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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-02-01 · 2 (Febrero, 1953) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
2 (Febrero, 1953)
Date
1953-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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REDACCION! S.C. 1. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL. 610. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S OCIE DA D C AíL IS R AELITA "B’NE J IS R OE Ú" Año XV — N.o 2.— Shvat, 5713 SANTIAGO DE CHILE Febrero 1953 Martin Bufear1 Aus seinen Schriften Am ¡j. Februar vollendet Pro-; fessor Dr. Martin Buber sein 15. Lebensjahr. Es ist nicht leicht, in einer kurzen Festbetrachtung' einen I Ueberblick geben zu wollen ueber ein Leben, das reich ist an produktivem Schaffen auf zahlreichen Gebieten, und ueber ein Werk dessen Bedeutung fuer die. geistesgeschichtliche Entwicklung des Judentums nicht noch genug eingeschaetzt werden kann. Und doch muss zum bevorstehenden 75. Geburtstage Bubers, des Gelehrten und Dichters wenigstens an einige seiner bleibenden Leistungen erinnert werden. Allgemein bekannt dürfte die Tatsache sein, dass Martin Buber, in Wien geboren, aus einer frommen Gelehrtenfamilie stammt, dass sein Grossvater, in dessen Lemberger Hause der Enkel entscheidende Jugendjahre verbrachte, ein grosser Midraschforscher gewesen ist. Von dorther war ihm die hehraeische Sprache sehr vertraut, und diesem Grossvater Sclilomoh Buber hat Martin vor etwa zehn Jahren sein erstes grosses in Iwrith geschriebenes Werk “Thorath Haneviim” (“Die Lehre der Propheten'’) gewidmet. Immer hatte er sich mit der hebraeischen Sprache beschaeftigt, aber erst seit seiner Uebersiedlung nach Erez Jisroel vor etwa 15 Jahren ist Buber derart in das Hebraeische hineingewachsen, dass er diese Sprache vom Katheder der Universitaet, in Wort und Schrift, vollendet zu meistern vermag. Der 23-Jaehrige, der Philosophie und Kunstgeschichte zu Wien, Leipzig, Berlin und Zuerioh studiert und schon als Student der zionistischen Bewegung angehoert hat, war bereits Redakteur der Zeitschrift “Die Welt” und spielte auf dem Basler 5. Zionistenkongresse von 1901 eine wichtige Rolle in der Fuehrung der “Demokratischen Fraktion”. Mit Chaim Weizmann und Berthold Feiwel veroeffentlichte er ein Jahr spaeter eine Broschüre zugunsten einer Hebraeischen Universitaet zu Jerusalem. Es ist ein grosses Verdienst Bubers dem zionistischen Denken in Deutschland neue Wege dadurch gewiesen zu haben, dass er die Anerkennung der Kulturarbeit als einen wesentlichen Bestandteil der nationalen Renaissance ansah, diese Forderung erhob, und damals, in den Tagen vor Herzl, der Fruehepoche des Zionismus, praktische Arbeit in Palaestina verlangte. Hand in Hand mit dieser Taetigkeit gingen seine Studien ueber das Wesen des Chassidismus. Es lockte ihn, nachdem er in einem alten, halbzerrissenen Exemplar das sogenannte “Testament des Baal Schern Tow” entdeckt hatte, aus verzerrten Darstellungen das Urbild des Chassidismus w i e derherzustellen, jener religioes-mystischen Bewegung, die auf den erwaehnten Wunderrabbi (um 1740) zurueckgeht, und welche damals in bestimmten Gegenden Ost-und Suedosteuropas zahlreiche Anhaenger um sich scharte. Ueber vierzig Jahre erstrecken sich Bubers Forschungen auf welchen er vor allem das Bemuehen von juedischen Menschen schaetzte zu einfacher, aufrichtiger Glaeubigkeit zurueckzukehren, um durch diese, in Verbindung mit sittlichem Lebenswandel, dem goettlichen Weltenschoepfer- und