Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 3 (Marzo, 1953)
- Date
- 1953-03-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO A,br Und es stand .hinfort kein ' B ER U F U N G Doch wenn er an der Wueste Rand die Schafe weidet, Umwoelkt sich seine Stirn, Senkt sich sein Blick zur Erde. Sein eignes Leben in der Freiheit Ist zur Seelenpein geworden, Wenn er der Brueder in Mizrajim denkt. Ihn schmerzt die freiheitlich geschwellte Brust, wenn er im Geist Die frohngebeugten Ruecken seiner Brueder schaut. Ergebung nur und immer nur Ergebung, bis zum Ende! Da! Eines Tages stockt sein Schritt, Sein Blick strebt in die Weite. Ein Funke blitzt in seinem Auge, Ein Feuer zuendet sich in seinem Herzen, Das brennet, brennet und verbrennet nicht. “Berufung!” hallt es ihm im Ohr, “Der Augenblick des Ewigen ist da!” “Die Zeit ist mein, mir ist geboten, zu befreien!” Der Alltag kommt, Und mit ihm kommen die Bedenken: Das Volk ist machtlos, jeden Willens bar, Zum Widerstande nicht bereit; Er unbekannt, ohn’ Auftrag, ohne Gaben; Die Herren stark, Zu jedem Zwang entschlossen. Doch nein! Was schert ihn Grund und Folge der Geschichte, Was Moeglichkeit und Aussicht! Der Wille ward entzuendet, Aus ihm gestaltet sich die Tat. Israel wird frei! (Dr. M. GOTTHIEF). Michelangelo: Moses der Gesetzgeber Vor Pharao mm. ■v/fiy/sy.-y.- ■¿¿¡¡et Was in geschichtlich deut- I licher Zeit ein Prophet nach dem anderen auf der Geschichtsbuehne tut, ist: dem Herrscher m i t kritischem Wort und kritischem Zeichen entgegenzutreten. Das Wort ist Forderung, im Namen Gottes und seiner Gerechtigkeit; Ansage des Verhaengnisses fuer den Fall der Weigerung, und Deutung eines darauf, frueher oder spaeter, folgenden schlimmen Geschehens; das Zeichen ist Verleiblichung des Wortes, wobei der Vorgang zwar aussergewoehnlich sein muss, um eben als Zeichen wirken zu koennen, aber keineswegs uebematuerlich. Wenn wir es wagen duerfen. den Anfang dieses Geschichtsphaenomens bei Mose zu suchen, sein Auftreten dem Pharao gegenueber als die erste in der Reihe dieser prophetischen Haltung zu verstehen, dann muss, wenn all der Zauber zerstiebt, der in der biblischen Erzaehlung Mose und seinem Gotte zugeschrieben wird, ein fester Kern bleiben. Darin kann Unheil zwar nicht mehr unmittelbar bewirkt werden, aber es kann, wenn auch nur in allgemeinen Zuegen, angedroht werden; und ein geschehendes Unheil kann als Wirkung der ‘Verstocktheit’ erklaert werden. Der geschichtliche Mose, der nach Aegypten zurueckkehrt ist weder ein Magier noch ein Schwaermer. Er weiss genau, wer der Pharao ist. er weiss genau, was es heisst, so zu ihm zu reden, wie er zu ihm reden soll, und er hat sich dazu entschlossen. Er ist, seit auf dem Berg das Wort zu ihm kam, gewiss, dass das Wort genuegen wird: weil, wenn er es spricht, der “Daseiende” JHWH bei ihm ist. Das Wort wirkt anscheinend nicht, denn der Koenig erwidert es mit ueberlegenem Spott ueber diese fremden Goettlein, die sich einbilden, sich in die Angelegenheiten Aegyptens mischen zu koennen; und doch wirkt es, denn einige Zeit darnach gibt er die Scharen der Fronarbeiter frei. Dazwischen liegen Ereignisse, die von Mose als Erfuellung seiner (bedingten) Unheilsansage gedeutet werden, aussergewoehnliche, aber durchaus nicht uebernatuerliche Ereignisse. Warum laesst sich Pharao ueberzeugen? Wir sehen uns auf ein Geschichtsgeheimnis hingewiesen, das aber eben historischen und nicht literarischen Charakter hat. Ein Geschichtsgeheimnis bedeutet immer eine Verbindung zwischen einem ueberpersoenlichen Schicksal und einer Person, und zwar dem Untypischen einer Person, dem an ihr, was in den Typus nicht eingeht. Der Auftrag Moses ist seiner Art nach ein prophetischer, aber dass Mose ihn, wie ungeheuer er auch ist so erfuellt, dass erreicht wird, was zu erreichen war, dass er im Gegensatz zu den Propheten Israels in seinem Ringen mit dem Koenig siegreich bleibt, das liegt offenbar zu einem guten Teil daran, dass er noch etwas anderes als Prophet ist. Bei jeder katastrophalen Begebenheit hoert man am aegyptischen Hof, dass dieser graessliche Asiate schon wieder herumsteht und das Geschehene deutet. Dass man dennoch den Unruhe stiftenden Leviten schont, liegt wohl in der den Aegyptem unheimlichen Machtatmosphaere, die von Mose ausstroemt: er, von dessen Seltsamkeiten in der Zeit, da er dem Hofe nahestand sich wohl manche noch zu erzaehlen wissen, der Unheil 'ansagt und es deutet, wirkt als etwas Grausiges, das anzugreifen man sich scheut; das ¡ungelenke Reden, mit dem ein fremder Gott stossartig ihm die Kehle bewegt, steigert nur noch das Grauen. Und nun geht es weiter: in einem Winter kommt das Hagelgewitter, der Heuschreckenzug, im naechsten Fruehling bricht ein Sandsturm