Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 1 (Enero, 1953)
- Date
- 1953-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero, 19S3 "BOLETIN INFORMATIVO” 13 "BODENLOSER" VORSCHLAG: ISRAEL AUTARK Praesident gewaehlt In Einklang mit den Verfassungsbestimmungen waehl. te das israelische Parlament, die Knesset, nach Ablauf der dreissig Trauertage um__den verstorbenen Staatspraesiden- Kju. Professor Chaim Weizmann, seinen Amtsnachfolger. Unter den vorgeschlagenen Kandidaten befanden Bich Jizchak Gruenbaum (von der Linken vor geschlagen), Rav Nurick (vom Misrachi) und Pérez Bernstein (von den Allgemeinen Zionisten). Ge. w'aehit wurde schliesslich im dritten Wahlgang Jizchak Ben Zvi, fuehrendes Mitglied der Arbeiter-Partei Mapai, mit den Stimmen der eigenen Partei, der Progressiven sowie der Mapam. Jizchak Ben Zvi wurde in Poltava (Russland) im Jahre 1884 geboren, erhielt seinen ersten Unterricht in einem Reform- Gheder lernte dann im Gymnasium weiter und schloss seine Studien an den Universitaeten von Kiew und Konstantinopel ab. Frueh kam er in Beruehrung mit den sozialistischen Gruppen, die sich innerhalb des zionistischen Lagers gebildet hatten und ihrem groessten Theoretiker, Ber Borochov. So gehoert Jizchak Ben Zvi etwas spaeter zu den aktiven Begruendern der ‘Poale Zion’ in Russland, gruendet auch die ersten Landesorganisationen dieser Bewegung in Deutschland und der Schweiz. 1908 tritt er seine Alija nach Erez Israel an, hilft dort das Hebraeische Gymnasium be. gruenden, an dem er auch einige Jahre lehrt. Sein Einfluss im Jischuw ist bereits so gross, dass die Tuerken ihn, wie auch seinen Freund Ben Gurion und andere mehr, nach Ausbruch des Weltkriegs des Landes verweisen. Er geht mit seinen Freunden voruebergehend nach den Staaten, von wo er 1918 als Soldat der Juedi- Eisenhower und Israel Wer auch immer Praesident geworden waere, ob Steven son oder Eisenhower, fuer uns in Israel waere er nicht sc gut gewesen, wie Trurnan. Denn Truman war ein aufrichtiger Freund unserer Sache und ein guter Freund vie ler juedischer Menschen, die Einfluss auf ihn hatten. Truman war impulsiv und selbstherrlich genug, um mit einem raschen persoenlichen Entschluss ueber Entscheidungen des State Departments hinwegzugehen. So hat er den Staat Israel anerkannt, obwohl das State Department entschieden dagegen war. ln der Jerusalemfrage hat er ebenfalls ueber den Kopf seines Aussenamtes hinweg dem amerikanischen Delegierten fuer uns guenstigere Anweisungen gegeben. Jeder andere Praesident wird mehr auf die Meinung der Fachleute Ruecksicht nehmen. Den Fachleuten aber sind die sieben Stimmen der arabischen Staaten in der UNO wichtiger, als die eine Stimme Israels. So waere also auch Stevenson fuer uns nicht so gut gewesen wie Truman, wenn uns auch Stevenson naeher steht als Eisenhower. Stevenson hat viele juedische Freunde; (auch der Mann, de* ihn zum Gou- Der neue Praesident wird eingeschworen sehen Legion nach Palaestina zurueckkehrt. Bei der Kristallisierung der juedischen Arbeiterbewegung nach Friedensschluss hat er hervorragenden Anteil, erringt ■ aber auch Achtung und Sympathie in anderen Kreisen der Bevoelkerung. Vom Jahre 1931 ab ist er Praesident des Vaad Haleumi. der hoechsten Instanz des damaligen v Jischuvs. I Jizchak Ben Zvi hat nie zu den hitzigen Polemikern ei., ner bestimmten Partei ge. hoert. Seine tief.schuerfenden Arbeiten, in russisch, yiddisch oder hebraeisch geschrieben und in Zeitschriften der ganzen Welt veröffentlicht, beschaeftigen sich meist mit historischen Themen, Israel kann mit Zuversicht annehmen, dass sein neuer Praesident die geeignete Persoenlichkeit ist, Gegen- -saetze zu beschwichtigen und das Einigende hervorzuheben. Das juedische Volk in der ganzen Welt wuenscht ihm dabei besten Erfolg! rerneur von Illinois gemacht