Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 6 (Junio, 1953)
- Date
- 1953-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION) S. C. I. B’NE J1SROEL AV. PORTUGAL 8)0. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O C I E DAD C U L'tjr U R Ä L, I S R AELITA M B * N E J I S ROE LH Año XV. — N? 6 Sivan-Tamus 5713 SANTIAGO DE CHILE Junio, 1953 EIN LEHRER, WEISE UND TREU Am 23. Mai vollendete Rabbiner Dr. Leo Baeck das 80. Lebensjahr Dieser Mann gehoert zu den gamz ueberragenden Persoenlichkeiten in der neueren Geschichte des juedischen Volkes. Er, von dem gesagt werden darf, dass er selbst zur historischen Figur geworden ist, steht heute noch in der juedischen Arbeit, energisch und mitreissend wie je, elastisch und aktiv, und die Last von acht Jahrzehnten scheint ihm nichts anhaben zu koennen. Das Wort des Psalmisten duerfte auf ihn anzuwenden sein: “Der Gerechte olueht wie eine Palme”. Worin liegt die Groesse und Einmaligkeit von Leo Baeck? Vor etwa 30 Jahren bereits nannte ihn ein Amtskollege “den bedeutendsten Kopf un. ter den deutschen Rabbinern” Tief verwurzelt im Boden der juedischen Tradition, Wissen schattier und Denker, Theologe und Deuter des Judentums, ist er der Lehrer geworden, dem auch die Repraesentamten anderer religioeser Richtungen die grossste Hoch achtung entgegenbringen. In ihm vereinen sich Humanismus und Judentum zu ei- -¡ner wumderbaren Einheit, und ueber das liberale Judentum hinaus, dessen reifster Vertreter in Deutschland er gewesen ist, wurde er allmaehlich zu einer zentralen Erscheinung der Weltjude,nheit. Leo Baeck’s bedeutendstes Werk. “Das Wesen des Judentums” war schon zu Anfang dieses Jahrunderts als Antwort auf unsachliche nichtjuedische Angriffe erschienen. Im Jahre 1922 erfuhr dieses Buch eine bedeutende Erweiterung und Vertiefung und darf seither als das angesehen werden, was es ist, naemlich, als eine umfassende Darstellung des juedisch-religioesen Geistes, als ein Werk, welches in die Seele Israels eindringt, Interpretation dessen, was Judentum in seinem letzten und entscheindem Sinne ist. So war ein fundamentales Werk entstanden, das in fast alle Kultursprachen uebersetzt worden ist, eine Herausarbeitung all dessen, was wir als juedisches Gedankengut bezeichnen duerfen. Der damals junge Rabbiner von Oppeln hatte schon erkannt, dass nur dann eine Erwiderung auf entstellende Behauptungen vop, aussen her Bedeutung haben kann, wenn sie mit dem ganzen Ruestzeug des juedischen Wissens und mit der echten juedischen Begeisterung vorgetragen wird. Und diesem Geiste ist Baeck sein ganzes Leben hindurch treu geliehen. Wohin ihn das Schicksal fuehrte, in das Amt des Rabbiners von Duesseldorf (1907 bis 1912), in die Stellung eines Gemeinderabbiners zu Berlin (1912 bis 1942), immer und ueberall hat er das Judentum in seiner Totalitaet gelehrt und gelebt, aus der Fuelle des Wissens und aus dem verstehenden, guetigen Herzen zu seinem Volke gesprochen, in den Stunden der Freude und in den Stunden des Leides. War er es, der als erster Nichtzionist unmittelbar nach der Balfourdeklaration, damals in den Jahren 1918 bis 20, die lebendige Anteilnahme der Judenheit Deutschlands am Palaestinaaufbau gefordert hatte, so ist er es auch gewesen, der hineinging in die Aktivitaet des juedisch-politischen Lebens, als der Augenblick dies verlangte: Leo Baeck wurde eine der leitend e n Persoenlichkeiten im “Preussischen Landesverband juedischer Gemeinden”, dem 1925 geschaffenen ersten juedischen Parlament Preussens. Er trat an die Spitze der deutschen Sektion der B’ne