von nie gesehener Wucht aus, fuer Tage verfinstert sich die Luft, die Sonne wird unsichtbar, eine Laehmung legt sich auf alle und nimmt ihnen die Besinnung. Mitten darin aber; waehrend die Seuche, eine Kinderseuche, ihr Werk zu tun beginnt, schallt unangefochten von den ziehenden Sandmassen, durch die Strassen der Residenzstadt die Stimme des Gewaltigen. Die Zeichen haben sein Volk ueberwaeltigt und um ihn geschart, die Hoffnung ist staerker als die Finsternis, sie sehen Licht. Und da, in der Nacht, stirbt dem jungen Koenig sein erstgeborener Sohn. Trostlos im innersten Gemache ueber die Leiche gebeugt, nicht mehr ein Gott, sondern der Mensch, der er ist. erblickt er ploetzlich den Verhassten vor sich. “Fort mit euch”, schreit, er. (BUBER) Unsere bedeutendste Geschichtssage, die vom A ten, ist unloesbar mit der einmaligen Persoeniichkeit loschenen Sklavenseelen den heissen Wunsch nach Fi lassung aus fremder Fron, und verlieh schliesslich di« indem er die zuegellose Menschenhorde in ein Voll Moses, unermuedliches Bemuehen zum Traeger ein Idee wurde. Eine tendenzioese Bibelkritik hat versucht, die unseres Volkes in das Gebiet der Fabel zu verweisen ( deren Staemmen geschaffenen Geistesprodukten zu e sichtigkeit bemerkte sie nicht, dass gerade durch die ne Leistung zu ihrer wirklichen Bedeutung emporge die mosaische Gesetzgebung ueber Hammurabi, der aegyptischen Tutmosis hinausgeht, liegt das Geniale, seits ist die mosaische Tradition so einheitlich, wii nen pentateuchalen Dokumenten belegt und stimmt Kenntnissen des Mittleren Ostens im zweiten Jahrtau nur hyperkntischer Pseudo-Rationalismus seine grui fein kann. Gewiss, zu dem Mose, der vor vielen Zeiten gewi vielen Zeiten geworden ist. Mit liebevoller Phantas die Erinnerung an ihren grossen Erloeser und Gestalt gaenzen die urspruenglichen Berichte, spaeter entsschreibt man ihm zu. Doch wenn man sogar vorsich ueber Moses berichtet wird, auszuschalten versucht, bl schichtskern von einer uebergrossen Persoeniichkeit u erhalten. Mehr als das ¡Moses lebt als gestaltende Wirk und Religionen. Aus dem uferlosen Meer der Kunstw die sich mit Moses beschaeftigen, ist hier Einiges wi davon ist, auch nur ein kleines Mosaik zu formen, des Zeugnis davon ablegen, wie es die Menschen aller Ze der Persoenlichkei Moses “zu ringen, dass er sie segns Der treue Hirte “Und Moses war Hirte” (Ex. 3.1) Der Heilige gelobt sei Er erprobte Moses als er mit seiner Herde war; es erzaehlen unsere Weisen: Als Moses, unser Lehrer, noch die Herde huetete bei Jithro in der Wueste, entlief ihm ein Zicklein. So folgte er ihm eilends bis er an ein Gebuesch kam, und siehe, in dem Gebuesch war ein Wassertuempel und dort stand das Zicklein und trank. Als Moses bei ihm anlangte, sprach er: “Ich wusste nicht, dass du aus Durst entliefst. Gewiss bist du jetzt muede”. Er hob es auf seine Schultern ung ging zurueck. Sprach der Heilige gelobt sei Er: “Voll Erbarmen fuehrst du die SH BP; Herde eines anderen Sterblichen, wahrlich du sollst mir Israel, meine Herde, behueten”. (Schemot Raba) Seine Sendung Die Gruendung des juedischen Staates durch Moses ist eine der denkwuerdigsten Begebenheiten, welche die Geschichte aufbewahrt hat, wichtig durch die Staerke des Verstandes, wodurch sie ins Werk gerichtet worden, wichtiger noch durch ihre Folgen auf die Welt, die noch bis auf diesen Augenblick fortdauern. sches Volk ercheinen, alles Boese, welches diesem Volke nachzu gewohnt ist, alle Bemu gen witziger Koepfe, t verkleinern, werden uns hindern, gerecht gegen selbe zu sein. Si In einem gewissen Sinne ist es unwiderleglich wahr, dass wir der mosaischen Religion einen grossen Teil der Aufklaerung danken, deren wir uns heutigenstags erfreuen. Denn durch sie wurde eine kostbare Wahrheit, welche die sich selbst ueberlassene Vernunft erst nach einer lan-, gen Entwicklung wuerde gefunden haben, die Lehre von dem einzigen Gott, vorlaeufig unter dem Volke verbreitet und als ein Gegenstand des blinden Glaubens so lange unter demselben erhalten, bis sie endlich in den helleren Koepfen zu einem Vernunftbegriff reifen konnte. Aus diesem , Standpunkt betrachtet, muss uns die Nation der Hebraeer als ein w i c h t i ges universalhistori- Dass Mose einen s zum geschichtlichen C scheinend ein weitgehe entstammt. Wer ihn c nimmt der Erzaehlung Erzaehlung selber will i Etymologie als “der (a Aber die Form des Ver ziehende (aktiv!). Und duenkt, in der Tat die 1 sie soll Mose als den be: zogen hat. Dass eine s< mir aus einer —bisher Schriftstelle hervor. In ins Buch Jesaia (63, 7-: es von Gott: “Er gedacl folgen die Woerter mos was anderes zu bedeute aber das ergibt keinen Sinn geht uns auf, wer Mosche gleichsam aufge; des Herausziehers seine Gottes aus der Flut gezo