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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-01-01 · 1 (Enero, 1953) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
1 (Enero, 1953)
Date
1953-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Enero, 1953 “BOLETIN INFORMATIVO" 11 Indiodorf unter dem Davidstern (Aus dem Buch “Entdeckungen in México”, von Egon Erwin Kisch) r Stockdunkel war die Nacht und ziemlich kuehl dazu, als ich heute aufstand, um Punkt sieben in Venta Prieta zu sein. Von diesem Dorf und seiner jueüischen Bewohnerschaft hatte ich schon in der Stadt Mexiko etwas laeuten gehoert aber ich wusste nicht, wo es liegt und hatte auch den Na. men vergessen. Da fuhr ich vorgestern zufaellig nach Pa. chuca, der Silberstadt, und las bei Kilometer 83 (von der Hauptstadt aus gerechnet) an einem Ortseingang “Venta Prieta”. War das nicht der Name? Ich stieg aus, fragte unsicher nach den Juden. Die Befragte zeigt mit dem Pin. ger: “Dort der Cabbalista ist einer von ihnen”. Der Kabbalist? Weit und breit war niemand zu erblikken. der als Ziffern, und Zeichendeuter, als Kenner der Kabbala in Betracht kom. men konnte. Nur ein Bauer stieg eben ganz unmystisch von einem Pferd. Mir ging ein Licht auf: Pferd heisst “Ca. ballo”, also wird “caballista” ein Reiter sein. Ich ging auf ihn zu, fragte, und er antwortete: an jedem Samstag um sieben Uhr morgens sei Gottesdienst. Sieben Uhr Ist keine angenehme Stunde. Aber was half’s? Ich sprang im nachtschlafenen Morgengrauen aus den warmen Federn von Pa. chuca, um dem kuehlen Sabbat entgegenzugehen... Als ich in Venta Prieta an. |am, kam ich zu frueh. EL nige Indios oder Mestizen, von anderen Indios oder Mes. tizen durch nichts unterschieden, standen in Leinenhosen, Ilemd und Sandalen im Novembernebel herum. Einer, untersetzt und in einen rotwollenen Sarape gehuellt, war Sennor Enrique Tellez, der Vorsteher der Judenge. meinde, an den ich mich zu wenden hatte, um authenti sehe Auskuenfte zu bekommen. Ausserdem ist Sennor Tellez der vermoegenste Mann im Dorf, was an sich noch keinen Reichtum bedeutet... Ich schaue auf meine Uhr. Don Enrique sagt: “Der Gottesdienst wird bald beginnen; sehr puenktlich sind wir nicht Die Frauen muessen noch das Fruehstueck fuer ihre Maenner zurechtmachen, die zur Arbeit gehen”. “Arbeiten Sie am Samstag?” “Das geht nicht anders”. “Wie koennen Sie da am Gottesdienst teilnehmen?” “Deshalb haben wir dreh mal Betstunde, wir kommen in drei Schichten”. “Halten Sie selbst den Gottesdienst ab, Sennor Tellez?” “Nein, ich versteh' nicht viel davon. Unser Rabbi ist ein Abessinier... Er lebt als Baecker in Pachuca. Ein junger Mensch, der sich mehr fuer Religion interessiert und die Bibel kennt. Er liest sogar hebraeisch...” Don Enrique zaehlt auf, welche religioesen Gebrauche die Gemeinde einhaelt. Sie fasten am Jom Kippur, — am Ayuno Mayor”, uebersetzt er mit, damit ich’s verstehe. Ostern essen sie Maz. zos, — “galletas de la Semana Santa”, uebersetzt er. “Auch das Neujahrsfest feiern wir und fasten am Jahrestag der Tempelzerstoerung. Wir essen kein Schweinefleisch, Gefluegel und Vieh schlachten wir koscher’’. Die versammelte Gemeinde besteht aus dreizehn Menschen mosaischer Konfession, also um drei mehr als die vorgeschriebene Mindestzahl. Dennoch machen die Dreizehn kein gebetberechtigtes Kollegium aus, weil Frauen und Kinder nicht zaehlen. Aber kann Jehova das so genau nehmen in Mexiko^ wo die Seinen jahrhundertelang furchtbaren Drohungen und milden Lockungen standhielten? Von Huette zu Huette hatten sie einander die Parole zugeraunt: “Lasset uns beten”, mit der Angabe, wo und wann. Nur im Dschungel war Raum fuer den Gottesdienst. Auf dem Weg dorthin konnte man von Pfeilen getroffen oder von Sbirren der Inquisition gefasst werden, man konnte in den Krater