Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 2 (Febrero, 1953)
- Date
- 1953-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Febrero 1953 BOLETIN INFORMATIVO Roter Caesarenwahnsinn Unsere Nobelpreisiraeger Im alten Rom gab es manchmal mehr Zirkus als Brot. Besonders liebten es die Caesaren, zur ablenkenden Beruhigung der aufgeregten Massen in grossen Schauvorstellungen einige Christen den wilden Bestien vorzuwerfen. Die Zeiten haben sich nur wenig geaendert; der rote Nero zu Moskau versucht seine Untertanen zu besaenftigen indem er ein paar Juden den wilden Bestien vorwirft. Diesmal sind es juedische Aerzte. Kurz vorher hatte die russische Presse allerdings die Sowjet-Medizin in den hoechsten Himmel gehoben. Hat sich doch nicht nur herausgestellt, dass es einem russischen Forscher bereits vor 80 Jahren gelungen war, Pennizilin herzustellen, sondern es haben doch auch jetzt dortige Doktoren erreicht, das menschliche Leben zu verlaengern. (Die russischen Buerger werden das wahrscheinlich als Strafe betrachten!) Dann ploetzlich wurde das Steuer der Propaganda um 1801? herumgeworfen. Man war wieder einmal zu zufrieden gewesen, zu satt und zu froh; es fehlte, wie die ‘Izvestia” schreibt, “die noetige Wachsamkeit, und schon heben verbrecherische Elemente den Kopf”. Den ganzen Ernst der Situation koennen wir nur verstehen, wenn wir in Betracht ziehen, dass in Russland bei jeder Wahl 99.6% ihre glueckliche Zufriedenheit unter dem Regime demonstrieren. Doch kaum lassen diese nun in ihrer Wachsamkeit nach und schon Durch zwei Jahrtausende waren wir Juden die Minderheit par excellence. Wir haben von den Verfolgungen kosten muessen, die das Los aller Minderheiten sind -und wir waren es ueberall. Taten, Ansichten, Benehmen Einzelner von uns konnten fuer uns verhaengnisvolle Folgen haben. Frueh lernten wir es am eigenen Leibe: Minderheit verpflichtet! Jetzt haben wir das unvorstellbare historische Glueck gehabt, die Errichtung unseres Staates zu erleben und damit Zeuge zu werden, wie wir Juden in einem Lande machthabende Mehrheit sind, jetzt stellt sich heraus: Auch Mehrheit verpflichtet! Sie verpflichtet zu Toleranz den Minoritaeten, zur Nachsicht den Andersartigen gegenueber. Die Versuchungen sind gross, eine —dazu noch neue — Macht zu missbrauchen, der jedem Menschen angeborene und anerzogene Xenophobie, dem feindlicher iMisstrauen gegen alles Fremde, freien Lauf zu lassen. Wie nun haben wir —bei offener Selbstkritik— die Pruefung bestanden? Nun, es gab auch in Israel vereinzelte haessliche Faelle von nationaler Ueberheblichkeit; der Beduinenscheich, heben die 0.4% ihren Kopf (um den man sie dann kuerzer macht!). Was dieser Prozentbruchteil nun alles an Wissen Schaftssabotage, S p i o nage, Verraetereien und Attentaten anstellt, spottet jeder Beschreibung. Diesmal wirft man den 0.4% Prozent, in Gestalt fuehrender Aerzte, den Mord an verschiedenen hohen Sowjet-Funktionaeren vor, die vor vielen Jahren das Zeitliche segneten. Dass die Kunde vom Ableben Schdanows und anderer hoher Sowjet-Wuerdentraeger bereits zur Geheimpolizei gedrungen ist, scheint kolossal; dass diese damit unzufrieden ist, verstaendlich. Die Unsitte, ohne vorher eingeholte polizeiliche Erlaubnis, einfach zu sterben, ist staatsgefaehrlich. Dann koennte ja einfach jeder ... Das Naheliegendste waere wohl gewesen, ’ wenn die Polizei bei Stalin selbst nachgefragt haette, der -im Gegensatz zu seinen Aerzten— ein Spezialist im Lebensverkuerzen ist und wahrscheinlich ueber die Ursachen manch ploetzlichen Todes am besten unterrichtet sein duerf te. Doch‘vestigia terrent’, die Polizei haelt wahrscheinlich aus Gruenden ihrer eigenen Sicherheit eine derartige Nachfrage fuer nicht ratsam und so schiebt sie —ganz im Zuge der Zeit— die Anklage Aerzten, unter ihnen hauptsaechlich Juden, in die Schuhe. Die Welt hat sich daran gewoehnt, den Nachrichten und Behauptungen, die aus der russischen Diktatur der der mit seinem Sohn ein Restaurant betrat und absichtlich nicht bedient wurde; der Ueberfall auf Missionare; die