlichen Freunde, auf den immer und zu jeder Stunde Verlass war. Mit dem sich aussprechen zu koennen so wichtig und so wertvoll und so wohltuend war. Und jetzt ist leer der Platz an dem er gearbeitet hat, treu, und sicher in seinem Urteil, und es fehlt der Freund, der mit Klugheit und Wohlwollen raten konnte, denn das Unabaenderliche ist eingetreten, das Unwiderrufliche. Und als ich ihm gegenueber sass, ihm der jetzt so allein ist, da sprach unsaegliche Trauer aus seinen Augen. Und es trau, ern um Alfred May seine zahlreichen Angestellten und Arbeiter, denen er immer ein guetiger warmherziger Freund war. Sie alle haben ihn verehrt und klagen um ihn, aufrichtig und erschuettert. Und was war Alfred May uns, was war er dieser Gemeinde? Er war eine aussergewoehnliche Persoenlichkeit. Jeder | kannte ihn, jeder schaetzte 1 ihn. Und wir, die wir mit ihm arbeiten durften im Dienste i fuer diese Gemeinde, die wir I kannten sein Gefuehl von j Verantwortung, seine Hilfs-; bereitschaft, die wir gefuehlt j haben die grosse menschliche Guete dieses Mannes, der ein so guter Jude war, dessen Schlichtheit beispielgeb e n d war, wir wissen, dass wir einen Freund in ihm hatten wie es wenige gibt. Er hat diese Gemeinde mitbegruendet. Vom kleinen Anfang an hat er mitgearbeitet an ihrem Aufbau, als ihr Secretario, als Repraesentant und mehrere Jahre als Vorl sitzender der Repraesentans. Cisroco und Altersheim und Kinderheim foerderte er. Immer war er zur Stelle wenn i man ihn brauchte trotz seiner beruflichen Inanspruchnahme. Und sein Wort galt viel, denn immer war es diktiert von Liebe zur Sache. Und seine Rede war offen und klar. Da gab es kein hin! und her, da gab es keine Vorbehalte. Was ihm wichtig erschien vertrat er mit aller , Entschiedenheit, gestuetzt j auf seine grossen Kenntnisse. I Und bei Allem war er der ver- 1 soehnlichste Charakter. Kei- ner hat uns so oft zugerufen wie er: Haltet Scholaum, haltet Frieden in Eurem kleinen Kreis, nehmt nicht so wichtig Eure persoenlichen Bedenken wenn es um das Wohl Aller geht. Und wir ha- I ben gut getan wenn wir auf! | ihn hoerten und uns in Eintracht zusammen fanden. Wenn aber doch einmal Sonderinteressen in den Vordergrund gerueckt wurden, wenn es schien als ob sein Mahnen zu Scholaum ueberhoert werde. oder wenn er, der ehrlich wie er gegen sich selbst war ehrlich gegen jeden war, wenn er enttaeuscht wurde von einem Menschen, dem er vertraut hatte, da fuehlte er sich verwundet. Das quaelte ihn tagelang und leider auch naechtelang. Die Statuten unserer Gemeinde sind in der Hauptsache sein Werk. Als er einmal gebeten wurde, fuer einen juedischen Kreis Statuten zu entwerfen, da sagte er: Ich werde Euch Statuten entwerfen, aber 2 Worte werden als Ueberschrift und LeltmoiMAURICIO Am 11. Mai 1953, vier Uhr morgens starb unerwartet im Alter von 57 Jahren Herr Mauricio Faivovich, einer der Gruender der zionistischen Bewegung in Chile und eine der hervorragendsten Persoenlichkeiten vieler juedischer Institutionen dieses Landes. Schon im Jahre 1919 nahm er am ersten lokalen Zionisten-Kongress von Chile teil und war seitdem staendig in fuehrender Position — wiederholt auch als Praesident der Federaciön Sionista de Chile — taetig. Mauricio Faivovich war auch vielen Mitgliedern unserer Gemeinde dadurch bekannt, das er bei zahlreichen Gelegen heiten zu uns sprach und unser zionistisches Gewissen wachzurufen suchte. Er war ein aufrichtiger Freund unserer Gemeinde, fuehlte sich mit ihr verbunden und drueckte oft seine Achtung und Wertschaetzunz aus. Erst vor wenigen Wochen ueberbrachte er bei dem cocktail, den der Vorstand und die Repraesentanz unserer Gemeinde aus Anlass des Jom Haatz^ tiv von mir dick unterstrichen werden: Seid Tolerant: Denn es ist nicht wahr, dass Toleranz immer Schwaeche bedeutet, im Gegenteil, gerade der Starke kann tolerant sein. Toleranz und Guete waren die Eigenschaften, die ihn neben der grossen menschlichen Bescheidenheit so liebenswert machten. Unendlich viel haben wir mit ihm verloren. Den besten Freund, den vGoenner und Berater, den Mann zu dem wir uns hingezogen fuehlten und der niem a 1 s und niemand enttaeuscht hat. Nachdem er von seiner Reise zurueckgekehrt war gestaerkt und erfrischt von den Eindruecken und Erlebnissen seiner Fahrt, ging er wieder an seine Arbeit nicht ahnend, dass seine Tage auf Erden gezaehlt waren. Dann kamen die bangen Wochen der schweren Krankheit, die ihn wie ein Blitz getroffen hatte, und wir waren zuversichtlich, wenn die Nachrichten ueber sein Befinden guenstiger waren, und bestuerzt wenn wir schlimme Botschaft hoerten. Bis dann an jenem Freitag das Herz zu schlagen aufhoerte, das soviel Liebe und soviel Waerme und soviel Freundschaft gegeben hatte. Bis zu jener Abendstunde, in der er heran geduldet hatte das Ende, das —wir muessen es sagen— Erloesung fuer ihn war. Als wir ihn hinaus geleiteten auf seinem letzten Wege, da folgte eine unabsehbare Zahl von Trauergaesten seinem Sarge. Dann haben wir 3 Handvoll Erde in seine Gruft geworfen, nach altem Brauch. Moege die erste gedeutet werden als Zeichen unserer Dankbarkeit und unserer Verehrung. Moege die zweite gewesen sein ein Zeichen dafuer, dass wir ihm ueber das Grab hinaus die Treue vergelten wollen, die er uns gehalten hat, moege die dritte gewesen sein ein Versprechen. Das Versprechen, Scholaum zu halten in dieser Gemeinde. Frieden zu halten wie er es uns gelehrt hat. Dann wird wahr werden das Wort, das wir an seiner Bahre gesprochen haben: Nur der Koerper stirbt, der Geist weilt unter uns. Der gute Geist Alfred FAIVOVICH f ^SñhtímTírSbíenden Persoenlichkeiten unserer Kollektivitaet gab. die Gruesse der Federación Sionista de Chile und mit dem Enthusiasmus und der Begeisterung, die ihn charakterisierten, gab er unser aller Empfinden an diesem Feiertage des juedischen Volkes wieder. Es wird schwer werden, sich juedisches Leben und vor allem zionistische Arbeit in Santiago de Chile ohne diesen, von uns so hochgeschätzten Mann vorzustellen. Sein Mut, seine Charakterstaerke und sein Wille zur Tat werden in vielen Sitzungen der verschiedensten juedischen Institutionen vermisst werden. Sein geistiges Testament ist, dafuer zu sorgen, dass eine Generation aufwachse, die einmal an die Stelle derer treten kann, die heute die Geschicke unserer Gemeinschaft leiten. Niemand konnte ahnen, dass dieser Mahner und Rufer so schnell von uns gehen wuerde. Das Andenken dieses Mannes werde zum Segen Ln.