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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-04-01 · 4 (Abril, 1953) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
4 (Abril, 1953)
Date
1953-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Abril, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 9 Das immer wiederkehrende Pessach von Rabbiner Loewenstein Pessach ist von neuem furchtbar aktuell geworden. Tyrannei, Knechtschaft, Verfolgung und Tod sind fuer Millionen von Juden waehrend des Pessachfestes 5713 leidvolle Realitaet. Unsere Feste sind in der Freude wie auch im Schmerz erschrekkend lebendig. Es gibt keine Generation, die nicht einmal Gegenwartsnaehe unserer Feste verspueren muss. Blikken wir zurueck in jene Zeit der Knechtschaft Aegyptens, wir werden sehen, wie jenes tragische Geschehen auch in unseren Tagen wieder leiderfuellte Wirklichkeit geworden ist. Am Anfang des Berichtes von der Knechtschaft der Kinder Israels in Aegypten stphen die Worte: “Und es stand ein neuer Koenig auf, der Josef nicht kannte” (Schemot: 1,8). Tausendmal hat es sich in unserer Geschichte wiederholt, dass von einem Tag zum anderen juedisches Schicksal einen traurigen Umbruch erlitten hat und die Spaeteren nichts wissen wollten, was Juden an Grossem und Erhabenem geleistet haben. Die Weisen des Talmuds —Raw und Schemuel— streiten ueber die Bedeutung der Worte: “Und es stand ein neuer Koenig auf”. Der Eine versteht die Bedeutung dieses Satzes, in dem wirklich ein neuer Koenig auf den Thron kam, der Andere aber erklaert, es bliebe der alte Koenig, er erneuerte jedoch seine Gesetze in Bezug auf die Juden. Der verehrte Rabbiner Dr. Hermann Klein stellt in seinem Buch “Chochma im Nachala” die berechtigte Frage auf, wie kam Schemuel zu dieser Erklaerung, dass ein regierender Koenig Gesetze erneuerte und damit die Epoche der Knechtschaft in Aegypten begann, von der uns die Thora berichtet. War denn schon einmal von Verordnungen die Rede, deren man sich jetzt erinnerte? Die Thora hat doch nirgends vorher von Verordnungen gesprochen, die das Leben der Kinder Israel bedrueckten. Im Gegenteil, es scheint doch so, als ob sie frueher in Ruhe und Frieden lebten. Und Rabbiner Klein gibt eine Antwort, die wir I erst heute ganz verstehen. In I Wirklichkeit hatten die Ae-1 gypter schon frueher Verord-' nungen gegen die B’ne Jis-1 roel erlassen, aber diese waren ganz anderer Natur und hatten ein ganz anderes Ziel. Auch vorher war es ihre Absicht gewesen, den Samen Israels zu vernichten und seinen Namen auszuloeschen. Zuerst glaubten sie ihr Ziel dadurch zu erreichen, dass sie jenen ein laechelndes Antlitz zeigten, ihnen mit Freundlichkeit begegneten, sie mit Liebe zu sich zu bringen Suchten. Denn sie hofften, dass sich durch eine solche Politik die B’ne Jisroel, assimilieren und mit ihnen zu einem Volke werden wuerden, ihren Goettern dienen, ihre Opfer bringen und so den Gott ihrer Vaeter vergessen wuerden. Aber als sie sahen, dass sie trotz aller Freundlichkeit, welche sie ihnen bezeugten, doch in ihrem Glauben und in ihren Hoffnungen stark blieben, waehlten sie einen neuen Weg, um zu ihrem Ziel zu gelangen, den Weg der Vernichtung Israels. Sie verhaengten ueber sie die Knechtschaft, verbitterten ihr Leben und befahlen sie auszurotten, indem jedes neu geborene maennliche Kind in den Nil geworfen werden sollte. Die Verordnung war im Grunde die alte, sie wurde nur erneuert, indem man einen neuen Weg suchte, um die B’ne Jisroel zu vernichten. Nachdem die seelische und psychische Vernichtung Israels nicht gelungen war, schritt man zur physischen Vernichtung Israels. Diese Erklaerung gibt uns den Schluessel zu dem grausigen Geschehen, das ueber unsere Brueder und Schwestern jenseits des “Eisernen Vorhangs” gekommen ist. Wir wissen wenig ueber ihr Leben und Fuehlen, nachdem sie von der uebrigen juedischen Welt abgeschnitten worden sind. Aber das, was wir von ihnen wissen, erfuellt uns mit Angst um sie. Wir sind zutiefst davon ueberzeugt, dass der Versuch des modernen Pharao sie psychisch zu vernichten, missglueckt ist, dass ihre Liebe und Treue zu