Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 1 (Enero, 1953)
- Date
- 1953-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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« Enero, 1953 "BOLETIN INFOR M A T í V O" 9 Mapam Verurteilt Prager Prozess (Aus einem Artikel Dov Yosefi.Braimfelds, Israel, frueher Santiago de Chile). Einen bed,rueckenden Eindruck hinterliess der Prager Prozess gegen Slansky und Genossen in ganz Israel; ein Prozess, der einen anti-zionistischen, anti-israelischen und sogar anti-juedischen Charakter annahm. Ganz oesonuers wujrcte vton dieseih Proaeiss die Mapam-Partei tetroHen, deren in Prag verhafteter Emmissaer Moraechai Oren ais ‘Agent des zionistischen Imperialismus’ und ‘internationaler Verbrecher’' hingestellt wurde. Da die positive Einstellung der Mapam zu den Volksdemokratien allgemein bekannt ist, war, das Interesse in ganz Israel aeusserst gross, wie die Partei auf den Prozess reagieren wuerde, in dem einer ihrer prominenten Mitglieder angeklagt war und die Zionistische Bewegung in ihrer Gesamtheit wie auch der Staat Israel als ‘Agenten des Imperialismus’ beschuldigt wurden. So kam es, dass an dem Tag, nachdem die ersten Nachrichten aus Prag eingetroffen waren. Massen von Lesern sich auf die Kioske stuerzten, um noch ein Exemplar des ‘Al-Hamischmar’, des Parteiorgans der Mapam, zu ergattern. Um neun gab es in Tel-Aviv bereits kein einziges ver. fuegbares Exemplar der Zeitung. Tatsaechlich enttaeuschte der ‘Mischmar’ nicht das enorme Interesse seiner Leser. Im Leitartikel, der laut Informationen vom Oentral-Kommitte einstimmig angenommen worden war, kam die Einstellung der Mapam den Prozessen gegenueber klar zum Ausdruck. Unter dem Titel, “Falsche Beschuldigungen” sagt der Artikel u. A.: “Die Anschul, digungen, die in dem in Prag stattfindenden Prozess gegen unseren Genossen Mordechai Oren und den Zionismus er. hoben wurden, haben ernste Besorgnis bei denen erregt, die treu den Ideen des chalutzischen Zionismus und So. zialismus anhaengen. Die Ma. pam, verbunden mit der sozialistischen Gedankenwelt, kann unter keinen' Umstaen. den die gegen Mordechai Oren vorgebrachten Behauptungen annehmen; sie hat kein Zweifel an der Sozialist!, sehen Treue Orens... und wenn die uns ueber das Ra. dio erreichenden Nachrichten genau sind, so sind wir Zeugen einies ernsten Versuches, einen unschuldigen Menschen zu beschmutzen und zusammen mit ihm die Befreiungsbewegung eines unterdrueck ten Volkes.. . Es ist schwer fuer uns, den' Sinn und Zweck zu verstehen warum der Zionismus in den Prager Prozess hinemgebracht wurde... und besonders seltsam erscheint es, dass gerade Slansky und die Anderen, die sich waehrend ihrer ganzen Laufbahn im Kommunismus als Gegner des Zionismus ausgezeichnet hatten, nun als Pruegel gegen eben diesen Zionismus ausge. nutzt werden, den sie immer verurteilt h a b em ...” Der ‘Mischmar1 verlangt dann die Freilassung Orens. Mit Ausnahme des kommunistischen “Kol Haam”, der die Mapam wegen dieses-Leit, artikels scharf angriff, war die allgemeine Reaktion im Land voll Verstaendnis und Sympathie fuer die Haltung der Mapam. Wie der ‘Davar’, die Tageszeitung der Hista. drut, unterstrich, hat sich eine solidarische Front im gan. zen Land gebildet gegen die anti-zionistischen Beschuldigungen des Prozesses. Neues zur Entschaedigungs gesetzgebung in Bayern Von MAX GRUENBAUM Das Land Bayern hat kuerzlich eine dritte und vierte Durchf uehrungsverord n