Brith-Logen, als kein Wuerdigerer fuer den Neuaufbau nach dem ersten Weltkriege hierfuer in Frage kam; er uebernahm die Fuehrung der grossen' Rabbinervereinigung, und er war Zeuge der denkwuerdigen Versammlung in Zuerich im August des Jahres 1929, als Zionisten und Nichtzionisten in der erweiterten “Jewish Agency” zu gemeinsamer Arbeit zusammentrafen, weil er sich selbst treu geblieben war, er, der junge Mann in Oppeln, der damals 27-jaehrige Prediger, welcher den grossen “Protestrabbinern”, die einst gegen die zionistische Bewegung aufgetreten waren, bescheiden aber eindeutig widersprochen hatte. Und in der historischen Stunde, die sich in diesen Wochen zum zwanzigsten Male jaehrt, da die vom unbarmherzigen Feinde geforderte Zusammenfassung in der “Reichsvertretung” eine ueberragende Spitze benoetigte, da entzog sich Baeck nicht seinem Volke. Verantwortungsbewusst und wohl der Gefahren denkend, die nicht ausblieben, uebernahm er das schwere Amt. Den weg bis zum Ende zu gehen, wies ihn die Pflicht. Vor acht Jahren, in den Tagen der deutschen Kapitulation, befreite ihn ein guetiges Geschick aus der Hand unserer Feinde. Was Leo Baeck den Maertyrern von Theresienstadt gewesen ist, braucht hier nicht er- ¡dH* €fe*n Dr. Alfred May . Seite 3 Aus dem Gemeindeleben: Dr. Landaus Rechenschaftsbericht Seite 5 Bericht ueber die Ordentliche Generalversammlung . Seite 5 Protokoll . Seite 18 Jugend-Kommisicn . Seite 18 Wir feiern den Jom Ha'azmaut. Seite 18 Das Huhn (Eine Fabel) . Seite 17 Monatsspiegel: Zwei Koenige und ein Ass-Reisende, inkognito und anders- Die trueben Wasser des Nils Seite 13 Begegnung mit einem Rathenau-Moerder Seite 13 Israel-Umschau: Auf Fahrt mit der Kuestenpolizei, Habima-Premiere: 'Ich bin der Kapitaen!' Leah Goldberg, . Seite 15 AN UNSERE LESER! Um ein puenktliches Erscheinen unserer Zeitung zu sichern, bitten wir Organisationen und Privatpersonen nochmals, Material fuer den Anzeigenwie auch redaktionellen Teil bis spaetestens den 15, des Monats an die Redaktion, die Anzeigenannahme oder das Gemeindebuero einzureichen. Desgleichen erbitten wir Mitteilungen ueber die geplanten Veranstaltungen, damit wir sie in einem Veranstaltungs-Kalender veroeffentlichen koennen. DIE RED. zaehlt zu werden. Dies ist juedische Geschichte geworden. Die grosse Zahl der mehr oder weniger repraesentativen Aemter, die Baeck auszuueben hatte, entfernte ihn nie von der eigentlichen Arbeit, der Hauptaufgabe seines Lebens. Viele Jahre hindurch ist er der Dozent fuer Midrasch und Homiletik an der “Hochschule fuer die Wissenschaft des Judentums” gewesen, und die rabbinischen Funktionen schraenkte er nur dann ein, wenn dies unumgaenglich war. Die wissenschaftlichen Arbeiten ruhten nie, und seine wahrhaft bedeutenden Schriften wie “Die Pharisäer”, “Die Evangelien”, i“Wege jm Judentum” u.a. legen Zeugnis hiervon ab. Legion sind die Zahl der Reden und Vortraege, die er gehalten hat. auch vor nicht juedischen Kreisen. Und es gibt kein schoeneres Beispiel fuer Pflichterfuellung als das, welches er wies, indem er nach seiner gluecklichen Wiedervereinigung mit den Seinen im hohen Alter abermals begann, in England und Israel, vor allem in den Vereinigten Staaten Jahr um Jahr religionswissenschafliche Vorlesungen zu halten, wiederum der aktive Lehrer seines Volkes. Erfuellt von grenzenloser Verehrung und Bewunderung huldigt die juedische Welt dem weisen Lehrer und guetigen Menschen bei der Vollendung des 80. Lebensjahres und wuenscht, ihm einen langen gesegneten, Daseinsabend! Ad meadh v’ess. rim schanah!. CURT WILK (Buenos Aires).