Israel durch die fruehere Politik der vollkommenen Assimilation nicht zerstoert werden konnte. Und darum sucht er neue Wege, den Weg der physischen Ausrottung aller derer, die dennoch Israel, seinen Traeumen und Hoffnungen, die Treue bewahren. Wir erleben dieses traurige Schicksal nicht zum ersten Mal. Wir kennen es und wir leiden immer erneut darunter, Aber gerade darum, weil wir “die alten und die neuen Verordnungen” kennen, koennen sie uns nicht zur Verzweiflung treiben. Auch der moderne Pharao sollte von jenem Bilde unserer Thora lernen, wenn Gott zu Moses spricht: “Wenn Pharao zu Euch sprechen wird, gebt Euch einen Beweis, so sage zu Aron: Nimm Deinen Stab, wirf ihn vor Pharao und er wird zu einem Krokodil werden. “Und unsere Weisen fragen, warum gerade das Krokodil ausgewaehlt wurde, um als Wunder vor Pharao zu dienen, und vergleichen den Pharao mit jenem Wassertier, dass seiner sicher und gewalttaetig in seinen Stroemen ruht und lassen den Pharao sprechen; “Wenn Amrams Sohn Mosche zu mir kommt, werde ich ihn toeten, haengen, verbrennen”. Doch als Mosche zu ihm kam, wurde Pharao bald ein Stab. Dieses “Wassertier” glaubt in seiner unangreifbaren Sicherheit, Amrams Sohn morden und vernichten zu koennen und wird doch nur zu einem Stab in Gottes Hand. Wir schauen den Pharao auf der Hoehe seiner Macht und kennen auch sein Ende, das das Ende aller Feinde Israels ist. Das juedische Volk, das fuer seine Zukunft arbeitet und kaempft, das in seinem Staat und in seinen Gemeinden um seine unzerstoerbaren Ideale und um eine schoenere und bessere Zukunft fuer die Menschheit ringt, ist nicht zu vernichten. Mag der Pharao sich auch auf der Hoehe seiner Macht duenken, er ist doch nur ein Stab in Gottes Hand. Immer wieder aufs Neue winkt Israel ein “Pessach Leatid”, eine erneute Befreiung. Wer Israel, sei es psychisch oder physisch vernichten will, geht den weg des Untergangs. Israel bleibt unzerstoerbar, solange es die Flamme der Freiheit —einer richtig verstandenen Freiheit— in seinen Haenden haelt, solange es Pessach feiert, als das Fest der ewigen Erneuerung im Geiste seiner Geschichte. So erfuellt uns an diesem Pessachfest 5713 die Hoffnung, dass das Leiden unserer Brueder und Schwestern jenseits des eisernen Vorhangs nicht zu lange waehre, und dass sie in naher Zeit in Ruhe und Frieden wieder mitwirken koenen an der Zukunft Israels. Die C6Jerusalemer Haggada” mm ri**’***ös* messt« Der In ein wolhynisches Staedtchen kam einmal ein Schwarzkuenstler. Obwohl es in der Pessachzeit war, wo der Jude mehr Sorgen als Haare auf dem Kopfe hat, machte seine Ankunft doch grosses Aufsehen. Ein raetselhafter Mensch! Seine Kleider sind zerrissen, aber auf dem Kopf hat er einen, wenn auch eingedrueckten, Zylinderhut; ein juedisches Gesicht —die Gottaehnlichkeit ist ihm auf die Nase geschrieben, aber sein Bart ist wegrasiert. Er hat keinen Pass, und niemand sah ihn essen, weder koschere Samariter beim Pessachopfer chwarzkueiistlei* VON L. J. PEREZ noch andere Speisen. Und er zeigte sich in keiner Betstube, selbst am Grossen Sabbat nicht. Und wenn die Leute sich um ihn draengten, verschwand er ploetzlich wie von der Erde verschlungen und tauchte am anderen Ende des Marktes wieder auf. Er mietete sich einen Saal und zeigte. seine Kunststuecke. Vor aller Augen verschluckte er gluehende Kohlen, als wenn es Suppennudeln waeren. Und aus dem Munde zog er Baender heraus, in jeder Farbe. Aus einem Stiefelschaft zog er IC Paar lebendige Truethaehne heraus. Dann hob er einen Fuss in die Hoehe und-kratzte von den Schuhsohlen goldene Dukaten ab, eine ganze Schuessel voll. Die Leute klatschten Bravo. Er pfiff, und alles ist im Nu verschwunden. Nichts ist zurückgeblieben. Doch ehe der Sederabend angebrochen ist, wollen wir den Schwarzkuenstler verlassen und uns zu Cha.iim-Jejne und zu seinem Weib Riwke- Beile begeben. Chajim-Jejne war einst ein reicher Holzhaendler gewesen; einmal steckte er sein ganzes Vermoegen in einen Wald; man verbot ihm aber, den Wald auszuholzen, und er buesste sein ganzes Geld ein. Dann wurde er Holzaufschreiber ln einem fremden Walde, verlor aber bald