Argumentation gegen eine allgemein gueltige Einbuerger ungsgesetzgebung usw. Und doch koennen wir stolz sein, dass immer eine entruestete Reaktion gegen derartige Ausw u e chse unseres Selbstbe. wussttseins eingesetzt hat, oft spontan, manchmal in Form von organisierten Versammlungen, bei denen unsere fuehre n d e n Intellektuellen fuer Menschlichkeit und Recht eintreten. Den alten Scheich, der vom Personal geflissentlich uebersehen worden war, lud ein einfacher Arbeiter an seinen Tisch; fuer eine Gleichheit vor dem Nationalisierungsgesetz kaempfen Ernst Simon, Martin Buber und viele Andere; die Histadrut hat ihre Tore den arabischen Arbeitern geoeffnet. Sie alle befolgen bewusst o d er unbeabsichtigt das schoene biblische Gebot: “Wie ein Buerger von euch soll der Fremdling sein, der bei euch wohnt, und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen im Lande Aegypten. (Lev. 19, 34)”. Luege kommen, keinerlei Glauben zu schenken. Zu allem Ueberfluss besitzen die angeklagten Aerzte einenschwedischen Kollegen, der zur Behandlung zugezogen worden war, und der jetzt ihre Unschuld vor aller Welt bezeugen konnte. Was den amerikanischen Hilfsfond JOINT betrifft, der in der Anklage genannt wird, so war es der Kreml selbst, der vor Jahrzehnten die damals nichtzionistische Organisation zur Unterstuetzung seiner Biro- Bidjan-Plaene und Beschaffung von Fachkraeften eingespannt hat. Seitens des juedischen wohltaetigkeitskomitees lag gewiss keine unedle geschweige denn Spionageabsicht vor; aber der Traum der Sowjet-Herrscher war es damals, amerikanisches Gold nach Russland zu locken. Betrug und Verrat liegt also auf der anderen Seite. Wir haben das schoene Maerchen vom Sowjet-Paradies nie geglaubt; wir hielten aber die russischen Zustaende zuweilen fuer einen notwendigen Laeuterungsberg. Jetzt erst wird es klar, dass man es mit einer Dante’ sehen Hoelle zu tun hat auf deren Toren steht: Der du hier eingehst, lass alle Hoffnung fahren! Verschwoenwg bei Tag Die Pessismisten warnten bereits vor Kriegsende, dass die Nazi-Gefahr mit der deutschen Niederlage nicht endgueltig vorbei s e i. Einige fuehrende Maenner des dritten Reichs, so waehnten sie, wuerden die braune Goetterdaemmerung ueberleben und sich in Bergschluchten, entlegenen Gehoeften, dunklen Kellern verbergen koennen. Nachts, maskiert und verkleidet, kaemen sie dann aus ihren Blut— und Bodenverstecken und begaennen die Verschwoerung! Der Werwolf an der Arbeit. Die jetzt in Westdeutschland aufgedeckte Verschwoerung und die von den Briten vorgenommenen Verhaftungen zeigen es mit aller Deutlichkeit, dass die Geschichte allen Pessimismus in den Schatten stellen kann. Die verhaft eten Verschwoerer, allesamt nahe Mitarbeiter Hitlers, hatten keine romantische Verkleidung noetig. Sie sind Generaldirektoren von wichtigen Industrieuntemehmungen, und fahren in eleganten Autos. (Der Schoffoer wartet). Sie lassen sich von diversen Parteien aufstellen und werden in die Parlamente gewaehlt. Sie schreiben Memoiren, in denen sie beweisen, dass sie immer Recht hatten und wenn sich ihnen einer in den Weg zu stellen wagt, protestieren sie gegen diese Frechheit eines ‘Morgenthauboys’. Wenn sie sich in ihren Villen treffen, tauschen sie beim Glase Wein Erinnerungen und hecken Verschwoerungen aus. Am hellerlichten Tag. Und beim Für das Jahr 1952 ist Professor Waksman, der Direktor des Instituts für Mikrobiologie an der Rutgers-Universitaet in New Brunswick (USA) in Anerkennung seiner massgeblichen Beteiligung an dei Entdeckung des Streptomycin mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet worden. Streptomycin, ein Heilmittel zur Bekaempfung von Infektionskrankheiten, i n sbesondere der Tuberkulose, hat ungewoehnliche Beachtung in der medizinischen Welt gefunden. Vor einiger Zeit hat Professor Waksman bekanntgegeben, dass er einen Teil seines Gewinns aus der Herstellung dieses Medikaments zur Schaffung einer Stiftung zur Foerderung des Studiums der Mikrobiologie zur Verfügung stellen wird. Der neue Nobelpreistraeger, der aus dem ukrainischen