Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 4 (Abril, 1953)
- Date
- 1953-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION- S C. 1. 0’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO * CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD CU L&eU RAL ISRAELITA B ' N E J I S R O E L " Año XV. — N.o 4 — Nisan 5713 SANTIAGO DE CHILE Abril, 1953 s brennt, Brueder, es brennt! Vor zehn Jahren am Vorabend des Pessach 5703, dem 19. April 1943, erhoben sich die Juden Warschaus und nahmen den Kampf gegen ihre bestialischen Unterdruecker auf, die gerade an diesem Tasre —einem diabolisch, “wagnerianl sehen” Symbolismus ihres Fuehrers folgend—, die endgueltige Liquidierungsaktion gegen das Ghetto beginnen wollten. Dieser letzte, aussichtslose schon vom Sterben gezeichnete Widerstand verleiht dem Untergang des pol nischen j udentums den Glanz des Heldenlie des. Der Aufstand des Warschauer Ghettos ist ein Licht in der Nacht des juedischen Untergangs. .;:l; li üi.i! KAMPF Am Fruehmorgen des 19. April begann die letzte Schlacht. Man hatte ein Geschenk zum Geburtstag des “Fuehrers” vorbereitet. Um zwei Uhr morgens umstellten deutsche, ukrainische und lithauische Wachtposten das Ghetto. Dann drangen sie in Gruppen von zwei und drei Soldaten in das wie ausgestorbene Ghetto, und versuchten, die Widerstandskaempfer und Bevoelkerung zu ueberraschen. Doch die juedischen Kaempfer waren, verteilt auf ihre Posten, bereit, den Feind zu empfangen Die Deutschen brachten Verstaerkung. Um sechs Uhr drangen zweitausend SS-Soldaten mit Tanks, Feldgeschuetzen und drei Lastwagen voll mit Munition und Sanitaetsausruestung in das Zentrum des Ghetto ein. Die juedlsche Zivilbevoelkerung war von den Strassen verschwunden, nur die Kampftruppen warteten in ihren Stellungen. Der erste Zusammenstoss ereignet sich an der Nalevki- Strasse. Der Zugang zu ihr wurde von errichteten Barrikaden aus verteidigt. Die Deutschen mussten sich zurueckziehen, Hessen mehrere Tote am Platz. Im selben Moment hebt eine richtige Schlacht an der Kreuzung >ie Ghettomauer Ist errichtet UNTER DEUTSCHER HERRSCHAFT Als die Deutschen Warschau erobert hatten, geschah zunaechst mit dem Warschauer Ghetto nicht viel. Der Kedilla, der juedische Gemeinderat, wurde von den Deutschen zum „Judenrat“ gemacht, eine juedische Polizei wurde eingesetzt. Das Sterben begann schon, weil die deutschen Machthaber den wirtschaftlichen Lebensfaden des Judentums zerschnitten hatten. Im Sterben erst wurde das Ghetto richtig geschaffen: die Verbindungsfaeden mit der Aussenwelt wurden jetzt alle zerschnitten. Die Juden wurden aus dem legalen Wirtschaftsleben ausgestossen. Fortan lebten die Juden ausserhalb des Gesetzes und gegen das Gesetz —nur so konnten sie ueberhaupt leben. Mitte 1942 aber beginnt die „Umsiedlung zum Arbeitseinsatz im Osten“. Die Massenvernichtung beginnt. Nun faengt die grauenvolle Menschenjagd im Ghetto an. Der Polizist, der nicht taeglich vier Mann fuer die Deportation meldet, wird mit seiner Familie selbst deportiert. Dem „Judenrat“ droht die Verschickung, wenn er nicht sein Soll fuer den Todesmarsch nach dem Osten liefert —ein teuflisches System, das eine Opfer durch das naechste zu fangen — weil das naechste hofft, es koennte alles vorbei sein, bis es selbst dran ist, und weil es waehnt, auch dem braunen Moloch koennte es