iat, ist ein Jude). Juedische •’reünde Eisenhowers sind licht bekannt. Rabbi Silver st ein guter Freund Senator Tafts, doch niemand, weiss roch, ob Taft auf den neuen 3raesidenten Einfluss haben vird, der gegen ihn von der Republikanischen Partei aufbestellt worden ist. Eisenhowers Bruder Milton, ler "Intellektuelle” der Fami. ie, ist ein prominentes Mitglied in Dorothy Thompsons irabischem Komitee. Doch liemand kann wissen, ob Mil. on Einfluss auf ihn hat. Wir rollen auch nicht vergessen, lass Eisenhower es war, der lie Nazis besiegt und den lest der Juden Europas bereit hat. Wenn er knapp vor!,en Wahlen dem Rabbi Silver leschrieben hat: “I fully ponsor the Republican pro.;ram for assistance to Is. ael”, (Ich bestaetige vollends las republikanische Pro. Tamm betreffs Hilfe an Is. ael) , so ist das Versprechen reilich nicht hoeher zu wer. en. als andere Wahlverspre. hen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man den Sieg eines republikanischen Praesidenten als nicht gerade guenstig fuer Israel bezeichnet. Eisenhower selbst ist zwar Anti-Isolatio. nist, aber mit ihm ist eine Partei zur Herrschaft gekommen, die einen starken isolationistischen Fluegel hat. Die Republikaner koennen ausserdem den Juden sagen: “Wir sind euch gar nichts schuldig”, denn die weite Mehrheit der juedischen Waehler — man schaetzt zumindest zwei Drittel duerf. ten demokratisch gewaehlt haben. Dennoch besteht nicht der geringste Grund zur Panik. Auch die republikanische Regierung wird ihre Hand von Israel nicht wegziehen. Vielleicht wird die amerikanische Unterstuetzung fuer alle Laender geringer werden entsprechend dem. republikanischen Wahlversprechen, die Last des amerikanischen Steuerzahlers zu verringern. Dann wird auch Israel weniger bekommen. Fuer die naechsten 12 Monate ist ue. brigens die Politik noch von der Truman . Verwaltung geplant worden, und sie be. stimmte auch die Unterstuetzungen innerhalb des naechsten Jahresbudgets. Vielleicht wird auch der Druck Amerikas, zum Frieden mit den Arabern zu gelangen, staerker werden. Das wird nicht gerade, auf der Basis unserer Bedingungen moeglich sein. Im Grossen und Ganzen ist zu hoffen, dass Amerika uns wohlgesinnt bleibt. (Yedioth Hayom) Israel ist ein armes Land. Der Boden ist zum grossen Teil versteint und veroedet und muss Schritt fuer Schritt der Zivilisation zurueckge. wonnen werden; die Bodenschaetze sind ungehoben oder unerforscht. Das einzige was es in Huelle und Fuelle gibt, ist Sonne. Dr. S. E. Soskin, der bekannte Agronom, haelt die Sonne fuer den groessten Reichtum des Landes. Was Pflanzen zum Wachstum gebrauchen, so sägt er, ist Sonnenlicht und Sonnenwaerme. Erde ist nur von sekundaerer Bedeutung insofern als sie den Standort fuer die Pflanze bildet. Die Mineralsalze, die sie enthaelt, koennen reiner und konzentrierter in chemischer Form hergestellt werden. Was aber unersaetzlich ist, ist die Sonne; die Pflanzen brauchen im wahrsten Sinne des Wortes einen Platz an der Sonne. Dr. Soskin ist auf Grund der Tatsache, dass es in Israel wenig Boden und vie) Sonne gibt, zu interessanten Schlussfolgerungen gelangt: es gibt eine Methode, Ernten ohne Boden zu erzeugen, die sich im wesentlichen auf die Arbeiten des Prof. F. W. Ge.. ricke von der Universitaet Berkeley (Kalifornien) stuetzt und von ihm Hypo. dronics benannt wurde. Das Wort, dem Griechischen entnommen, heisst “Arbeit des Wassers” und unterscheidet sich somit von “Agrikultur”, der Pflege des Bodens. Wie pflanzt man ohne Boden? Das Saatbeet befindet sich auf einem mit Wasser gefuellten Tank aus Eisenblech, Beton oder Plastics, dem chemischer Duenger zugesetzt wird. Auf dem Tank wird ein Drahtnetz in einem Holzrahmen angebracht, der mit po'roesem Material, wie Saegespaene. Stroh und besonders Torf, ausgestattet ist Die Sonne loest den