die Stellung. Nun sitzt er seit laengerer Zeit ganz ohne Geld da. Den Winter hat er mit Muehe und Not ueberstanden. Aber nach dem Winter kommt Pessach. Er hat schon seine ganze Habe versetzt. Riwke-Beile sucht noch einmal in allen Winkeln nach und findet —es ist wirklich ein Wunder Gottes —einen alten silbernen Loeffel. Chajim-Jejte nimmt ihn und verkauft ihn und spendet das Geld der Gemeinde zur Anschaffung von Mazzes fuer arme Leute. Und schon bricht der erste Pessachabend an! Chajim-Jejne geht aus dem Bejss-Hamidrosch heim. In allen Fenstern auf dem Markte leuchten Festtagslichter, nur sein Haus steht allein wie ein Trauernder unter Hochzeitsgaesten, wie ein Blinder unter Sehenden da. Er laesst aber den Mut nicht sinken; “Wenn Gott will, werde ich doch noch ein Pessachfest haben!” Er tritt in die Stube und ruft mit froehlicher Stimme: „Gut Jontef, Riwke- Beile!“ und sie antwortet ihm mit traenenerstickter Stimme aus der anderen Ecke: „Gut Jontef, Gut Jahr!” Er geht auf sie zu und sagt: „Riwke- Beile, heute ist Feiertag zum Andenken an den Auszug aus Aegypten. Verstehst du? Man darf nicht trauern Und welchen Grund hast du auch dazu? Wenn der Schoepfer der Welt nicht will, dass wir einen eigenen Seder haben, so muessen wir eben mit einem fremden fuerlieb nehmen! Jedermann wird uns einlassen... Tuer und Tor stehen uns ueberall offen. Heute sagen die Juden: Wer da hungrig Handschrift aus dem 13. Jahrhundert ist, komme und esse! Komm, nimm deinen Schal und lass uns zu irgendeinem Nachbarn gehen... ”. Und Riwke-Beile haelt mit aeusserster Kraft die Traenen, die sie wuergen, zurueck, nimmt ihren zerrissenen Schal um und will schon gehen, als ploetzlich die Tuere geoeffnet wird Jemand tritt ein und ruft: „Gut Jontef! Ich will euer Gast beim Seder sein!”. „Ach“, erwiederte der Chajim-Jejne, „wir haben selbst keinen Seder.“ Und der Gast meint, er habe einen Seder mitgebracht. „Einen Seder im Finstern abhalten?“ ruft Riwke-Beile, die ihre Traenen nicht mehr zurueckhalten kann. „Gott bewahre!“ sagte der Gast. „Es wird schon Licht sein.“ Und er winkt mit der Hand, und mitten in der Stube, in der Luft erscheinen zwei paar silberne Leuchter mit brennenden Kerzen. Nun ist es hell, Chajim-Jejne und Riwke - Beile erkennen in dem Fremden den Schwarzkuenstler. Sie starren ihn an und koennen vor Staunen und Schreck kPin Wort hervorbringen. Der Schwarzkuenstler wendet sich an den Tisch, der ganz versrhaemt in einem Winkel steht, und sagt ihm: „Na, Bursche, deck dich und komm her!” Und wie er das sagt, faellt von der Decke ein schneeweisses Tischtuch auf den Tich herab, und der Tisch ruehrt sich von seinem Ort, kommt mitten in die Stube und bleibt unter den sich senkenden Leuchtern stehen. Sofort setzen sich auch die drei Stuehle, die in der Ecke der Stube stehen, in Bewegung und stellen sich an drei Seiten des Tisches auf. Auf Befehl des Fremden verwandeln sie sich in drei bequeme Grossvaterstuehle, und auf dem Tisch erscheint eine Sederschuessel mit allen vorgeschriebenen Dingen, ein roter Weinbecher und eine Flasche Wein, auch Mazzes und alles, was man zu einem Seder braucht. „Und Wasser zum Haendewaschen habt ihr?“ fragt der Schwarzkuenstler. Jetzt erst kommen die beiden zu sich und schauen einander an. „Darf man es annehmen?” fluestert Riwke- Beile ihrem Mann zu. Der weiss nicht recht, wass tun, und so beschliessen sie, beide zum Rabbi zu laufen und lassen den Fremden allein. Der Rabbi entschied: wenn etwas durch unsaubere Kuenste geschaffen ist, so ist es unwirklich, denn jede Zauberei ist nur Blendwerk fuer die Augen. Sie sollen nach Hause gehen, und wenn der Wein si°h einschenken, und wenn die Mazze sich brechen lassen, so sei alles gut: es komme vom Himmel und sia duerften es geniesten. So gingen sie mit Herzklopfen rach Hause, aber der Schwarzkuenstler war schon fort. Indes — der Seder stand wie frueher da, und der Wein liess sich einschenken und die Mazze sich brechen. Nun verstanden sie, dass der Fremde niemand anderer als der Prophet Elias gewesen war, und sie hatten ein froehliches Fest

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