Lenker naeherzukommen. In mehreren Buechep H “Mein Weg zum Chassidismus” (1918), “Der grosse Maggid” (1922), “Das verborgene Licht” (1924) hat Buber unser Wissen ueber Entstehung und Entwicklung dieser Bewegu n g ausserordentlich bereichert und spaeterhin weitere klaerende Beitraege auf Grund neuerer Forschungen verfasst. Neben seinen chassidischen Buechern und seinen Schriften zum juedischen Problem, nach der Prager Epoche, wo er seine geistvollen “Reden i ueber das Judentum” gehal- \ ten hatte, fuehrte ihn die \ Zeit nach dem ersten Welt-; kriege in das stille, anmutige Staedtchen Heppenheim bei Frankfurt a. M. und dort, waehrend er 1923 den einzigen Lehrauftrag fuer juedisch Religionswissenschaft und Ethik an einer deutschen Universitaet (Frankfurt ( erhielt, enstand sein eigenes philosophisches System. Damals schrieb er sein Werk “Ich und Du”, und fand auch noch die Zeit, die Leitung des “Juedischen Lehrhauses” und der “Mittelstelle fuer juedische Erwachsenenbildung” zu uebernehmen. Und in dieser ge- (Fortsetzung auf Seite 2) Ueber das Wort GOTT Ja, es ist das beladenste aller Menschenworte; keins ist so besudelt, so zerfetzt worden. Gerade deshalb darf ich darauf nicht verzichten. Die Geschlechter der Menschen haben die Last ihres geaengstigten Lebens auf dieses Wort gewaelzt und es zu Boden gedrueckt; es liegt im Staub und traegt ihrer aller Last. Die Geschlechter der Menschen mit ihren Religionsparteiungen haben das Wort zerrissen; sie haben dafuer getoetet und sind dafuer gestorben; es traegt ihrer aller Fingerspur und ihrer aller Blut. Wo faende ich ein Wort, das ihm gliche, um das Hoechste zu bezeichnen! Naehme ich den reinsten funkelndsten Regriff aus der innersten Schatzkammer der Philosophen, ich koennte darin doch nur ein unverbindliches Gedankenbild einfangen, nicht aber die Gegenwart dessen, den die Geschlechter der Menschen mit ihrem ungeheuren Leben und Sterben verehrt und erniedrigt haben. Ihn meine ich ja, ihn, den die hoellengepeinigten, himmelstürmenden Geschlechter der Menschen meinen. Gewiss, sie zeichnen Fratzen und schreiben ,Gott* darunter; sie morden einander und sagen ,in Gottes Namen*. Aber wenn aller Wahn und Trug zerfaellt, wenn sie ihm gegenüberstehen im einsamsten Dunkel und nicht mehr ,Er, er* sagen, sondern ,Du‘ seufzen, ,Du‘ schreien, sie alle das Eine, und wenn sie dann hinzufügen ,Gott‘, ist es nicht eben doch der wirkliche Gott, den sie alle anrufen, der Eine Lebendige, der Gott der Menschenkinder?! Ist nicht er es, der sie hoert? Der sie - erhoert? Und ist nicht eben dadurch das Wort ,Gott‘, das Wort des Anrufs, das zum Namen gewordene Wort, in allen Menschensprachen geweiht für alle Zeiten? Wir müssen die achten, die es verpoenen, weil sie sich gegen das Unrecht und den Unfug auflehnen, die sich so gern auf die Ermaechtigung durch ,Gott’ berufen; aber wir dürfen es nicht preisgeben. Wie gut laesst es sich verstehen, dass manche vorschlagen, eine Zeit über von den .letzten Dingen* zu schweigen, damit die missbrauchten Worte erloest werden! Aber so sind sie nicht,“ zu erloesen. Wir koennen das Wort ,Gott* nicht abwaschen und wir koennen es nicht ganzmachen; aber wir koennen es, befleckt und zerfetzt wie es ist, vom Boden erheben und aufrichten über einer Stunde grosser Sorge. Unser Volk und Land Das Wesentliche an der Zionisidee ist eben das, was sie von anderen nationalen Ideen unterscheidet. Es ist kennzeichnend fuer den Sachverhalt, dass diese nationale Idee sich nicht wie die andern nach einem Volke, sondern nach einem