u n g zu seinem Entschaedigungs. gesetz erlassen, die von besonderer Bedeutung sind. Die erste dieser beiden Verordnungen trifft genaue Bestimmungen ueber Hoehe, Zeit und Umrechnung der SOg. Ausgleichsentschaedigung bei Schaden im beruflichen Fortkommen. Es handelt sich dabei um die Entschaedigung, die ein Verfolgter fuer die Zeit von der Verdraengung aus seiner beruflichen Taetig. keit bis zu ihrer Wiederaufnahme oder vollen Entfaltung zu beanspruchen hat. Die Festsetzung der Hoehe einer solchen Entschaedigung stiess bisher im Hinblick auf die im Laufe d,er Zeit gaenzlich veraenderten Einkommens. und Wertverhaeltnisse auf grosse Schwierigkeiten und es lag schon seit langem auf der Hand, dafuer Ver. gleichsgehaelter zum Masstab zu nehmen. Dies ist nunmehr auf die Weise geschehen, dass nach der bayrischen dritten Dunchfuehrungsverord n u n g Verfolgte zwecks Festsetzung der Ausgleichentschaedigung entsprechend ihrer sozialen Stellung in vier Beamtenbe. soldungsgruppen mit aufsteigenden Gehaeltern einzureihen sind. -Die Vergleichsge. haelter fuer diese vier Gruppen sind in der Verordnung zahlenmaessig genau abgegrenzt. Es sind ausserdem auf aer Grundlage eines Hoechstalters Endzeitpunkte fuer die Gewaehrung der Ausgieichsentscnaeuigung getroffen worden, abgesehn von der Grenze, die darin besteht, dass die Entschaedigung nicht ueber den Zeitpunkt hinaus gewaehrt werden darf, in dem der Verfolgte die Moeglichkeit zur Wiederaufnahme oder vollen Entfaltung seiner beruflichen Tae. iigkeit hatte. Im Zweifel gilt als dieser Zeitpunkt der 1. Januar 1946. Die auf die Zeit vor der Waehrungsumstellung > 30. VI. 1948) entfallenden Be. traege werden im Verhaeltnis von 5:1 auf D-Mark umgerechnet. In gewissen Faellen kann an Stelle der Ausgleichs, entschaedigung eine lebens. laengliche Rente gewaehrt werden, die nach dem Reichsbewertungsgesetz zu berechnen ist. Mit der sofortigen Faellig. keit von Wiedergutmachungsanspruechen fuer Schaeden an Eigentum und Vermoegen, Sonderabgaben, Geldstrafen und Bussen befasst sich die vierte Durchfuehrungsverord. nung. Es sind nach Alter von 65 Jahren, Erwerbsbeschraen. kung mit prozentualen Mindestsatz. Wohlfahrtsunterstuetzte und andere Beduerf. tige vier Gruppen von An. spruchsberechtigten gebildet Weizmann und die Juden aus Der verewigte erste Praesident Israels unterhielt Zeit seines Lebens besonders herzliche Beziehungen zur zionistischen Bewegung in Deutschland und, darueber hinaus, zu dem, was einstmals als “deutsches Judentum” in seinen besten Erscheinungsformen bezeichnet werden konnte. Schorn den Studenten an der Technischen Hochschule zu Berlin. Charlottenourg zu Aniang der Neunziger Jahre verbano Freundschaft mit dem Kreise der national) uedischen Jugend, dem “russischen Studentenverein”, den es in jener vorherzl’schen Epoche bereits gab, welchem auch einige in Deutschland geborene junge Menschen angehoerten, und diese enge Verbindung mit spaeterhin sehr bekanntgewordenen Persoenüchkeiten wie Prof. Heinrich Loewe, Dr Arthur Hantke u. A. beglei. tete Chaim Weizmann durch sein ganzes Leben. Die wiederholten Reisen des Chemieprofessors in Manchester in ctem Letzten Jahrzehnt vor dem ersten Weltkriege zu Kongressen und Aktionscomi. tesitzungen nach dem Kontinent, vor allem nach Deutschland, wo, zuerst In Koeln und dann in Berlin, der Sitz der zionistischen Zentralinstanzen gewesen ist seine nie unterbrochene wissenschaftliche Beziehung zur miltteleurdpaeischen