stuerzen oder zerfleischt werden von wilden Tieren. Kam nun einer nicht an vielleicht der Zehnte, sollten da die Neun unverrichteter Glaubensdinge auseinandergehen? “Ach was lasset uns beten”, sagten sie und taten es. Und weil Jehova damals durch die Finger sah, so ist in Mexiko ein Min. jan auch dann ein Minjan, wenn weniger als zehn Mscm. ner versammelt sind. Der Gottesdienst war ein. fach, aber im Grunde ein Saboatgottesdienst wie anderswo auch. Am Schluss stellte sich die Gemeinde vor den Altartisch auf zum Totengebet. Dieses Gebet d,uer. fen Kinder nicht sprechen, bevor sie durch die Konfirmation in die Religionsge. gemeinschaft aufgenommen sind. Hier aber traten zwei Knaben, wahrscheinlich Waisen, gleichzeitig mit den Erwachsenen vor, — eine andere der Ausnahmen, die Gott fuer das Dorf Venta Prieta in Mexiko bewilligt hat. Auch ich trat vor, schloss die Fuesse aneinander, una sprach nach, was der Rabbi uns vorsprach, nur die Namen seiner Toten fuegt jeder Betende selbst ein. HELFT DEN BLINDEN! EIN CHRIST UEBER JUEDISCHE BRAEUCHE Dr. J. KIPPES Zu den fruehesten und daher leider nur sehr nebelhaften Erinnerungen meiner Jugendzeit gehoeren die Beobachtungen des Lebens der juedischen Mitbewohner eines kleinen unterfraenkischen Staedtchens an der heutigen Zonengrenze, modern ich meine erste Schulzeit verbrachte. Es war die glueckliche Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die noch nicht vom Rassenhass vergiftet war. Im Alltagsleben wurden die Juden genau wie alle anderen Buer ger angesehen. Nur in zweifacher Richtung fielen sie ihren christlichen Mitbuergern auf :durch ihr absolutes Zusammenhalten und ihr religioes Leben. Das Auffallende an diesem religioesen Leben War natuer. lieh in erster Linie die Eigenart, das Fremdartige ihrer religioesen Sitten und Gebraeuche, in zweiter Linie aber auch der Emst, mit dem sie ihre vielen religioesen Vorschriften hielten. Man bewunderte diese Haltung rund. wegs und hoerte die Leute oft sagen, es waere gut, wenn es auch die Christen mit ihren religioesen Pflichten so ernst nehmen wuerden wie die Juden. Man hatte sogar Mitleid mit ihnen, wenn sie am sogen. “Langen Tag” bis zum Einbruch der Nacht fasten mussten und gar nichts' zu sich nahmen. Die Christen halfen ihnen auch, wenn sie um Gefaelligkeiten baten, die sie nach ihren Vorschriften an bestimmten Tagen nicht se Ibst erledigen durften. Ich weiss noch, d.ass der juedische Nachbar am Sabbat meine Mutter bat, das Feuer in seinem Ofen anzuzuepden, und meine Mutter diese und andere Gefaelligkeiten ihm als eine Selbstverstaendlichkeit gerne erwies. Von manchen merkwuerdigen Braeuchen und der Eigenart des Gottesdienstes wurde viel im Ort erzaehlt, und uns Kindern klang das oft wie ein Maerchen. An der Beerdigung eines juedischen Einwohners beteiligten sich natuerlich auch die Christen, und ebenso wohnten Christen einer Eheschliessung in der Synagoge bei. Von solchen Gelegenheiten stammte ihr Wissen um den juedischen Gottesdienst und die juedi. sehen Braeuche. Zwei uns Christen weniger bekannte, aber erlebnisreiche und gedankentiefe Feste seien erwaehnt: “Chanukkah”, das Lichterfest der Juden, zum Andenken an den Sieg der makkabaeischen Helden ueber die Griechen. An diesem Feste schenkt man sich wie bei uns zu Weihnachten zur Freud,e Geschenke und zuendet das Licht auf dem CJianukkah-Leuchter an. Das andere Fest ist das “Neujahrfest der Baeume”, eine Art' Fruehlingsfeier mit Tanz und Freude. Man muss sich vorstellen, dass der Orientale, der einfache hebraeische Bauer, unter der brennenden Sonne des Landes die Baeume als besondere Kostbarkeit wie Geschoepfe Gottes liebt und schuetzt. Bereits in den Buechern Moses werden die Juden angehalten, die Baeume, die dem Menschen Nahrung geben und niemandem wehe tun, zu ehren. In diesem Sinne