Orte benannte. Damit ist die Tatsache zum Ausdruck gebracht worden, dass es hier nicht um; ein Volk an sich, sondern um j seine Verbindung mit einem i Land, mit seinem heimtlichen; Land geht. Von Uranbeginn steht die einzigartige Verbindung zwischen diesem Volk und diesem Land im Zeichen dessen, was sein soll, was werden, was verwirklicht werden soll. Zu dieser Verwirklichung kann das Volk nicht ohne das Land und das Land nicht ohne das Volk gelangen; nur die getreue Verbindung beider fuehrt zu ihr. Es ist dies aber eine Verbindung, in der das Land nicht als toter, passiver Gegenstand, sondern als lebendiger und taetiger Partner erscheint. Dies ist das auf einen kleinen und veroedeten Teil des Erdballs bezogene und doch weltenweite Motiv, das sich im Namen Zion birgt. Das Volk Israel mag sonst als ein Volk unter den Voelkern und das Land Israel als ein Land unter den Laendern angesehen werden: in ihrer Beziehung zueinander und in ihrer gemeinsamen Aufgabe sind sie ein Einziges und Unvergleichliches. Erzaehlungen der Chassidim Die Magd Rabbi Wolfs Ehefrau hatte einst einen Stieit mit ihrer Dienstmagd. Sie beschuldigte die Magd, ein Geraet zerbrochen zu haben, und forderte Ersatz des Schadens; jene leugnete die Tat und weigerte die Busse. Sie erhitzten sich, bis die Frau das geistliche Gericht anzurufen beschloss und sich eilig ankleidete, um den Raw der Stadt aufzusuchen. Als Rabbi Wolf dies sah, zog auch er sein Sabbatgewand an. Von der Frau befragt, warum er das tue, erklaerte er, mitgehen zu wollen. Sie widersprach; es schicke sich nicht fuer ihn, auch wisse sie selbst, was sie dem Gericht vorzutragen habe. “Du weisst es wohl”, antwortete der Zaddik, “aber die arme Waise, Deine Magd, als deren Fuersprech ich gehe, weiss es nicht, und wer sonst sollte sich ihrer Sache annehmen?” Die Diebe Diebe schlichen sich eines Nachts in Rabbi Wolfs Haus und steckten ein, was ihnen unter die Hand kam. Der Rabbi sah ihnen von seiner Kammer aus zu und stoerte sie nicht. Als sie fertig waren, nahmen sie mit den anderen Geraeten einen Krug mit, in dem vorhin einem Kranken der Abendtrunk gereicht worden war. Rabbi Wolf lief ihnen nach. “Ihr guten Leute, “rief er”, was ihr bei mir gefunden habt, das seht als mein Geschenk an. Aber mit diesem Krug, darum bitte ich euch, geht vorsichtig um; es haftet Krankenatem dran, der euch anstecken koennte”. Seither 'sagte er jeden Abend vor dem Schlafengehen; “Ich gebe allen meinen Besitz frei”. So wollte er, wenn wieder Diebe kaemen, die Schuld von ihnen wenden. Das Essen des Reichen Zum Maggid von Kosnitz kam einst ein reicher Mann. “Was pflegst du zu essen?” fragte der Maggid. “Ich fuehre mich bescheiden”, sagte der reiche Mann, “Brot mit Salz und ein Trunk Wasser sind mir genug”. “Was faellt Euch ein!” schalt ihn der Maggid. “Braten sollt Ihr essen und Met sollt Ihr trinken wie alle reichen Leute!” Und er liess den Mann nicht gehen, bis er ihm versprochen hatte, es fortan so zu halten. Nachher fragten ihn die Chassidim nach dem Grund der wunderlichen Rede. “Erst wenn er Fleisch isst, “antwortete er”, wird er wissen, dass der Arme Brot braucht. Solange er Brot isst, meint er, der Arme koenne Steine essen”. Die kommende Zeit Rabbi Israel sprach: “In den drei letzten Weltstunden vor der Erloesung wird es so schwer sein, an der Juedischkeit festzuhalten, wie wer an einer glatten Eiswand emporklettern wollte. Darum heisst es iin Gebet: Hilf uns in den drei Stunden! Das sind die letzten stunden”.

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