Gelehrtenweit, Hessen ihn den engen Kontakt mit den Junen in Deutschland aufrechterhalten. . i Erst der Kriegsausbrucn von 1914 brachte eine Unterbrechung dieser Verbindung. Doch kaum war Weizmann im Juli 1920 auf der Londoner Zionistischen Jahreskon. ferenz zum Praesidenten aer Zionistischen Weltorganisation gewaehlt worden, —de facto ist er dies zumindeste ns seit dem Jahre 1917 gewesen— kaum, dass wiederum die Moeglichkeit bestand, nach dem Kontinent zu reisen. als er seine Besuche in Deutschland wieder auf. nanm. Im Dezember des gleichen Jahres kam Weizmann erstmalig wiederum nach Berlin, wo er vom Reichspraesidenten und Reichskanzler (Ebert bezw. Dr. Wirth) offiziell empfangen wurde und mit grosser Herzlichkeit von den zionistischen Massen, welche die Philharmonie fuellten. Auch nichtzionistische Palaestinafreunde zeigten lebhaftes Interesse fuer den Mann, welcher den Loewenanteil am Erringen der historischen “Balfourdeklaration” hatte. Doch es gab auch einen Missklang inmitten dieser Harmonie: Die Berliner Juedische Gemeinde unter ihrem liberalen, sehr juedisch-bewussten. Vor. sitzenden, Geheimrat Dr. Ju. lius Stern, hatte zu Ehren Weidmanns unter (Hinzuziehung des rangaeltesten Geworden. die auf diesem Weg als bevorzugt behandelt werden sollen, und zwar in der Hoehe der Haelfte ihrer Ansprache bis zum Hoechstbetrag von DM 5.000.. Ferner hat das bayrische Finanzministerium die Auszahlung einer zweiten Rate der Haftentschaedigung angeordnet. Deutschland meinderabbiners, Dr. Samson Weisse, einen Empiang aurchgemehrt. der nachtraegüch von der liberalen Mehrheit in der Repraesentanz missbilligt (!) worden ist, was Stern verarilasste, zurueckzutreten. Doch einige Jahre spaeter, gelegentlich eines der weiteren Besuche in Deutschland, konnte die Grossloge “Biifc Brith” unter ihrem neuge. waehlten Praesidenten, Rabb. Dr. Baeck, bereits einen sehr feierlichen Begruessungsabend fuer Weizmann veranstalten. Noch viele Male, bis zum Schicksalsjahre 1 93 3, ist Weizmann nach Deutschland gekommen, auch andere ötaedte wie Hamburg, Bre. slau, Muenchen und Franktfurt besuchend. Unter seinei Mitwirkung entstand schon im Jahre 1922 ein “Neutrales Keren Hajessod-Comite”, in welchem Zionisten und Nichtzionisten harmonisch zusam menarbeiteten, ln diesem Kreise wurde auch das deutsche “Pro-Palaestina-Comite’ vorbereitet, das 1926 ins Leben gerufen wurde, und an dessen Spitze der ehemalige deutsche Botschafter in Washington, Graf Bernstorff, stand. Und hier war jene Atmospnaere vorhanden, durch die, aehnlich wie in Nordamerika. die Idee von der Erweiteiung der “Jewish Agency durch nichtzionistische Pa. laestinafreunde an Boden gewann. Ausser Oscar Wassermann und Leo Baeck. die zur Gruendungsversammlung der Jewish Agency im August 1929 in Zuerich erschienen, waren es Persoenüchkeiten wie Generalkonsul Eugen Landau. Bankier Dreyfuss, Justizrat Blau (Frankfurt a. M.). Dr. Alfred Neumeyer (Muenchen), Frau Dr. Lola Hahn.Warburg u.a.. mit de' nen Weizmann in jener Zeit die vorbereitenden Verhanalungen fuehrte. Auf Massenmeetings gab der Praesidem damals wiederholt wichtige Erklaerungen zur Lage ab, und einige Male nahm er auch an den traditionellen Herzl-JahTzeit-Feiern in Berlin teil. Vier oder fuenf Male fuehrte ihn der Weg zu bedeutsamen Tagungen des “Grossen^. Zionistischen . [Aktionscomites” nach Deutschland. und mit jedem Besuche nahm das Interesse gebildeter nicht juedischer Kreise am Zionismus zu. Durch Vermittlung