und zu gleicher Zeit zur Durchfuehrung der so notwendigen Wiederaufforstung des kahl gewordenen Landes pflanzen die Schulkinder an 'diesem Tage in besonderen Feiern Baeumchen. (Aus “Katholischer Digest”) Ein bewegendes und zugleich erhebendes Bild! Blinde Kinder sind es, die hier vereint sind. Ein trauriges Schicksal versagt ihnen, die äenoenheiten dieser Welt zu schauen. Aber auch sie lassen es sich nicht nehmen, des verstorbenen ersten Praesidenten unseres jungen Staates. Chaim weizmanns, in einer besonderen Peieistunde zu gedenken. Andaechtig lauschen sie den Worten eines ihrer aeiteren Geiaehrten, der ihnen Leben und. Wirken des grossen Staatsmannes und Wissenschaftlers in beredten, von tiefer Empfindung getragenen Worten naeher bringt, In der Synagoge des Blindenheims in Jerusalem vollzieht sich dieser Feierakt. 40 Kinder, davon 34 allein im Oktober 1952, hat das Heim in letzter Zeit wieder aufgenommen. nachdem durch anderweitige geeignete Unterbringung von erwachsenen Heiminsassen entsprechender Raum geschaffen worden war. Nur dort werden sie unter Anwendung moderner Methoden davor bewahrt, zeitlebens in ein tatenloses Nichts zu versinken. Liest man die Berichte ueber die Gruende, die zur Erblindung dieser Kinder fuehrten, ueber die wirtschaftlichen Verhaeltnisse ihrer Eltern — fast alle stammen aus voellig mittellosen Familien, die in den letzten Jahren aus dem Yemen, Irak, Marokko, Tripoli und anderen Laen. dern Nord-Afrikas und des vorderen Orients nach Israel eingewandert sind — und ueber die Umgebung, in. der sie bisherauigewachsen sind, dann wird man sich erst voll und ganz bewusst, wieviel Furchtbares bisher auf diesen Kindern gelastet hat und was es fuer sie bedeutet, nun durch eines der wichtigsten Werke taetiger Naeehstenliebe. wie es das Blindenheim in Jerusalem darsteLt, einem le„ benswerten Dasein entgegengefuehrt zu werden. Fuer uns alle aber besteht die grosse juedische und menschliche Verpilichtung. auch weiterhin nach Kraeften dazu beizutragen, dass dieses Werk er. halten bleiDt und gefoerdert wird. Die “Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas” "Tormei-Or” ist die Mittlerin dieser Pflicht. Werden Sie Mitglied unserer Vereinigung mit einem Beitrag nach Ihrem Ermessen, benutzen Sie jeden festlichen oder feierlichen Anlass fuer unsere Zwecke zu werben und zu sammeln, senden Sie uns Ihre Mitgliederbeitraege oder Spenden (Av. Portugal 810, Casilla 2487). oder rufen Sie uns an (Fono 33090), damit wir die Betraege bei Ihnen abholen lassen koennen! Jeden Freitag abend um 19 Uhr. Jeden Samstag vormittag um 9.15. Ausserdem an Jahrzeiten. Diese Daten muessen rechtzeitig an den Vorstand Casilla 984 mitgeteilt werden.. Verkuendung des Neumondes Samstag, den 10. Januar 1953: SCHWAT. Neumondstag Samstag, den 17. Januar 1953. Am 29. November d. J. fand die Ordentliche Generalversammlung statt, in welcher Versammlung folgende Herren fuer den Vorstand und Kommissionen gewaehlt wurden: Vorstand: Praesident: Herr Leo Weglein; Vizepresident: M v* couoivibfto mum-t ‘WafoMtM "de Herr Leo Manasse; Schriftfuehrer: Herr Enrique Roger; Kassierer: Herr Carlheinz Mo. ses; Beisitzer: Herr Hans Brodek; Herr Herbert Goetz; Herr Rudolf Staub. Schlichtungsausschuss: Herren Max Aufrichtig, Martin Jhcobsohn, Emfet Landsberger, Georg Lange, Kurt Reichmann, Walter Russ. Richard Wolff. Chewra. Ausschuss: Herren Ernst Hellmann, Erich Kaufmann, Leo Manasse, José Tichauer, Hermann Arendt, En rique Roger, Federico Caspa. ry. Wahl . Ausschuss: Herren Hans Aufrichtig, Walter Russ, Aurel Retteru. Rechnungspruefer: Herren Emst Landsberger, Georg Lange. Bei Sterbefaellen bitten wir unsere Mitglieder, die Herren Leo Manasse, Edwards 608, 6. Stock oder Enrique Roger, Condell 1583, Tel. 3022

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