Prozess der Photosynthese aus. der notwendig ist, um die Pflanzen zum Wachsen und Produzieren zu bringen. nie Welt hat eine mehr als 20-jaehrige Erfahrung mit» Hydroponics. Zum ersten Mal in grossem Masstabe würden sie angewandt, als die Amerikaner im vergangenen Weltkriege die Pazifischen Inseln besetzten, die bar jeden Bo- ' dens sind und lediglich vul. kanisebe und Korallenflae. chen aufwiesen. Mit militaerischer Geschwindigkeit errichteten sie “bodenlose” Farmen auf einigen dieser Inseln, um die Ernaehrung der Truppen mit Frischgemuese sicher zu stellen. Die groesste dieser Stationen befindet sich auf einer Flaeche von 220 Dunam auf einem fruehe. ren Flugf eld bei Tokio, die vitaminreiche Nahrung fuer 400.000 Soldaten liefert. Cn Israel gibt es gegenwaer tig nur drei “bodenlose” Farmen: in Beth Ora, bei Elath, in Beth Meir bei Jerusalem und im religioesen Kibbuz Chefez Chaim, wo der Boden gemaess der biblischen Weisung im Schmittajahr ruhen gelassen wird. Die Ein. fuehrung von Hypodronics im grossen Masstabe wuerde nach Dr. Soskins Ansicht eine Revolution bedeuten. Denn jede Flaeche, auf die die Sonne scheint, kann Nahrung produzieren unabhaengig von der Qualitaet des Bodens, da die chemische Loesung, die den Boden ersetzen soll, so beschaffen ist, dass kein Naehrstoff fehlt oder im unrichtigen Verhaeltnis vor. •handen ist. Es gibt keine schlechte Loesung wie es schlechten Boden gibt, und darum gibt es keine Missernten. Im Gegenteil, es ist moeglich; Maximalernten auf einer gegebenen Flaeche zu erzielen, gleichgueltig ob die Flaeche Wuesfcensand, Felsen oder ein flaches Dach ist. Alle Bedingungen fuer die Einfuehrung in grossem Mass. stabe von Hydroponics in Israel sind damit gegeben — armer Boden, nicht genuege n d geschulte landwirtschaftliche Arbeitskraefte. steigender Verbrauch, mit dem die Produktion nicht Schritt halten kann — und viel Sonne. Unser Bedarf ist bodenlos. Gebt den “bodenlosen” Farmen eine Chance! ZWISCHEN HAMMER UND REDEPULT “Be.in Hapatisch xve Haduchan” (Zwischen Hammer und Tribuene) heisst ein vor Kurzem erschienenes Buechlein, dessen Autor, Ascher Zidon, Vize-Sekretaer der Knesset, darin mehr als 400 Witze, Anekdoten und Zwischenrufe aus den ersten drei Jahren des juedischen (Parlaments festgehalten hat. Im Felgenden tischen wir unseren Lesern einige Kostproben im Nachdruck auf (l'ebersetzung: Meir Faerber). Sie moegen gemuegen, um einen Beweis dafuer zu liefern, dass auch Sorgen. Arbeitsueherlastung und politischer Kampf nicht jenem typisch juedischen Humor abtoeten koennen. der iwtueh einem schon lieber schwere Stunden hinweggeholfen hat. EIN GLUECK JEDEM DAS SEINE Als die Bezuege der Abgeordneten beschlossen wurden, billigte die Knesset fuer die Frauen der Abgeordneten 15 LI Familien.Zulage zu. Hier, auf erkiaerte Pinchas Lawon (Mapai): “Wie gluecklich sind wir, dass Koenig Salomo kein Chawer.Haknesseth ist: wir muessten ihm jetzt fuer seine tausend Frauen 15.000 LI monatlich zahlen”. FRAUEN.STEUER Als beschlossen wurde, dass Mitglieder orientalischer Ge meinden und mohammedanische Abgeordnete, die mehr als eine Frau haben, die Familien.. Zulage fuer jede Frau erhalten, erkiaerte jemand : “Aber von dieser Zulage sollte Luxus-Steuer berechnet werden”. In einer politischen Debat» te griff Begin (Cheruth) England an. Unterbrach ihn Meir Wilner (Kommunist): “Weshalb kritisieren Sie die Vereinigten Staaten von Amerika nicht?” Begin erwiderte: “Ich will Ihnen Ihre Rede nicht vorwegnehmen; das ist unsere Arbeitsteilung”. NOBLESSE OBLIGE Dr. H. Foerder (Progressive) beschwerte sich beim Vorsitzenden, dass dieser ihn stets genau nach Ablauf seiner Redezeit unterbreche, waehrend andere Abgeordnete ihre Redezeit ueberschreiten duerfen. Sprinzak erwiderte: “Sie sind ein Jecke; von Ihnen darf ich Puenktlichkeit verlangen”.