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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-04-01 · 4 (Abril, 1953) · p. Seite 10

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
4 (Abril, 1953)
Date
1953-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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r 10 BOLETIN INFORMATIVO Abril, 1953 Und es stand hinfort kein Pro BERUFUNG Doch wenn er an der Wueste Rand die Schafe weidet, Umwoelkt sich seine Stirn, Senkt sich sein Blick zur Erde. Sein eignes Leben in der Freiheit Ist zur Seelenpein geworden, Wenn er der Brueder in MizrajLm denkt. Ihn schmerzt die freiheitlich geschwellte Brust, wenn er im Geist Die frohngebeugten Ruecken seiner Brueder schaut. Ergebung nur und immer nur Ergebung, bis zum Ende! Da! Eines Tages stockt sein Schritt, Sein Blick strebt in die Weite. Ein Funke blitzt in seinem Auge, Ein Feuer zuendet sich in seinem Herzen, Das brennet, brennet und verbrennet nicht. “Berufung!” hallt es ihm im Ohr, “Der Augenblick des Ewigen ist da!” “Die Zeit ist mein, mir ist geboten, zu befreien!” Der Alltag kommt, Und mit ihm kommen die Bedenken: Das Volk ist machtlos, jeden Willens bar, Zum Widerstande nicht bereit; Er unbekannt, ohn’ Auftrag, ohne Gaben; Die Herren stark, Zu jedem Zwang entschlossen. Doch Pein! Was schert ihn Grund und Folge der Geschichte, Was Moeglichkeit und Aussicht! Der Wille ward entzuendet, Aus ihm gestaltet sich die Tat. Israel wird frei! (Dr. M. GOTTHIEF). Michelangelo: Moses der Gesetzgeber Vor Pharao Was in geschichtlich deutlicher Zeit ein Prophet nach dem anderen auf der Geschichtsbuehne tut, ist: dem Herrscher m i t kritischem Wort und kritischem Zeichen entgegenzutreten. Das Wort ist Forderung, im Namen Gottes und seiner Gerechtigkeit; Ansage des Verhaengnisses fuer den Fall der Weigerung, und Deutung eines darauf, frueher oder spaeter, folgenden schlimmen Geschehens; das Zeichen ist Verleiblichung des Wortes, wobei der Vorgang zwar aussergewoehnlich sein muss, um eben als Zeichen wirken zu koennen, aber keineswegs uebematuerlich. Wenn wir es wagen duerfen. den Anfang dieses Geschichtsphaenomens bei Mose zu suchen, sein Auftreten dem Pharao gegenueber als die erste in der Reihe dieser prophetischen Haltung zu verstehen, dann muss, wenn all der Zauber zerstiebt, der in der biblischen Erzaehlung Mose und seinem Gotte zugeschrieben wird, ein fester Kern bleiben. Darin kann Unheil zwar nicht mehr unmittelbar bewirkt werden, aber es kann, wenn auch nur in allgemeinen Zuegen, angedroht werden; und ein geschehendes Unheil kann als Wirkung der ‘Verstocktheit' erklaert werden. Der geschichtliche Mose, der nach Aegypten zurueckkehrt ist weder ein Magier noch ein Schwaermer. Er weiss genau, wer der Pharao ist. er weiss genau, was es heisst, so zu ihm zu reden, wie er zu ihm reden soll, und er hat sich dazu entschlossen. Er ist, seit auf dem Berg das Wort zu ihm kam, gewiss, dass das Wort genuegen wird: weil, wenn er es spricht, der “Daseiende” JHWH bei ihm ist. Das Wort wirkt anscheinend nicht, denn der Koenig erwidert es mit ueberlegenem Spott ueber diese fremden Goettlein, die sich einbilden, sich in die Angelegenheiten Aegyptens mischen zu koennen; und doch wirkt es, denn einige Zeit darnach gibt er die Scharen der Fronarbeiter frei. Dazwischen liegen Ereignisse, die von Mose als Erfuellung seiner (bedingten) Unheilsansage gedeutet werden, aussergewoehnliche, aber durchaus nicht uebernatueriiche Ereignisse. Warum laessfc sich Pharao ueberzeugen? Wir sehen uns auf ein Geschichtsgeheimnis hingewiesen, das aoer eben historischen und nicht literarischen Charakter