Dorf Priluka stammt, steht im 65. Lebensjahr. Waksman ist der 10. jüdische Traeger des Nobelpreises für Physiologie und Medizin. Seine neun Vorgaenger sind (in alphabetischer Reihenfol- Zu seinem 70. Geburtstag verlieh Koenig Gustav Adolf von Schweden dem als „Engel von Budapest“ bekanntgewordenen früheren Attaché Raoul Wallenberg den Orden „Illis Quorum“, der für humanitaere Verdienste verliehen wird. Wallenberg hatte 1945 in den Monaten des Zusammenbruchs Tausende von ungarischen Juden vor der Deputation und damit vor dem sicheren Tode gerettet, verschwand dann nach dem Einmarsch der . Russen spurlos und wird heute in einem sowjetischen Gefaengnis vermutet. Wallenberg ging 1944 als Attaché zur schwedischen Gesandschaft nach Budapest. Sein Hauptanliegen war dort, ungarische Juden aus den Haenden der Gestapo zu befreien. Er holte sie zu Hunderten aus den bereits abfahrbereiten Deportationszügen und versah sie mit falschen Ausweispapieren. Nach der Besetzung B u d a p ests durch die Rote Armee wurde er von einer sovjetischen Wache abgeholt und ist seitdem verschollen. Im Jahre 1946 berichtete besten Willen koennen wir bei ihnen weniger Schuld finden als bei den Siegermaechten, die dieser Brut ihr freches Treiben erlaubt haben. Denn irgendwo laufen da jedesmal Faeden zu einer ‘fremden Macht’. Vielleicht sind es diesmal die Russen; das vorige Mal jedoch, als die deutsche Polizei eine Terrorgruppe aufdeckte, die bereits Listen von fuehrenden Gewerkschaftsleuten, Pazifisten und Sozialisten zum Zweck der ‘Liquidierung’ a n g e f e rtigt hatte, stellte sich heraus, dass die Gruppe unter der Initiatige): der 1936 in Upsala verstorbene Ohrenspezialist Robert Barany (Preis für Oesterreich 1914); der jetzt 46 Jahre alte Physiologe Ernest Boris Chain (England, 1945); Paul Ehrlich, der Entdecker des Salvarsan (1954-1 9 1 5; Deutschland, 1908); Joseph Erlanger, i n Anerkennung seiner Forschung auf dem Gebiet der Nervenreaktion (USA, 1914); der Blutgruppenforscher Karl Landsteiner (Oesterreich, 1930); Otto Loewi, jetzt in Amerika, für seine Arbeiten über den Mechanismus der Nervenwirkungen (Oesterreich, 1936); der 1916 in Paris gestorbene russische Bakteriologe IIja Metschnikoff (Russland, 1908); Otto Meyerhoff, am 6. Oktober v. J. in Philadelphia verstorben, für die Erforschung der chemischen Vorgaenge und Energieumwandlungen bei der Muskelarbeit (Deutschland, 1922); und Otto-Heinrich Warburg, jetzt wieder am Kaiser - Wilhelm-Institut für Zellforschung in Berlin-Dahlem taetig, in Anerkennung seiner Entdeckungen auf dem Gebiet der Stoffwechselforschung (Deutschland, 1931). der aus der Sowjetunion heimkehrende Journalist Eduard Sandeberg, mit Wallenberg in einem Gefangenenlager zusammen gewesen zu sein. Auch die inzwischen verstorbene frühere Sowjet- Botschafterin in Stockholm, Frau Kollontaj, soll angedeutet habeu, dass Wallenberg noch in der Sowjetunion lebt. Eine Intervention der schwedischen Regierung in Moskau 1947, wurde von den Sowjets mit der Auskunft beantwortet, eine genaue Untersuchung habe ergeben, dass Wallenberg nicht in der Sowjetunion sei. Ende 1951 erregte eine neue Zeugenaussage zum Falle Wallenberg in Schweden grosses Aufsehen. Der italienische Diplomat Dr. Claudio de Mohr sagte unter Eid aus, er sei von April 1945 bis Anfang 1948 im Moskauer NKWD-Gefaengnls Zellennachbar Wallenbergs gewesen, und habe sich mit ihm durch Klopfzeichen verstaendigt. Na4ch Stockholmer Zeitungsmeldungen ist die schwedische Regierung in Moskau erneut vorstellig geworden, um Wallenbergs Freilassung zu erwirken. ve und Mithilfe von nordamerikanischen FBI-Offizieren gegruendet, ausgebildet und bewaffnet worden war. Das kurzsichtige Spiel der Besatzungsmaechte ‘Bewaffnest du meine Nazis, bewaffne ich deine Nazis’ wird sich bitter raechen. Die superklugen alliierten Zauberlehrlinge werden den Besen, den sie aus der Ecke gezaubert haben, nicht wieder los werden koennen. In der Politik des Hasses kehren alte Besen am Besten. BEN Mehrheit verpflichtet mlwiacheH de*. Zeilen Schweden ehrt Sowjeihaeftling