einmal genug sein. Die juedische Widerstandsbewegung warnte; in der illegalen Zeitung des Ghettos „Der Sturm“ veroeffentlichte sie einen Aufruf: Juden, man taeuscht euch, glaubt nicht, dass ihr zur Ar- ( beit und zu sonst nichts deportiert werdet. Taetsaechlich werdet ihr in den Tod geschickt. Dies ist die satanische Fortsetzung der Vernichtungskampagne, die bereits in den Provinzen durchgefuehrt worden ist. Lasst euch nicht freiwillig in den Tod abfuehren und leistet Widerstand. Kaempft mit Haenden und Fuessen, begebt euch nicht auf den Umscnlageolatz. Kaempft fuer euer Leben. Die Fuenfzigtausend Menschen, die im Ghetto zurueckgeblieben waren, leisteten in der Tat Widerstand. Die Deportation wurde ein Fehlschlag, die Masse der Juden blieb. Durch einen „Grosseinsatz“ sollte am 18. April die Zwangsevakuierung vollzogen werden. Die Einsatzkommandos aber wurden durch einen Feuerueberfall der juedischen Widerstandsgruppen zurueckretrieben. Der Aufstand hatte begonnen. Denkmal der Ghettokaempfer der Strassen Zamenhof und Mila an. Vier Gruppen Widerstanskaempfer haben sich an je einer Ecke eingegraben und greifen den Hauptkern der Deutschen an, der dort einzudringen versucht. Schuesse werden gewechselt und Handgranaten auf Eindringlinge geworfen. Diese ziehen sich zurueck und begnuegen sich, aus entfemte- M. Anilevichs letzter Brief Ich bin dessen unfaehig, Euch die Bedingungen zu beschreiben, in denen die Juden unseres Ghettos ‘leben’. Nur Wenige werden vielleicht solche Leiden ueberstehen, die Meisten werden frueher oder spaeter umkommen, ihr Schicksal ist besiegelt, wenngleich s,e sich besuchen, in Ritzen und Rattenloechern Zuflucht zu finden. Man kann keine Kerze anzuenden, weil Luft fehlt. Seid gegruesst. I h r von drausseu, vielleicht geschieht ein Wunder, und ww sehen uns noch eines Tages. Ich bezweifle es aber, ich bezweifle es sehr. ■- Mein letztes Lebensziel ist in Erfuellung gegangen : Die juedische Selbstwehr ist zur Wirklichkeit, juedischer Widerstand und Rache zur Tatsache geworden. Gluecklich bin ich, dass ich zu den ersten juedischen Ghettokaempfem gehoere. (Warschau) ren Hauseingaengen auf die Verteidiger zu schiessen. Nach etwa einer viertel Stunde erscheinen leichte Tanks und halten auf die Stellungen der Juden zu. Als der erste Tank an ein Hindernis geraet, geht auf ihn ein Regen von ‘Molotov-Flaschen’ herab, die ihr Ziel nicht verfehlen. Der Tank entzuendet sich und explodiert, seine Besatzung verbrennt. Die anderen zwei Tanks machen schleunigst kehrt und hinter ihnen versuchen die deutschen Soldaten zu fliehen. Zweihundert Tote und Verwundete bei den Deutschen. Nach Verlauf von zwei Stunden kommen die Deutschen mit leichten Kanonen, stellen sie in einem freien Gebiet auf und besehiessen die Stellungen, wir muesseh sie verlassen; die Deutschen besetzen sie. Da beginnt man ploetzlich, aus einem Fenster der gegenüberliegenden Strassenseite, Handgranataen auf sie zu werfen. Im Hause Nummer 29 der Zamenhof-Strasse hat sich eine Gruppe verschanzt, die bisher am Kampf nicht teil nahm und jetzt d'e Deutschen ueberraschend angreift. Fuenf Tote bei den Deut sehen. Am Nachmittag, um fuenf, ziehen sich die Deutschen auf das ‘Niemandsland’ vor dem Ghetto zurueck. UNTERGANG Es wurde nun Feuer an das Ghetto gelegt, die Wehrblocks wurden systematisch nieder- (Fortsetzung auf Seite 19)