hat. Ein Geschichtsgeheimnis bedeutet immer eine Verbindung zwischen einem ueberpersoe,nlichen Schicksal und einer Person, und zwar dem Untypischen einer Person, dem an ihr, was in den Typus nicht eingeht. Der Auftrag Moses ist seiner Art nach ein prophetischer, aber dass Mose ihn, wie ungeheuer er auch ist so erfuellt, dass erreicht wird, was zu erreichen war, dass er im Gegensatz zu den Propheten Israels in seinem Ringen mit dem Koenig siegreich bleibt, das liegt offenbar zu einem guten Teil daran, dass er noch etwas anderes als Prophet ist. Bei jeder katastrophalen Begebenheit hoert man am aegyptischen Hof, dass dieser graessliche Asiate schon wieder herumsteht und das Gei schehene deutet. Dass man dennoch den Unruhe stiftenden Leviten schont, liegt wohl Ln der den Aegyptem unheimlichen Maehtatmosphaere, die von Mose ausstroemt: er, von dessen Seltsamkeiten in der Zeit, da er dem Hofe nahestand sich wohl manche noch zu erzaehlen wissen, der Unheil ’ansagt und es deutet, wirkt als etwas Grausiges, das anzugreifen man sich scheut; das .ungelenke Re- ’en. mit dem ein fremder Gott stossartig ihm die Kehe bewegt, steigert nur noch 7as Grauen. Und nun geht ’s weiter: in einem Winter ommt das Hagelgewitter, der Heuschreckenzug, im naechsten Fruehling bricht ein Sandsturm von nie gesehener Wucht aus, fuer Tage verfinstert sich die Luft, die Sonne wird unsichtbar, eineLaehmung legt sich auf alle und nimmt ihnen die Besinnung. Mitten darin aber: waehrend die Seuche, eine Kinderseuche, ihr Werk zu tun beginnt, schallt unangefochten von den ziehenden Sandmassen, durch die Strassen der Residenzstadt die Stimme des Gewaltigen. Die Zeichen haben sein Volk ueberwaeltigt und um ihn geschart, die Hoffnung ist staerker als die Finsternis, sie sehen Licht. Und da. in der Nacht, stirbt dem jungen Koenig sein erstgeborener Sohn. Trostlos im innersten Gemache ueber die Leiche gebeugt, nicht mehr ein Gott, sondern der Mensch, der er ist erblickt er ploetz- 'i”h den Verhassten vor sich. “Fort mit euch”, schreit, er. (BUBER) Unsere bedeutendste Geschichtssage, die vom Auszug der Kinder ten, ist unloesbar mit der einmaligen Persoenlichkeit Moses verknuepft; loschenen Sklavenseelen den heissen Wunsch nach Freiheit ein, er erzw lassung aus fremder Fron, und verlieh schliesslich dieser Befreiung erst iiidem er die zuegellose Menschenhorde in ein Volk formte, in ein V Moses, unermuedliches Bemuehen zum Tratger einer neuen religioe: Idee wurde. Eine tendenzioese Bibelkritik hat versucht, die fruehen geistige: unseres Volkes in das Gebiet der Fabel zu verweisen oder sie durch Ver deren staemmen geschaffenen Geistesprodukten zu entwerten. In ihre: sichtigkeit bemerkte sie nicht, dass gerade durch die Vergleiche die Ge: ne Leistung zu ihrer wirklichen Bedeutung emporgehoben werden: g die mosaische Gesetzgebung ueber Hammurabi, der mosaische Monot: aegyptischen Tutmosis hinausgeht, liegt das Geniale, Umwaelzende, ] seits ist die mosaische Tradition so einheitlich, wird so gruendlich i nen pentateuchalen Dokumenten belegt und stimmt so gut mit unse Kenntnissen des Mittleren Ostens im zweiten Jahrtausendende vor Chr nur hyperkntischer Pseudo-Rationalismus seine grundlegende Geschi fein kann. Gewiss, zu dem Mose, der vor vielen Zeiten gewesen ist, tritt rech vielen Zeiten geworden ist. Mit liebevoller Phantasie schnueckte c die Erinnerung an ihren grossen Erloeser und Gestalter aus; Legenden gaenzen die ursprünglichen Berichte, spaeter entstandene Satzunge schreibt man ihm zu. Doch wenn man sogar vorsichtig suchend alles ueber Moses berichtet wird, auszuschalten versucht, bleibt noch derse schichtskern von