eines hohen juedischen Beamten im Auswaertigen Amt. des Legationsrates Prof Moritz Sobernheim, veranstal tete der Staatssekretär von Schubert, ein Bewunderer Weizmann’s, Empfaenge fuer ihn und seine Mitarbeiter und vermittelte die Bekanntschaft mit Dr. Stresemann. Dass weite Schichten der deutschen Judenheit. der "Zentralverein”, die “Vereinigung fuer das liberale Juaentum” und die orthodoxe “Agudass Jisroel” der zionistischen Aktivitaet mit kalter Ablehnung gegenueber. standen, nicht ln die erwe! terte “Jewish Agency” hineingingen, ist bekannt, weniger allgemein bekannt duerfte die Tatsache sein, dass im Jahre 1928 Deutsch land. nach USA und Suedafrika, an der Spitze der Eingaenge fuer den Keren.Hajes. sod stand, was zum wesent liehen Teile der Taetigkelt Weizmanns zu danken ist. Seme tieie Sympathie fuer die zahlenmaessig nicht sehr grosse, aber gut-aurenorgam. sierte und kiug.geiuenrte, “Zionistische Vereinigung fuer Deutschland” veramasste einmal Weizmann,, iuer einen einzigen Tag nach Jena zu Kommen, um an wichtigen Beratungen der deutschen Zionisten teilzunehmen. Als das Unglueck des Jahres 1933 ueber die Judenheit Deutschlands hereinbrach, uebernanm Weizmann, damals oiine offizielles Amt, sofort die Leitung einer Kommission, welche sich die Erleichterung der Einordnung und Ansiedlung deutscher Juden in Erez Jisraei zur Auf. gäbe machte, und es war nicht zuletzt auf sein energisches Eingreifen zurueckzuiuehren, wenn nach den Novembertagen des Jahres 1938 die britische Regierung eine groessere Anzahl von Juden aus Deutschland nach England hereinliess. Chaim weizmann, fuer den juedischer Geist ein unabtrennbarer Bestandteil juedischen Seins gewesen ist» schaetzte ausserordentlich, was zur Erhaltung juedjscher Geisteswerte zu allen Zeiten getan worden ist. In der modernen “Wissenschaft des Judentums”, die im vergangenen Jahrhundert eine Bluete. zeit gerade in Deutschland erreicht hatte, waren es Re. praesentanten juedischen Geistes wie Graetz und Zunz. Hirsch und Geiger, Frankel, Lazarus und Steinthal und, aus unserer juengsten Epoche, Maenner wie Buber und Rosenzweig, die aus der Geschichte des juedischen Volkes nicht wegzudenken sind. Wenn Chaim Weizmann auf der Londoner “A. ¡C.” Sitzung vom August 1945 so ergreifend.schoene und tiefe Worte fuer den soeben aus Theresienstadt erretteten Dr. Leo Baeck, den Ehrengast jener Tagung, gefunden hatte, so war dies nicht nur eine Ehrung fuer einen alten Freund, sondern vor allem eine Verneigung vor dem Geist des Judentums, den dieser Gelehrte noch heute, als fast Achtzig] aehriger, zur Bewunderung seiner Zeitgenossen, repräsentiert. Curt Wilk l t (Schluss von Seite 7) schlecht erfuellt habe, sondern um dem ‘Fremden’ die Macht zu nehmen, wie wchitaetig sie auch immer sei. und sie selbst in Besitz zu nehmen. Dieser reaktionaeechauvinistische Charakter der Unruhen in Nordafrika geht unter anderem aus den Judenverfolgungen, die dort wieder an der Tagesordnung stehen, hervor, wie auch aus den Maennern, die sie organisiert haben oder sie gutheissen. Wo der Mufti einen heiligen Krieg zu erklaeren sich veranlasst fuehlt, den er ja bekanntlich auch einst mit Hilfe von kroatischen SS-Divisionen fuehren wollte, kann es sich nie um den wahren Fortschritt eines Volkes han. dein. Er gehoert zu den Kreisen, welche die einfachen Schichten der Araber mit Hilfe eines Hyper-Nationalismus fuer immer in den Ketten der Unwissenheit. Armut und Krankheit lassen moechten.