einer uebergrossen Persoenuchkeit und ihrer geschieh erhalten. Mehr als das ¡Moses lebt als gestaltende Wirklichkeit im Bewr und Religionen. Aus dem uferlosen Meer der Kunstwerke, Buecher r die sich mit Moses beschaeftigen, ist hier Einiges wiedergegeben, das davon ist, auch nur ein kleines Mosaik zu formen, dessen bunte Splitte Zeugnis davon ablegen. wie es die Menschen aller Zeitalter und Voell der Persoenlichkei Moses “zu ringen, dass er sie segne”. Der treue Hirte “Und Moses war Hirte” (Ex. 3.1) Der Heilige gelobt sei Er erprobte Moses als er mit seiner Herde war; es erzaehlen unsere Weisen: Als Moses, unser Lehrer, noch die Herde huetete bei Jithro in der Wueste, entlief ihm ein Zicklein. So folgte er ihm eilends bis er an ein Gebuesch kam, und siehe, in dem Gebuesch war ein Wassertuempel und dort stand das Zicklein und trank. Als Moses bei ihm anlangte, sprach er: “Ich wusste nicht, dass du aus Durst entliefst. Gewiss bist du jetzt muede”. Er hob es auf seine Schultern ung ging zurueck. Sprach der Heilige gelobt sei Er: “Voll Erbarmen fuehrst du die Herde eines anderen Sterblichen, wahrlich du sollst mir Israel, meine Herde, behueten”. (Schemot Raba) Seine Sendung Die Gruendung des juedischen Staates durch Moses ist eine der denkwuerdigsten Begebenheiten, welche die Geschichte aufbewahrt hat, wichtig durch die Staerke des Verstandes, wodurch sie ins Werk gerichtet worden, wichtiger noch durch ihre Folgen auf die Welt, die noch bis auf diesen Augenblick fortdauern. sches Volk ercheinen, und alles Boese, welches man diesem Volke nachzusagen gewohnt ist, alle Bemuehungen witziger Koepfe, es zu verkleinern, werden uns nicht hindern, gerecht gegen dasselbe zu sein. SCHILLER Woliei Waere scher G manchma haetten si nach die renden Ni Israel wai gangen. E ligion, de Glaube in grossen T sonderhei tionen u stimmte. fuehrende verdankt Woher Mc und die Ideale sc Geheimni Genius ui Erfahruni (Kittel Was Was ert dralen? I dieser Si goettliche das Wort nes Mose! ter seine den betre Jahren, i Sinai! Es: sten Dins umso wal Sein Marne In einem gewissen Sinne ist es unwiderleglich wahr, dass wir der mosaischen Religion einen grossen Teil der Aufklaerung danken, deren wir uns heutigenstags erfreuen. Denn durch sie wurde eine kostbare Wahrheit, welche die sich selbst ueberlassene Vernunft erst nach einer langen Entwicklung wuerde gefunden haben, die Lehre von dem einzigen Gott, vorlaeufig unter dem Volke verbreitet und als ein Gegenstand des blinden Glaubens so lange unter demselben erhalten, bis sie endlich in den helleren Koepfen zu einem Vernunftbegriff reifen konnte. Aus diesem Standpunkt betrachtet, muss uns die Nation der Heöraeer als ein w i c h t i ges universalhistori- Dass Mose einen aegyptischen Nai zum geschichtlichen Charakter der Si scheinend ein weitgehend aegyptisierte entstammt. Wer ihn deshalb zum Ae; nimmt der Erzaehlung den Boden, auf < Erzaehlung selber will den Namen freil Etymologie als “der (aus dem Nil) G Aber die Form des Verbs kann nur be< ziehende (aktiv!). Und darauf hinzude duenkt, in der Tat die heimliche Absich sie soll Mose als den bezeichnen, der Isr zogen hat. Dass eine solche Tradition mir aus einer —bisher fast unverstai Schriftstelle hervor. In einem merkwue ins Buch Jesaia (63, 7-19) aufgenomme es von Gott: “Er gedachte der Tage der folgen die Woerter mosche ammo, was was anderes zu bedeuten scheint als: IV aber das ergibt keinen befriedigenden Sinn geht uns auf, wenn wir merken, Mosche gleichsam aufgeschlossen werder des Herausziehers seines Volkes, des M; Gottes aus der Flut gezogen hatte. I

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